Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale
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Dr. Franz Pessler, Richard Preßburger und der „Fall Halsman“



Dr. Franz Pessler, Richard Preßburger und der „Fall Halsman“

6/8/2026

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Blog (EN) Dr._Franz_Pessler _Teil _2

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Dr._Franz_Pessler

Historischer Kontext

Der Fall Philipp Halsmann zählt zu den umstrittensten Strafverfahren der Ersten Österreichischen Republik. Am 10. September 1928 kam der aus Riga stammende Zahnarzt Morduch Halsmann während einer gemeinsamen Bergtour mit seinem Sohn Philipp am Schwarzenstein in den Zillertaler Alpen ums Leben. Obwohl die genauen Umstände seines Todes ungeklärt blieben und der Prozess im Wesentlichen auf Indizien beruhte, wurde der 22-jährige Philipp Halsmann des Vatermordes beschuldigt.
Das Verfahren fand in einer Zeit wachsender politischer Spannungen und eines weitverbreiteten Antisemitismus statt. Besonders in Tirol war die öffentliche Stimmung gegenüber jüdischen Reisenden und sogenannten „Fremden“ vielfach von Vorurteilen geprägt. Teile der Presse stellten Halsmann bereits vor Abschluss der gerichtlichen Untersuchungen als schuldig dar. Dadurch entwickelte sich der Prozess über die juristische Auseinandersetzung hinaus zu einem gesellschaftlichen und politischen Konflikt über Antisemitismus, Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz.
Im ersten Prozess vor dem Innsbrucker Schwurgericht im Dezember 1928 wurde Halsmann zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Sein Verteidiger, der renommierte Wiener Rechtsanwalt Richard Preßburger, bekämpfte das Urteil mit einer Nichtigkeitsbeschwerde. Der Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung im März 1929 auf und ordnete eine neuerliche Verhandlung an.
Im zweiten Verfahren übernahmen die Innsbrucker Rechtsanwälte Franz Peßler und Richard Mahler die Verteidigung. Trotz der Kritik an den medizinischen Gutachten und der umstrittenen Beweislage wurde Halsmann erneut schuldig gesprochen; die Strafe wurde auf vier Jahre schweren Kerker herabgesetzt. Franz Peßler setzte sich auch nach Abschluss des Prozesses mit dem Fall auseinander. In der 1931 von der Österreichischen Liga für Menschenrechte herausgegebenen Schrift Der Fall Halsmann veröffentlichte er unter dem Titel „Ein Bild des Prozesses“ eine ausführliche kritische Darstellung des Verfahrens.
Im September 1930 wurde Philipp Halsmann von Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt, musste Österreich jedoch verlassen. Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten wurde er unter dem Namen Philippe Halsman zu einem der bedeutendsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts.
Die später entstandene Verwechslung zwischen Franz Peßler und Richard Preßburger dürfte vor allem auf der Ähnlichkeit der Namen Peßler, Pressler und Preßburger beruhen. Während Preßburger den ersten Prozess führte, vertrat Peßler Halsmann im zweiten Verfahren. Richard Preßburger starb am 28. Januar 1938 in Wien. Franz Peßler hingegen wurde wenige Monate später, nach dem „Anschluss“ Österreichs, am 31. Mai 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Die genaue Unterscheidung der beiden Juristen verbindet somit die Geschichte eines umstrittenen Justizverfahrens der Zwischenkriegszeit mit der späteren Verfolgung österreichischer Rechtsanwälte durch das NS-Regime.

Lesen Sie mehr: 

de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Halsman

Eine Korrektur zu einem bemerkenswerten Detail aus dem KZ Dachau

Die Geschichte österreichischer Häftlinge im Konzentrationslager Dachau enthält immer wieder überraschende biographische Verbindungen zu bedeutenden Ereignissen der Zwischenkriegszeit. Eine solche Spur führt zum sogenannten Halsman-Prozess, einem der aufsehenerregendsten Justizfälle der Ersten Republik.
Im Zusammenhang mit Recherchen zu Tiroler Rechtsanwälten tauchte der Name Dr. Franz Pessler auf, der 1938 in das KZ Dachau deportiert wurde. Nach der Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945 befand sich der Innsbrucker Jurist Dr. Franz Pessler mit der Häftlingsnummer 14383 seit dem 31. Mai 1938 im Konzentrationslager Dachau.[1]
Besondere Bedeutung erhält diese Information durch die Erinnerungen des Haller Juristen und NS-Widerstandskämpfers Dr. Ernst Verdross (1892–1963), der als Häftling Nr. 14354 ebenfalls in Dachau interniert war. Verdross schilderte in seinen nach 1945 niedergeschriebenen Lebenserinnerungen eindrucksvoll die Gewalt, Demütigung und Entrechtung innerhalb des Lageralltags. Seine Aufzeichnungen gelten heute als bedeutende Quelle der Tiroler Widerstands- und Erinnerungsgeschichte.[2]
Die von Elisabeth Walder wissenschaftlich bearbeitete Publikation KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354 macht diese bisher kaum bekannte Quelle erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Das Werk dokumentiert nicht nur die Verfolgung Verdross’, sondern beschreibt auch die Atmosphäre unter den österreichischen Häftlingen im Lager Dachau.[3] ​

