"Commemorating the Anti-Nazi Resistance and Victims of the Nazi Regime in Hall in Tirol"
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Solbad Hall 1938–1945:
​Eine Stadt zwischen NS-Terror und Bombenkrieg






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Prof. Dr. Franz Egger (1879 – 1958) berichtet am 30. August 1945

8/17/2025

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Blog (EN) Solbad Hall 1938 - 1945 "Report by Prof. Dr. Franz Egger (1945)
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Foto Rathaus Hall in Tirol (2024). In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol.

Solbad Hall 1938–1945: Eine Stadt zwischen NS-Terror und Bombenkrieg

„Hast du’s schon gehört? Schuschnigg ist zurückgetreten – die Nazis übernehmen!“
Am Morgen des 12. März 1938 verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Gassen von Hall. Viele fürchteten das Schlimmste – und sollten recht behalten.
In den folgenden Jahren erlebte die Stadt, wie das nationalsozialistische Regime Klöster schloss, Widerständler ins KZ Dachau deportierte und schließlich alliierte Bomben das Bahnhofsviertel in Schutt und Asche legten. Doch Hall wehrte sich auf seine Weise: Die Pfarrgemeinde wurde zum heimlichen Zentrum des Zusammenhalts, während die Franziskanerpatres trotz Vertreibung ihren Glauben nie aufgaben.
Dieser Originalbericht des Stadthistorikers Prof. Egger aus dem Jahr 1945 dokumentiert eine Zeit, die Hall für immer veränderte – neu erzählt für heute.
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Foto Unterer Stadtplatz in Solbad Hall 13. März 1938. In: Privatarchiv R. Federspiel Absam.
„Diese Aufnahme zeigt den Einmarsch bayerischer Infanterie-Einheiten auf Halls Unteren Stadtplatz – einen Tag nach dem Anschluss. Die inszenierte Militärparade sollte NS-Herrschaft auch in Kleinstädten wie Hall demonstrieren.“
„Achten Sie auf die gemischten Reaktionen der Zuschauer: Einige jubeln, andere verharren schweigend – ein Spiegel der angespannten Stimmung während des erzwungenen ‚Anschlusses‘.“

„Analysieren Sie die Körpersprache der Menschen am Rand: Wo wirkt Jubel aufgesetzt? Wer wendet den Blick ab? Diese Mikro-Gesten widerlegen die NS-Bilder von der ‚einheitlichen Begeisterung‘.“
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1938: Der Anschluss und die ersten Repressionen

„Die Gais kratzt sich, bis sie nicht mehr liegen kann.“
Mit diesem alten Sprichwort beschrieb Prof. Egger die Stimmung in Hall nach dem „Anschluss“. Zwar jubelten einige den Nazis zu, doch viele ahnten schon: Es würde kein gutes Ende nehmen.
  • Verhaftungen: Innerhalb weniger Wochen wurden regimekritische Haller verhaftet – einige verschwanden für Jahre in Dachau.
  • Gleichschaltung der Schulen: Das Schulgebet wurde durch den Hitlergruß ersetzt, HJ-Drills dominierten den Unterricht.
  • Angriff auf die Kirche: Der katholische Gesellenverein wurde beschlagnahmt, karitative Vereine wie der St. Vinzenz-Verein aufgelöst.
„Die Kinder weinten, als die Schulschwestern gehen mussten – nach 90 Jahren Unterricht in Hall.“
(aus mündlichen Erinnerungen, 1946)

1940–1943: Die Vertreibung der Orden

Die Nazis wollten Hall „entkatholisieren“ – doch die Stadt wehrte sich im Stillen.
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Foto Franziskaner Kirche als Lager der Gauleitung. In Archiv der Franziskaner Provinz Tirol, 6060 Hall in Tirol.
„Diese Aufnahme dokumentiert die Zwangsumwandlung der Haller Franziskanerkirche in ein Textillager der NS-Gauleitung. Die Beschlagnahmung sakraler Räume für logistische Zwecke – hier im Jahr 1940 – war Teil systematischer Maßnahmen zur Zurückdrängung katholischer Einflüsse in Tirol.“
Quelle: Provinzarchiv der Tiroler Franziskaner, Hall

Das Ende der Klöster

  • Franziskanerpatres wurden aus dem Gymnasium vertrieben, ihre Kirche 1940 geschlossen und als Lager des Gauleiters missbraucht.
  • Pater Gaudenz Conzi, ein beliebter Seelsorger, wurde verhaftet – weil er einem Bettler (angeblich einem „Deserteur“) Almosen gab.
  • 1941 traf es die St. Josefs-Missionare: Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, die Schwestern ausgewiesen.

