read more:Socialist and communist resistance in Hall in TyrolJohanna WagnerMichael and Peter ZwetkoffFranz Rudolf HüttenbergerStadtarchiv/Bildarchiv Hall in Tirol, 14_2-2, Vizebürgermeister Josef Terrabona, BB-Pensionist. Historischer KontextNach ihrem Verbot im Jahr 1934 durch die Regierung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß hatte sich die sozialistisch-kommunistische Widerstandsbewegung daran gewöhnt, im Untergrund zu agieren. Im Falle von Verhaftungen wandten sich die betroffenen Mitglieder häufig an den Innsbrucker Rechtsanwalt Gottfried Uffenheimer, der vielfach unentgeltlich ihre Verteidigung übernahm. Zu den Aktivitäten der Bewegung zählten das Verteilen von Flugblättern sowie das Anbringen von Hammer-und-Sichel-Symbolen an Hauswänden, um ihre fortbestehende Präsenz sichtbar zu machen. Den Schwerpunkt bildeten propagandistische Maßnahmen, die sowohl mündlich als auch schriftlich umgesetzt wurden. Dank dieser bereits vor 1938 geleisteten Untergrundarbeit konnten die einzelnen Zellen ihre sozialistisch-kommunistische Agitation nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahtlos fortsetzen und aktiv zur Bekämpfung des Regimes beitragen. Lesen Sie mehr:Dr. Engelbert DollfußDipl. Ing. Dr. Karl GruberZusammensetzung und Zusammenarbeit der Widerstandsbewegung Leider existieren keine schriftlichen Aufzeichnungen oder verlässlichen Hinweise, die eine genaue Bestimmung der Anzahl der an der sozialistisch-kommunistischen Widerstandsbewegung beteiligten Personen ermöglichen. Eine Ausnahme bilden lediglich jene Männer und Frauen, die am 13. Mai 1945 den Gemeinderat konstituierten und als Widerstandskämpfer bekannt sind. Charakteristisch für den Widerstand war die enge Zusammenarbeit über parteipolitische Grenzen hinweg. Unterschiedliche politische Gruppen wirkten gemeinsam daran, den Einfluss des nationalsozialistischen Regimes zu untergraben. In diesem Zusammenhang kooperierten sie auch mit der Widerstandsgruppe um Viktor Schumacher und Anton Haller. Ziel dieser übergreifenden Zusammenarbeit war es, aktiv auf den Sturz der nationalsozialistischen Stadtregierung hinzuarbeiten. Organisation und Vernetzung des Widerstands (ab 1941)Im Jahr 1941 schlossen sich die sozialistischen und kommunistischen Mitglieder dieser Gruppe dem Widerstandskreis um Anton Haller an, um den gemeinsamen Kampf gegen das nationalsozialistische Regime zu verstärken. Zu den zentralen Akteuren gehörten Viktor Wachter, Josef Terrabona und Heinz Ehrenreich Thöni, die allesamt als Metallarbeiter bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt waren. Die Gruppe stand in engem Kontakt mit Johanna Wagner sowie mit dem Widerstandskreis um Michael Zwetkoff und Peter Zwetkoff. Insbesondere Johanna Wagner spielte eine bedeutende Rolle als Kurierin und sicherte den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Akteuren. Zusammenarbeit im Kampfkreis und WiderstandsaktivitätenDie genannten Mitglieder waren fest in den Kampfkreis des Haller Widerstands eingebunden. Vor allem Josef Terrabona arbeitete eng mit Viktor Schumacher zusammen, der ihn über geplante und laufende, teils hochriskante Aktionen informierte. Die sozialistische Widerstandsgruppe leistete einen wesentlichen Beitrag zu verschiedenen Widerstandshandlungen. Dazu zählten unter anderem die Bereitstellung von Waffen für einen geplanten Aufstand, Sabotageakte sowie die Weitergabe wichtiger Informationen innerhalb des Netzwerks. Verfolgung, Flucht und entscheidende Ereignisse im Mai 1945Nach dem Verrat innerhalb der Haller Widerstandsgruppe sah sich Heinz Ehrenreich Thöni gezwungen, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 nach Tulfes zu fliehen. Dennoch kehrte er noch am selben Tag nach Hall zurück und transportierte Anton Haller mit seinem Motorrad aus dem Gnadenwald nach Solbad Hall. In der konstituierenden Stadtratssitzung vom 13. Mai 1945 sprach Bürgermeister Viktor Schumacher, der von der gesamten Widerstandsgruppe gewählt worden war, Thöni ausdrücklich seinen Dank für dessen mutigen Einsatz und seine entscheidenden Vorarbeiten im Kampf gegen das nationalsozialistische Regime aus. Mitglieder des sozialistischen Widerstandskreises Grabstätte Heinz Ehrenreich Thöni (1894-1971) am Friedhof der Stadt Hall in Tirol. Foto Elisabeth Walder Hall in Tirol. Franz Rudolf Hüttenberger (1884 - 1966)Verbindung zum sozialdemokratischen Widerstand in InnsbruckDie sozialdemokratische Widerstandsgruppe in Solbad Hall stand in engem Kontakt mit dem Widerstandskreis um Franz Rudolf Hüttenberger in Innsbruck. Hüttenberger war bereits vor 1934 führender Vertreter der Sozialdemokratie in Tirol und wurde im Zuge der Ereignisse des Österreichischer Bürgerkrieg im Februar 1934 von der Regierung unter Engelbert Dollfuß verhaftet. Nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft entwickelte er sich zur zentralen Persönlichkeit des sozialdemokratischen Widerstands der Tiroler Arbeiterbewegung. