Nationalsozialismus in Hall in Tirol und in Tirol: NS-Widerstand,Verfolgung und Schicksale
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Priester im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Hall und Tirol​


Katholiken im Widerstand in Hall in Tirol – Netzwerke gegen das NS-Regime (1938–1945)

5/9/2025

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Sprache / Language: DE | EN

Katholiken im Widerstand in Hall in Tirol-Netzwerke gegen das NS-Regime 

Schwarz-Weiß-Aufnahme der St.-Nikolaus-Pfarrkirche in Hall in Tirol von Westen. Zu sehen sind das gotische Westportal, die hohen Kirchenfenster und der gestufte Westgiebel. Aufnahme von 2025.
​St.-Nikolaus-Pfarrkirche in Hall in Tirol, Ansicht von Westen, 2025. Schwarz-Weiß-Bearbeitung einer Farbaufnahme. Foto und Bearbeitung: DBANT.

Einleitung

Während der nationalsozialistischen Herrschaft gerieten katholische Priester und Ordensangehörige zunehmend unter politischen und ideologischen Druck. Gottesdienste, Prozessionen, Predigten, kirchliche Jugendarbeit und religiöse Bildungsangebote wurden überwacht, eingeschränkt oder verboten. Wer öffentlich an christlichen Grundsätzen festhielt, Verfolgten half oder die nationalsozialistische Ideologie kritisierte, musste mit Verhören, Amtsverboten, Haft oder der Einweisung in ein Konzentrationslager rechnen.
Auch in Hall in Tirol und im weiteren Tiroler Raum widersetzten sich einzelne Priester und Ordensangehörige auf unterschiedliche Weise dem NS-Regime. Sie übten Kritik in Predigten, stärkten ihre Gemeinden, bemühten sich um den Schutz kirchlichen Eigentums, unterstützten Verfolgte oder verweigerten Forderungen, die sie mit ihrem Glauben und Gewissen nicht vereinbaren konnten. Manche beteiligten sich an Widerstandsnetzwerken, andere leisteten religiöse Selbstbehauptung oder individuellen Ungehorsam.
Dabei muss zwischen Katholiken im Widerstand und einem organisierten oder institutionell getragenen katholischen Widerstand unterschieden werden. Die katholische Kirche in Tirol trat dem nationalsozialistischen Regime nicht als geschlossene Widerstandsorganisation entgegen. Auch der Apostolische Administrator DDr. Paulus Rusch erhob keinen öffentlichen, grundsätzlichen Protest gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Daher kann nicht pauschal von „dem katholischen Widerstand“ gesprochen werden.
Das Verhalten der Geistlichen reichte von Anpassung und vorsichtiger Distanz über religiöse Selbstbehauptung bis zu offenem Protest und aktivem Widerstand. Die folgenden Biografien dokumentieren diese unterschiedlichen Handlungsspielräume und erinnern an einzelne Priester und Ordensangehörige, die aus religiöser Überzeugung nationalsozialistische Forderungen ablehnten oder gegen konkretes Unrecht eintraten. ​Die Einordnung erfolgt jeweils auf Grundlage der verfügbaren historischen Quellen.

