Nationalsozialismus in Hall in Tirol und in Tirol: NS-Widerstand,Verfolgung und Schicksale
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Johanna Wagner – Widerstandskämpferin in Hall in Tirol

Wagner, Dr. Johanna (1922-1990)

3/5/2023

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🇬🇧 Wagner-Johanna-Blog EN)

🇬🇧 (EN) Michael und Peter Zwetkoff

🇬🇧 socialist resistance in Hall in Tyrol

🇬🇧 Uffenheimer-- Dr. -Gottfried -Blog (EN)

Einleitung

Johanna „Hanna“ Wagner (1922–1990) gehörte zu den mutigen Frauen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Tirol. Bereits als Schülerin widersetzte sie sich offen der nationalsozialistischen Ideologie und nahm dafür schulische und persönliche Nachteile in Kauf. Später schloss sie sich dem Widerstandskreis um die Brüder Michael und Peter Zwetkoff an. Sie druckte und verteilte Flugblätter, versorgte Kriegsgefangene mit Lebensmitteln und übernahm gefährliche Kurierdienste. Nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo im November 1944 setzte sie erneut ihr Leben aufs Spiel, um ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu schützen.

Historischer Kontext

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurden Schulen und Universitäten konsequent nach nationalsozialistischen Grundsätzen ausgerichtet. Jugendliche sollten durch Unterricht, Propaganda und verpflichtende Organisationen im Sinne der NS-Ideologie erzogen werden. Offener Widerspruch konnte Schulverweise, berufliche Nachteile, Überwachung und Verfolgung nach sich ziehen.
Johanna Wagner kam im Februar 1939 im Alter von 17 Jahren von Berlin nach Hall in Tirol. Wegen ihrer offen antinationalsozialistischen Haltung geriet sie bald in Konflikt mit den Schulbehörden und erhielt ein Schulverbot. Auch dem Wunsch ihres Vaters, eine nationalsozialistisch geprägte Internatsschule zu besuchen, widersetzte sie sich. Schließlich konnte sie ihre Ausbildung in Schwaz fortsetzen und 1942 die Matura ablegen.
Als Johanna Wagner 1943 nach Hall zurückkehrte, um in Innsbruck Medizin zu studieren, schloss sie sich dem Widerstandskreis der Brüder Michael und Peter Zwetkoff an. Kleine, miteinander verbundene Widerstandsgruppen versuchten damals, Verfolgte und Kriegsgefangene zu unterstützen, Informationen weiterzugeben, Flugblätter herzustellen und Vorbereitungen für das Ende der NS-Herrschaft zu treffen. Bereits solche Tätigkeiten galten als schwere politische Verbrechen und konnten mit der Einweisung in ein Konzentrationslager oder mit dem Tod bestraft werden.
Johanna Wagner druckte in ihrer Wohnung Flugblätter und beteiligte sich an deren Verteilung. Sie versorgte Kriegsgefangene mit Lebensmitteln und führte gefährliche Kurierfahrten durch. Für die Widerstandsgruppe in Piburg im Ötztal transportierte sie mit dem Fahrrad Lebensmittel, Waffen und Munition über eine Strecke von rund 77 Kilometern.
Am 7. November 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet und bis zum 19. Jänner 1945 in Innsbruck gefangen gehalten. Während der Verhöre nahm sie die Verantwortung auf sich, um andere Mitglieder der Gruppe zu schützen. Eine drohende Überstellung an den Volksgerichtshof in Wien brachte sie in unmittelbare Lebensgefahr. Indem sie eine psychische Erkrankung vortäuschte, die von einem befreundeten Arzt bestätigt wurde, konnte sie dem Verfahren und einer möglichen Hinrichtung entgehen.
Nach 1945 wurde ihr Einsatz von Anton Haller, dem Leiter der Haller Widerstandsbewegung, ausdrücklich bestätigt. Dennoch blieb Johanna Wagners Geschichte lange Zeit weitgehend unbekannt. Ihr Schicksal steht beispielhaft für die vielfach übersehenen Frauen im österreichischen Widerstand und für das jahrzehntelange Schweigen über nicht religiös motivierte Formen des Widerstands.

