Franziskaner Kloster in Hall in Tirol: Das Schicksal des Franziskaner Klosters während der NS-Zeit5/28/2023 read more:(EN) The Franciscan Monastery in Hall Forced Closure and Seizure (EN) Forced Closure The Franciscan Monastery in Hall (EN) Bold Franciscan Friar (EN) Persecution of Franciscan friar(EN) Martyr Franz Reinisch (EN) Marianist Father Jakob Gapp (EN) Alois Flatscher Lesen Sie mehr:Aufhebung des Franziskaner Klosters in Hall in TirolFranziskaner PatresVerfolgte Franziskaner (EN) Martyr Franz Reinisch Marianisten Pater Jakob Gapp (EN) Alois Flatscher gedenkort.at/orte/dc4b84b4-0c63-4243-955d-105054305b78 Die Franziskaner Provinz für TirolDie Tiroler Franziskanerprovinz vom seligen Engelbert Kolland war eine Ordensprovinz der Franziskaner (OFM) für Tirol. Sie wurde 1580 gegründet und trug ab 2001 das Patrozinium des seligen Engelbert Kolland (1827–1860), eines Märtyrers von Damaskus. Seit 2007 ist sie Teil der Franziskanerprovinz Austria zum heiligen Leopold, die in Österreich und Südtirol tätig ist und den heiligen Leopold von Österreich als Patron hat. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Tiroler_Franziskanerprovinz franziskaner.members.cablelink.at/provinzarchiv/pa_home.html Foto: Franziskaner Kloster in Hall in Tirol. Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol. Das Franziskaner Kloster in Hall in Tirol/Solbad Hall (1938 - 1940)Bis zum Jahr 1938 war das Franziskaner Kloster in Hall in Tirol ein herausragendes Zentrum humanistischer Bildung, das seine Studierenden erfolgreich gegen ideologische Einflüsse von rechts immunisierte. Zahlreiche ehemalige Absolventen des Franziskanergymnasiums in Hall traten bereits bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 aktiv der NS-Ideologie entgegen. Lesen Sie mehr:franziskaner.at/hall-in-tirol/ de.wikipedia.org/wiki/Franziskanerkloster_Hall_in_Tirol Foto Franziskaner Kloster Innenhof. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanerkloster_Hall_in_Tirol#/media/Datei:Innenhof_Kloster_Hall.jpg (Stand: 25.5.2026) Das Franziskanerkloster Hall in Tirol unter dem NS-Regime Die Enteignung des Leopoldinums im Jahr 1938 Foto Leopoldinum - Studentenkonvent, Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol. Nach dem Einmarsch Adolf Hitlers in Österreich im März 1938 begann auch für das Franziskanerkloster in Hall in Tiroleine Zeit schwerer Verfolgung und Enteignung. Das von den Franziskanern seit nahezu 150 Jahren geführte Gymnasium im Solbad Hall durfte nur noch bis zum 2. Juli 1938 weiterbestehen. Bereits am 28. Juni 1938 verlangte der damalige Haller Bürgermeister Ing. Bauer telefonisch die Räumung einzelner Bereiche des Leopoldinums zugunsten des Reichsarbeitsdienstes. Wenige Wochen später, am 20. Juli 1938, erfolgte schließlich die offizielle Enteignung des Gymnasiums durch die nationalsozialistischen Behörden. Am 3. Oktober 1938 mussten die Franziskaner die Schlüssel des Leopoldinums an Edmund Christoph, den Stellvertreter des Gauleiters, übergeben. Damit endete gewaltsam ein bedeutendes Kapitel franziskanischer Bildungsarbeit in Tirol. Lesen Sie mehr:leopoldinum.tsn.at/geschichtliches-ueber-das-leopoldinum Dr. Walter Krajnc Der Abschied vom Allerheiligsten Am Morgen des 4. Oktober 1938 trug der damalige Regens, Pater Josef Calasanz Rosenhammer, das Allerheiligste aus der Kapelle des Leopoldinums. Dieser bewegende Moment wurde von seinen eindringlichen Worten begleitet: „Der Herr muss gehen, aber im Triumph wird er wieder einziehen!