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Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Foto Artikel in Innsbrucker Nachrichten: Neujahrsgratulanten beim Gauleiter. In: Anno, https://anno.onb.ac.at/ (Stand: 25.12.2025) Neujahrsgratulanten beim Gauleiter Franz Hofer in Innsbruck Der Bürgermeister Dipl. Ing. Heinz Bauer und der Ortsgruppenleiter Dr. Mühlreiter sowie die Gliederungsführer von Solbad Hall statteten am Neujahrstag 1939 Gauleiter Hofer einen Besuch ab, um ihm die Glückwünsche für 1939 zu überbringen. – Wir sehen Gauleiter Hofer, Bürgermeister Ing. Bauer und Ortsgruppenleiter Mühlreiter während des Ständchens der Speckbachermusik. (Lichtbild: Robert Graß, Solbad Hall) (Quelle: Anno, Zeitschriftenportal Online, https://anno.onb.ac.at/. Artikel mit Foto erschienen am Donnerstag, dem 5. Jänner 1939 in den Innsbrucker Nachrichten. ) Historische Einordnung: Propaganda und verborgener WiderstandDer Bericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 5. Jänner 1939 ist ein Musterbeispiel nationalsozialistischer Selbstdarstellung. Er inszeniert den „Neujahrsbesuch“ des Haller Bürgermeisters und der NSDAP-Funktionäre beim Gauleiter als geschlossene Loyalitätsbekundung der lokalen Elite. Solche Meldungen sollten den Eindruck einer vollständig gleichgeschalteten, widerspruchslosen „Volksgemeinschaft“ erwecken und die Macht des Regimes als natürlich und allseits akzeptiert darstellen. Die andere Seite der Medaille: Widerstand in HallDiese offizielle Propaganda-Oberfläche verschwieg komplett, was sich im Verborgenen abspielte: Bereits 1938/39 formierten sich in Hall verschiedene Widerstandsgruppen, die unter Lebensgefahr gegen das NS-Regime arbeiteten.
· Die Gruppe um Dr. Viktor Schumacher & Anton Haller: Sie sammelten verbotene Informationen, halfen Verfolgten, organisierten falsche Papiere und planten Widerstandsaktionen. · Sozialdemokratisch-kommunistischer Widerstand um Heinz Ehrenreich-Thöni: Diese Gruppe ging aus dem politischen Untergrund der Verbotszeit hervor, verbreitete Flugblätter und vernetzte sich später mit anderen Kreisen. · Monarchistisch-legitimistischer Kreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg: Sein Haus in der Bruckergasse diente als konspirativer Treffpunkt für Regimegegner, die aus christlicher und traditioneller Überzeugung handelten. Warum dieser Kontrast so wichtig ist Der Zeitungsartikel und die Widerstandsgeschichte stehen in einem fundamentalen Spannungsverhältnis: 1. Die gleichgeschaltete Presse zeigte nur das gewünschte Bild öffentlicher Zustimmung. 2. Der reale Widerstand musste im Geheimen operieren und blieb in der Öffentlichkeit unsichtbar – um zu überleben. 3. Die öffentlich auftretenden Amtsträger (wie Bürgermeister Bauer im Artikel) repräsentierten nicht die Haltung der gesamten Bevölkerung, sondern agierten im Zwangskorsett des Regimes. Die stille, aber entschlossene Arbeit dieser Gruppen trug maßgeblich dazu bei, dass Hall im Mai 1945 kampflos befreit und demokratisch neu geordnet werden konnte. Dr. Viktor Schumacher wurde noch vor Kriegsende vom Widerstand zum Bürgermeister bestimmt. Der Artikel von 1939 ist somit mehr als eine historische Kuriosität. Er ist ein Schlüsseldokument, das die Diskrepanz zwischen NS-Propaganda und gelebter Zivilcourage in Hall eindrücklich belegt.
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