Lesen Sie mehr:

www.kz-gedenkstaette-dachau.de

Verdross-Dr. Ernst

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Der Hinweis auf den „Vatermörder-Fall“

Nach späteren Erinnerungen galt Dr. Pessler unter Mithäftlingen als „bekannt“ wegen des sogenannten „Vatermörder-Falles“. Gemeint war damit der international beachtete Prozess gegen Philippe Halsman.
Am 10. September 1928 kam der aus Riga stammende Zahnarzt Morduch (Max) Halsman während einer Bergwanderung am Schwarzenstein im Zillertal ums Leben. Sein Sohn Philippe Halsman wurde beschuldigt, den Vater ermordet zu haben. Der Fall entwickelte sich rasch zu einem Justizskandal mit internationalem Echo.
Vor dem Schwurgericht in Innsbruck wurde Philippe Halsman im Dezember 1928 schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Kerker verurteilt. Nach einem Einspruch kam es 1929 zu einer neuerlichen Verhandlung, die ebenfalls mit einer Verurteilung endete. Schließlich wurde Halsman im Oktober 1930 durch Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt und des Landes verwiesen.
Später emigrierte Philippe Halsman in die USA und wurde dort zu einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Porträts zahlreicher Persönlichkeiten aus Politik, Film und Kunst sowie durch seine Zusammenarbeit mit Salvador Dalí. Der Fall wurde unter anderem von Martin Pollack in seinem Buch Anklage Vatermord ausführlich aufgearbeitet.

Lesen Sie mehr:

de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Miklas

www.welt.de/print-welt/article407970/Der-Jude-wird-verbrannt.html

 Zur Frage der Namensverwechslung: Pessler, Pressler oder Preßburger?

Die in späteren Quellen auftauchende Verwechslung der Namen „Pessler", „Pressler" und „Preßburger" lässt sich heute präziser einordnen. Richard Preßburger, der Wiener Staranwalt und Verteidiger im ersten Halsman-Prozess, starb am 28. Januar 1938 – wenige Wochen vor dem „Anschluss" Österreichs. Eine Deportation in das Konzentrationslager Dachau kam für ihn daher nicht mehr in Frage.
Die Erinnerung an einen „RA Pressler" im Zusammenhang mit Dachau bezieht sich damit aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf Preßburger, sondern auf Dr. Franz Pessler, der am 31. Mai 1938 tatsächlich nach Dachau deportiert wurde. Die Ähnlichkeit der Namen – Pessler, Pressler, Preßburger – dürfte über die Jahre zu einer Vermischung geführt haben, die in Zeitzeugenberichten und späteren Aufzeichnungen gleichermaßen nachzuweisen ist.

Lesen Sie mehr:

oe1.orf.at/programm/20170805/483862/Der-raetselhafte-Absturz-des-Morduch-Max-Halsmann-und-der-Prozess-gegen-seinen-Sohn-Philipp-Halsmann

david.juden.at/buchbesprechungen/50-54/Main%20frame_Buch54_Anklage.htm

www.spiegel.de/kultur/der-fall-halsmann-a-dff88c3b-0002-0001-0000-000025499013

de.wikipedia.org/wiki/Richard_Preßburger

Dr. Richard Pressburger (1862–1938)