Lesen Sie mehr: 

www.geschichtewiki.wien.gv.at/Schule_im_Nationalsozialismus

www.doew.at/erkennen/ausstellungen/online-ausstellungen/anschluss-1938/jugend-im-nationalsozialismus/die-schule-als-institution-der-ns-erziehung

www.ooegeschichte.at/archiv/epochen/nationalsozialismus/jugend/schuljugend

Aufhebung_ Franziskaner_ Kloster Hall in Tirol

Johanna Wagner – Eine junge Frau im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Johanna (Hanna) Wagner war eine mutige junge Frau, die sich bereits als Schülerin gegen das nationalsozialistische Regime stellte. In Tirol schloss sie sich dem Widerstand an, unterstützte verfolgte Personen, verbreitete Flugblätter und riskierte dabei ihr Leben. Ihr Handeln wurde nach dem Krieg offiziell als besonders mutig anerkannt.

Johanna Wagner – Une jeune femme dans la résistance au national-socialisme

Johanna (Hanna) Wagner était une jeune femme courageuse qui s'opposa au régime nazi dès son adolescence. En Tyrol, elle rejoignit la Résistance, soutint des personnes persécutées, distribua des tracts et risqua sa vie. Son engagement héroïque fut officiellement reconnu après la guerre.
Schwarz-Weiß-Porträt von Johanna Wagner als junge Frau. Die vermutlich blonden, lockigen Haare umrahmen ihr ausdrucksstarkes Gesicht. Sie blickt lächelnd direkt in die Kamera; die Aufnahme zeigt sie als Brustbild.
Porträt von Johanna Wagner. Quelle: Tiroler Landesarchiv, ATLR Va.+Vf.-Opferfürsorge 1148.

Johanna Wagner (1922-1990)

Jugendjahre und Konflikt mit dem Nationalsozialismus

Die 17-jährige Johanna „Hanna“ Wagner kam im Februar 1939 von Berlin nach Hall in Tirol, das damals häufig noch als „Solbad Hall“ bezeichnet wurde. Sie besuchte die „Oberschule für Jungen und Mädchen“, das frühere Franziskaner-Gymnasium. Dort lernte sie Peter Zwetkoff kennen und geriet schon früh wegen ihrer offen antinationalsozialistischen Haltung ins Visier der Schulbehörden.
Ihre kritischen Äußerungen gegenüber dem NS-Regime wurden dem Schuldirektor Prof. Karl Cora (1880–1966) gemeldet, einem überzeugten Nationalsozialisten. Daraufhin erhielt Johanna Wagner ein Schulverbot.
„Ihre Ansichten wurden dem Schuldirektor, einem glühenden Nationalsozialisten, zugetragen …“
(E-Mail Harald Stockhammer, 26. Mai 2024)

Widerstand gegen die nationalsozialistische Erziehung

Ihr Vater meldete Johanna an der nationalsozialistisch geprägten Internatsschule Salem in Baden-Württemberg an. Sie verweigerte jedoch den Besuch dieser Erziehungsanstalt und blieb zunächst in Tirol. Schließlich kehrte sie zu ihrer Mutter nach Berlin zurück, um vor dem Jugendgericht ihr Recht auf Unterhaltszahlungen durchzusetzen, die ihr Vater ihr verweigert hatte.
Das Gericht sprach ihr den Unterhalt zu. Danach kehrte Johanna erneut nach Tirol zurück und konnte schließlich an der „Oberschule für Jungen und Mädchen“ in Schwaz – dem ehemaligen Paulinum – ihre Matura ablegen.
Quelle: E-mail: Sabine Wallinger vom 30. Mai 2024.

Lesen Sie mehr:

Josef_ Anton_King

paulinum.tsn.at

www.gdw-berlin.de

Eintritt in den Widerstandskreis der Brüder Zwetkoff

1943 kam Johanna Wagner wieder nach Hall in Tirol zurück, um ein Medizinstudium in Innsbruck zu beginnen. Dort begegnete sie Michael Zwetkoff erneut. Aus gemeinsamen Lerntreffen entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit innerhalb des Widerstandskreises der Brüder Zwetkoff.
Johanna entschloss sich, aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime teilzunehmen. In ihrer Wohnung in Hall druckte und verteilte sie Flugblätter. Zudem unterstützte sie Kriegsgefangene mit Lebensmitteln und beteiligte sich an gefährlichen Kurierdiensten.
Besonders bemerkenswert war ihr Einsatz für die Widerstandsgruppe in Piburg im Ötztal: Mit dem Fahrrad transportierte sie Lebensmittel, Waffen und Munition über eine Strecke von rund 77 Kilometern. Die Waffen stammten von einer sozialistischen Widerstandsgruppe aus Reichsbahn-Bediensteten, die – wie Johanna selbst – in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten.

