Lesen Sie mehr:Dr._Franz_PesslerHistorischer Kontext Richard Preßburgers beruflicher Werdegang erstreckte sich von der späten Habsburgermonarchie bis in die politisch zunehmend instabile Erste Republik. Als er 1893 seine Tätigkeit als Hof- und Gerichtsadvokat aufnahm, entwickelte sich Wien zu einem bedeutenden Zentrum des Rechts- und Geisteslebens. Zugleich waren Politik und Gesellschaft bereits von einem wachsenden Antisemitismus geprägt, der sich nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall Österreich-Ungarns weiter verschärfte. Als Strafverteidiger wirkte Preßburger in einer Epoche, in der aufsehenerregende Gerichtsverfahren zunehmend durch Zeitungsberichte und öffentliche Vorverurteilungen beeinflusst wurden. Besonders deutlich zeigte sich dies im Prozess gegen Philippe Halsman, den Preßburger im Dezember 1928 vor dem Innsbrucker Schwurgericht verteidigte. Der junge jüdische Student wurde beschuldigt, seinen Vater während einer Bergwanderung in Tirol getötet zu haben. Obwohl die Beweislage umstritten war, fand das Verfahren in einer stark antisemitisch aufgeladenen Atmosphäre statt. Teile der Presse und der Öffentlichkeit hatten Halsman bereits vor Abschluss des Prozesses für schuldig erklärt. Der Fall wurde deshalb später wiederholt als österreichische Parallele zur französischen Dreyfus-Affäre bezeichnet. Preßburgers Auftreten im Halsman-Prozess steht exemplarisch für die zentrale Aufgabe der Strafverteidigung in einem Rechtsstaat: die Rechte des Angeklagten auch gegenüber öffentlichem Druck, gesellschaftlichen Vorurteilen und einer feindseligen Stimmung zu wahren. Seine Biografie verweist damit nicht nur auf die österreichische Rechtsgeschichte, sondern auch auf die Gefährdung rechtsstaatlicher Grundsätze in einer Zeit zunehmender politischer Radikalisierung. Richard Preßburger starb am 28. Januar 1938 in Wien, nur wenige Wochen vor dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Er erlebte daher nicht mehr, wie jüdische Rechtsanwälte systematisch entrechtet, aus ihrem Beruf gedrängt und verfolgt wurden. Sein Todeszeitpunkt markiert dennoch symbolisch das Ende jener österreichischen Rechts- und Gesellschaftsordnung, in der er mehr als vier Jahrzehnte als einer der angesehensten Strafverteidiger des Landes gewirkt hatte. Lesen Sie mehr:geschichte.univie.ac.at/de/personen/alfred-verdross-drossbergRichard Preßburger (1861-1938) – Staranwalt der Ersten Republik Richard Preßburger zählt zu den markantesten Juristenpersönlichkeiten der österreichischen Zwischenkriegszeit. Als Strafverteidiger erwarb er sich in Jahrzehnten den Ruf eines außergewöhnlich versierten Anwalts – und wurde nicht zuletzt durch seine Rolle im Halsman-Prozess zu einer Figur, die weit über Fachkreise hinaus bekannt war. Sein Leben steht exemplarisch für das liberale jüdische Bildungsbürgertum der späten Habsburgermonarchie: geprägt von Aufstieg, Leistung und dem Glauben an den Rechtsstaat – und abrupt beendet kurz vor dessen endgültigem Zusammenbruch. Geboren am 16. Februar 1862 in Wien, promovierte Preßburger 1886 zum Dr. jur. und ließ sich 1893 als Hof- und Gerichtsadvokat nieder. In den folgenden Jahrzehnten verteidigte er in einigen der aufsehenerregendsten Strafprozesse der Monarchie und der Republik: dem Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Kriegsminister Auffenberg (1915), mehreren Mordprozessen der Zwischenkriegszeit sowie zahlreichen politischen Verfahren. Das Publikum verfolgte seine Auftritte mit einer Aufmerksamkeit, die sonst Theaterstars vorbehalten war – der Beiname „Lieblingsanwalt des Publikums" war keine Übertreibung. Preßburger war dabei mehr als ein brillanter Taktiker im Gerichtssaal. Als entschiedener Gegner der Todesstrafe und Mitglied internationaler juristischer Vereinigungen setzte er sich für eine grundlegende Reform des Strafverfahrens ein – ein Engagement, das ihn als Juristen der Aufklärungstradition ausweist. Er starb am 28. Januar 