Dr. Richard Pressburger wurde am 16. Februar 1862 in Wien geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien promovierte er 1886 zum Doktor der Rechte und war ab 1893 als Hof- und Gerichtsadvokat in Wien tätig.
Er zählte zu den bekanntesten Strafverteidigern der späten Habsburgermonarchie und der Ersten Republik Österreich. Durch seine rhetorische Begabung und seine juristische Präzision erlangte er große Bekanntheit und erreichte in zahlreichen aufsehenerregenden Strafverfahren bemerkenswerte Freisprüche. Zu seinen bedeutendsten Fällen gehörten unter anderem der Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Kriegsminister Moritz von Auffenberg, der Prozess gegen den Mörder Philipp Halsmann sowie mehrere politisch motivierte Verfahren.
Neben seiner Tätigkeit als Strafverteidiger führte Pressburger eine angesehene zivilrechtliche Kanzlei. Er setzte sich engagiert für rechtsstaatliche Reformen ein und trat als entschiedener Gegner der Todesstrafe hervor. Als Mitglied des Internationalen Anwaltsverbandes hielt er 1932 einen vielbeachteten Vortrag zur Abschaffung der Todesstrafe.
Richard Pressburger veröffentlichte mehrere juristische und zeitgeschichtliche Arbeiten und genoss hohes Ansehen innerhalb der österreichischen Anwaltschaft. Er verstarb am 28. Januar 1938 in Wien. Sein Wirken machte ihn zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Strafverteidigung des frühen 20. Jahrhunderts.

Lesen Sie mehr:

www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pressburger_Richard_1862_1938.xml

Dr. jur._Richard _Preßburger

Ernst Verdross und das „KZ-Dachau-Protokoll“

Picture
Foto: Dr. Ernst Verdross. In historisches Archiv Fotoatelier Stockhammer Hall in Tirol. 
Besonders bemerkenswert bleibt die Rolle von Dr. Ernst Verdross selbst. Der Haller Magistratsdirektor und Jurist wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert, wo er die Häftlingsnummer 14354 erhielt.[4] 
Unmittelbar nach Kriegsende verfasste Verdross seine Lebenserinnerungen und das sogenannte „KZ-Dachau-Protokoll“, eine eindringliche Abrechnung mit den Zuständen im Konzentrationslager. Seine Aufzeichnungen enthalten detaillierte Schilderungen der Gewalt durch SA und SS, der Entrechtung politischer Gegner sowie der psychischen und physischen Zerstörung der Häftlinge.
Die Publikation KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354 von Elisabeth Walder stellt deshalb einen wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur sowie zur Erforschung des Tiroler Widerstandes gegen den Nationalsozialismus dar.[5] ​

Lesen Sie mehr:

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Fußnoten [1] DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien/München 1984, S. 392. [2] Ernst Verdross: KZ-Dachau Lebenserinnerungen, unpubliziertes Manuskript, Privatarchiv Dr. Markus Illmer, Innsbruck.  [3] Elisabeth Walder: KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354, Innsbruck 2025.  [4] „Dr. Ernst Verdross Edler von Drossberg – Ein Leben für Recht und Gerechtigkeit“, NS-Widerstand Hall in Tirol.  [5] „Das mahnende Vermächtnis des Häftlings Nr. 14354“, Stadtzeitung Hall in Tirol, Nr. 35, 9. Oktober 2025. ​

Lesen Sie mehr:

Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln)

Dr. _Manfred _Mumelter

Friedrich Corazza

Dr. Franz Pessler – Verteidiger im zweiten Halsman-Prozess

Dr. Franz Pessler war Rechtsanwalt in Innsbruck und eine der zentralen Figuren im zweiten Verfahren gegen Philippe Halsman. Nachdem Richard Preßburger im ersten Prozess die Nichtigkeitsbeschwerde erfolgreich durchgesetzt hatte und das Urteil vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden war, übernahm Pessler gemeinsam mit seinem Kollegen Paul Mahler die Verteidigung in der Neuverhandlung. Es war also Pessler, der Halsman in jenem Verfahren vor dem Innsbrucker Schwurgericht verteidigte, das heute als „Vatermordprozess" in die österreichische Justizgeschichte eingegangen ist.
Dieser Umstand erklärt, weshalb Pessler unter österreichischen Mithäftlingen im Konzentrationslager Dachau als der Anwalt des „Vatermörder-Falles" bekannt war. Nach dem „Anschluss" Österreichs wurde er am 31. Mai 1938 gemeinsam mit seinem Freund Dr. Ernst Verdross nach Dachau deportiert. Die Erinnerungen Verdross' belegen, dass der Halsman-Prozess auch Jahre später noch fest mit Pesslers Namen verbunden war.
Die gelegentliche Verwechslung der Namen Pessler, Pressler und Preßburger in späteren Quellen ist vor diesem Hintergrund erklärbar: Preßburger führte den ersten, öffentlichkeitswirksamen Prozess – Pessler den zweiten. Beide hinterließen im kollektiven Gedächtnis ihre Spuren, doch die Ähnlichkeit der Namen ließ die Rollen im Laufe der Jahrzehnte verschwimmen.