Das Dekanat Hall während der NS-Herrschaft

Schwarz-Weiß-Collage aus drei historischen Fotografien. Links stehen Kooperator Josef Lambichler, von hinten zu sehen, Mesner Anton Walder sen. und der dem Betrachter zugewandte Dekan Reinthaler mit Gehstock vor einem steinernen Rundbogenportal. In der Mitte ist ein Porträt von Dr. Nikolaus Pfeifauf mit Brille zu sehen, rechts eine Ganzkörperaufnahme von Dr. Hermann Blassnig im Freien.
Bildunterschrift:
Kooperatoren und Geistliche des Dekanats Hall. Links: Kooperator Josef Lambichler, mit dem Rücken zum Betrachter, Mesner Anton Walder sen. und Dekan Reinthaler mit Gehstock; Aufnahme von 1932. Mitte: Dr. Nikolaus Pfeifauf. Rechts: Dr. Hermann Blassnig. Collage: DBANT. Quelle der Aufnahme von 1932: Privatarchiv Walder.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft waren das Dekanat Hall und seine Priester zunehmender Überwachung, Einschränkung und politischem Druck ausgesetzt. Kirchliche Veranstaltungen und Prozessionen wurden behindert, religiöse Bildungsarbeit eingeschränkt und Geistliche wegen kritischer Äußerungen verfolgt. Dennoch bewahrten einzelne Priester ihre seelsorgliche Unabhängigkeit, stärkten die Gläubigen und widersetzten sich auf unterschiedliche Weise den weltanschaulichen Ansprüchen des NS-Regimes.

Erfahren Sie mehr über Katholiken im Widerstand:

Dekanat -Hall-in-Tirol- im-Widerstand

/ordensgemeinschaften-ns-zeit-hall-tirol

Priester im Widerstand

Priester spielten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine wichtige Rolle. Aus ihrem Glauben und ihrem Gewissen heraus widersetzten sie sich der NS-Ideologie, äußerten Kritik in Predigten, unterstützten Verfolgte oder verweigerten staatliche Anordnungen. Ihr Handeln reichte von religiöser Selbstbehauptung und stillem Ungehorsam bis zur aktiven Mitarbeit in Widerstandsnetzwerken – häufig verbunden mit erheblichen persönlichen Gefahren.

Hier geht es zu weiteren Biografien und Lebensgeschichten

Sieberer-Josef

Pfeifauf -Dr.-N.ikolaus -und-Dr.-H.ermann-Blassnig

Dekan Bernhard Praxmarer

Dr. jur. can. Walter Waitz

Ernst Marberger Opraem.

Adrian Höck OPraem.

Josef Kaltschmid

Dietrich OPraem Dominikus

Plattner -Anton

Pfarrer Msgr. Dr. Franz Kolb

Dr. Reinhold Stecher

Weisskopf-Msgr.-Michael

Priester und Ordensangehörige im Widerstand

KI-generierte Schwarz-Weiß-Collage mit dem Kloster der Kreuzschwestern in Hall in Tirol auf der linken Seite und einem Porträt von Schwester Alena Thöny aus den 1950er-Jahren auf der rechten Seite. Bildvorlagen: Archiv der Kreuzschwestern, Hall in Tirol; Bearbeitung: DBANT.
KI-generierte Schwarz-Weiß-Collage: links das Kloster der Kreuzschwestern in Hall in Tirol, rechts Schwester Alena Thöny in den 1950er-Jahren. Bildvorlagen: Archiv der Kreuzschwestern, Hall in Tirol; Bearbeitung: DBANT.
Priester, Ordensfrauen und Ordensmänner spielten im  Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine wichtige Rolle. Aus ihrem Glauben und Gewissen heraus widersetzten sie sich der NS-Ideologie, stärkten bedrängte Gemeinden, unterstützten Verfolgte oder verweigerten staatliche Anordnungen. Ihr Handeln reichte von religiöser Selbstbehauptung und stillem Ungehorsam bis zur aktiven Mitarbeit in Widerstandsnetzwerken. Dafür waren sie Überwachung, Verhören, Vertreibung, Haft und mitunter tödlicher Verfolgung ausgesetzt.