Lesen Sie mehr:

Michael und Peter Zwetkoff

Sozialistischen und Kommunisten im Widerstand

Verhaftung durch die Gestapo

Am 7. November 1944 wurde Johanna Wagner von der Gestapo verhaftet und bis zum 19. Jänner 1945 in Innsbruck inhaftiert. Während der Verhöre übernahm sie die gesamte Verantwortung auf sich, um andere Mitglieder der Widerstandsgruppe zu schützen.
Sie sollte anschließend vor den Volksgerichtshof nach Wien gebracht werden – ein Verfahren, das häufig mit einem Todesurteil endete. Durch das Vortäuschen einer psychischen Erkrankung, bestätigt von einem befreundeten Arzt, gelang es ihr jedoch, der Hinrichtung zu entgehen.

Lesen Sie mehr:

Dr. Gottfried Uffenheimer

Andergassen -Heinrich -(Teil I)

Anerkennung nach dem Krieg

Nach Kriegsende wurde Johanna Wagners außergewöhnlicher Einsatz offiziell gewürdigt. Anton Haller, Leiter der Haller Widerstandsbewegung, bestätigte ihr:
„… dass sie sich in der österreichischen Widerstandsbewegung im höchsten Ausmaße unter mehrmaligem Einsatz ihres Lebens bewährt hat.“
(Tiroler Landesarchiv ATLR Va.+Vf.-Opferfürsorge 1148)
Johanna Wagner zählt heute zu den mutigen Frauen des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Ihr Engagement, ihre Zivilcourage und ihr persönliches Risiko machen sie zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Tiroler Zeitgeschichte.

Lesen Sie mehr:

Anton Haller Widerstandsgruppe

Zusammenfassung

Johanna Wagner widersetzte sich bereits als Jugendliche der nationalsozialistischen Erziehung. Während ihres Medizinstudiums schloss sie sich in Hall in Tirol dem Widerstandskreis um Michael und Peter Zwetkoff an. Sie stellte Flugblätter her, unterstützte Kriegsgefangene und transportierte Lebensmittel, Waffen und Munition für eine Widerstandsgruppe im Ötztal.
Nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo im November 1944 übernahm sie bei den Verhören die Verantwortung, um andere Mitglieder der Gruppe zu schützen. Nur durch eine vorgetäuschte Erkrankung entging sie der Überstellung an den Volksgerichtshof und möglicherweise einem Todesurteil. Obwohl ihr mutiger Einsatz nach dem Krieg offiziell bestätigt wurde, blieb ihre Geschichte jahrzehntelang nahezu unbekannt. Heute erinnert ihre Biografie an die bedeutende und lange unterschätzte Rolle von Frauen im Tiroler Widerstand.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer war Johanna Wagner?

Johanna „Hanna“ Wagner (1922–1990) war eine Tiroler Widerstandskämpferin gegen das nationalsozialistische Regime. Sie gehörte dem Widerstandskreis um die Brüder Michael und Peter Zwetkoff an.

Wie widersetzte sich Johanna Wagner bereits als Schülerin dem Nationalsozialismus?

Johanna Wagner äußerte offen ihre Ablehnung des NS-Regimes. Nachdem ihre kritischen Aussagen der Schulleitung gemeldet worden waren, erhielt sie ein Schulverbot. Sie weigerte sich außerdem, eine nationalsozialistisch geprägte Internatsschule zu besuchen.

Welche Aufgaben übernahm Johanna Wagner im Widerstand?

Sie druckte und verteilte Flugblätter, versorgte Kriegsgefangene mit Lebensmitteln und übernahm Kurierdienste. Mit dem Fahrrad transportierte sie Lebensmittel, Waffen und Munition für eine Widerstandsgruppe in Piburg im Ötztal.

Wann wurde Johanna Wagner von der Gestapo verhaftet?

Die Gestapo verhaftete sie am 7. November 1944. Bis zum 19. Jänner 1945 wurde sie in Innsbruck gefangen gehalten und verhört.

Wie schützte Johanna Wagner andere Mitglieder der Widerstandsgruppe?