Lesen Sie mehr: 

Dr._Franz_Pessler

Dr. jur._Richard _Preßburger

Zusammenfassung

Der Fall Philipp Halsmann macht sichtbar, wie stark ein Strafverfahren durch gesellschaftliche Vorurteile, mediale Vorverurteilung und eine politisch aufgeheizte Atmosphäre beeinflusst werden kann. Richard Preßburger verteidigte Halsmann im ersten Prozess und erreichte die Aufhebung des Urteils durch den Obersten Gerichtshof. Im zweiten Verfahren übernahmen Franz Peßler und Richard Mahler die Verteidigung. Peßler setzte sich später auch publizistisch kritisch mit dem Prozess auseinander.
Die ähnliche Schreibweise der Namen Peßler und Preßburger führte in späteren Erinnerungen und Darstellungen wiederholt zu Verwechslungen. Die historischen Quellen ermöglichen heute eine klarere Zuordnung: Preßburger war Halsmanns Verteidiger im ersten Prozess, Peßler einer seiner Verteidiger in der Neuverhandlung. Der Fall bleibt ein bedeutendes Beispiel für die Gefährdung rechtsstaatlicher Grundsätze durch Antisemitismus und öffentliche Vorverurteilung in der Ersten Republik.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer war Philipp Halsmann?

Philipp Halsmann war ein 1906 in Riga geborener jüdischer Student. Im Jahr 1928 wurde er in Tirol beschuldigt, seinen Vater während einer Bergtour getötet zu haben. Nach seiner Ausreise aus Österreich wurde er unter dem Namen Philippe Halsman ein international bedeutender Porträtfotograf.

Was geschah mit Morduch Halsmann?

Morduch Halsmann kam am 10. September 1928 während einer Bergtour am Schwarzenstein in den Zillertaler Alpen ums Leben. Sein Sohn erklärte, sein Vater sei abgestürzt. Die Behörden gingen hingegen von einem Tötungsdelikt aus und beschuldigten Philipp Halsmann.

Warum gilt der Halsmann-Prozess als umstritten?

Das Verfahren beruhte weitgehend auf Indizien. Medizinische Gutachten und wesentliche Teile der Beweisführung wurden von Juristen und Wissenschaftlern kritisiert. Zudem war die öffentliche Atmosphäre von antisemitischen Vorurteilen und einer starken medialen Vorverurteilung geprägt.

Welche Rolle spielte Richard Preßburger?

Richard Preßburger war der führende Verteidiger Philipp Halsmanns im ersten Prozess von 1928. Nach der Verurteilung brachte er eine Nichtigkeitsbeschwerde ein, aufgrund derer der Oberste Gerichtshof das Urteil aufhob und eine Neuverhandlung anordnete.

Welche Rolle spielte Franz Peßler?

Franz Peßler übernahm gemeinsam mit Richard Mahler die Verteidigung im zweiten Prozess von 1929. Später veröffentlichte er eine ausführliche kritische Darstellung des Verfahrens unter dem Titel „Ein Bild des Prozesses“.

War Franz Peßler nur möglicherweise am Halsmann-Prozess beteiligt?

Nein. Seine Mitwirkung im zweiten Verfahren ist dokumentiert. Ungewissheiten bestehen vor allem aufgrund späterer Verwechslungen zwischen den Namen Peßler, Pressler und Preßburger.

Warum wurden Peßler und Preßburger später verwechselt?

Die Namen Peßler, Pressler und Preßburger klingen ähnlich und wurden in Erinnerungsberichten sowie späteren Darstellungen teilweise miteinander vermengt. Tatsächlich verteidigte Preßburger Halsmann im ersten Prozess, während Peßler im zweiten Prozess als Verteidiger tätig war.

Wurde Philipp Halsmann zweimal verurteilt?

Ja. Er wurde im Dezember 1928 zunächst zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Nachdem der Oberste Gerichtshof dieses Urteil aufgehoben hatte, wurde er im zweiten Prozess erneut schuldig gesprochen, nunmehr zu vier Jahren schweren Kerkers.

Wurde Philipp Halsmann rehabilitiert?