1938 in Wien – wenige Wochen vor dem „Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, dem er damit gerade noch entging. read more:Blog (EN) Dr. jur._Richard _PreßburgerRichard Preßburger und der Halsman-ProzessIm Dezember 1928 übernahm Richard Preßburger die Verteidigung des damals 22-jährigen Philippe Halsman vor dem Innsbrucker Schwurgericht – und betrat damit einen Prozess, der von Beginn an unter keinem guten Stern stand. Die öffentliche Stimmung war aufgeheizt, antisemitische Ressentiments bestimmten die Atmosphäre im Gerichtssaal wie in der Presse. Der Vorwurf wog schwer: Philippe Halsman, ein jüdischer Student aus Riga, sollte seinen Vater Morduch (Max) Halsman während einer Bergtour im Zillertal ermordet haben. Ein eindeutiges Tatmotiv fehlte, das gesamte Verfahren stützte sich auf Indizien – und dennoch entwickelte sich der Fall zu einem der meistdiskutierten Justizfälle Europas. Zeitgenossen und spätere Historiker sahen im Halsman-Prozess ein frühes, deutliches Beispiel für antisemitisch beeinflusste Justizmechanismen in Österreich. Dass sich schließlich Persönlichkeiten wie Sigmund Freud, Albert Einstein, Thomas Mann und Jakob Wassermann öffentlich für den Verurteilten einsetzten, zeigt, welche Dimension der Fall angenommen hatte. Preßburger kämpfte. Er wies auf Widersprüche in den Gutachten hin, thematisierte die vergiftete Stimmung – und legte nach der ersten Verurteilung zu zehn Jahren schwerem Kerker erfolgreich Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof ein. Das Urteil wurde 1929 tatsächlich aufgehoben, eine Neuverhandlung angeordnet. Im zweiten Verfahren jedoch trat Preßburger nicht mehr als Hauptverteidiger auf. An seine Stelle traten die Innsbrucker Anwälte Franz Pessler und Paul Mahler. Genau diese Ablösung dürfte der Ursprung einer bis heute gelegentlich auftauchenden Verwechslung sein: Die Namen „Preßburger", „Pressler" und „Pessler" ähneln einander, und in den Erinnerungen ehemaliger Dachau-Häftlinge sowie späteren Zeitzeugenberichten vermischten sich offenbar die Rollen beider Männer. Richard Preßburger führte den ersten, spektakulären Prozess – Franz Pessler den zweiten. Lesen Sie mehr:Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln)Buchpräsentation _KZ-DachauDer Fall Dreyfus – Ein Justizirrtum von weltgeschichtlicher Bedeutung Im Jahr 1894 wurde Alfred Dreyfus, Artillerieoffizier der französischen Armee, des Landesverrats beschuldigt – und zu lebenslanger Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt. Die Beweise waren fehlerhaft, das Verfahren von Vorurteilen durchdrungen, das politische Klima vergiftet. Dreyfus war Jude. Das allein genügte vielen als Beweis. Als sich in den folgenden Jahren herausstellte, dass die Anschuldigungen haltlos waren, wurde der Fall zur internationalen Affäre. Schriftsteller, Juristen und Intellektuelle forderten lautstark eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Den wirkungsmächtigsten Beitrag leistete der Schriftsteller Émile Zola: Sein offener Brief „J'accuse…!" – 1898 auf der Titelseite einer Pariser Tageszeitung erschienen – prangerte die Missstände im französischen Justizsystem in einer Direktheit an, die das Land spaltete und die Welt aufhorchen ließ. Der Fall Dreyfus wurde zum Symbol – für den Kampf um Rechtsstaatlichkeit, für das Recht auf ein faires Verfahren, für den Schutz von Minderheiten vor staatlicher Willkür. Seine Wirkung reichte weit über Frankreich hinaus. In ganz Europa schärfte er das Bewusstsein für die Gefahren einer politisierten Justiz und gab Juristen wie Menschenrechtsaktivisten neue Argumente in die Hand. Auch im Wien der Zwischenkriegszeit blieb der Fall präsent. Die Auseinandersetzung mit Fehlurteilen und die konsequente Verteidigung der Rechte von Angeklagten – beides gehörte zum Kern des anwaltlichen Selbstverständnisses von Dr. Richard Preßburger. Dass er Jahrzehnte später in einem Prozess stand, den Beobachter offen mit dem Fall Dreyfus verglichen, war kein Zufall. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Dreyfus-Affäre#Vorlage_ExzellentHistorischer Hintergrund des Halsman-Prozesses Der Halsman-Prozess fiel in eine Zeit, in der Österreich politisch und gesellschaftlich unter zunehmendem Druck stand. Antisemitismus war weit verbreitet – in Tirol besonders ausgeprägt. Teile der Presse nutzten den Prozess gegen den jungen jüdischen Studenten gezielt, um nationalistische Stimmungen zu schüren und die Öffentlichkeit zu emotionalisieren. Es verwundert daher nicht, dass Historiker den Fall gelegentlich als „österreichischen Dreyfus-Fall" bezeichnen. Die Parallele zum berühmten französischen Justizskandal um Alfred Dreyfus liegt nahe: In beiden Fällen verbanden sich gesellschaftliche Vorurteile, nationale Ressentiments, mediale Kampagnen und tiefgreifende Zweifel an der Unparteilichkeit der Justiz zu einem Gemenge, das eine faire Verhandlung von vornherein erschwerte. Philippe Halsman wurde schließlich durch Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt. Er emigrierte zunächst nach Paris, dann in die USA – und wurde dort zu einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Porträts von Albert Einstein, Marilyn Monroe, Winston Churchill und Salvador Dalí erlangten Weltruhm und sind bis heute ikonisch. Der Fall selbst blieb im kulturellen Gedächtnis präsent. Literarische und filmische Aufarbeitungen folgten in den Jahrzehnten nach dem Prozess. Besondere Bekanntheit erlangte der Spielfilm Jump! (2008), in dem Patrick Swayze die Rolle des Verteidigers Richard Preßburger übernahm. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Richard_Preßburgerwww.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pressburger_Richard_1862_1938.xmlwww.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/D_000125-125-000.html?prs=off&inst=off&plc=off<xts=off&wrk=off&quts=off&fullscreen=off&img=onwww.oesta.gv.at/dam/jcr:681a645b-a492-41e2-a1c4-0fb216b3643f/AdM%20August%2021%20Anklage.pdfFazit Richard Preßburger war mehr als ein erfolgreicher Strafverteidiger. Er verkörperte ein Rechtsverständnis, das auf Aufklärung, Menschenwürde und dem unbedingten Glauben an ein faires Verfahren gründete – Werte, die in der Zwischenkriegszeit zunehmend unter Druck gerieten. Der Halsman-Prozess bündelt diese Spannungen exemplarisch. Ein junger jüdischer Student, eine aufgeheizte Öffentlichkeit, eine von Ressentiments durchdrungene Atmosphäre – und ein Anwalt, der sich dem entgegenstellte. Dass Preßburger das erste Urteil zu Fall bringen konnte, war ein juristischer Erfolg. Dass es eines solchen Kampfes überhaupt bedurfte, war ein Zeichen der Zeit. Die Parallele zum Fall Dreyfus, die Zeitgenossen und Historiker gleichermaßen zogen, ist keine Übertreibung. In beiden Fällen versagte die Justiz dort, wo sie am meisten gefordert war: als Schutzwall gegen Vorurteil und politischen Druck. Und in beiden Fällen waren es Einzelne – Anwälte, Schriftsteller, Intellektuelle – die das Versagen öffentlich machten und nicht ruhen ließen. Richard Preßburger starb im Januar 1938, wenige Wochen vor dem „Anschluss". Er erlebte nicht mehr, wie das Rechtssystem, dem er sein Leben gewidmet hatte, endgültig zerstört wurde. Sein Wirken aber bleibt dokumentiert – als Zeugnis dafür, was engagierte Jurisprudenz bedeuten kann, gerade dann, wenn der Rechtsstaat am gefährdetsten ist. Lesen Sie mehr: Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Online unter, https://www.oesta.gv.at/dam/jcr:e4589f1b-3fd2-44fa-bd16-a2ab01b1e4a0/Adm%20August%2021%20Anklageschrift.pdf, (Stand: 12. Juni 2026) Dokument zum Auffenberg-Prozess (1915)Die hier gezeigte Anklageschrift des k.u.k. Divisionsgerichts in Wien vom Juni 1915 dokumentiert einen der aufsehenerregendsten politischen Prozesse der späten Habsburgermonarchie. Gegen den ehemaligen k.u.k. Kriegsminister General Moritz Ritter von Auffenberg wurde der Vorwurf des Verrats militärischer