"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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Michael Weisskopf (1890–1966) – Priester im NS-Widerstand in Tirol




Michael Weißkopf (1890-1966) Priester im NS-Widerstand in Tirol

4/17/2026

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Michael Weisskopf - Gedenkort.at

K.Ö.H.V. Leopoldina Innsbruck

Pallottiner Pater Franz Reinisch

Dr. Josef Mair

Dietrich Dominikus OPRAEM

FR Pater Gaudenz Conzi Vigil

FR Frater Konrad Walcher

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MSGR. Michael Weisskopf (English)

Michael Weisskopf (1890–1966) – Priester im NS-Widerstand in Tirol

Michael Weisskopf war ein Tiroler Priester, kirchlicher Funktionsträger und mutiger Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Geboren am 20. Jänner 1890 in Prägraten am Großvenediger und gestorben am 3. September 1966 in Innsbruck, zählt er zu den prägenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche in Tirol im 20. Jahrhundert.

Frühes Leben und kirchliche Laufbahn

Weisskopf wuchs als Sohn eines Bauern auf und erhielt seine Ausbildung im Vinzentinum in Brixen. Nach seinem Theologiestudium wurde er 1914 zum Priester geweiht. In den folgenden Jahren war er unter anderem als Kaplan und Redakteur tätig, bevor er nach Innsbruck wechselte. Dort engagierte er sich besonders in der Jugendseelsorge und wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.H.V. Leopoldina.

Widerstand gegen das NS-Regime

Während der Zeit des Nationalsozialismus geriet Michael Weisskopf mehrfach in Konflikt mit den Behörden. Zwischen 1940 und 1941 wurde er insgesamt viermal von der Gestapo verhaftet. Die Gründe dafür waren unter anderem das Abhören von Radio Vatikan, regimekritische Predigten sowie eine kritische Haltung gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie.
Eine zentrale Rolle spielte Weisskopf im Zusammenhang mit dem Tiroler Wallfahrtsort Maria Waldrast. Nachdem die Nationalsozialisten die Wallfahrtskirche geschlossen hatten, formierte sich Widerstand innerhalb der katholischen Bevölkerung, insbesondere unter Jugendlichen aus dem Wipp- und Stubaital. Rund 200 junge Gläubige protestierten gegen die Schließung.
Im Zuge dieser Ereignisse kam es zu zahlreichen Verhaftungen von Geistlichen und kirchlich engagierten Personen. Auch Weisskopf wurde vom 18. April bis 1. Mai 1941 inhaftiert. Hintergrund war die Durchführung einer verbotenen Wallfahrt sowie die Sicherung des Waldraster Gnadenbildes, das vor dem Zugriff der Behörden geschützt werden sollte.

Maria Waldrast und das Gnadenbild

Der Wallfahrtsort Maria Waldrast wurde zu einem Symbol des kirchlichen Widerstands in Tirol. Die heimliche Rettung des Gnadenbildes gilt bis heute als bedeutender Akt des Widerstands gegen die Unterdrückung religiösen Lebens durch das NS-Regime.
Die Ereignisse führten zu schweren Repressionen durch die Gestapo. Mehrere Priester und Theologiestudenten wurden verhaftet, darunter Franz Kolb, Reinhold Stecher und andere. Trotz der Gefahr hielten viele Gläubige an ihrem Glauben fest und leisteten stillen Widerstand.

Bedeutung nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte Michael Weisskopf eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Kirche in Tirol. 1955 wurde er zum Provikar ernannt, bevor er 1964 erster Generalvikar der neu gegründeten Diözese Innsbruck wurde.
Sein Wirken prägte die kirchliche Organisation nachhaltig. Weisskopf galt als engagierter Seelsorger und stand für Kontinuität, Stabilität und moralische Orientierung in einer Zeit des Umbruchs.

Vermächtnis

Michael Weisskopf wird heute als bedeutender Vertreter des katholischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Österreich erinnert. Sein Einsatz für Glaubensfreiheit, seine Standhaftigkeit während der Verfolgung und seine Rolle beim Schutz religiöser Symbole machen ihn zu einer wichtigen historischen Persönlichkeit Tirols.
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archive

    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 -1945. Eine Dokumentation (2), Wien/München 1984, S. 349.

    kathprb Nr. 205 (5. 9. 1966).
    Mitteilungen der K. Ö. H. V. Leopoldina Nr. 60, Jänner 1967, 26f.


    Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934–1945. Eine Dokumentation. Band 2. Hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. Wien 1984, 5,11,74f.,77f.,111,136,141,144,217,235,253,299,349.

    Franckenstein, Josef: Michael Weiskopf, in: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945–2001. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Erwin Gatz. Berlin (2002), 279f.

    DÖW (Hrsg.):  Brief von Pater Johann Steinmayr SJ aus dem Zuchthaus Brandenburg an den Leiter des Seelsorgeamtes der Apostolischen Administratur Innsbruck, Michael Weißkopf, 31.8.1944 (DÖW183).
    Sowie Publikation Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen, München 1966, S. 412.


    Kirchliche Denkschrift von Bischof DDr. Paulus Rusch, Innsbruck, 2. März 1940. (DÖW 10919) Titel: Einschränkende Maßnahmen auf dem Gebiet des religiös – kirchlichen Lebens im Bereich der Apostolischen Administratur in Nord-und Osttirol., Provikar Dr. Carl Lampert, Kanzler Lechleitner und Seelsorgeamtsleiter Msgr. Michael Weißkopf wurden an Stelle des Bischofs von der Gestapo für 2 Wochen inhaftiert. (DÖW Dokument 439; sowie Liste der verhafteten Ordensleute und Priester) Diese erste Fassung ist auszugsweise in den Werken von Johann Neuhäusler: Kreuz und Hakenkreuz, München 1946, 1. Teil, S. 351-353, sowie in: Saat des Bösen. Kirchenkampf im Dritten Reich, München 1964, S. 119-124, enthalten. 

    DÖW (Hrsg.): Dokument 259 Statistische Aufschlüsselung der Kirchenaustritte im Gebiet der Apostolischen Administratur Innsbruck in der Zeit von 1938 – 1945, Innsbruck Dezember 1947. Die Seelsorge, Beilage zum Verordnungsblatt der AAI-F, 2. Jg., Nr. 6, Dez. 1947, S. 21. Austritte Hall in Tirol: 1938 – 35; 1939 – 161; 1940– 289; 1941 –130; 1942–39; 1943–26; 1944–9; 1945–1; 1946–4. Austritte Matrei am Brenner: 1938–5; 1939–51; 1940–35; 1941–39;1942–26; 1943–7; 1944–2; 1945–1; 1946–0. In: DÖW (Hrsg.):  S. 136.  

    DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 – 1945. Eine Dokumentation (2), Wien/München 1984, S. 235-236. (Dokument Nr. 507: Bericht des RA Franz Nagele aus Innsbruck an Seelsorgeamtsleiter MSGR. Michael Weißkopf über Guardian Pater Gaudenz Conzi (Vgil). Conzi und Frater Konrad Walcher vom Franziskanerkloster in Hall in Tirol, 14.8. 1940. DAI, NS-Akten Abt. 4.  „In der Angelegenheit des Herrn Guardian Conzi und der Pförtners Walcher teile ich mit, dass die Voruntersuchung nunmehr abgeschlossen ist. Die Akten wurden heute vom Ermittlungsrichter dem Staatsanwalt übermittelt. Der Staatsanwalt hat mir erklärt, er wisse noch nicht, ob die Anklage erhoben werde bzw. ob er in dieser Sache an das Reichsjustizministerium in Berlin berichten müsse. Die Untersuchung wurde wegen Verbrechens nach § 217 StG. geführt, weil Conzi einem gewissen Ennemoser, der aus dem Gefängnis entwichen sein soll, 3 Mark gegeben hat. der Pförtner hat demselben 5 RM gegeben.“ 

    Quelle: Michael Weißkopf. Gedenkort .at Online, https://gedenkort.at/personen/661652e1-bf45-5413-b643-2c200282bc80, (Stand: 18.4.2026)

    Publikation:

    kathprb Nr. 205 (5. 9. 1966).
    Mitteilungen der K. Ö. H. V. Leopoldina Nr. 60, Jänner 1967, 26f.

    Franckenstein, Josef: Michael Weiskopf, in: Erwin Gatz (Hrsg.): Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945–2001. Ein biographisches Lexikon. Berlin 2002, 279f
    .

    Fritz, Herbert/Krause, Peter (2013) (Hrsg.): Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. (ÖVfStg, 2013) S. 584.

    April 2026

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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