Lesen Sie mehr: 

/ordensgemeinschaften-ns-zeit-hall-tirol

Franziskaner Kloster Hall in Tirol

Aufhebung_ Franziskaner_ Kloster Hall in Tirol

Verfolgte _Franziskaner_Ordensleute

Schwestern vom Heiligen Kreuz in Hall in Tirol

Tertiarschwestern Hall in Tyrol

Haus zum Guten Hirten

Salesienaerinnen in Thurnfeld

/schwester-angela-autsch-engel-von-auschwitz

Damenstift-Hall in Tirol--Societe des Filles du Sacre Coeur

Verbindungen zu Haller Widerstandsnetzwerken

Historische Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme von Anton Haller. Quelle: Österreichisches Parlament.
Anton Haller in einer historischen Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme. Quelle: Österreichisches Parlament.
Priester und Ordensangehörige standen über persönliche, kirchliche und gesellschaftliche Kontakte mit verschiedenen Haller Widerstandskreisen in Verbindung. Diese Netzwerke ermöglichten den vertraulichen Austausch von Informationen, gegenseitige Unterstützung und Hilfe für Verfolgte. Besonders zum katholisch-konservativen und monarchistischen Umfeld bestanden Verbindungen, wobei die Übergänge zwischen seelsorglicher Hilfe, religiöser Selbstbehauptung und organisiertem Widerstand fließend sein konnten.

Hier geht es zu weiteren Biografien und Lebensgeschichten

/bernhard-graf-stolberg-stolberg-widerstand-tirol

Kathrein-Dr. jur.- Paul

Schumacher-Dr. -Viktor

dr-ernst-verdross-widerstand-kz-dachau

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Dosch_Anton

Haller _Anton _Widerstandsgruppe

/anton-walder-widerstandsgruppe-post-innsbruck

Josef Conte Veith

Josef Egg

Franz Reinisch: Verweigerung des Fahneneids

Schwarz-Weiß-Collage zum Gedenken an Pater Franz Reinisch. Links ist sein historisches Porträt zu sehen. Rechts befinden sich Aufnahmen des Gedenkortes WIDER.STAND und der Gedenktafel am Franz-Reinisch-Platz sowie die überdimensionale Bronzeskulptur Geköpft von Lois Anvidalfarei in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol.
Pater Franz Reinisch (1903–1942) und der Gedenkort WIDER.STAND am Franz-Reinisch-Platz in Hall in Tirol. Die Collage zeigt außerdem die Gedenktafel sowie die Bronzeskulptur Geköpft des Südtiroler Künstlers Lois Anvidalfarei während ihrer Präsentation in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Schwarz-Weiß-Collage. Quelle: DBANT.
Pater Franz Reinisch, Pallottiner und unbeirrbarer Verfechter christlicher Gewissensfreiheit, verweigerte als einziger katholischer Priester im Dritten Reich den Eid auf Adolf Hitler. Für ihn war ein Treueid auf einen Diktator unvereinbar mit seinem Glauben und seinem priesterlichen Gewissen. Seine Weigerung wurde vom NS-Regime als Wehrkraftzersetzung gewertet – ein "Verbrechen", das er mit dem Tod bezahlte. Am 21. August 1942 wurde Franz Reinisch in Brandenburg an der Havel durch das Fallbeil hingerichtet. Sein mutiger Entschluss, der Stimme des Gewissens über die Stimme der Macht zu folgen, macht ihn bis heute zu einer eindrucksvollen Gestalt des geistlichen Widerstands.

