Sprache / Language: DE | ENOrdensgemeinschaften während des Nationalsozialismus in Hall in TirolOrdensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen in Hall in Tirol: das Leopoldinum, das Franziskanerkloster, das Haus zum Guten Hirten sowie historische und neuere Ansichten des ehemaligen Schulgebäudes der Tertiarschwestern am Unteren Stadtplatz. Collage: Elisabeth Walder/DBANT. further Information:🇬🇧 /catholic-clergy-nazi-resistance-hall-tyrolEinleitungWährend der nationalsozialistischen Herrschaft waren katholische Klöster und Ordensgemeinschaften in Hall in Tirol und anderen Teilen Tirols von Überwachung, Enteignung, Vertreibung und Einschränkungen ihres religiösen Lebens betroffen. Schulen wurden geschlossen, Gebäude beschlagnahmt und Ordensangehörige verfolgt oder zur Arbeit in Lazaretten und Fabriken verpflichtet. Einige Ordensfrauen und Ordensmänner leisteten offenen Widerstand gegen das NS-Regime, andere bewahrten durch Seelsorge, Pflege, Bildung und konkrete Hilfe für bedrohte Menschen christliche Werte und menschliche Würde. Der Beitrag dokumentiert unter anderem die Geschichte der Franziskaner, Kreuzschwestern, Salesianerinnen, Tertiarschwestern, Marianisten, Pallottiner, Trinitarierinnen und Prämonstratenser. Zugleich erinnert er an Persönlichkeiten wie Franz Reinisch, Schwester Angela Autsch, Pater Jakob Gapp und Pater Dominikus Dietrich. Ordensschwestern bei ihrer Pflege- und Versorgungsarbeit während der NS-Zeit. Symbolische, KI-generierte Rekonstruktion; keine historische Originalaufnahme. Ordensgemeinschaften unter der NS-Herrschaft Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 gerieten katholische Orden und Klöster zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Druck. Das NS-Regime betrachtete kirchliche Gemeinschaften als weltanschauliche Gegner, weil ihr christliches Menschenbild und ihre Bindung an die Kirche dem totalitären Herrschaftsanspruch des Nationalsozialismus widersprachen. Auch die Ordensgemeinschaften in Hall in Tirol und anderen Teilen Tirols waren von Überwachung, Beschlagnahmungen und Eingriffen in ihre Tätigkeit betroffen. Klosterschulen wurden geschlossen, Ordensangehörige aus dem Unterricht entfernt und Gebäude für militärische, staatliche oder parteipolitische Zwecke verwendet. Manche Gemeinschaften verloren ihre wirtschaftliche Grundlage; andere mussten Soldaten aufnehmen, in Lazaretten arbeiten oder Tätigkeiten außerhalb des Klosters übernehmen. Dadurch wurden das religiöse Gemeinschaftsleben sowie die Arbeit in Bildung, Pflege und Seelsorge erheblich eingeschränkt. Die Reaktionen der Ordensfrauen und Ordensmänner waren unterschiedlich. Einzelne wie Pater Franz Reinisch, Pater Jakob Gapp, Schwester Angela Autsch oder Pater Dominikus Dietrich widersetzten sich dem Regime offen und nahmen Verfolgung, Haft oder sogar den Tod in Kauf. Andere leisteten weniger sichtbaren Widerstand, indem sie Verfolgten halfen, menschliche Fürsorge bewahrten oder sich der nationalsozialistischen Weltanschauung innerlich und religiös verweigerten. Nicht jede Form von Standhaftigkeit oder jeder erlittene Eingriff kann jedoch ohne Weiteres als politischer Widerstand bezeichnet werden. Viele Ordensgemeinschaften waren in erster Linie Opfer der nationalsozialistischen Kirchenpolitik. Ihr Festhalten am Glauben, die Fortsetzung ihrer sozialen Aufgaben und ihre Hilfe für notleidende Menschen konnten dennoch Handlungsspielräume eröffnen, in denen christliche Werte und die Würde des Menschen gegenüber dem NS-Regime verteidigt wurden. Der folgende Beitrag dokumentiert deshalb sowohl nachweisbare Widerstandshandlungen als auch Verfolgung, Enteignung, Einschränkung und religiöse Selbstbehauptung. Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Erfahrungen katholischer Ordensgemeinschaften in Hall in Tirol und Tirol sowie die Lebensgeschichten jener Ordensfrauen und Ordensmänner, die sich der nationalsozialistischen Herrschaft entgegenstellten oder unter ihr zu leiden hatten. Beschlagnahmung und Zweckentfremdung eines Klosters während der nationalsozialistischen Herrschaft. Symbolische, KI-generierte Rekonstruktion; keine historische Originalaufnahme. 