"Commemorating the Anti-Nazi Resistance and Victims of the Nazi Regime in Hall in Tirol"
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Tertiarschwester
Alfonsa Brettauer

(1893-1994) ​




Sr. Alfonsa (Josefa) Brettauer: Eine Chronistin des Widerstands und der Erinnerung

12/27/2025

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Blog (EN) 166 Sr. Alfonsa Brettauer (1893-1994) Tertiary Sister of St. Francis
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Schwester Alfonsa (Josefa) Brettauer, Sterbebild. In: Provinzialarchiv der Tertiarschwestern des Hl. Franziskus in Hall in Tirol.

Einleitung

Im Jahr 1980, mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes, verfasste Sr. Alfonsa Brettauer, die Provinzialoberin der Franziskaner-Tertiar- oder Schulschwestern von Solbad Hall, einen bedeutenden Brief. Ihr Schreiben an Pater Johann Reiter in Innsbruck dokumentierte ein oft übersehenes Kapitel des NS-Unrechts: die systematische Entfernung Ordensschwestern aus dem Schuldienst. In dieser Aufzählung von Namen und Zahlen bewahrte sie nicht nur das Gedächtnis an ihre Mitschwestern, sondern wurde selbst zur wichtigen Zeitzeugin und Chronistin einer religiösen Gemeinschaft im Widerstand und unter Verfolgung.

Biografischer Kontext und Leitungsamt

Sr. Alfonsa Brettauer  führte als Provinzialoberin in den 1970er und 80er Jahren die Gemeinschaft der Franziskaner-Tertiar- oder Schulschwestern in Hall in Tirol. Ihr Amt verpflichtete sie nicht nur zur geistlichen und organisatorischen Leitung, sondern auch zur Bewahrung der Gemeinschaftsgeschichte. Der Konvent in Hall hatte eine lange Tradition in der Mädchenbildung und Kinderbetreuung, womit die Schwestern eine zentrale Rolle im sozialen Gefüge Tirols einnahmen. Die NS-Zeit bedeutete für diese Arbeit einen tiefen Einschnitt, dessen Ausmaß Sr. Alfonsa Brettauer  Jahrzehnte später akribisch festhielt.

Das Dokument von 1980: Eine Bilanz des Unrechts

Das zentrale Zeugnis ihrer Tätigkeit als Chronistin ist ihr Schreiben vom 7. Juli 1980. Darin listete sie für Pater Johann Reiter präzise die personellen und institutionellen Verluste der Gemeinschaft während der NS-Herrschaft auf:
  • 26 Schwestern wurden aus dem Schuldienst enthoben oder erhielten keine Anstellung mehr.
  • Drei Kindergärten mit jeweils einer Kindergärtnerin wurden geschlossen.
  • Zwei Nähschulen mit ihren Leiterinnen mussten aufgeben.
Diese nüchternen Zahlen umschreiben persönliche Schicksale und den zielgerichteten Kampf des NS-Regimes gegen konfessionelle Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Die Schwestern verloren nicht nur ihre Lebensaufgabe, sondern auch ihre wirtschaftliche Grundlage. Sr. Elisabeth Santers Aufstellung diente der klaren historischen und rechtlichen Dokumentation, möglicherweise im Zusammenhang mit späteren Anerkennungs- oder Entschädigungsverfahren.

Der Fall Schwester Alfonsa Brettauer: Ein exemplarisches Schicksal

Das Schicksal von Schwester Alfonsa Brettauer (1893–1994), das in den Unterlagen der Gemeinschaft dokumentiert ist, veranschaulicht die Härte der Verfolgung, die hinter Sr. Alfonso Breslauers  statistischer Aufzählung steht.
  • Enthebung und Wiedereinsatz: Am 20. Juli 1938 erhielt sie das Amtsenthebungsdekret des Bezirksschulrats Innsbruck-Land, wurde aber bereits 1938/39 in Achenkirch wieder – zunächst ohne schriftlichen Bescheid – als Lehrerin verwendet.
  • Zwangsversetzung und Verhöre: 1941 wurde sie nach Bremen in einen Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet. Nach ihrer eigenmächtigen Rückkehr nach Tirol folgten bis Kriegsende 25 Verhöre durch die Gestapo und zwei Haftstrafen (1942 und 1944). Ihr mutiges und listiges Vorgehen, sich durch Androhung der Verrats von Rüstungsgeheimnissen eine Dienstverpflichtung in der Heimat zu "erzwingen", zeigt beeindruckenden Widerstandsgeist.
  • Kriegsende und Neubeginn: Nach dem Krieg setzte sie ihren Dienst als Pfarrschwester in Innsbruck-Pradl fort, wo sie 1943 einen schweren Luftangriff überlebte.
Dieses Einzelschicksal macht deutlich, dass die von Sr. Elisabeth Santer dokumentierten Maßnahmen kein bloßer Verwaltungsakt waren, sondern in existenzielle Bedrohung, Zwangsarbeit und psychischen Terror münden konnten.

