"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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The Prophecy of 720: Forgotten Resistance of Three Tyrolean Women Against Hitler
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Die Prophezeiung von 720: Vergessener Widerstand von drei Tiroler Frauen gegen Hitler

5/8/2026

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Eine mysteriöse Schrift aus dem 8. Jahrhundert als Waffe gegen das NS-Regime

Während des Zweiten Weltkriegs wagten drei einfache Frauen aus Absam in Tirol etwas, wovor viele zögerten: Sie verbreiteten eine angebliche Prophezeiung aus dem Jahr 720 n. Chr., die das NS-Regime unmissverständlich als das Werk des Antichristen entlarvte. Was wie eine fromme Legende klingt, entpuppt sich als clever verschlüsselter Widerstandsakt – mit schwerwiegenden Folgen.

Der Inhalt der Prophezeiung: Ein düsteres Orakel mit klarer Botschaft

Die Schrift, die Julie Huber 1941 von der bereits verstorbenen Kordula Geiger erhalten hatte, enthielt folgende bemerkenswert präzise Vorhersagen:
„Es kommt die Zeit, da Germanien das kriegerische Volk genannt wird. Aus seinem Schoß wird ein Krieger hervorgehen, der einen Weltkrieg entfesselt. Die Völker werden ihn Antichrist nennen. [...] Der Krieg, den er entfesselt, wird der schrecklichste sein, den die Menschen je gesehen haben.“
Die Prophezeiung gliederte den Kriegsverlauf in drei Phasen:
Erste Phase – Blutige Siege: „Gegen Mitte des 6. Monats des zweiten Kriegsjahres wird der Eroberer den Höhepunkt seines Triumphes erreicht haben. Die erste Periode, die Periode der blutigen Siege, ist vorbei. Er glaubt, seine Bedingungen diktieren zu können.“
Zweite Phase – Verkleinerungen: „Die zweite Periode gleicht an Dauer der ersten. Sie kann die Periode der Verkleinerungen genannt werden. Sie wird reich sein an Überraschungen. Gegen die Mitte werden die dem Eroberer unterworfenen Völker nach Frieden rufen, er kommt aber nicht. Ein großer Kampf findet statt in der Stadt der Städte. In dieser Zeit werden viele der Seinigen ihn steinigen wollen. Es werden viele Dinge im Orient geschehen.“
Dritte Phase – Invasion und Niedergang: „Die dritte Periode wird von kurzer Dauer sein. Es ist die Periode der Invasion. Von allen Seiten werden die Völker in das Land des Eroberers eindringen. Sein Heer wird von einem großen Übel heimgesucht werden. Alle werden sagen, hier ist der Finger Gottes. Das Szepter wird in eine andere Hand übergehen, und alle werden sich freuen.

Vom Kirchgang ins Gefängnis: Die Verbreitung der Hetzschrift

Die Weitergabe der Prophezeiung folgte einem einfachen, aber gefährlichen Muster: Auf dem Heimweg vom Kirchgang übergab Julie Huber ihrer Bekannten Elisabeth Hafner die Schrift. Elisabeth fertigte eine Abschrift an und gab ihre Kopie an Rosa Brindlmayer weiter – mit der Bitte um Vervielfältigung.
Die entscheidende Wende kam im November oder Dezember 1942. Der Theologiestudent und Wehrmachtssoldat Peter Klingler traf während eines Urlaubsbesuchs Rosa Brindlmayer. Bei einem Gespräch über die Dauer des Krieges las Klingler aus der Prophezeiung sogenannte „Heilandsworte“ vor und bat um eine maschinengeschriebene Abschrift – um sie seinen Kameraden an der Front zu zeigen.

Die Verhaftung: Eine Denunziationsfalle in Serbien

Peter Klingler geriet in Serbien in eine verhängnisvolle Denunziationsfalle, als er die Schrift unter seinen Kameraden verbreitete. Die Gestapo nahm daraufhin Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer fest. Die drei Frauen gaben die Verbreitung der Prophezeiung sofort zu.