“ Die Worte Rosenhammers wurden später zu einem symbolischen Ausdruck der Hoffnung und des Glaubens in einer Zeit der Unterdrückung. Flucht vor der Gestapo und Mission in Bolivien Für Pater Rosenhammer blieb die Situation lebensgefährlich. Einer geplanten Verhaftung durch die Gestapo konnte er nur entgehen, indem er am 2. August 1939 in die bolivianische Mission auswanderte. Später wirkte er als Bischof des Apostolischen Vikariats Chiquitos in Bolivien und prägte dort über Jahrzehnte das kirchliche Leben nachhaltig. Lesen Sie mehr:mission.franziskaner.de/provinzkapitel-der-franziskaner-in-bolivien/ Franziskaner Pater Gabriel Haider Gewaltsame Aufhebung des Franziskaner Klosters in Hall in Tirol/ Solbad Hall 1940Enteignung des Franziskaner-MissionsmuseumsAm 1. April 1940 wurde das Franziskaner-Missionsmuseum in Hall in Tirol gewaltsam enteignet. Wenige Monate später folgte die vollständige Aufhebung des Franziskanerklosters in Solbad Hall – ein einschneidendes Ereignis, das die Ordensgemeinschaft völlig unvorbereitet traf. Der Zugriff der Gestapo auf das KlosterAm 30. September 1940 gegen 10 Uhr vormittags fuhr ein Polizeifahrzeug vor dem Kloster vor. Mehrere Gestapo-Beamte aus Innsbruck stiegen aus, begleitet von städtischen Arbeitern, die der SS angehörten. Insgesamt waren etwa zwölf bis fünfzehn Männer an der Aktion beteiligt. Kurz darauf traf auch der damalige Haller Bürgermeister, Ing. Heinz Bauer, ein. Der erste Franziskaner, der mit der Gruppe konfrontiert wurde, war Frater Andreas Puff (1912–1999). NS-Kommissar Busch erklärte mündlich: „Das Kloster wird aufgrund staatsfeindlicher Aktivitäten beschlagnahmt.“ Eine schriftliche Verfügung wurde den Franziskanern nicht vorgelegt. Vertreibung der Franziskaner binnen weniger Stunden Den Ordensangehörigen wurde befohlen, das Kloster innerhalb von nur zwei Stunden zu verlassen. Erlaubt war lediglich die Mitnahme persönlicher Gegenstände, die unter Aufsicht der Gestapo gesondert verpackt werden mussten. Während die rund fünfzig Klosterbewohner in großer Eile ihre wenigen Habseligkeiten zusammentrugen, erhielten sie mutige Unterstützung durch Klostersyndikus Andreas Moser, Bauer vom Unteren Brock in Solbad Hall. Für viele Haller Bürger bedeutete jede Hilfe für die Franziskaner ein erhebliches persönliches Risiko. Gegen etwa 17 Uhr verließ der letzte Franziskaner das Kloster. Zahlreiche Ordensmitglieder wurden dabei beschimpft und aufgefordert, ihr Ordensgewand abzulegen. Viele Franziskaner fanden später Zuflucht bei katholisch gesinnten Familien in Solbad Hall und der Umgebung. Plünderung des Klosters und Zerstörung kirchlicher KulturNoch während die Franziskaner ihre persönlichen Dinge sicherten, begann die Gestapo mit der systematischen Plünderung des Klosters. Die bedeutende Klosterbibliothek mit rund 25.000 Bänden wurde in das ebenfalls aufgehobene Prämonstratenserstift Wilten überführt. Zahlreiche wertvolle Einrichtungsgegenstände aus Kloster und Kirche gingen verloren oder wurden zerstört. Liturgische Geräte wie Kelche und Patenen wurden beschlagnahmt und im Tresor des Bürgermeisters verwahrt. Möbel, Kirchenbänke und sogar das barocke Heilige Grab wurden verheizt. Aus kostbaren liturgischen Gewändern fertigte man Theaterkostüme an. Auch für die Klosterkirche bestanden weitreichende Pläne der Nationalsozialisten: Nach dem Krieg sollte sie in eine Turnhalle mit Theaterbühne umgewandelt werden. Sakristei und Oratorium waren als Waschräume für die Jugend vorgesehen. Lesen Sie mehr:stift-wilten.at Dietrich OPraem Dominikus Plattner Anton OPAEM (1906-1958) Foto: Innenraum der Franziskaner Kirche in Hall in Tirol. Privatarchiv der Tiroler Franziskaner Provinz Hall in Tirol. Schändung des Klosters durch NS-Schergen In der Nacht nach der Vertreibung veranstalteten nationalsozialistische Funktionäre im Kloster eine sogenannte „Siegesfeier“. Dabei wurden Kelche