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Foto: Schwester vom Hl. Kreuz Alena Thöny. In: Provinzarchiv des Klosters vom Hl. Kreuz in Hall in Tirol. Einleitung: Eine Ordensschwester im Widerstand Schwester Alena (Rosa) Thöny (1912-2005) war nicht nur eine engagierte Lehrerin und Chronistin der Kreuzschwestern in Hall in Tirol, sondern auch eine Zeitzeugin der systematischen Unterdrückung religiösen Lebens während der NS-Diktatur. Ihr Lebensweg und ihr schriftlicher Bericht von 1970 geben ein eindrückliches Zeugnis vom Schicksal der Ordensgemeinschaften, die enteignet, ihrer Wirkungsstätten beraubt und schließlich zur Arbeit in nationalsozialistischen Einrichtungen gezwungen wurden. Biografische Übersicht: Schwester Alena Thöny Lebensabschnitt Ereignisse und Stationen Frühes Leben Geboren am 11. Juli 1912 in Schruns, Vorarlberg. Arbeit im elterlichen Metzgerbetrieb, Besuch der Handelsschule in Feldkirch (1928-1930). Eintritt und Ausbildung Eintritt bei den Kreuzschwestern in Hall 1932. Abschluss der Handelsakademie Innsbruck und Matura 1938. Ein geplantes Studium wurde durch die politische Lage verhindert. Kriegsjahre Arbeit als Sekretärin im Sanatorium Mehrerau (Bregenz) und im Reservelazarett im Provinzhaus in Hall. Krankheit 1944 schwere Wirbelsäulenerkrankung mit langjähriger Bettlägerigkeit, von der sie sich durch starken Willen und Gottvertrauen erholte. Wirken als Lehrerin Ab 1956 Lehrerin an der hauseigenen Haushaltungsschule, von 1972 bis zu ihrer Pensionierung deren Direktorin. Engagierte Gestalterin von Festen. Historische Arbeit Jahrzehntelange Führung der Provinzchronik. Verfasste 1970 einen umfangreichen Bericht zur 100-jährigen Geschichte der Provinz, der die NS-Zeit detailliert aufarbeitet. Anerkennung 1990 Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol. Spätes Leben Starb am 21. Juli 2005, nachdem sie 2001 einen Schlaganfall erlitten hatte. Historischer Kontext: Systematische Unterdrückung und Zwangsarbeit Der Bericht von Schwester Alena Thöny beschreibt, wie das Provinzhaus in Hall ab 1938 schrittweise von den NS-Behörden beschlagnahmt und in ein Reservelazarett (Militärkrankenhaus) umgewandelt wurde. Dies war Teil einer reichsweiten Politik zur Ausschaltung kirchlicher Einflüsse und zur Nutzung kirchlicher Ressourcen für die Kriegswirtschaft. Gezielte Maßnahmen gegen Ordensgemeinschaften:
Betroffene Ordensgemeinschaften in Hall in Tirol Schwester Alenas Bericht bezieht sich primär auf die Kreuzschwestern. Historischen Quellen zufolge waren jedoch mehrere Gemeinschaften in Hall von ähnlichen Schicksalen betroffen: Ordensgemeinschaft Mögliche Form der Einbindung / Zwangsarbeit Kreuzschwestern (Schwestern vom Heiligen Kreuz) Verpflichtung zur Arbeit im Reservelazarett im eigenen, beschlagnahmten Provinzhaus. Salesianerinnen von Thurnfeld Verpflichtung zu Pflegediensten im Lazarett der Kreuzschwestern . Tertiarschwestern Verpflichtung zu Pflege- oder Küchendiensten in Feldkirch und Hall in Tirol. Anbetungsschwestern Verpflichtung zu Pflegediensten im Lazarett der Kreuzschwestern Schwester vom Haus zum Guten Hirten Verpflichtung zu Pflegediensten in Lazaretten in Hall in Tirol Zitat aus dem Bericht von 1970: Symbol des Widerstands Ein besonders eindrückliches Beispiel für den gewaltlosen, aber bestimmten Widerstand der Schwestern beschreibt Schwester Alena in ihrem Bericht: "Die Kreuze bleiben!" "Einmal, als eine Kommission durch die zum Lazarett gewordenen Räume des Provinzhauses ging, kommandierte einer der Herren: 'Die Kreuze müssen verschwinden!' Darauf erwiderte Schwester Lukretia, die damalige Oberin, in bestimmtem Ton: 'Meine Herren, die Kreuze bleiben! Und sie werden noch hängen, wenn Sie und ich längst nicht mehr da sind.' Die Kreuze wurden tatsächlich nachher nicht mehr entfernt." Fazit: Erinnerung und Würdigung Das Leben von Schwester Alena Thöny spannt einen Bogen von der persönlichen Leidenserfahrung durch Krankheit und politische Unterdrückung bis zu jahrzehntelangem segensreichen Wirken in Bildung und Geschichtsschreibung. Ihr schriftliches Vermächtnis bewahrt die Erinnerung an ein dunkles Kapitel, in dem frommes Leben und karitatives Wirken kriminalisiert und für die Zwecke eines Unrechtsregimes instrumentalisiert wurden.
Die Geschichte der Kreuzschwestern und der anderen betroffenen Gemeinschaften in Hall steht exemplarisch für das Schicksal unzähliger Ordensleute im Deutschen Reich, deren stiller Widerstand und erzwungene Dienste gleichermaßen Teil der europäischen Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit sein sollten. (Siehe auch Blog Kreuzschwestern in Hall in Tirol, Salesianerinnen in Thurnfeld, Tertiarschwestern, Schwestern vom Haus zum Guten Hirten in Hall in Tirol)
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