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Memorial Msgr. Dr. Franz Kolb. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/Memorial_for_Franz_Kolb.jpg, (Stand: 16.3.2026). Wenn Glaube und Heimatliebe zur Gefahr werdenDas Leben von Msgr. Dr. Franz Kolb ist ein eindrucksvolles Zeugnis des katholischen Widerstands in Tirol. Als Priester, Politiker und unbeugsamer Tiroler erlebte er Verfolgung, Haft und ständige Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime. Besonders die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast und seine Treue zur katholischen Jugend machten ihn zum Ziel der Gestapo. Ein Leben für Tirol und den Glauben Geboren am 12. Jänner 1886 in Navis, führte der Weg von Franz Kolb früh in die geistliche Laufbahn . Nach der Matura am Bischöflichen Gymnasium Vinzentinum in Brixen trat er ins Priesterseminar ein und wurde 1909 zum Priester geweiht . Seine akademische Laufbahn führte ihn an die Universität Innsbruck, wo er Geschichte, Geographie und Sozialwissenschaften studierte – unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, in dem er als Feldkurat und Divisionspfarrer diente . 1921 promovierte er zum Doktor der Philosophie und wirkte zunächst als Professor in Brixen. Doch seine starke "tirolische" Gesinnung wurde den faschistischen Behörden ein Dorn im Auge: 1923 wurde er aus Südtirol ausgewiesen . Zurück in Innsbruck übernahm er die Leitung des Sieberschen Waisenhauses und engagierte sich als Religionslehrer sowie als Verbandspräses der katholischen Arbeitervereine Tirols . Von 1927 bis 1934 vertrat Franz Kolb die Christlichsoziale Partei als Abgeordneter im Nationalrat in Wien . Besondere Aufmerksamkeit erregte seine Rede vom 23. Februar 1928, in der er das Unrecht anprangerte, das den Südtirolern durch das faschistische Italien widerfuhr . Im austrofaschistischen Ständestaat war er Mitglied des Bundeskulturrates, bevor er 1936 zum Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck ernannt wurde . Anfeindung und Verhaftung durch die Nationalsozialisten Mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 änderte sich alles. Wegen seiner unmissverständlichen Ablehnung des Nationalsozialismus wurde Kolb aus dem Schuldienst entlassen . Es folgten Jahre der Bedrohung und Verfolgung. Die Chronik der Pfarre Obernberg, die Pfarrer Kolb selbst nach Kriegsende verfasste, hält die Schikanen fest: "Mit 27 Dienstjahren als Professor entlassen und 2-Mal von den Nationalsozialisten eingesperrt." Die erste Haft traf ihn vom 10. November bis 10. Dezember 1939 . Wie viele andere wurde auch er "gelegentlich des Attentats auf Hitler" (das gescheiterte Bürgerbräu-Attentat Georg Elsers) verhaftet – ohne jemals verhört zu werden . Die zweite Verhaftung erfolgte am 19. April 1941 und stand in direktem Zusammenhang mit einem Ereignis, das die Herzen der Tiroler Jugend tief bewegte. Die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast Hoch über dem Wipptal gelegen, war Maria Waldrast seit Jahrhunderten eines der bedeutendsten spirituellen Zentren Tirols. Der Legende nach wurde das Gnadenbild – eine Madonna mit dem Jesuskind aus Lindenholz – bereits 1392 in einem hohlen Lärchenstamm aufgefunden. Unzählige Pilger strömten seither zu der Wallfahrtsstätte, die 1624 von den Serviten mit einer prächtigen Kirche und einem Kloster ausgestattet worden war. Doch im April 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, schritt die Gestapo ein. Das Kloster wurde aufgehoben, die Wallfahrtskirche versiegelt. Für die tiefgläubige Tiroler Bevölkerung, insbesondere die Jugend, bedeutete dies einen tiefen Einschnitt und einen unmittelbaren Angriff auf ihre religiöse Identität. Um das wertvolle Gnadenbild vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu bewahren – es gab konkrete Pläne, die Statue ins „Altreich“ zu verschleppen –, suchten Pfarrer Franz Kolb und Msgr. Weisskopf noch in den Tagen zuvor das Gespräch mit der Gestapo. Sie versuchten vergeblich, die Herausgabe der Figur zu erwirken. Als die Verhandlungen scheiterten, reifte ein riskanter Plan: Auf Initiative von Dr. Josef Mair und Bischof DDr. Paulus Rusch entschloss man sich, die Madonna heimlich in Sicherheit zu