2. Widerstand, Verfolgung und religiöse Standhaftigkeit Das Verhalten katholischer Ordensgemeinschaften während der nationalsozialistischen Herrschaft lässt sich nicht mit einem einzigen Begriff beschreiben. Zwischen offenem Widerstand, stiller Verweigerung, religiöser Selbstbehauptung und dem Bemühen um das eigene Überleben bestanden zahlreiche Abstufungen. Zugleich waren viele Klöster und ihre Angehörigen selbst von Überwachung, Enteignung, Vertreibung und anderen staatlichen Zwangsmaßnahmen betroffen. Einzelne Ordensfrauen und Ordensmänner widersetzten sich dem NS-Regime öffentlich. Sie kritisierten dessen Ideologie, verweigerten den Gehorsam gegenüber nationalsozialistischen Forderungen oder unterstützten verfolgte Menschen. Einige bezahlten diese Haltung mit Haft, Deportation oder ihrem Leben. Zu ihnen gehörten Pater Franz Reinisch, der den Fahneneid auf Adolf Hitler verweigerte, Pater Jakob Gapp, der die Unvereinbarkeit von Nationalsozialismus und christlichem Glauben offen darlegte, sowie Schwester Angela Autsch, die wegen ihrer ablehnenden Haltung verfolgt und in Konzentrationslager deportiert wurde. Andere Formen der Gegenwehr vollzogen sich weniger sichtbar. Ordensgemeinschaften versuchten, ihre religiöse Identität zu bewahren, obwohl Schulen geschlossen, Gebäude beschlagnahmt und ihre bisherigen Aufgaben eingeschränkt wurden. Sie hielten am gemeinsamen Gebet fest, setzten ihre seelsorgliche und pflegerische Arbeit fort und sorgten unter schwierigen Bedingungen für Kranke, Schutzbedürftige und Notleidende. Dieses Handeln war nicht in jedem Fall organisierter oder politischer Widerstand, konnte aber eine bewusste Abgrenzung von der menschenverachtenden Ideologie des Regimes darstellen. Auch in Hall in Tirol zeigt sich dieses vielschichtige Bild. Die Franziskaner, Kreuzschwestern, Salesianerinnen, Tertiarschwestern, Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu und die Gemeinschaft des Hauses zum Guten Hirten waren in unterschiedlicher Weise von Eingriffen des NS-Staates betroffen. Manche verloren ihre Schulen oder Gebäude, andere mussten unter staatlichem Zwang neue Aufgaben übernehmen. Dennoch versuchten sie, ihre religiöse Gemeinschaft und ihren Dienst an den Menschen aufrechtzuerhalten. Für die historische Einordnung ist eine sorgfältige Unterscheidung notwendig: Verfolgung allein belegt noch keine aktive Widerstandstätigkeit, und religiöse Standhaftigkeit ist nicht automatisch mit politischem Widerstand gleichzusetzen. Dennoch zeigen die überlieferten Lebensgeschichten, dass Glaube, Gewissen und christliche Verantwortung wichtige Grundlagen für Verweigerung, Hilfeleistung und offenen Widerspruch sein konnten. Diese unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten bilden den Rahmen für die folgenden Darstellungen der einzelnen Orden und ihrer Angehörigen. Franz Reinisch – der Pallottinerpater, der den Eid auf Hitler verweigerte Pater Franz Reinisch (1903–1942) und die Erinnerung an den „Märtyrer des Gewissens“ in Hall in Tirol: historisches Porträt, Gedenkinstallation WIDER.STAND, Namenstafel und Skulptur „Geköpft“ in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Collage: Elisabeth Walder/DBANT. Pallottinerpater Franz Reinisch wurde am 1. Februar 1903 in Feldkirch geboren und wuchs unter anderem in Bozen, Bruneck und Innsbruck auf. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft und Gerichtsmedizin entschied er sich für das Priestertum. Im Jahr 1928 wurde er zum Priester geweiht und trat anschließend in die Gemeinschaft der Pallottiner ein. Als Mitglied der Schönstattbewegung wirkte er vor allem in der Seelsorge und als Prediger. Schon früh erkannte Reinisch die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen Ideologie mit dem christlichen Glauben. In Vorträgen und Predigten kritisierte er offen den Führerkult, den Rassenwahn und die Missachtung der Menschenwürde. Wegen seiner entschiedenen Haltung verhängten die nationalsozialistischen Behörden 1940 ein Rede- und Predigtverbot über ihn. Als Reinisch 1942 zur Wehrmacht einberufen wurde, stand für ihn fest, dass er den persönlichen Fahneneid auf Adolf Hitler nicht leisten konnte. Seine Verweigerung beruhte auf einer lange vorbereiteten Gewissensentscheidung: Einem verbrecherischen Regime und dessen Führer wollte er keinen Eid der Treue schwören. Obwohl er wusste, dass ihm dafür die Todesstrafe drohte, blieb er bei seiner Entscheidung. Nach seiner Verhaftung wurde Reinisch vor dem Reichskriegsgericht angeklagt und am 7. Juli 1942 wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt. Am 21. August 1942 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil hingerichtet. Er gilt als der einzige katholische Priester, der während der nationalsozialistischen Herrschaft den Fahneneid auf Hitler verweigerte und deshalb hingerichtet wurde. Sein Handeln steht beispielhaft für einen Widerstand, der aus dem christlichen Glauben und der persönlichen Verantwortung des Gewissens hervorging. Heute wird Franz Reinisch als „Märtyrer des Gewissens“ verehrt. Im Jahr 2013 eröffnete das Bistum Trier sein Seligsprechungsverfahren. Die diözesane Untersuchungsphase wurde 2019 abgeschlossen; seither wird das Verfahren in Rom weitergeführt. Nach einer Mitteilung der Pallottiner vom Februar 2025 schreitet es weiterhin voran. Bistum Trier, Pallottiner Für Hall in Tirol besitzt sein Gedenken eine besondere Bedeutung: Seit 2023 trägt der Platz vor