"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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Maria Waldrast 1941: Widerstand gegen das NS-Regime in Tirol







Die Tiroler Wallfahrt 20. April 1941 von Maria Waldrast

4/7/2026

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Maria Waldrast 1941 (English)

The Tyrolean Pilgrimage 1941

Lesen Sie mehr:

Die Tiroler Wallfahrt 1941

Die Ereignisse rund um Maria Waldrast im Jahr 1941 zählen zu den eindrucksvollsten Beispielen für Widerstand gegen das NS-Regime in Tirol. Eine verbotene Wallfahrt, die spektakuläre Rettung eines Gnadenbildes und eine massive Verhaftungswelle zeigen, wie tief Glaube und Mut in der Bevölkerung verwurzelt waren.

Verbotene Wallfahrt und stiller Widerstand in Tirol

Im Frühjahr 1941 ließ das NS-Regime die Kirche von Maria Waldrast schließen – ein schwerer Schlag für die religiöse Bevölkerung.
Doch der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten: In Matrei, Schönberg und Mieders verbreitete sich ein Aufruf zu einer verbotenen Wallfahrt. Hunderte Gläubige versammelten sich trotz drohender Strafen vor der verschlossenen Kirche.
Sie knieten nieder und beteten gemeinsam den Rosenkranz – ein bewusstes Zeichen gegen die Unterdrückung durch das NS-Regime.
Die Gestapo war vor Ort, dokumentierte die Teilnehmer und bereitete bereits eine Verhaftungswelle vor.

Die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast

Noch bevor die Wallfahrt stattfand, hatte sich in der Nacht eine geheime Aktion abgespielt.
Im Zentrum der Planung stand Dr. Josef Mair, der sich mit dem Innsbrucker Bischof Paulus Rusch beriet, um das Gnadenbild vor der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten zu schützen.
Die Durchführung übernahmen schließlich sein Bruder Franz Mair und dessen Freund Hans Madersbacher.
Unter hohem Risiko gelang es ihnen, das Gnadenbild aus der verschlossenen Kirche zu bringen und auf dem Glasnhof in Pfons (Gemeinde Matrei) zu verstecken.
Dieser Akt gilt bis heute als eines der mutigsten Zeichen des religiösen Widerstands in Tirol während der NS-Zeit.

Gestapo-Verhaftungen in Innsbruck und Umgebung

Die Reaktion des NS-Regimes folgte schnell und hart: Rund 60 Männer und Frauen wurden verhaftet und verhört.
Auch kirchliche Kreise gerieten ins Visier der Gestapo. Unter den Verhafteten befanden sich:
  • der spätere Bischof Reinhold Stecher
  • der Jungpriester Georg Schuchter
  • sowie Dr. Josef Mair
Josef Mair wurde von April bis Oktober 1941 im Gestapogefängnis Innsbruck festgehalten.

Haft, Verhöre und Druck durch die Gestapo

Am 23. April 1941 wurde Reinhold Stecher verhaftet und in das Landesgerichtsgefängnis Innsbruck eingeliefert.
Es folgten Wochen der Einzelhaft – geprägt von Isolation, Hunger und psychischem Druck. Die Gestapo versuchte, durch intensive Verhöre Widerstandsnetzwerke aufzudecken.
Besonders bemerkenswert: Trotz massiver Drohungen verriet niemand weitere Beteiligte.

Drohung mit dem KZ Dachau

Für viele der Verhafteten wurde die Situation lebensbedrohlich. Mehrere standen auf Transportlisten in das KZ Dachau.
Auch Josef Mair drohte dieses Schicksal.
Nur durch einen vorgetäuschten medizinischen Befund – ein angebliches Herzleiden – wurde er als „haftunfähig“ eingestuft und entging so der Deportation.

Freilassungen unter Androhung weiterer Verfolgung

Am 23. Juni 1941 wurden Reinhold Stecher und weitere Gefangene überraschend freigelassen.
Die Entlassung war jedoch an eine klare Drohung gebunden: Jede weitere „staatsfeindliche Handlung“ würde unmittelbar zur Einweisung in ein Konzentrationslager führen.

Das Schicksal der Retter des Gnadenbildes

Die unmittelbare Verfolgung endete für die beiden Hauptakteure durch ihre Einberufung zur Wehrmacht – doch dies bedeutete keine Rettung.
  • Franz Mair fiel 1944 im Raum Paris
  • Hans Madersbacher fiel im Jänner 1945 bei Colmar
Ihr Einsatz für das Gnadenbild von Maria Waldrast überlebte – sie selbst jedoch nicht den Krieg.

Folgen für die NS-Politik in Tirol

Die Ereignisse hatten spürbare Auswirkungen: Das NS-Regime verzichtete danach weitgehend darauf, weitere Gnadenbilder in Tirol auf ähnliche Weise zu beschlagnahmen.
Der Widerstand zeigte Wirkung.