bringen. In der Nacht vom 17. auf den 18. April 1941 war es so weit: Das Gnadenbild verschwand aus der versiegelten Kirche. Als die Gestapo am folgenden Tag das Fehlen der Statue entdeckte, reagierte sie mit aller Härte. Noch am 19. April 1941 wurde Pfarrer Kolb verhaftet und für 14 Tage in Haft genommen. Sein Mut, das religiöse Erbe Tirols um jeden Preis schützen zu wollen, sollte ihm zur zweiten von insgesamt zwei Gefängnisstrafen während der NS-Zeit werden. (siehe Blog Dr. Josef Mair) Solidarität der Jugend – der Protest am 20. April 1941 Die Schließung von Maria Waldrast und die Verhaftung der Geistlichen verfehlten ihre Wirkung nicht: Statt Einschüchterung lösten sie eine Welle der Solidarität aus. Besonders die katholische Jugend ließ sich nicht beugen. Am 20. April 1941, dem Geburtstag Adolf Hitlers, zogen etwa 200 junge Menschen aus den Seitentälern des Wipp- und Stubaitales vor die versperrte Gnadenkirche – ein mutiger Akt des Protesses gegen das NS-Regime, der bewusst an diesem symbolträchtigen Datum gesetzt wurde. Die Antwort der Gestapo folgte auf dem Fuß und traf nicht nur die Geistlichen, sondern weite Kreise der ländlichen Bevölkerung. Neben Pfarrer Kolb, der bereits seit dem Vortag in Haft saß, wurden verhaftet:
Die brutale Reaktion des Regimes machte deutlich, wie ernst die Nationalsozialisten jeden noch so stillen Widerstand nahmen – selbst den von Jugendlichen und einfachen Bauern. Doch der Mut dieser Menschen zeigte auch: Die religiöse Verwurzelung der Tiroler Bevölkerung war stärker als die Drohkulisse der Gestapo. Die Zeit der Ungewissheit Auch nach Kolbs Entlassung aus der Haft im Mai 1941 kehrte keine Ruhe ein. Zwar konnte er weiterhin als Professor für Kirchengeschichte an den Priesterseminaren in Volders und St. Michael in Matrei wirken – eine Tätigkeit, die er seit 1939 ausübte – doch die Bedrohung blieb allgegenwärtig. Ein einschneidendes Ereignis war die Schließung des Priesterseminars in Matrei; die Theologiestudenten mussten nach Kärnten ausweichen, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Kolb selbst, der bis 1945 als Pfarrer in Obernberg südlich von Innsbruck wirkte, lebte in diesen Jahren in ständiger Angst. In seiner Chronik beschreibt er diesen Zustand eindringlich: "Die 3 Jahre, welche er noch in Matrei und in Innsbruck war, konnte er sich keinen Tag vor der Verhaftung und einem ganz ungewissen Schicksal sicher fühlen. Er musste zu dieser Zeit jeden Augenblick darauf gefasst sein, erneut verhaftet zu werden, ein peinigender Zustand, der auch die besten Nerven auf eine harte Probe stellt." Die Worte des Chronisten lassen erahnen, welche seelische Belastung die Jahre der Verfolgung für den Priester bedeuteten – Jahre, in denen jede Türklingel, jeder Schritt auf der Straße die neue Verhaftung ankündigen konnte. Ein Leben nach dem Krieg Nach der Befreiung 1945 engagierte sich Franz Kolb unermüdlich im Wiederaufbau. Er wirkte bis 1950 als Religionslehrer in Innsbruck und als Landeskurat des Bundes der Tiroler Schützenkompanien . Seine Leidenschaft galt weiterhin der Geschichte Tirols; er veröffentlichte Bücher zur Geschichte des Wipptales, des Tiroler Brauchtums und der Freiheitskämpfe . Für seine Verdienste wurde er vielfach geehrt: Er war Ehrenmitglied des Rings der Goldenen Tapferkeitsmedaillen (als einziger Priester), Ehrenbürger von Matrei am Brenner, Ehrenmitglied der Universität Innsbruck und erster Träger des Ehrenringes des Landes Tirol . Bei den Vorbereitungen zur 150-Jahr-Feier des Tiroler Freiheitskampfes unter Andreas Hofer erlitt Msgr. Dr. Franz Kolb einen Herzinfarkt, dem er am 4. September 1959 in Innsbruck erlag . Eine Bronzebüste an der Friedhofsmauer der Matreier Pfarrkirche erinnert bis heute an diesen mutigen Mann . Das Leben von Msgr. Dr. Franz Kolb zeigt, wie aus tiefem Glauben und Heimatliebe der Mut zum Widerstand gegen ein menschenverachtendes Regime erwachsen kann. Er zahlte einen hohen Preis: Verlust des Berufs, Gefängnis und jahrelange Ungewissheit. Sein Einsatz für das Gnadenbild von Maria Waldrast und die katholische Jugend bleibt ein leuchtendes Beispiel gelebter Zivilcourage in dunkelster Zeit.
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