Hier geht es zu weiteren Biografien und Lebensgeschichten

Reinisch-Franz -Pallottiner

🕯️Pater Franz Reinisch Gedenken

franz-reinisch.org

tirol.orf.at/stories/3169265/

pfarre-hall.at/at/glaube/Franz_Reinisch.php

de.wikipedia.org/wiki/Franz_Reinisch

Carl Lampert und die Fronleichnamsprozession 1939 ​in Hall

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme der Fronleichnamsprozession in Hall in Tirol im Jahr 1939 mit Dr. Carl Lampert. Quelle: Pfarrarchiv Hall in Tirol/DBANT.
Dr. Carl Lampert bei der Fronleichnamsprozession in Hall in Tirol, 1939. Foto aus der Pfarrchronik des Jahres 1939. Quelle: Pfarrarchiv Hall in Tirol/DBANT.
Im Jahr 1939 leitete Provikar Dr. Carl Lampert als Stellvertreter des Apostolischen Administrators die Fronleichnamsprozession in Hall in Tirol. Die nationalsozialistischen Behörden hatten den traditionellen Prozessionsweg eingeschränkt und gestatteten nur einen verkürzten Umgang durch die Stadt.
Trotz dieser Behinderungen nahmen zahlreiche Gläubige an der Prozession teil. In einer Zeit, in der kirchliches Leben zunehmend überwacht und aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde, wurde die gemeinsame Feier zu einem sichtbaren Bekenntnis des katholischen Glaubens. Lamperts Auftreten zeigte seine Bereitschaft, die religiösen Rechte der Kirche gegenüber dem NS-Regime zu behaupten.
Die Prozession war kein organisierter politischer Widerstand im engeren Sinn. Sie kann jedoch als Ausdruck kirchlicher Selbstbehauptung und religiöser Nonkonformität verstanden werden. Lamperts späterer entschlossener Einsatz gegen die nationalsozialistische Kirchenverfolgung führte zu wiederholter Haft und schließlich zu seiner Hinrichtung am 13. November 1944 in Halle an der Saale.

Erfahren Sie mehr über Dr. Carl Lampert:

gedenkort.at/personen/f292034b-c141-5732-b8d9-e675993428be

www.kath-kirche-vorarlberg.at/pfarre/8179/informationen/seligercarllampert/carllampertgedenkorteingo

www.katholisch.at/aktuelles/150872/dioezese-feldkirch-carl-lampert-wochen-mit-neuer-gedenkstaette

Pater Jakob Gapp: Widerstand gegen die NS-Ideologie

KI-generierte Schwarz-Weiß-Darstellung eines katholischen Priesters, der den Marianistenpater Jakob Gapp symbolisieren soll. Er steht mit einem Buch in den Händen in einem historischen Klassenzimmer; im Hintergrund sind Schüler, zwei weitere Geistliche, ein Kreuz und eine Marienfigur zu sehen. Quelle: DBANT.
Symbolische Darstellung des Marianistenpaters Jakob Gapp (1897–1943) als Priester und Lehrer. KI-generierte Schwarz-Weiß-Fotografie. Quelle: DBANT.
Was bedeutet es, als Marianist im Angesicht eines totalitären Regimes zu leben? Das Leben von Pater Jakob Gapp gibt eine radikale Antwort. Geprägt vom Charisma Pater Chaminades – Glaube, Gemeinschaft, Sendung – war er Erzieher, Seelsorger und schließlich kompromissloser Gegner der NS-Ideologie. Sein marianistisches Fundament befähigte ihn, die Würde des Menschen auch dort zu verteidigen, wo es das eigene Leben kostete. 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet und 1996 seliggesprochen, verbindet sich in ihm die stille Kraft einer geistlichen Berufung mit dem dramatischen Ringen um Wahrheit im 20. Jahrhundert.

Lesen Sie mehr über Pater Jakob Gapp:

pater-jakob-gapp-widerstand-nationalsozialismus

🕯️Gapp_Jakob_Gedenken

www.pfarre-wattens.at/glaube/gapp_biographie.html

gedenkort.at/personen/63810c42-57b9-4346-8ec7-57714d5d7b8e

Reinhold Stecher und die Rettung des Gnadenbildes

Schwarz-Weiß-Aufnahme der Wallfahrtskirche und des Klosters Maria Waldrast inmitten einer alpinen Landschaft. Zu sehen sind der Klosterkomplex, die Kirche mit ihrem hohen Turm sowie bewaldete Berghänge und schneebedeckte Gipfel im Hintergrund.
Wallfahrtskirche und Kloster Maria Waldrast bei Matrei am Brenner, aufgenommen 2006. Schwarz-Weiß-Bearbeitung einer Farbfotografie. Foto: Leonhard Kurenz/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; Bearbeitung: DBANT.
Diese Seite widmet sich einem der bewegendsten Kapitel Tiroler Zeitgeschichte: der Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast im Jahr 1941. Im Zentrum steht eine mutige Verschwörung, die den damaligen Theologiestudenten Reinhold Stecher, den späteren Bischof von Innsbruck, und den Haller Rechtsanwalt Dr. Josef Mair verband. Gemeinsam mit Hans Madersbacher und Franz Mair riskierten sie ihr Leben, um die Madonnenstatue vor der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten zu bewahren – ein Akt stillen Widerstands, der Stecher die Einlieferung ins Gestapo-Gefängnis und die Drohung der Deportation nach Dachau einbrachte . Die Ereignisse rund um die verbotene Protestwallfahrt und die nächtliche Rettungsaktion zeigen, wie tief Glaube und Zivilcourage in der Region Hall und dem Wipptal verwurzelt sind ​

Hier geht es zu weiteren Biografien und Lebensgeschichten

Dr. Reinhold Stecher

Dr. Josef Mair

Maria Mair die geheime Rettung der Madonna

Die Tiroler Wallfahrt - 20. April 1941

Maria Waldrast 1941

Weisskopf-Msgr.-Michael

Pfarrer Msgr. Dr. Franz Kolb

austria-forum.org/af/AustriaWiki/Maria_Waldrast

www.unsertirol24.com/2024/10/11/verborgenes-heldentum-wie-zwei-mutige-tiroler-eine-marienstatue-vor-den-nazis-retteten/

Fazit

In Hall und Tirol gab es keine einheitliche oder institutionell organisierte katholische Widerstandsbewegung. Dennoch widersetzten sich einzelne Priester, Angehörige von Ordensgemeinschaften sowie katholische Frauen und Männer dem Nationalsozialismus auf unterschiedliche Weise. Ihr Handeln reichte von religiöser Selbstbehauptung und moralischem Nonkonformismus über praktische Hilfe für Verfolgte bis zur Beteiligung an Widerstandsnetzwerken.
Diese Biografien zeigen, dass Widerstand nicht immer die Form organisierter politischer Tätigkeit annahm. Er konnte auch mit der Verteidigung der Menschenwürde, der Treue zum eigenen Gewissen, der Fortführung verbotener seelsorglicher Arbeit oder der Weigerung beginnen, die nationalsozialistische Ideologie anzuerkennen. Zugleich unterschieden sich die Haltungen von Katholikinnen und Katholiken erheblich: Sie umfassten Anpassung, Schweigen und vorsichtige Distanz ebenso wie mutigen Widerspruch. Eine differenzierte historische Darstellung muss daher die Handlungen, Motive und Folgen im Einzelfall untersuchen, anstatt die katholische Kirche als einheitliche Widerstandsorganisation darzustellen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gab es in Hall und Tirol eine organisierte katholische Widerstandsbewegung?

Nein. Die katholische Kirche in Tirol bildete keine einheitliche oder institutionell organisierte Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus. Die Reaktionen von Geistlichen und praktizierenden Katholikinnen und Katholiken reichten von Anpassung und vorsichtiger Distanz bis zu offenem Widerspruch. Widerstand wurde vor allem von Einzelpersonen geleistet, die nach ihrem Glauben, ihrem Gewissen und ihren persönlichen Überzeugungen handelten.

Wie widersetzten sich katholische Priester und Angehörige von Ordensgemeinschaften dem Nationalsozialismus?

Ihr Handeln nahm unterschiedliche Formen an. Einige kritisierten die nationalsozialistische Ideologie in Predigten, verteidigten die christliche Lehre, setzten verbotene seelsorgliche Tätigkeiten oder die kirchliche Jugendarbeit fort, unterstützten Verfolgte oder versuchten, kirchliches Eigentum und kirchliche Einrichtungen zu schützen. Andere weigerten sich, Forderungen zu erfüllen, die ihren religiösen oder moralischen Überzeugungen widersprachen. Einzelne beteiligten sich an Widerstandsnetzwerken.