Während der Gestapo-Verhöre nahm sie die Verantwortung auf sich, um ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter nicht zu belasten. Damit setzte sie ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Wie entging Johanna Wagner dem Volksgerichtshof?

Ihr drohte die Überstellung an den Volksgerichtshof in Wien. Durch das Vortäuschen einer psychischen Erkrankung, die ein befreundeter Arzt bestätigte, konnte sie dem Verfahren und einer möglichen Hinrichtung entgehen.

Warum blieb ihre Geschichte so lange unbekannt?

Johanna Wagner und ihre engsten Mitstreiter sprachen nach dem Krieg kaum öffentlich über ihre Tätigkeit. Besonders nicht religiös motivierter Widerstand fand in der Tiroler Erinnerungskultur lange wenig Beachtung. Erst spätere Forschungen machten ihren Einsatz wieder sichtbar.

Welche Bedeutung hat Johanna Wagner für die Tiroler Zeitgeschichte?

Ihre Lebensgeschichte belegt die wichtige Rolle von Frauen im Widerstand. Sie steht für Zivilcourage, persönliche Verantwortung und die Bereitschaft, trotz Lebensgefahr Verfolgten und Widerstandsgruppen zu helfen.

Das lange Schweigen über Johanna Wagner und den Tiroler Widerstand

Die Geschichte von Johanna Wagner blieb über Jahrzehnte nahezu unbekannt. Obwohl sie während der Zeit des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Widerstand leistete, fand sie lange keinen Platz im öffentlichen Tiroler Erinnerungskultur. Die Historikerin Sabine Wallinger verweist darauf, dass insbesondere nicht religiös motivierter Widerstand nach 1945 häufig verschwiegen und gesellschaftlich tabuisiert wurde. Johanna Wagner selbst sprach kaum über ihre Erlebnisse in der NS-Zeit. Erst durch spätere Recherchen wurde ihr mutiger Einsatz für die Widerstandsbewegung sichtbar gemacht.
„Im Tiroler Widerstandsnarrativ nimmt Johanna Wagner keinen Platz ein. Weder sie noch ihre engsten Mitkämpfer haben sich später öffentlich laut zu ihren Untergrundaktivitäten geäußert. Widerstand gegen das Nazi-Regime blieb schambehaftet, besonders, wenn er nicht religiös motiviert war.“
(Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner – Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4–A5)

Johanna Wagner in: ​Wallinger, Sabine (2022): „Die Borniertheit des Nationalsozialismus“. In: Der Standard (Beilage Album), 10.12.2022, A4 - A 5.

Zitat:
​„Im Tiroler Widerstandsnarrativ nimmt Johanna Wagner keinen Platz ein. Weder sie noch ihre engsten Mitkämpfer haben sich später öffentlich laut zu ihren Untergrundaktivitäten geäußert. Widerstand gegen das Nazi-Regime blieb schambehaftet, besonders, wenn er nicht religiös motiviert war. Obwohl ich mit Johanna jahrelang befreundet war, erwähnte sie mir gegenüber nur einmal, sie habe `damals` für hungernde Kriegsgefangene Knödel gerollt und sei dafür mit Freunden in Gestapo Haft geraten.“
​
(
Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner: Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte. Eine Geschichte über das Nachkriegsschweigen und eine Frau, die ihr Leben riskierte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4 – A5. Online unter,{ https://www.derstandard.at/story/2000141651709/johanna-wagner-die-mitmaschinenpistolen-ins-oetztal-radelte}, (Stand 26.5.2024)
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Sabine Wallinger, Johanna Wagner: „Die Borniertheit des Nationalsozialismus“ in: Horst Schreiber/Elisabeth Hussl (Hrsg.), Michael Gaismair Jahrbuch 2024. Online unter, {https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/gaismair-jahrbuch-2024-alles-in-ordnung}, (Stand 2. Juni  2024)
Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner: Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte. Eine Geschichte über das Nachkriegsschweigen und eine Frau, die ihr Leben riskierte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4 – A5. Online unter,{ https://www.derstandard.at/story/2000141651709/johanna-wagner-die-mitmaschinenpistolen-ins-oetztal-radelte}, (Stand 26.5.2024)
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Quelle: Anita Pfister/Paul Schäfer, Die Widerstandsgruppe um Michale und Peter Zwetkoff, in: Larcher, Agnes, (Hrsg.), Untersuchungen zur Haller Widerstandsbewegung zwischen 1938 – 1945. Gemeinschaftsarbeit der Schüler des III. Jahrgangs der Haller Bundes-Handelsakademie Hall in Tirol im Rahmen der Aktion „Schüler forschen Zeitgeschichte.“ Hall in Tirol 1978, S. 26-33, hier S. 29-33.
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Quelle: Maturazeugnis Johanna Wagner, vom 24.3.1942, in: Privatarchiv Sabine Wallinger.
Quelle: TLA Ansuchen um Staatsbürgerschaft Johanna Wagner 1946, in: Privatarchiv Sabine Wallinger.
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Quelle: TLA, Ansuchen um Staatsbürgerschaft 1946 von Johanna Wagner, in: Privatarchiv Sabine Wallinger.