Halsmann wurde 1930 von Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt und anschließend aus Österreich ausgewiesen. Eine Begnadigung bedeutet jedoch keine gerichtliche Aufhebung des Schuldspruchs und damit keine förmliche Rehabilitierung.

Was geschah später mit Franz Peßler?

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Franz Peßler am 31. Mai 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort war er unter der Häftlingsnummer 14383 inhaftiert.

Warum ist der Fall bis heute historisch bedeutsam?

Der Fall zeigt, wie Antisemitismus, öffentliche Vorverurteilung und umstrittene Sachverständigengutachten ein Gerichtsverfahren beeinflussen können. Er wirft grundlegende Fragen nach der Unschuldsvermutung, einem fairen Verfahren und der Verantwortung der Justiz auf.
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    Autorin
    Elisabeth Waldr
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin


    Archives

    Verdross, Ernst: KZ-Dachau Lebenserinnerungen / KZ-Dachau-Protokoll, unveröffentlichtes Manuskript, Privatarchiv Dr. Markus Illmer, Innsbruck.

    DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien/München 1984.

    Walder, Elisabeth (Hrsg.): KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354. Dr. Ernst Verdross – Widerstand, Haft und die Pflicht zur Menschlichkeit, Innsbruck 2025.


    Literatur zum Fall Halsman
    Anklage Vatermord von Martin Pollack, Wien 2002. Fraenkel, Heinrich: The Halsman Case, London 1953.

    Ceplair, Larry / Englund, Steven: The Inquisition in Hollywood,
    Berkeley 1983. (Enthält Hinweise zur späteren Karriere Philippe Halsmans.)

    Philippe Halsman: Philippe Halsman. A Retrospective, New York 1983.

    Literatur zu Richard Preßburger
    Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950: Artikel zu Richard Preßburger.

    Rathkolb, Oliver: 
    Die paradoxe Republik. Österreich 1945 bis 2005, Wien 2005. (Zum politischen und gesellschaftlichen Hintergrund der Ersten Republik.)

    Botz, Gerhard: Gewalt in der Politik. Attentate, Zusammenstöße, Putschversuche, Unruhen in Österreich 1918–1938, München 1983.

    Hanisch, Ernst: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Wien 1994.


    Literatur zur NS-Zeit und Erinnerungskultur in Tirol
    Steininger, Rolf: Tirol und der Nationalsozialismus, Innsbruck 1991.

    ​Gehler, Michael: Tirol im 20. Jahrhundert, Innsbruck/Wien 2008
    .

    Drexel, Gilbert / Walter, Sylvia: Erinnerungsorte des Nationalsozialismus in Tirol, Innsbruck 2015.

    Pelinka, Anton: Österreichische Zeitgeschichte. Gesellschaft – Politik – Kultur 1918–2000, Wien 2001.


    Online-Quellen
    NS-Widerstand Hall in Tirol ERINNERN:AT Tirol – Buchpräsentation „KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354“ ORF Tirol – Fotostar Halsman: Justizdrama in Tirol ORF Ö1 – Der rätselhafte Absturz des Morduch Max Halsmann MeinBezirk Tirol – Der Fall Philipp Halsmann Austria-Forum – Richard Preßburger

    Haft in Dachau: Dr. Franz Pessler, ein Jurist (Dr. jur.) aus Innsbruck, war mit der Häftlingsnummer 14383 im KZ Dachau inhaftiert. Er wurde am 31. Mai 1938 dorthin deportiert. In den Aufzeichnungen wird er als Mitgefangener von Dr. Ernst Verdross (Häftlingsnummer 14354) aufgeführt. (Quelle: https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/31-mai-1938---deportation-kz-dachau, (Stand: 20.11.2025); sowie DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934 – 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 392.)

    Literaturverzeichnis DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien/München 1984.

    Genaue Literaturangabe Anklage Vatermord von Martin Pollack:
    Anklage Vatermord. Der Fall Philipp Halsmann.
    Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2002.
    324 Seiten.
    ISBN 3-552-05206-2 / ISBN-13: 978-3-552-05206-2.  Taschenbuchausgabe Anklage Vatermord von Martin Pollack:
    Anklage Vatermord. Der Fall Philipp Halsmann.
    Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2004.
    328 Seiten.
    ISBN 978-3-596-16040-2. 


    ​Elisabeth Walder: KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354, Innsbruck 2025.
    NS-Widerstand Hall in Tirol
    ​ERINNERN:AT Tirol – Buchpräsentation „KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354“


    Aktualisiert: Juli 2026

    June 2026

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