„Meine Mutter riskierte alles – als sie die vertriebenen Franziskaner am Straßenrand sah, schob sie einem Pater heimlich einen Geldschein zu. ‚Für die Reise‘, flüsterte sie, während SA-Männer wenige Meter weiter standen.“
(Johanna R. (2011), Zeitzeugin)

Doch die Pfarrgemeinde wuchs zusammen

Unter Dekan Heinrich Heidegger (ab 1942) wurde die St. Nikolaus-Kirche zum heimlichen Widerstandszentrum:
  • Die Predigten spendeten Trost – die Gottesdienstbesuche stiegen trotz NS-Druck.
  • Viele Haller spendeten doppelt: erst für die NS-Sammlung, dann heimlich für die Kirche.

1944–1945: Bomben auf Hall

Bis 1944 blieb Hall von Luftangriffen verschont – doch dann traf es die Stadt dreimal hart:
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Foto Kugelanger 16. Februar 1945. In Privatarchiv Reinhard Federspiel Absam.
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Foto Bomben auf Hall 16. Februar 1945. ​In Privatarchiv Reinhard Federspiel Absam.
„Februar 1945: Diese erschütternden Bilder halten fest, was Bomben anrichteten. Im Bahnhofsviertel ragen nur noch Trümmer auf, der Kugelanger ist dem Erdboden gleichgemacht – ein Massengrab für 102 Haller. Private Sammlungen wie die von Rudolf Federspiel retteten solche Dokumente vor dem Vergessen.“

Die schwersten Angriffe

  1. 16. November 1944: Die erste Bombe fiel bei Kloster Thurnfeld – ein Blindgänger, der keine Opfer forderte.
  2. Weihnachten 1944: Das Bahnhofsviertel wurde getroffen – acht Bomben rund ums Zufluchtshaus.
  3. 16. Februar 1945 (der schlimmste Tag):
    • Der Kugelanger wurde vollständig zerstört.
    • Die Scheidenstein-Wallfahrtskirche mit ihrem wundertätigen Marienbild verschwand für immer.
    • 102 Tote, 1.500 Obdachlose.
„Die Salvatoriskirche hatte zwei Löcher im Gewölbe – aber die Waldauf-Madonna in der Pfarrkirche blieb unversehrt. Das gab uns Hoffnung.“
(Zeitzeugin Maria S., 1995)
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1945: Das Ende – und ein Neuanfang als der Krieg Solbad Hall in letzter Sekunde verschonte

Im Mai 1945 endete der Krieg – gerade bevor eine weitere Bomberwelle Hall erreichte. Die Altstadt mit ihren Türmen und Gassen blieb weitgehend verschont, doch die Narben waren sichtbar.
​Heute erinnern nur noch wenige Spuren an diese dunkle Zeit. 

​Egger‘s Augenzeugenbericht – niedergeschrieben in den Ruinen des Jahres 1945 – zeigt, wie die Haller Bevölkerung zwischen Anpassung und Widerstand lavierte. Seine Warnung vor der Fragilität der Demokratie (‚Ein schlafendes Volk weckt Tyrannen‘) besitzt heute beklemmende Aktualität, gerade im Angesicht neuer autoritärer Tendenzen in Europa."
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    Autorin
    Elisabeth Walder 
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archives

    Stadtarchiv Hall in Tirol

    StAH, Karton Dr. Ernst v. Verdross-Drossberg. Bericht des Chronisten Dr. Franz Egger über die Verhältnisse in Solbad Hall von 1938 – 1945, maschinschriftlich, unsigniert, verfasst 30.VIII. 1945, S. 1- 2.
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    August 2025

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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