Johanna Wagner (1957) in Riga/Lettland

Einleitung

Die drei Fotografien aus dem Jahr 1957 zeigen Johanna Wagner bei einem internationalen Motocross-Rennen in Riga. Sie dokumentieren unterschiedliche Momente ihrer Teilnahme: auf der Rennmaschine mit der Startnummer 8, während des Wettkampfs mit einer weiteren Fahrerin und im Gespräch mit einer russischsprachigen Dolmetscherin. Die Aufnahmen geben einen seltenen Einblick in Johanna Wagners sportliche Laufbahn und zeigen sie als selbstbewusste Motorsportlerin in einem damals noch stark von Männern geprägten Umfeld.
Schwarz-Weiß-Fotografie von Johanna Wagner auf einer Motocross-Maschine mit der deutlich sichtbaren Startnummer 8 beim internationalen Motocross-Rennen in Riga im Jahr 1957.
Johanna Wagner auf ihrer Motocross-Maschine mit der Startnummer 8 beim internationalen Motocross-Rennen in Riga, 1957. Quelle: Privatarchiv Sabine Wallinger.
Schwarz-Weiß-Aufnahme zweier Motorradrennfahrerinnen beim Motocross-Rennen in Riga. Johanna Wagner fährt voraus; unmittelbar hinter ihr folgt eine weitere Fahrerin mit der Startnummer 7.
Johanna Wagner beim internationalen Motocross-Rennen in Riga, gefolgt von einer Fahrerin mit der Startnummer 7, 1957. Quelle: Privatarchiv Sabine Wallinger.
Schwarz-Weiß-Fotografie der sitzenden Johanna Wagner neben einer Dolmetscherin. Die Dolmetscherin spricht mit ihr und legt den rechten Arm um ihre Schulter, während Johanna Wagner ihr aufmerksam zuhört.
Johanna Wagner im Gespräch mit einer russischsprachigen Dolmetscherin beim internationalen Motocross-Rennen in Riga, 1957. Quelle: Privatarchiv Sabine Wallinger.

Historischer Kontext

Die drei Fotografien entstanden 1957 bei einem internationalen Motocross-Rennen in Riga, der Hauptstadt der damaligen Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik innerhalb der Sowjetunion. Sie zeigen Johanna Wagner nicht nur als aktive Motorsportlerin, sondern dokumentieren zugleich die Teilnahme von Frauen an einer Sportart, die in den 1950er-Jahren noch weitgehend von Männern geprägt war.
Wagners Start auf internationaler Ebene war daher sportlich wie gesellschaftlich bemerkenswert. Die Aufnahmen vermitteln unterschiedliche Eindrücke des Ereignisses: Johanna Wagner auf ihrer Maschine mit der Startnummer 8, im unmittelbaren Wettkampf mit einer weiteren Fahrerin sowie im persönlichen Gespräch mit einer Dolmetscherin. Das letzte Foto verweist auf die sprachlichen und kulturellen Begegnungen, die internationale Sportveranstaltungen auch während des Kalten Krieges ermöglichten.
Die Bilder aus dem Jahr 1957 sind somit nicht nur Zeugnisse der sportlichen Laufbahn Johanna Wagners. Sie dokumentieren auch weibliche Selbstständigkeit, Mut und grenzüberschreitende Begegnungen in einer politisch angespannten Epoche.
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin
    ​


    Archive

    Tiroler Landesarchiv 
    ATLR Va.+Vf.-Opferfürsorge 1148


    Stadtarchiv Hall in Tirol
    Meldedaten Johanna Wagner in

    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands


    Elisabeth Klamper: NS-Terror. Morde und Misshandlungen. In: Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (1). Wien/München 1984, S. 531- 552, hier S. 547.