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Jahr 1938 wurde Hüttenberger erneut inhaftiert. Am 22. August 1944 erfolgte seine dritte Festnahme, in deren Folge er bis November 1944 im KZ Reichenau interniert war. Die Haftbedingungen sowie erlittene Misshandlungen führten zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden, sodass er im November 1944 schwer krank entlassen wurde. Dennoch setzte Hüttenberger seine Widerstandstätigkeit fort und beteiligte sich weiterhin aktiv an den Vorbereitungen zum Aufstand gegen das NS-Regime, unter anderem im Umfeld von Karl Gruber. Am 3. Mai 1945 übernahm er schließlich offiziell die Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Tirol. In der neu gebildeten Landesregierung der Zweiten Republik wurde er in der Folge zum stellvertretenden Landeshauptmann Tirols ernannt. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Dokumente zu Franz Rudolf Hüttenberger. Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Innsbruck. Kommunisten im WiderstandIn seinem täglichen Inlandslagebericht vom 4. Dezember 1939 an den Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich hielt der Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Wien fest, dass die kommunistischen Aktivitäten zwar vorübergehend abgeflaut seien, jedoch weiterhin deutlich wahrgenommen würden. Zu den zentralen Aktionsformen der kommunistischen Widerstandsgruppen zählten das Verfassen, Vervielfältigen und Verbreiten von Flugblättern sowie das Anbringen von Parolen durch das Beschmieren von Anschlagkästen und Plakaten. Diese Maßnahmen dienten vor allem der Aufrechterhaltung der politischen Präsenz und der Mobilisierung gegen das nationalsozialistische Regime. Im Zusammenhang mit einer solchen Flugblattaktion wurden in Tirol insgesamt 20 Personen verhaftet, was die anhaltende Repression gegenüber jeglicher Form von Widerstand eindrücklich verdeutlicht. Johann Bauer und die kommunistische Widerstandsbewegung in Hall in TirolJohann Bauer (1892 –1977) war ein namentlich bekannter Widerstandskämpfer der Kommunistischen Partei in Solbad Hall und als Reichsbahnbeamter tätig. Er schloss sich früh der sozialistisch-kommunistischen Widerstandsgruppe vor Ort an und beteiligte sich an deren Aktivitäten gegen das nationalsozialistische Regime. Am 19. Juni 1940 wurde Bauer von der Gestapo verhaftet und auf Grundlage des sogenannten Heimtückegesetzes verurteilt. In der Folge verbrachte er vier Monate in Haft. Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde Bauer am 5. Oktober 1945 als Gemeinderatsmitglied angelobt. Die Vereidigung erfolgte durch Bürgermeister Viktor Schumacher im Rahmen einer Gemeinderatssitzung. Lesen Sie mehr:Johann BauerAuszug aus dem Bericht des Bürgermeisters „Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung mit dem Hinweis, dass die neue Stadtverwaltung nun bereits seit fünf Monaten tätig sei und dass es dank der guten Zusammenarbeit der Parteien gelungen sei, die schwierigste Zeit zu überstehen. Er begrüßt Hans Bauer als Vertreter der Kommunistischen Partei. Sodann dankt Dr. Viktor Schumacher allen Mitarbeitern für ihre Mithilfe, insbesondere Herrn Vizebürgermeister Thöni, den Mitgliedern des Wohnungsausschusses sowie der Beamtenschaft. Antrag auf Überprüfung der NS-belasteten Angestellten durch Hubert Schittelkopf (SPÖ).“ Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. StAH, Gemeinderats-und Stadtratsprotokolle 1945, Niederschrift vom 21.12.1945, Solbad Hall in Tirol. Widerstand von sozialistisch-kommunistischen EinzelnenDer Widerstand einzelner kommunistisch-sozialistischer Personen in Hall in Tirol während der Zeit des Nationalsozialismus stellt ein oft wenig beachtetes Kapitel der lokalen Geschichte dar. Trotz Überwachung, Repression und großer persönlicher Gefahr engagierten sich mutige Männer und Frauen im Verborgenen gegen das Regime. Ihr Handeln reichte von der Verbreitung kritischer Informationen bis hin zur Unterstützung Verfolgter. Diese individuellen Akte des Widerstands zeugen von politischer Überzeugung, Zivilcourage und dem Willen, auch unter schwierigsten Bedingungen für soziale Gerechtigkeit und Freiheit einzustehen. Lesen Sie mehr:Adam SteidlJohann OberleitnerAnna HutterAdolf FrenaAlois EbsterMargarethe BankeQuelle: DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (1). Sabine Weiß: Widerstand von Einzelnen, Namensliste, München/Wien 1984, S. 356-388, hier S. 357.
LG Innsbruck, KLs 124/44. Banke, Margarethe, geb. am 29.1.1923 in Wöllersdorf (Niederösterreich), ledig, Kanzleiangestellte, wohnhaft in Absam - Pintenberg Nr. 15, wurde am 5.10. 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu 4 Jahren Zuchthaus und 4 Jahren Ehrverlust verurteilt.
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