der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus den Namen Pater-Franz-Reinisch-Platz. Damit erinnert die Stadt an einen österreichischen Priester, der seinem Gewissen selbst angesichts des sicheren Todes treu blieb. Erfahren Sie mehr über Franz Reinisch:Reinisch_Franz _Pallottiner🕯️Pater Franz Reinisch Gedenkenwww.youtube.com/watch?v=rtG_KMReWXspfarre-hall.at/at/glaube/Franz_Reinisch.phpDas Franziskanerkloster Hall in Tirol unter der NS-Herrschaft Das Franziskanerkloster Hall in Tirol und seine Zweckentfremdung während der NS-Zeit: Innenhof des Klosters, die als Kleiderlager missbrauchte Franziskanerkirche, die ebenfalls zur Lagerung verwendete Sakristei sowie das Klostergebäude im Jahr 2025. Die Tiroler Franziskanerprovinz vom seligen Engelbert Kolland war eine Ordensprovinz der Franziskaner (OFM) für Tirol. Sie wurde 1580 gegründet und trug ab 2001 das Patrozinium des seligen Engelbert Kolland (1827–1860), eines Märtyrers von Damaskus. Seit dem Jahr 2007 ist sie Teil der Franziskanerprovinz Austria zum heiligen Leopold. Das Franziskanerkloster Hall in Tirol war über Jahrhunderte ein bedeutender Ort des religiösen Lebens, der Seelsorge und der Bildung. Die Franziskaner wirkten in der Stadt und unterrichteten am benachbarten Franziskanergymnasium. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 gerieten jedoch auch das Kloster und seine Angehörigen zunehmend unter politischen Druck. Die nationalsozialistischen Machthaber schränkten das klösterliche Leben erheblich ein und entzogen der Ordensgemeinschaft schrittweise ihre bisherigen Wirkungsmöglichkeiten. Das Franziskanergymnasium wurde aufgehoben, Räume des Klosters wurden beschlagnahmt und für Zwecke der NS-Verwaltung verwendet. Teile der Klosteranlage dienten der Gauleitung als Lager. Selbst die Franziskanerkirche wurde zweckentfremdet und zeitweise als Kleiderlager genutzt. Die historischen Fotografien dieser Nutzung verdeutlichen den tiefgreifenden Eingriff in einen jahrhundertealten religiösen und kulturellen Ort. Die Franziskaner wurden aus ihrem Kloster in Hall vertrieben und mussten ihre Ordenskleidung ablegen. Damit griff das NS-Regime unmittelbar in ihre religiöse Identität und Lebensform ein. Die Klosteranlage wurde beschlagnahmt und einer anderen Nutzung zugeführt. Teile des Gebäudes dienten der Gauleitung als Lager; selbst die Franziskanerkirche wurde zweckentfremdet und zeitweise als Kleiderlager verwendet. Die Ordensgemeinschaft wurde auseinandergerissen, und die Brüder mussten außerhalb des Klosters Unterkunft und neue Tätigkeitsmöglichkeiten finden. Zu den mit dem Haller Franziskanerkloster verbundenen Personen gehören unter anderem Pater Johannes Kapistran Pieller, Pater Paskal Plaseller, Pater Rupert Dullnig, Pater Florian Schachl, Pater Walter Rücker, Pater Otto Matthys, Pater Gabriel Haider, Pater Gaudentius Conzi, Pater Honorius Hohlbrugger, Pater Eligius Dastl, Bruder Konrad Walcher und Frater Maxim Gredler. Ihre Biografien machen sichtbar, wie unterschiedlich Ordensangehörige von den Eingriffen des NS-Regimes betroffen waren. Ein besonders tragisches Schicksal erlitt Frater Massäus Stemeseder. Der Franziskanerbruder, der seit 1931 wegen einer psychischen Erkrankung in der Heil- und Pflegeanstalt Hall betreut wurde, wurde am 10. Dezember 1940 im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde abtransportiert und in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Sein Schicksal gehört sowohl zur Geschichte des Franziskanerklosters als auch zur Geschichte der Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen. Die Lebensgeschichten der Haller Franziskaner zeigen, wie die vertriebenen Ordensangehörigen mit der gewaltsamen Aufhebung ihrer Gemeinschaft umgingen. Einzelne Patres und Brüder widersetzten sich nationalsozialistischen Maßnahmen, unterstützten bedrängte Menschen oder versuchten, ihre seelsorglichen Aufgaben unter veränderten Bedingungen fortzuführen. Andere wurden aufgrund ihrer Ordenszugehörigkeit, ihrer kirchlichen Tätigkeit oder ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Regime überwacht und verfolgt. Erfahren Sie mehr über die verfolgten Franziskaner und ihre Lebensgeschichten im Digitalen Biografischen Archiv des NS-Widerstandes in Tirol:Franziskaner Kloster Hall in TirolVerfolgte FranziskanerFranziskaner Pater in Hall in TirolFrater Maxim - Johann Gredler (Franziskaner1)DDDr. Pater Johannes Kapistran PiellerDr. Paskal (Fritz) PlasellerFR Dr. Rupert DullnigFR Pater Dr. Florian SchachlFR Pater Walter RückerFR Pater Otto MatthysFranziskaner Frater Massäus StemesederFranziskaner Pater Gabriel HaiderFranziskaner Pater Gaudentius ConziFR Pater Honorius HohlbruggerFranziskaner Pater Eligius DastlFranziskaner Bruder Konrad (Peter) WalcherDas Haus zum Guten Hirten in Hall in Tirol Haus zum Guten