Historischer Kontext: Der NS-Kampf gegen die Ordensschulen

Die von Sr. Aflonsa Brettauer  festgehaltenen Maßnahmen waren Teil einer reichsweiten Politik. Das NS-Regime verfolgte das Ziel, jeglichen konfessionellen Einfluss auf die Jugend zu brechen, um sie vollständig im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung erziehen zu können.
  1. Rechtliche Grundlagen: Bereits ab 1935 wurden in verschiedenen Regionen des Deutschen Reiches Ordensschwestern der Lehrberuf verboten. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 wurden diese diskriminierenden Gesetze und Verordnungen auch hier umgesetzt.
  2. Schließung von Ordensschulen: Konfessionelle Schulen wurden systematisch aufgelöst oder in staatliche "Deutsche Gemeinschaftsschulen" überführt. Die Schließung der Kindergärten und Nähschulen in Hall folgte dieser Logik.
  3. Ideologische Motivation: Dahinter stand die Feindschaft des Regimes gegenüber den Kirchen, insbesondere den Ordensgemeinschaften, die als "staatsfeindliche" Organisationen und Träger einer konkurrierenden Weltanschauung galten. Ihre Bildungsarbeit untergrub das Monopol der HJ und des BDM auf die Jugenderziehung.

Bedeutung und Vermächtnis

Sr. Alfonsa Brettauer sicherte mit ihrer präzisen Dokumentation das kollektive Gedächtnis ihrer Gemeinschaft. In einer Zeit, in der viele Zeitzeugen zu verstummen begannen, bewahrte sie die Namen und das Ausmaß des erlittenen Unrechts vor dem Vergessen. Ihr Brief ist damit mehr als eine interne Aufstellung; er ist ein historisches Dokument des kirchlichen Widerstands und des Überlebenswillens.
Ihr Wirken erinnert daran, dass der nationalsozialistische Terror nicht nur in den großen Konzentrationslagern stattfand, sondern auch in der systematischen Zerstörung gewachsener sozialer und karitativer Strukturen im Alltag. Die Franziskaner-Tertiarschwestern von Hall, vertreten durch Schwestern wie Alfonsa Brettauer, standen für eine Haltung, die sich weder durch Berufsverbote noch durch Gestapo-Verhöre von ihrem caritativen und pädagogischen Auftrag abbringen ließen.
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    Autorin
    Elisabeth Walder
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    Historikerin-Ethnologin

    Archives
    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

    Tschol, Helmut : Die Katholische Kirche. Allgemeine Verfolgungsmaßnahmen. In:  DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 – 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S.45.
    DAI, NS-Akten, Abt. 1, Dok. 3278-PS Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 32, Nürnberg 1948, S. 126-133. (in englischer Sprache)

    Tschol, Die Katholische Kirche. Allgemeine Verfolgungsmaßnahmen. S. 142-143. DAI, NS-Akten, Abt. 4. DÖW 10.919.

    Reiter, Johann: Maßnahmen gegen Klöster und Orden. Salesianerinnen zu Thurnfeld, Hall in Tirol. In:  DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 – 1945. Eine Dokumentation (2).  Wien/München 1984, S. 307-308. 

    Reiter, Johann : Anmerkungen zu VII. Maßnahmen gegen Klöster und Orden. Franziskaner-Tertiarschwestern in Hall in Tirol. In: DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 – 1945.  Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S.324-325, sowie S. 617.

    Pfarrarchiv Hall  in Tirol
    Pfarrchronik 1893-1945. In: Pfarrarchiv Hall in Tirol.

    Foto:Werdegang der Mädchenschule. In: Pfarrchronik 1893-1945. In: Pfarrarchiv Hall in Tirol.

    Foto: Tertiarschwestern (1937). In: Pfarrchronik 1893-1945. In: Pfarrarchiv Hall in Tirol. 
    ​
    Pfarrchronik 1893-1945. Das Jahr 1943. S. 107. In: Pfarrarchiv Hall in Tirol. 

    Archiv des Provinzhauses der Tertiarschwestern des Hl. Franziskus in Hall in Tirol
    Chronik der Tertiarschwestern von 1938 bis 1945 in Hall in Tirol.
    Chronik der Schulschwestern in Hall in Tirol, Das Jahr 1939/40, S. 40.

    Foto: Sterbebild Sr. Alfonsa (Josefa) Brettauer. In: Archiv der Franziskaner-Tertiarschwestern in Hall in Tirol.
    Foto: Sterbebild Sr. M. Elisabeth (Hedwig) Santer. In: Archiv der Franziskaner-Tertiarschwestern in Hall in Tirol.
    Foto: Sterbebild Sr. M. Angelika Mayr. In: Archiv der Franziskaner-Tertiarschwestern in Hall in Tirol.

    Foto: Auszug aus der Chronik der Tertiarschwestern in Hall in Tirol. (20. April 1945). In: Archiv der Franziskaner-Tertiarschwestern in Hall in Tirol.







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    December 2025

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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