    Zeugenaussage der Auguste Feldmeier aus Innsbruck vor dem LG Innsbruck als Volksgericht betreffend Folterungen von Französischen, Russischen, Polnischen und Österreichischen Widerstandskämpfern durch die Gestapo Innsbruck. 19.1.1948 (80), LG Innsbruck, 10 Vr 17.145/47; DÖW E 18509, In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945. Eine Dokumentation (1 ). Wien/München 1984, S. 546-548, hier 547.

    Privatarchiv Sabine Wallinger

    Quelle: Maturazeugnis Johanna Wagner, vom 24.3.1942. In: Privatarchiv Sabine Wallinger.

    Drei Fotografien von Johanna Wagner beim Internationalen Motocross-Motorrad Rennen in Riga, 1957. In: Privatarchiv Sabine Wallinger.
    ​

    Quelle: TLA Ansuchen um Staatsbürgerschaft Johanna Wagner 1946. In: Privatarchiv Sabine Wallinger.


    Publikationen: 

    Wallinger, Sabine : Johanna Wagner: „Die Borniertheit des Nationalsozialismus“ In:  Schreiber,Horst/Hussl,Elisabeth  (Hrsg.): Michael Gaismair Jahrbuch 2024. Online unter: {https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/gaismair-jahrbuch-2024-alles-in-ordnung} (Stand: 2. Juni  2024)

    Pfister, Anita/Schäfer Paul: Die Widerstandsgruppe um Peter und Michael Zwetkoff. In: 
    Larcher, Agnes, (Hrsg.): Untersuchungen zur Haller Widerstandsbewegung zwischen 1938 – 1945. Gemeinschaftsarbeit der Schüler des III. Jahrgangs der Haller Bundes-Handelsakademie Hall in Tirol im Rahmen der Aktion „Schüler forschen Zeitgeschichte.“ Hall in Tirol 1978, S. 26-33, hier S. 29-33.

    Von Hartungen, Christoph:  Ein deutsches Schicksal. Die Lebensgeschichte des Josef  Noldin im Tatsachenroman Franz Ruckers  (alias Franz Zangerl). In:  Hartungen,Christoph von/Sparber,Alois   (Hrsg.): Josef Noldin - Sein Opfermut - sein Nachwirken - Impegno Missione - Epilogo. Bozen 2009, S. 273 - 299.

    Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol

    (Karl Coras Neffe war Franz Rucker, alias Franz Zangerl jun., den Hartungen unter dem Pseudonym Franz Rucker  vermutet. Karl Coras Sohn, Helmut Cora, wurde bei der Höttinger Saalschlacht auf der Seite der Nationalsozialisten stehend, schwer verletzt. Er erhielt nach dem Anschluss Österreichs für die Verwundung den Blutorden verliehen. Nach 1945 steht Helmut Cora auf der Ausbürgerungsliste, daraufhin verlor sich seine Spur. 
    Karl Coras Haus in Absam wurde 1950 zur Hälfte von der Regierung enteignet, aber nach 1955 wurde die Beschlagnahme wieder gelöscht. (Grundbuch: Absam EZ 773II, heute  Krippstraße 30. LG 5Vr 336/47 am 15. Juni 1950- Beschlagnahme Hälfte Hausanteil) In: E-Mail Harald Stockhammer, 26.5.2024, In: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol. 


    Zeitungsartikel:

    Wallinger, Sabine : Frauen im Widerstand. Johanna Wagner. Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte. Eine Geschichte über das Nachkriegsschweigen und eine Frau, die ihr Leben riskierte. In: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4 – A5. Online unter:  https://www.derstandard.at/story/2000141651709/johanna-wagner-die-mitmaschinenpistolen-ins-oetztal-radelte (Stand 26.5.2024)
    ​
    Quelle:
    ​E-Mail vom 26.5.2024 Harald Stockhammer: Karl Cora. In: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol.

    E-Mail vom 23.1.2024 Anton Walder: Karl Cora. In: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol.
    ​

    Aktualisierung:
    ​Juli 2026

    March 2023

    Zeitgeschichte
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