Hirten in Hall in Tirol vor seiner Zerstörung im Jahr 1945. KI-generierte Rekonstruktion nach einer historischen Bildvorlage. Archiv: Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol (DBANT). Das zwischen 1863 und 1865 errichtete Haus zum Guten Hirten wurde von den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Zams geführt. Als Bildungs- und Fürsorgeeinrichtung umfasste es ein Kinderheim, ein Mädchenpensionat sowie mehrere Schulen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs griffen die Nationalsozialisten massiv in die Arbeit des Hauses ein. Im Juli 1938 verloren die Schulen das Öffentlichkeitsrecht; elf Lehrschwestern wurden aus dem Schuldienst entfernt. Schwester Erharda Hendlmeier und Oberin Schwester Ezechiela Endrass wurden verhaftet. Auch der Franziskaner und Hauskaplan Pater Epiphan Redhammer wurde 1940 festgenommen und anschließend mit einem Gauverweis belegt. Beim Luftangriff auf Hall am 16. Februar 1945 wurde das Haus weitgehend zerstört. Dabei kamen 22 Ordensschwestern und zwei Pfleglinge ums Leben. Nach dem Krieg wurde die Anlage wiederaufgebaut und als Wohn- und Pflegeheim weitergeführt. Die Geschichte des Hauses steht für die Verfolgung katholischer Bildungs- und Fürsorgeeinrichtungen, die religiöse Standhaftigkeit ihrer Angehörigen und die verheerenden Folgen des Krieges. Mehr über das Haus zum Guten Hirten während der NS-Zeit erfahren: Haus zum Guten HirtenSchwester Erharda HendlmeierSchwester Ezechiela Endrasswww.facebook.com/SE.HZGH/?locale=de_DEDie Salesianerinnen im Kloster Thurnfeld Kloster Thurnfeld in Hall in Tirol, 2025. Oben links: Blick auf die Klosterkirche und den Hof. Oben rechts: Kloster der Kreuzschwestern, von Thurnfeld aus gesehen. Unten links: Tafel des Klosters der Heimsuchung Maria Thurnfeld. Unten rechts: Kloster Thurnfeld mit Klosterkirche, vom Areal der Kreuzschwestern aus gesehen. Fotos: K. Walder, 2025. Archiv: Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol (DBANT). Das Kloster der Heimsuchung Mariens in Thurnfeld war über viele Jahrzehnte ein Ort des kontemplativen Ordenslebens und der Bildung. Die dort lebenden Salesianerinnen – auch Schwestern von der Heimsuchung Mariens genannt – führten eine Schule und widmeten sich der religiösen Erziehung junger Frauen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde die Schule geschlossen und die bisherige Arbeit der Schwestern eingeschränkt. Mehrere Salesianerinnen mussten im Lazarett der Kreuzschwestern arbeiten. Auch eine anderweitige Verwendung der Klostergebäude wurde erwogen; zeitweise bestanden Pläne, Teile der Anlage für den Wohnungsbau umzuwidmen. Während der Luftangriffe suchten Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Häuser Schutz im Keller des Klosters. Dadurch wurde Thurnfeld in den letzten Kriegsjahren auch zu einem Zufluchtsort für die benachbarte Bevölkerung. Die Geschichte der Salesianerinnen zeigt vor allem die Eingriffe des NS-Regimes in das religiöse Leben und die Bildungsarbeit katholischer Frauenorden. Eine organisierte politische Widerstandstätigkeit ist nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht belegt. Das Festhalten an der klösterlichen Gemeinschaft sowie der Dienst im Lazarett und die Aufnahme Schutzsuchender stehen jedoch für religiöse Standhaftigkeit und praktische Hilfe unter den Bedingungen von Diktatur und Krieg. Mehr über die Salesianerinnen im Kloster Thurnfeld während der NS-Zeit erfahren:Salesienaerinnen in Thurnfeldwww.tt.com/artikel/30882318/drei-salesianerinnen-bewahren-das-erbe-des-klosters-thurnfeld-in-hallwww.dibk.at/meldungen/neue-perspektive-fuer-das-kloster-thurnfeld-in-hall Die Tertiarschwestern von Hall während der NS-Zeit Schul- und Tertiarschwestern in Hall in Tirol. Oben links: KI-generierte Rekonstruktion nach einer historischen Bildvorlage. Oben rechts: Fassade und Eingang des ehemaligen Schulgebäudes. Unten links: Kirchenportal der Tertiarschwestern. Unten rechts: Gebäudeansicht vom Unteren Stadtplatz; störende Fahrzeuge wurden digital entfernt. Fotografien: K. Walder, 2025. Archiv: Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol (DBANT). Die Franziskaner-Tertiarschwestern vom heiligen Franziskus, auch Schulschwestern genannt, waren seit dem 19. Jahrhundert eng mit der Mädchenbildung in Hall in Tirol verbunden. Über neun Jahrzehnte unterrichteten sie am Unteren Stadtplatz und führten außerdem Kindergärten und Nähschulen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde ihnen im März 1938 das Schulgebäude entzogen. Die Ordensfrauen wurden aus dem öffentlichen Schuldienst entfernt und durch Lehrkräfte ersetzt, die im nationalsozialistischen Sinne unterrichten sollten. Ein Schreiben der Provinzialoberin Schwester Elisabeth Santer aus dem Jahr 1980 nennt für die Ordensprovinz insgesamt 26 entlassene