Ein bedeutendes Kapitel der Tiroler Geschichte

Die Geschichte von Maria Waldrast 1941 ist mehr als ein lokales Ereignis. Sie steht exemplarisch für den Widerstand in Tirol während der NS-Zeit.
Der spätere Bischof Reinhold Stecher hielt diese Erlebnisse fest – als eindrucksvolles Zeugnis für Mut, Glauben und Gewissensstärke.

Fazit: Mut und Glaube gegen das NS-Regime

Die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast und die darauffolgenden Gestapo-Verhaftungen zeigen, wie stark der Widerstand aus der Bevölkerung heraus war.
Trotz Verfolgung, Haft und Lebensgefahr blieben viele standhaft.
Ihr Handeln macht Maria Waldrast bis heute zu einem Symbol für Zivilcourage und Glaubensstärke in dunklen Zeiten.
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archive
    ​Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands.
    DÖW (Hrsg.):Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 470 ff. , 480, 482, 502. Sowie S. Mair Josef S. 618; Mair Maria, S. 80, 279; Mair Maria, S. 470;  Mair Sepp, S. 279; S. 618, S. 541 ff. Sowie Mair Franz, S. 277, S. 279, S. 617 f. Mair Franz, S. 458 f. , 519, 573 f., 577 f., 584.


    DÖW (Hrsg.):Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 3, 272, 279, 281, 303, 618. (Bischof Reinhold Stecher)

    Archiv - Matrei am Brenner 

    Audiodateien: Maria Mair geb. Ghedina und Dr. Josef Mair

    Privatarchiv Mag. Thomas Mair 
    Audiodateien:Maria Mair geb. Ghedina und Dr. Josef Mair. Fotos Grabsteine Mair, Ghedina 
    ​E-mail an Elisabeth Walder Februar 2026.

    ​
    Elisabeth Walder. Transkript. 10 Audiodateien: Mutter und Vater erzählen von der Waldrast (1980er Jahre), Hall in Tirol 2026, S. 1–24. In: Privatarchiv Mair Hall in Tirol.

    ​
    Quelle: Dr. Josef Mair, Bund der Opfer des Nationalsozialismus und Inhaber des päpstlichen Silvester-Ordens; von den Nationalsozialisten mehrfach in Haft, Transport nach Dachau, von dort wieder zurück und eingezogen. Aufbau einer Widerstandsgruppe in Landeck.

    ​
    Archiv Landespolizeidirektion Fachzirkel Exekutivgeschichte und Traditionspflege:

    Anton Walder, Chefinspektor in R., Maria Waldrast-ein Wallfahrtskloster des Serviten-Ordens {Diener Mariens} in Matrei am Brenner. In: Polizei Tirol (2, 2023), Innsbruck, S. 99 - 103.


    ​Historischer Hintergrund:

    Maria Waldrast und die Entwendung des Gnadenbildes (1940)
    Foto Maria Waldrast
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/MariaWaldrast.jpg
    http://www.serviten.de/oesterreich/KLOESTER/K_WALDRAST/HAUPTTEIL_K_WALDRAST.HTML
    https://www.stubai.at/skigebiete/serlesbahnen/sommer/wallfahrt-maria-waldrast/


    400 Jahre Waldraster Wallfahrt 08.09. 2024. Online, https://www.dererker.it/de/news/30587-400-jahre-waldraster-wallfahrt.html, (Stand: 15.2.2026)
    ​
    Online unter,

    https://www.sagen.at/doku/Wallfahrt/Wallfahrt_IL_Matrei_am_Brenner_Maria_Waldrast.html (Stand 7.3.2026)
     
    Literatur: 

    Inge Dollinger: Tiroler Wallfahrtsbuch. Die Wallfahrtsorte Nord-, Ost- und Südtirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1982, ISBN 3-7022-1442-9, S. 32–35.

    Franz Caramelle, Richard Frischauf: Die Stifte und Klöster Tirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1985, ISBN 3-7022-1549-2, S. 173–174. 

    Oskar Dünser: Wallfahrtsort Maria Waldrast – Ursprung und Schicksal des Marianischen Gnadenortes und Servitenklosters; 600 Jahre Maria Waldrast; erste urkundliche Erwähnung 1392 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 214). 3. Auflage. Verlag St. Peter, Salzburg 2003.

    Mark Mersiowsky: Spätmittelalterliche Laienfrömmigkeit in Tirol: Die Evidenz des Mirakelbuchs von Maria Waldrast, in: notae. Historische Notizen zur Diözese Innsbruck 6 (2023), S. 17-38. 

    Aurelia Benedikt u. Peter Emberger (Hrsg.), 400 Jahre Maria Waldrast. Servitenkloster – Wallfahrt – Kraftort. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2024.

    April 2026

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    Zeitgeschichte

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