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Schwester Alfonsa (Josefa) Brettauer, Sterbebild. In: Provinzialarchiv der Tertiarschwestern des Hl. Franziskus in Hall in Tirol. Einleitung Im Jahr 1980, mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes, verfasste Sr. Alfonsa Brettauer, die Provinzialoberin der Franziskaner-Tertiar- oder Schulschwestern von Solbad Hall, einen bedeutenden Brief. Ihr Schreiben an Pater Johann Reiter in Innsbruck dokumentierte ein oft übersehenes Kapitel des NS-Unrechts: die systematische Entfernung Ordensschwestern aus dem Schuldienst. In dieser Aufzählung von Namen und Zahlen bewahrte sie nicht nur das Gedächtnis an ihre Mitschwestern, sondern wurde selbst zur wichtigen Zeitzeugin und Chronistin einer religiösen Gemeinschaft im Widerstand und unter Verfolgung. Biografischer Kontext und Leitungsamt Sr. Alfonsa Brettauer führte als Provinzialoberin in den 1970er und 80er Jahren die Gemeinschaft der Franziskaner-Tertiar- oder Schulschwestern in Hall in Tirol. Ihr Amt verpflichtete sie nicht nur zur geistlichen und organisatorischen Leitung, sondern auch zur Bewahrung der Gemeinschaftsgeschichte. Der Konvent in Hall hatte eine lange Tradition in der Mädchenbildung und Kinderbetreuung, womit die Schwestern eine zentrale Rolle im sozialen Gefüge Tirols einnahmen. Die NS-Zeit bedeutete für diese Arbeit einen tiefen Einschnitt, dessen Ausmaß Sr. Alfonsa Brettauer Jahrzehnte später akribisch festhielt. Das Dokument von 1980: Eine Bilanz des Unrechts Das zentrale Zeugnis ihrer Tätigkeit als Chronistin ist ihr Schreiben vom 7. Juli 1980. Darin listete sie für Pater Johann Reiter präzise die personellen und institutionellen Verluste der Gemeinschaft während der NS-Herrschaft auf:
Der Fall Schwester Alfonsa Brettauer: Ein exemplarisches Schicksal Das Schicksal von Schwester Alfonsa Brettauer (1893–1994), das in den Unterlagen der Gemeinschaft dokumentiert ist, veranschaulicht die Härte der Verfolgung, die hinter Sr. Alfonso Breslauers statistischer Aufzählung steht.
Historischer Kontext: Der NS-Kampf gegen die Ordensschulen Die von Sr. Aflonsa Brettauer festgehaltenen Maßnahmen waren Teil einer reichsweiten Politik. Das NS-Regime verfolgte das Ziel, jeglichen konfessionellen Einfluss auf die Jugend zu brechen, um sie vollständig im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung erziehen zu können.
Bedeutung und Vermächtnis Sr. Alfonsa Brettauer sicherte mit ihrer präzisen Dokumentation das kollektive Gedächtnis ihrer Gemeinschaft. In einer Zeit, in der viele Zeitzeugen zu verstummen begannen, bewahrte sie die Namen und das Ausmaß des erlittenen Unrechts vor dem Vergessen. Ihr Brief ist damit mehr als eine interne Aufstellung; er ist ein historisches Dokument des kirchlichen Widerstands und des Überlebenswillens.
Ihr Wirken erinnert daran, dass der nationalsozialistische Terror nicht nur in den großen Konzentrationslagern stattfand, sondern auch in der systematischen Zerstörung gewachsener sozialer und karitativer Strukturen im Alltag. Die Franziskaner-Tertiarschwestern von Hall, vertreten durch Schwestern wie Alfonsa Brettauer, standen für eine Haltung, die sich weder durch Berufsverbote noch durch Gestapo-Verhöre von ihrem caritativen und pädagogischen Auftrag abbringen ließen.
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