oder nicht mehr angestellte Schwestern sowie die Schließung von drei Kindergärten und zwei Nähschulen. Einzelne Schwestern wurden darüber hinaus verfolgt. Schwester Alfonsa Brettauer wurde zur Arbeit in einem Rüstungsbetrieb in Bremen verpflichtet, wiederholt von der Gestapo verhört und zweimal inhaftiert. Andere Ordensfrauen mussten ihren Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten verdienen oder fanden Beschäftigung in kirchlichen Einrichtungen. Der Krieg forderte auch unter den Tertiarschwestern zahlreiche Opfer. Drei Schwestern aus Hall starben 1943 bei einem Luftangriff auf das Lazarett in Feldkirch. Beim Bombenangriff auf Hall am 16. Februar 1945 kamen elf weitere Tertiarschwestern ums Leben, als das Haus zum Guten Hirten, in dem sie Schutz gesucht hatten, getroffen wurde. Die Geschichte der Haller Schulschwestern dokumentiert die gezielte Verdrängung katholischer Ordensfrauen aus Bildung und Erziehung. Eine organisierte Widerstandstätigkeit der gesamten Gemeinschaft ist nicht belegt. Die Verfolgung einzelner Schwestern und ihr Festhalten an ihrer religiösen Berufung stehen jedoch für persönliche Standhaftigkeit unter der NS-Herrschaft Mehr über die Tertiarschwestern von Hall während der NS-Zeit erfahren: Repressalien gegen Haller KloesterSchwester Alfonsa Brettauertertiarschwestern.at/de/index.phpDie Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu in Hall in TirolSchwestern vom Heiligen Herzen Jesu im Kloster in Hall in Tirol, vermutlich in den 1940er-Jahren. Quelle: Klosterarchiv der Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu, Hall in Tirol; Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol (DBANT). Die Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu waren in Hall in Tirol in der religiösen Betreuung tätig. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde auch ihr Gemeinschaftsleben durch staatliche Eingriffe, Einschränkungen und die Folgen des Krieges belastet. Ein besonders wertvolles Zeugnis dieser Jahre ist das Tagebuch der Oberin Schwester Wilhelmine. Ihre Aufzeichnungen geben unmittelbaren Einblick in den Alltag der Ordensgemeinschaft und berichten von politischen Eingriffen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Luftangriffen sowie den Sorgen und Ängsten der Schwestern. Als zeitgenössische Quelle dokumentiert das Tagebuch, wie die Gemeinschaft versuchte, ihr religiöses Leben und ihre Aufgaben unter den Bedingungen der Diktatur aufrechtzuerhalten. Eine organisierte politische Widerstandstätigkeit der gesamten Ordensgemeinschaft ist nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht belegt. Das Festhalten am gemeinsamen Glauben, an der klösterlichen Lebensform und am Dienst für andere Menschen kann jedoch als religiöse Selbstbehauptung gegenüber dem weltanschaulichen Anspruch des NS-Regimes verstanden werden. Die überlieferten Aufzeichnungen von Schwester Wilhelmine bewahren die Erfahrungen der Gemeinschaft aus weiblicher und klösterlicher Perspektive. Sie sind deshalb eine wichtige Quelle für die Geschichte der Ordensgemeinschaften in Hall während der NS-Zeit Mehr über die Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu und das Tagebuch der Oberin Wilhelmine erfahren: Repression gegen Klöster und Ordensgemeinschaften -Societe des Filles du Sacre Coeurwww.herzjesukloster-hall.atDie Kreuzschwestern in Hall in Tirol während der NS-ZeitLinks: Kloster der Kreuzschwestern in Hall in Tirol, Aufnahme von 2025. Rechts: Schwester Alena Thöny von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz. Collage: Elisabeth Walder/DBANT. Die Kreuzschwestern in Hall in Tirol waren während der Zeit des Nationalsozialismus massiven Eingriffen, Enteignungen und Schikanen ausgesetzt. Trotz des Schweizer Eigentumsstatus ihres Klosters wurde das Haus von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Das Kloster und seine Grundstücke wurden enteignet, Offiziere einquartiert und die Gebäude zu einem Lazarett für schwer ansteckende Krankheiten umfunktioniert. Die Schwestern mussten unter schwierigen Bedingungen weiterarbeiten und waren wiederholt Schikanen und Demütigungen ausgesetzt. Besonders tragisch war das Schicksal einer Anbetungsschwester aus Innsbruck, die nach ihrer Unterbringung in Thurnfeld an den Folgen der schweren körperlichen Arbeit verstarb. Die Geschichte der Kreuzschwestern in Hall erinnert an das Leid, die Entbehrungen und die Standhaftigkeit religiöser Gemeinschaften, die trotz Verfolgung und staatlicher Willkür ihren Dienst an den Menschen fortsetzten. Mehr über die Kreuzschwestern während der NS-Zeit erfahrenSchwestern vom Heiligen Kreuz in Hall in TirolSchwester Alena Thönykreuzschwestern.tirolSchwester Angela Autsch – der „Engel von Auschwitz“Schwester Angela Autsch (1900–1944), Trinitarierin und politische Gefangene