Geheimnisse erhoben. Der Fall erregte weit über Österreich-Ungarn hinaus Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einem bedeutenden Justiz- und Politikum der Kriegsjahre. Für Dr. Richard Preßburger markierte die Verteidigung Auffenbergs einen wichtigen Abschnitt seiner Karriere. Der Prozess trug wesentlich zu seinem Ruf als einer der bekanntesten Strafverteidiger seiner Zeit bei und machte ihn einem breiten Publikum bekannt. Das Dokument vermittelt zugleich einen Einblick in die Sprache, die Verfahrenspraxis und die politische Kultur der österreichisch-ungarischen Militärjustiz unmittelbar vor dem Ende der Monarchie. Lesen Sie mehr:austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Essays/Historisches_von_Graupp/MORITZ_VON_AUFFENBERG-KOMAROWHof- und Gerichtsadvokat Der Titel Hof- und Gerichtsadvokat war in der Habsburgermonarchie die offizielle Bezeichnung für einen zugelassenen Rechtsanwalt mit besonderer Befugnis zur Vertretung von Parteien vor den Gerichten. Die Bezeichnung „Hof“ verweist auf die ursprüngliche Zulassung vor den kaiserlichen Behörden und Gerichten, während „Gerichtsadvokat“ die Tätigkeit als Prozessvertreter bezeichnete. Hof- und Gerichtsadvokaten gehörten zur juristischen Elite der Monarchie und waren häufig in bedeutenden Zivil-, Straf- und Verwaltungsverfahren tätig. Nach dem Ende der Monarchie blieb die Berufsbezeichnung teilweise noch im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten, wurde jedoch schrittweise durch die moderne Bezeichnung „Rechtsanwalt“ ersetzt. Nichtigkeitsbeschwerde Die Nichtigkeitsbeschwerde war und ist im österreichischen Strafprozess ein außerordentliches Rechtsmittel gegen Urteile, wenn schwerwiegende Verfahrensfehler oder Rechtsverletzungen vorliegen. Dabei wird nicht die Beweiswürdigung des Gerichts überprüft, sondern die Frage, ob das Verfahren rechtmäßig durchgeführt wurde und das Urteil den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Im Fall Philippe Halsmans gelang es Richard Preßburger, eine Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof einzubringen. Der Gerichtshof hob daraufhin das Urteil auf und ordnete eine neuerliche Verhandlung an. Schwerer Kerker Der Begriff schwerer Kerker bezeichnete im österreichischen Strafrecht des 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine besonders strenge Form der Freiheitsstrafe. Sie unterschied sich vom gewöhnlichen Kerker durch verschärfte Haftbedingungen, die unter anderem harte körperliche Arbeit, Einschränkungen bei Besuchen und Korrespondenz sowie zeitweise verschärfte Arrestbedingungen umfassen konnten. Die Strafe galt als eine der schwersten Sanktionen des damaligen Strafrechts und wurde insbesondere bei schweren Verbrechen verhängt. Im Fall Philippe Halsmans lautete das Urteil des ersten Prozesses auf zehn Jahre schweren Kerkers. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Wer war Dr. Richard Preßburger?Dr. Richard Preßburger (1862–1938) war einer der bedeutendsten österreichischen Strafverteidiger während der späten Habsburgermonarchie und der Ersten Republik. Durch die Vertretung von Angeklagten in bedeutenden Strafverfahren und politischen Prozessen wurde er weit über juristische Fachkreise hinaus bekannt. Warum galt Richard Preßburger als einer der führenden österreichischen Rechtsanwälte?Preßburger wurde wegen seiner juristischen Fachkenntnis, seiner außergewöhnlichen Redekunst und seines entschlossenen Einsatzes für die Rechte der Angeklagten geschätzt. Er trat in mehreren öffentlichkeitswirksamen Verfahren auf und engagierte sich außerdem für die Reform des Strafrechts sowie für die Abschaffung der Todesstrafe. Welche Rolle spielte Richard Preßburger im Fall Philippe Halsman?Im Jahr 1928 übernahm Preßburger die Verteidigung Philippe Halsmans im ersten Mordprozess vor dem Innsbrucker Schwurgericht. Er wies auf Widersprüche in der Beweisführung hin und kritisierte die von Vorurteilen geprägte Atmosphäre, in