Das Urteil: Mehrjährige Haftstrafen wegen Wehrkraftzersetzung

Am 20. Mai 1943 wurden die drei Absamer Frauen wegen Wehrkraftzersetzung und Verbreiten von Hetzschriften zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hatten das NS-Regime als Werk des Antichristen gebrandmarkt und den von Deutschland entfesselten Krieg als den schrecklichsten aller Zeiten verurteilt.

Historische Quelle und Bedeutung

Diese Dokumentation beruht auf Dokument Nr. 8779 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Prophezeiung von 720 ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie religiöse Sprache als verschlüsselter Protest gegen ein menschenverachtendes Regime genutzt wurde – und welchen Preis mutige Menschen dafür zu zahlen hatten.

Fazit: Ein vergessenes Kapitel des Tiroler Widerstands

Die Geschichte von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer zeigt, dass Widerstand gegen das NS-Regime nicht nur von großen politischen Organisationen ausging, sondern auch von einfachen Frauen, die in einer scheinbar frommen Prophezeiung eine Waffe gegen die nationalsozialistische Diktatur erkannten – und bereit waren, dafür ihre Freiheit zu riskieren.
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    Autorin 
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archive
    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945. Eine Dokumentation (1+2). Wien/München 1984.

    Primary Source Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): Dokument Nr. 8779. (This is the core archival source documenting the case of the three women from Absam, including the text of the Prophecy of 720 and the trial records.)

    Secondary Literature Scheuer, Manfred: Kraft zum Widerstand. Glaubenszeugen im Nationalsozialismus. Tyrolia Verlag, Innsbruck 2017. ISBN: 978-3-7022-3649-6.  Relevance: This volume contains biographies of Catholic resistance figures, including Otto Neururer and Carl Lampert, both of whom were murdered by the Nazi regime. It provides essential context on the religiously motivated resistance in Tyrol and Vorarlberg under Gauleiter Franz Hofer.

    Hormayr, Gisela: *„Die Zukunft wird unser Sterben einmal anders beleuchten“. Opfer des katholisch-konservativen Widerstands in Tirol 1938–1945*. StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2015.  Relevance: A comprehensive study on victims of Catholic-conservative resistance in Tyrol between 1938 and 1945, particularly relevant for understanding the specific context of Nazi persecution of the Church in Tyrol under Gauleiter Hofer and the fates of figures like Carl Lampert.

    ​Gohm, Richard: *Selig, die um meinetwillen verfolgt werden: Carl Lampert, ein Opfer der Nazi-Willkür 1894-1944*. Tyrolia Verlag, Innsbruck-Wien 2008.  Relevance: A detailed biography of Dr. Carl Lampert, the Provicar of Innsbruck-Feldkirch who was sentenced to death by the Nazi military court and beheaded in 1944. Essential reading for understanding the severe persecution of Catholic clergy in Tyrol-Vorarlberg. Online Resources / Further Documentation Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): www.doew.at Relevance: The DÖW archives contain extensive documentation on Austrian resistance against National Socialism, including the Gestapo and court records mentioned in this article. Document No. 8779 is directly cited as the source for the Prophecy of 720 case.
    Biografia – Biografische Datenbank des österreichischen Widerstands: biografia.sabiado.at Relevance: This database contains biographical entries on resistance figures, including women charged under the "Heimtückegesetz" (Treachery Act) and "Wehrkraftzersetzung" for similar acts of dissent. Examples include entries on Elisabeth Dengg  and Hermine Gerstner . erinnern:at – Zeitpunkte erinnern (Carl Lampert): www.zeitpunkte.at Relevance: This memorial project documents the fates of individuals murdered during the Nazi era. The page on Carl Lampert provides detailed biographical information and sources on his arrest, imprisonment, and execution.

    May 2026

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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