in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Auschwitz. KI-generierte Gedenkdarstellung; keine historische Originalfotografie. Archiv: Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol (DBANT). Schwester Angela Autsch wurde am 26. März 1900 als Maria Cäcilia Autsch in Röllecken in Westfalen geboren. Im Jahr 1933 trat sie in das Kloster der Trinitarierinnen in Mötz in Tirol ein und erhielt den Ordensnamen Angela Maria vom Heiligsten Herzen Jesu. Wegen regimekritischer Äußerungen wurde sie am 12. August 1940 von der Gestapo verhaftet. Nach ihrer Inhaftierung in Innsbruck deportierte man sie ohne Gerichtsverfahren als politische Gefangene in das Konzentrationslager Ravensbrück. Im März 1942 wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt. In Ravensbrück und Auschwitz half Schwester Angela ihren Mitgefangenen unter großer persönlicher Gefahr. Sie besorgte Nahrung, Medikamente, warmes Wasser und Seife, kümmerte sich um Kranke und versuchte, bedrohte Frauen vor der Selektion zu schützen. Ihre Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft brachten ihr unter den Gefangenen den Namen „Engel von Auschwitz“ ein. Auch die österreichische Widerstandskämpferin Rosa Jochmann berichtete später über ihr selbstloses Handeln. Schwester Angela Autsch starb am 23. Dezember 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die genauen Umstände ihres Todes sind in den Quellen nicht vollständig geklärt. Im Jahr 2018 erkannte Papst Franziskus ihre heroischen Tugenden an. Seither trägt sie in der katholischen Kirche den Titel „Ehrwürdige Dienerin Gottes“. Vatikanisches Dekret Ihre Lebensgeschichte steht für einen Widerstand der Menschlichkeit: Selbst unter den Bedingungen des Konzentrationslagers bewahrte sie ihre religiöse Überzeugung und setzte sich für die Würde und das Leben ihrer Mitgefangenen ein. Erfahren Sie mehr über Schwester Angela Autsch:/schwester-angela-autsch-engel-von-auschwitzde.wikipedia.org/wiki/TrinitarierordenDie Marianisten und Pater Jakob GappPater Jakob Gapp (1897–1943) und der Bildungsauftrag der Marianisten. KI-generierte historische Gedenkdarstellung, keine zeitgenössische Originalfotografie. Archiv: DBANT. Die Gesellschaft Mariä, auch Marianisten genannt, wurde 1817 von dem französischen Priester Wilhelm Josef Chaminade gegründet. Die Ordensgemeinschaft widmet sich besonders der schulischen Bildung, der Jugenderziehung und der Seelsorge. Ihr religiöses Leben ist von Gemeinschaft, missionarischem Wirken und einer ausgeprägten Marienverehrung bestimmt. Zu den bekanntesten österreichischen Marianisten gehört Pater Jakob Gapp (1897–1943). Der gebürtige Wattener besuchte das Franziskanergymnasium in Hall in Tirol und trat später in den Marianistenorden ein. Als Priester, Lehrer und Erzieher erkannte er früh die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen Ideologie mit dem christlichen Glauben. In Predigten und Gesprächen wandte er sich offen gegen Rassenwahn, Führerkult und die Verfolgung der Kirche. Nach seiner Flucht aus Österreich wurde Gapp von der Gestapo durch eine Täuschungsaktion nach Frankreich gelockt, entführt und nach Berlin gebracht. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn zum Tode. Am 13. August 1943 wurde er in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet. Pater Jakob Gapp wurde 1996 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Seine Verbindung zu Hall in Tirol liegt vor allem in seiner Schulzeit am Franziskanergymnasium. Seine Lebensgeschichte steht für einen aus Glauben und Gewissen getragenen, öffentlich vertretenen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mehr über Pater Jakob Gapp und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erfahren:Marianisten_ Pater_ Jakob _Gappwww.marianisten.at/gemeinschaft/wir-ueber-uns/www.pfarre-wattens.at/glaube/gapp_biographie.htmlgams.uni-graz.at/o:derla.tir128Die Prämonstratenser von WiltenStift Wilten in Innsbruck mit der Stiftskirche und der umliegenden Klosteranlage vor der Tiroler Berglandschaft. Schwarz-Weiß-Bearbeitung. Originalfoto: Veitmueller, 2. Jänner 2009, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0. Bildquelle Das Prämonstratenserstift Wilten in Innsbruck zählt zu den ältesten geistlichen Einrichtungen Tirols. Die Chorherren wirkten seit jeher in der Seelsorge, im Bildungswesen und in den dem Stift anvertrauten Pfarren – Wilten war jedoch nicht nur ein Ort des Gebets, sondern wurde unter der NS-Herrschaft auch zu einem Schauplatz stillen, aber entschlossenen Widerstands. Nach dem „Anschluss" Österreichs 1938 gerieten die Ordensmänner rasch ins Visier der neuen Machthaber. Das Stift musste seine Gebäude an den Reichsgau Tirol-Vorarlberg verkaufen und verlor damit seine wirtschaftliche und gemeinschaftliche Lebensgrundlage; die Chorherren