der das Verfahren stattfand. Wer war Philippe Halsman?Philippe Halsman war ein junger jüdischer Student aus Riga, dem vorgeworfen wurde, seinen Vater während einer Bergwanderung in den Zillertaler Alpen im Jahr 1921928 ermordet zu haben. Nach seiner Ausreise aus Österreich wurde er zu einem der bedeutendsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Wurde Philippe Halsman verurteilt?Halsman wurde zunächst zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Richard Preßburger erhob erfolgreich eine Nichtigkeitsbeschwerde beim österreichischen Obersten Gerichtshof. Daraufhin wurde das erste Urteil aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet. Im zweiten Prozess wurde Halsman erneut verurteilt, später jedoch von Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt. Warum gilt der Halsman-Prozess als umstritten?Die Anklage stützte sich weitgehend auf Indizien, während kein eindeutiges Tatmotiv festgestellt werden konnte. Antisemitische Vorurteile, nationalistische Agitation, eine feindselige Berichterstattung in Teilen der Presse und Zweifel an der Unparteilichkeit der Justiz prägten die Atmosphäre des Verfahrens. Warum wird der Fall Halsman mit der Dreyfus-Affäre verglichen?In beiden Fällen waren jüdische Angeklagte mit Verfahren konfrontiert, die von Antisemitismus, öffentlicher Feindseligkeit, nationalistischen Stimmungen und erheblichen Zweifeln an der Fairness der Justiz geprägt waren. Beide Fälle wurden zu bedeutenden Beispielen dafür, wie Vorurteile die Rechtsstaatlichkeit gefährden können. Vertrat Richard Preßburger Philippe Halsman in beiden Prozessen?Nein. Richard Preßburger führte die Verteidigung im ersten Prozess und focht das Urteil erfolgreich an. Im zweiten Verfahren wurde Philippe Halsman von den Innsbrucker Rechtsanwälten Franz Pessler und Paul Mahler vertreten. Warum werden Richard Preßburger und Franz Pessler manchmal verwechselt?Ihre Nachnamen klingen ähnlich. Daher wurden ihre jeweiligen Rollen in späteren Erinnerungen und Darstellungen gelegentlich miteinander verwechselt. Preßburger vertrat Halsman im ersten Prozess, während Pessler an der Verteidigung im zweiten Verfahren beteiligt war. Was war eine Nichtigkeitsbeschwerde im österreichischen Strafrecht?Die Nichtigkeitsbeschwerde war ein Rechtsmittel, mit dem schwerwiegende Verfahrensfehler oder Rechtsverletzungen angefochten werden konnten. Im Fall Halsman führte sie dazu, dass der österreichische Oberste Gerichtshof das erste Urteil aufhob und eine Neuverhandlung anordnete. Welche Haltung vertrat Richard Preßburger zur Todesstrafe?Preßburger war ein entschiedener Gegner der Todesstrafe. Er beteiligte sich an den zeitgenössischen Debatten über eine Reform des Straf Strafrechts und trat öffentlich für deren Abschaffung ein. Wann starb Richard Preßburger?Richard Preßburger starb am 28. Januar 1938 in Wien – nur wenige Wochen vor dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938. Welche historische Bedeutung besitzt Richard Preßburger?Preßburger steht für eine Rechtstradition, die auf Menschenwürde, fairen Gerichtsverfahren und dem Schutz von Angeklagten vor Vorurteilen und öffentlichem Druck beruht. Sein Einsatz im Fall Halsman ist bis heute ein bedeutendes Beispiel für die Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit in einer Zeit zunehmenden Antisemitismus und wachsender politischer Radikalisierung. Warum war Philippe Halsmans jüdische Identität von Bedeutung?Philippe Halsmans Religion stand in keinem Zusammenhang mit dem ihm vorgeworfenen Verbrechen. Dennoch machte ihn seine jüdische Identität zur Zielscheibe weitverbreiteter antisemitischer Vorurteile. Diese feindselige Stimmung beeinflusste die öffentliche Meinung, die Berichterstattung in Teilen der Presse und die Atmosphäre während des Prozesses. Dadurch entstanden erhebliche Zweifel daran, ob Halsman ein faires und unparteiisches Verfahren erhielt.
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