War jede Form des Widerspruchs politischer Widerstand?

Nicht unbedingt. Die historische Forschung unterscheidet zwischen organisiertem politischem Widerstand, individuellen Akten der Auflehnung, nonkonformem Verhalten und religiöser Selbstbehauptung. Die Fortführung kirchlicher Tätigkeiten trotz staatlicher Einschränkungen konnte das Regime herausfordern, ohne Teil einer koordinierten Widerstandsorganisation zu sein.

Warum betrachtete das nationalsozialistische Regime katholische Geistliche als Bedrohung?

Der Nationalsozialismus verlangte ideologische Gleichförmigkeit und strebte nach der Kontrolle des öffentlichen Lebens, des Bildungswesens und der Jugendorganisationen. Priester und Ordensgemeinschaften verkörperten eine eigenständige moralische Autorität und bewahrten Bindungen, die mit dem totalitären Anspruch des Regimes in Konflikt geraten konnten. Predigten, Seelsorge und katholische Vereinigungen konnten daher als mögliche Quellen des Widerspruchs wahrgenommen werden.

Mit welchen Folgen mussten Geistliche rechnen?

Wer das Regime offen kritisierte oder sich dessen Forderungen widersetzte, riskierte Überwachung, Verhöre, Hausdurchsuchungen, Einschränkungen der seelsorglichen Tätigkeit, Ausweisung, Inhaftierung oder die Deportation in ein Konzentrationslager. Ordensgemeinschaften waren außerdem von der Schließung ihrer Schulen und Einrichtungen, der Beschlagnahmung ihres Eigentums und der Vertreibung ihrer Mitglieder betroffen.

Lehnten alle katholischen Geistlichen den Nationalsozialismus ab?

​Nein. Haltung und Verhalten der katholischen Geistlichen unterschieden sich erheblich. Manche passten sich den politischen Verhältnissen an, andere hielten vorsichtige Distanz, und einige leisteten aktiven Widerstand. Eine historisch differenzierte Darstellung muss daher die Entscheidungen und Handlungen einzelner Personen untersuchen, anstatt den Klerus als einheitliche Gruppe zu beschreiben.

Welche Rolle spielten katholische Laien?

​Auch katholische Frauen und Männer beteiligten sich an unterschiedlichen Formen des Widerspruchs. Sie hielten verbotene Kontakte und Vereinigungen aufrecht, unterstützten Verfolgte, verbreiteten Informationen, wirkten in Widerstandsgruppen mit oder verweigerten sich der ideologischen Anpassung. Ihr Handeln war häufig durch ein Zusammenspiel von religiösem Glauben, politischer Überzeugung und persönlichem Gewissen motiviert.

Warum ist die Dokumentation dieser Einzelbiografien wichtig?

Einzelbiografien machen sichtbar, welche unterschiedlichen Entscheidungen Menschen unter den Bedingungen einer Diktatur trafen. Sie zeigen sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen persönlichen Handelns und wirken späteren Verallgemeinerungen über „die Kirche“ oder „den katholischen Widerstand“ entgegen. Zugleich bewahren sie die Erinnerung an Menschen, deren Mut, Verfolgung oder moralische Entscheidungen bislang nur wenig öffentliche Anerkennung erfahren haben.
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    Autorin
    ​Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archive

    DÖW: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

    Tiroler Landesarchiv

    Pfarrarchiv Hall in Tirol

    ​Stadtarchiv Hall in Tirol

    Digitales biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol DBANT von Elisabeth Walder

    Publikation:

    Alexander, Helmut: Der „rote“ Bischof. Paul Rusch und Tirol. Aspekte seines sozialen Engagements und gesellschaftspolitischen Selbstverständnisses. Innsbruck–Wien–Bozen: StudienVerlag, 2005, 304 Seiten. ISBN 978-3-7065-1919-9. StudienVerlag : StudienVerlag


    Aktualisiert:
    September 2026

    May 2025

    Kategorie
    Biografie

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