selbst wurden vertrieben. Die Aufhebung reihte sich in die nationalsozialistischen Maßnahmen gegen Klöster und kirchliche Einrichtungen ein. Im beschlagnahmten Stiftsgebäude wurden in der Folge Bestände aus anderen aufgehobenen Klöstern eingelagert, darunter Teile der Bibliothek des Franziskanerklosters in Hall. Bombenangriffe der Jahre 1943 und 1944 fügten dem Gebäude zusätzlich schwere Schäden zu. Einer der herausragendsten Widerständler aus diesem Kreis war Pater Dominikus Dietrich. Der gebürtige Haller war 1889 in das Stift Wilten eingetreten und später zu dessen Prior gewählt worden. Mehrfach setzte er dabei sein Leben aufs Spiel: Er verfasste einen mutigen Brief an Hitler, wurde daraufhin verhaftet und mit einem Ortsverbot belegt – und wehrte sich noch 1944, gegen alle Widerstände, gegen die geplante Zerstörung des Stiftsturms. Sein unerschütterlicher Einsatz für Glaube und Heimat macht ihn bis heute zu einem eindrucksvollen Zeugen des Widerstands in Tirol. Nach dem Ende der NS-Herrschaft konnten die Prämonstratenser nach Wilten zurückkehren und begannen 1946 mit dem Wiederaufbau des Stiftes und des Ordenslebens. Das Schicksal Wiltens verdeutlicht exemplarisch, wie der Nationalsozialismus versuchte, kirchliche Gemeinschaften durch erzwungene Verkäufe, Vertreibung und Zweckentfremdung ihrer Gebäude zurückzudrängen – und wie sich Einzelne, wie Pater Dominikus Dietrich, diesem Druck dennoch widersetzten. Hier geht es zu weiteren Biografien und LebensgeschichtenDietrich OPraem Dominikusgedenkort.at/en/persons/04b366d8-634b-5971-8c72-b304a0f73b94Plattner Anton OPAEM (1906-1958)Ernst Marberger Opraem.Adrian Höck OPraem.Zwischen Verfolgung und Treue – Priester im Widerstand in Hall in TirolDie Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol, Blick auf Chor und Turm von der Kirchgasse aus. In Foto K. Walder 2025, DBANT. Auch in Hall in Tirol leisteten während der NS-Zeit mehrere Priester mutigen Widerstand gegen das Unrechtsregime. Sie setzten sich für die Freiheit des Glaubens, die Würde des Menschen und die Unabhängigkeit Österreichs ein – und blieben ihren christlichen Überzeugungen treu, obwohl sie unter ständiger Überwachung standen und jederzeit mit Schikanen, Verfolgung und Verhaftung rechnen mussten. Immer wieder unterstützten sie Menschen, die unter dem Regime litten. Über das Dekanat Hall bestanden zudem Verbindungen zu überregionalen katholischen und monarchistischen Widerstandsnetzwerken, wodurch der lokale Widerstand Teil eines größeren Zusammenhangs war. Das Engagement dieser Priester zeigt: Auch die Kirche in Hall war ein wichtiger Teil des Widerstands gegen die nationalsozialistische Diktatur und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung humanitärer und demokratischer Werte. Kooperatoren und Geistliche des Dekanats Hall. Links: Kooperator Josef Lambichler, mit dem Rücken zum Betrachter, Mesner Anton Walder sen. und Dekan Reinthaler mit Gehstock; Aufnahme von 1932. Mitte: Dr. Nikolaus Pfeifauf. Rechts: Dr. Hermann Blassnig. Collage: DBANT. Quelle der Aufnahme von 1932: Privatarchiv Walder. DBANT Hier geht es zu weiteren Biografien und Lebensgeschichten:Priester _im _Widerstand_in_Hall_in_TirolDr. _N. _Pfeifauf _und _Dr. _H. _BlassnigDr. Reinhold StecherSieberer_JosefDekan Bernhard PraxmarerWeisskopf-Msgr.-MichaelPfarrer Msgr. Dr. Franz KolbZusammenfassung Die Geschichte der Ordensgemeinschaften in Hall in Tirol und seiner Umgebung während der nationalsozialistischen Herrschaft umfasst unterschiedliche Formen von Verfolgung, Selbstbehauptung, Hilfeleistung und Widerstand. Klöster wurden aufgehoben oder beschlagnahmt, Schulen geschlossen, Gebäude zweckentfremdet und Ordensangehörige vertrieben, überwacht oder zur Arbeit in anderen Einrichtungen gezwungen. Trotz dieser Eingriffe führten viele Schwestern, Brüder und Priester ihre religiösen, sozialen und seelsorglichen Aufgaben unter erschwerten Bedingungen fort. Sie betreuten Kranke, boten Menschen Schutz, bewahrten ihre religiöse Identität und widersetzten sich dem weltanschaulichen Anspruch des NS-Regimes. Einzelne Ordensangehörige wie Pater Franz Reinisch, Pater Jakob Gapp, Pater Dominikus Dietrich und Schwester Angela Autsch leisteten offenen Widerstand und bezahlten ihre Haltung mit Verfolgung, Haft oder Tod. Die Erfahrungen der Franziskaner in Hall, der Schwestern vom Guten Hirten, der Salesianerinnen in Thurnfeld, der Tertiarschwestern, der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, der Schwestern zum Heiligen Kreuz sowie der Prämonstratenser von Wilten zeigen zugleich, dass nicht jede Form des widerständigen Handelns öffentlich sichtbar war. Auch das Festhalten am Glauben, die Betreuung hilfsbedürftiger Menschen und die Bewahrung menschlicher Würde konnten unter den Bedingungen der NS-Diktatur Ausdruck religiöser Selbstbehauptung sein. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Welche Ordensgemeinschaften waren während der NS-Zeit in Hall in Tirol tätig? In Hall bestanden mehrere Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen. Dazu gehörten unter anderem die Franziskaner, die Tertiarschwestern, die Kreuzschwestern, die Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu, die Salesianerinnen in Thurnfeld sowie das Haus zum Guten Hirten. Auch Einrichtungen außerhalb Halls, etwa das Prämonstratenserstift Wilten, waren von nationalsozialistischen Eingriffen betroffen. Warum verfolgte das NS-Regime Klöster und Ordensgemeinschaften? Die nationalsozialistische Ideologie beanspruchte die Kontrolle über Erziehung, Bildung, Jugendfürsorge und das öffentliche Leben. Kirchliche Einrichtungen und Ordensgemeinschaften vertraten dagegen ein christliches Menschenbild und verfügten über eigene Schulen, soziale Einrichtungen und weitreichende gesellschaftliche Bindungen. Deshalb wurden sie vom Regime als weltanschauliche Konkurrenz betrachtet und zunehmend überwacht, eingeschränkt und verdrängt. Welchen Repressalien waren die Ordensgemeinschaften ausgesetzt? Die Maßnahmen reichten von Überwachung und Schikanen bis zur Schließung von Schulen, Kindergärten und Klöstern. Gebäude und Grundstücke wurden beschlagnahmt oder enteignet, Ordensangehörige vertrieben und Einrichtungen für militärische oder staatliche Zwecke verwendet. Einzelne Ordensleute wurden verhaftet, zur Arbeit verpflichtet oder wegen ihrer religiösen und sozialen Tätigkeit verfolgt. Wurden alle Klöster und kirchlichen Einrichtungen in Hall aufgelöst? Die Gemeinschaften waren in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Manche Klöster wurden aufgehoben oder beschlagnahmt, andere mussten wesentliche Teile ihrer bisherigen Tätigkeit einstellen. Ordensschwestern verloren ihre Aufgaben in Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen oder mussten unter staatlichem Zwang in Lazaretten und anderen Arbeitsbereichen tätig sein. Leisteten die Ordensgemeinschaften organisierten Widerstand? Von einer einheitlich organisierten Widerstandsbewegung der Ordensgemeinschaften kann nicht gesprochen werden. Das Verhalten der Ordensleute reichte von erzwungener Anpassung und vorsichtiger Selbstbehauptung bis zu individueller Verweigerung und widerständigem Handeln. Einige widersetzten sich konkreten Anordnungen, unterstützten Verfolgte oder hielten trotz der Verbote an ihren religiösen und sozialen Aufgaben fest. Kann die Fortsetzung religiöser und sozialer Arbeit als Widerstand gelten? Nicht jede Fortführung des Ordenslebens war politischer Widerstand im engeren Sinn. Sie konnte jedoch eine Form religiöser Selbstbehauptung oder widerständigen Verhaltens darstellen, wenn Ordensangehörige bewusst nationalsozialistischen Forderungen widersprachen, christliche Werte verteidigten oder Menschen trotz staatlicher Verbote unterstützten. Für die historische Einordnung müssen die jeweiligen Umstände genau betrachtet werden. Was geschah mit den Schulen und sozialen Einrichtungen der Orden? Viele konfessionelle Schulen, Kindergärten und Bildungsangebote wurden geschlossen oder den Ordensgemeinschaften entzogen. Lehrende Schwestern verloren ihre Stellen, Kinder und Jugendliche mussten andere Einrichtungen besuchen. Dadurch sollte der kirchliche Einfluss auf Erziehung und Bildung beseitigt und durch nationalsozialistische Erziehungsziele ersetzt werden. Wie wurden die Klostergebäude während des Krieges genutzt? Beschlagnahmte Gebäude wurden unter anderem als Lazarette, Unterkünfte, Verwaltungsräume oder Lager verwendet. Auch Kirchenräume konnten zweckentfremdet werden. So wurden Teile des Franziskanerklosters und seiner Kirche in Hall nach der Aufhebung nicht mehr entsprechend ihrer ursprünglichen religiösen Bestimmung genutzt. Welche Folgen hatten die Eingriffe für die Ordensangehörigen? Viele Ordensleute verloren ihre vertrauten Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie wurden versetzt, vertrieben, zur Arbeit verpflichtet oder mussten unter erschwerten Bedingungen weiterleben. Neben materiellen Verlusten bedeuteten die Maßnahmen auch eine tiefgreifende Einschränkung des religiösen Gemeinschaftslebens und der seelsorglichen Tätigkeit. Warum ist die Geschichte der Ordensgemeinschaften heute von Bedeutung? Ihre Geschichte zeigt, wie weit die nationalsozialistische Herrschaft in religiöse, soziale und private Lebensbereiche eingriff. Zugleich macht sie unterschiedliche Formen von Verfolgung, Selbstbehauptung, Hilfeleistung und individuellem Widerstand sichtbar. Die Erinnerung daran trägt dazu bei, die Erfahrungen der betroffenen Ordensleute und ihrer Einrichtungen differenziert zu bewahren.
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