und Hostienschalen geschändet und als Aschenbecher missbraucht. Die gewaltsame Aufhebung des Franziskanerklosters wurde anschließend durch eine Hetzversammlung in der Turnhalle von Solbad Hall propagandistisch gerechtfertigt. Foto Sakristei der Franziskaner Kirche in Hall in Tirol (1945). Privatarchiv der Tiroler Franziskaner Provinz in Hall in Tirol. Lesen Sie mehr:Aufhebung Franziskaner Kloster Hall in Tirol Prof. Dr. Franz Egger über die Vertreibung der Franziskaner aus Hall in Tirol Der Historiker und Zeitzeuge Prof. Dr. Franz Egger schilderte eindrucksvoll die dramatischen Ereignisse rund um die Auflösung des Franziskanerordens in Hall in Tirol während der Zeit des Nationalsozialismus. Zunächst wurden die Franziskaner aus dem traditionsreichen Gymnasium entfernt, das zugleich zu einer bloßen Oberschule herabgestuft wurde. Im Oktober 1940 folgte schließlich die gewaltsame Schließung der Klosterkirche. Das Gotteshaus wurde anschließend als Magazin des Gautheaters genutzt, während das Kloster selbst von den Nationalsozialisten besetzt und die Ordensgemeinschaft vertrieben wurde. Bereits zuvor hatten die NS-Behörden den in der Bevölkerung hochgeschätzten Pater Guardian Gaudenz Conci gemeinsam mit dem Pfortenbruder verhaften lassen. Anlass war ein Almosen, das er einem Bettler gegeben hatte, der angeblich als „Deserteur“ galt. Beide wurden für vier Monate inhaftiert. Im Zuge der Klosteraufhebung wurden zudem mehrere Franziskanerpatres verhaftet, darunter Pater Epiphan Redhammer, Direktor des Gymnasiums, Professor Dr. Rupert Dullnig, Florian Schachl sowie die Patres Gabriel Haider, Otto Matthys und Walter Rücker. Nach ihrer Haft wurden sie des Landes verwiesen. Auch die St.-Josefs-Missionare blieben von den Repressionen nicht verschont. Zu Ostern 1941 wurden auch sie ausgewiesen und ihr Besitz beschlagnahmt. Die Erinnerungen Franz Eggers dokumentieren eindrucksvoll die systematische Verfolgung kirchlicher Gemeinschaften in Tirol während der NS-Zeit und zeigen, wie tief die Eingriffe des Regimes das religiöse und gesellschaftliche Leben in Hall in Tirol erschütterten. Lesen Sie mehr:Franziskaner Pater Epiphan Redhammer FR Dr. Rupert Dullnig FR Pater Dr. Florian Schachl Franziskaner Pater Gabriel Haider FR Pater Otto Matthys FR Pater Walter Rücker Franziskaner Pater Gaudentius Conzi Von der Klosterschule zur nationalsozialistischen Erziehungsstätte:Mit der Vertreibung der Franziskaner aus Hall in Tirol begann für das ehemalige Leopoldinum eine neue, von der nationalsozialistischen Ideologie geprägte Epoche. Die traditionsreiche Klosterschule, die über Jahrzehnte das religiöse und humanistische Bildungsleben in Solbad Hall geprägt hatte, wurde nach der Aufhebung des Klosters gezielt in eine nationalsozialistische Erziehungsstätte umgewandelt. Zeitungsartikel jener Jahre verherrlichten die neue politische Ausrichtung als angeblich „richtigen Weg“ für die Jugend und propagierten die Entfernung der Patres als notwendigen Schritt zur nationalsozialistischen Neuordnung des Bildungswesens. Die religiöse Erziehung sollte durch ideologische Schulung im Sinne des Regimes ersetzt werden. Der folgende Artikel zeigt eindrucksvoll, mit welchen propagandistischen Mitteln die Nationalsozialisten die Vertreibung der Franziskaner rechtfertigten und die Gleichschaltung der Jugend in Tirol vorantrieben. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Foto Zeitungsausschnitt über die Aufhebung des Franziskaner Gymnasiums in Hall in Tirol. In Privatarchiv E. Walder Hall in Tirol. Lesen Sie mehr:Johanna Wagner Michael und Peter Zwetkoff Dr. Walter Krajnc Junge Katholiken im Widerstand
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