"Commemorating the Anti-Nazi Resistance and Victims of the Nazi Regime in Hall in Tirol"
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Als der Glaube zur Gefahr wurde:
Die geheime Rettung der Madonna
​von Maria Waldrast







Die Frau, die Widerstand möglich machte: Maria Mair (1908-1990) und Ihr Ehemann Dr. Josef Mair ​(1909-1986)

2/14/2026

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Fotos Familie  Dr. Josef und Maria Mair geb. Ghedina. In Privatarchiv Mag. Thomas Mair Hall in Tirol.

Historischer Hintergrund: Das Kloster Maria Waldrast und die Rettung des Gnadenbildes

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Foto Maria Waldrast. Online, 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/MariaWaldrast.jpg (Stand: 17.2..2026)
Hoch über dem Wipptal, auf 1638 Metern, liegt das Kloster Maria Waldrast – einer der ältesten und bekanntesten Marienwallfahrtsorte Tirols. Gegründet wurde es im Jahr 1407, nachdem zwei Hirtenknaben in einem hohlen Lärchenstamm ein geschnitztes Muttergottesbild entdeckt hatten. Diese Madonna mit Kind (um 1420) wurde bald zum Ziel unzähliger Pilger. Die Geschichte des Klosters war immer wieder von Brüchen geprägt: 1785 hob Kaiser Joseph II. das Kloster auf, die Mönche mussten weichen, das Gnadenbild wurde nach Mieders gebracht. Erst 1844 konnte der Serviten Orden die Ruinen zurückkaufen und Kloster und Kirche bis 1912 wieder aufbauen. Das Gnadenbild kehrte 1848 feierlich zurück.
Diese wechselvolle Geschichte wiederholte sich in der NS-Zeit: Am 8. April 1941 wurde das Kloster erneut aufgehoben, die Patres vertrieben. Sie konnten erst nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahr 1945 zurückkehren. 

Auflösung und Beschlagnahme des Wallfahrtsklosters Maria Waldrast 8. April 1941

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Foto: Maria Waldrast Mutter Gottes -  Mutter und Vater erzählen von der Waldrast. In: Privatarchiv Mag.  Mair Hall in Tirol.
Es war ein Tag, der den Menschen im Stubai- und Wipptal für immer im Gedächtnis bleiben sollte: der 8. April 1941. An diesem Dienstag erschien die Gestapo auf der Waldrast und machte radikal Schluss mit einer Jahrhunderte alten Tradition. Das Wallfahrtskloster wurde aufgelöst, die Gebäude – sowohl Kloster als auch Kirche – wurden beschlagnahmt. Die Servitenpatres, die seit Generationen die Wallfahrten betreut und den Gnadenort gehütet hatten, erhielten den Befehl, innerhalb weniger Stunden nicht nur das Kloster, sondern den gesamten Gau Tirol-Vorarlberg zu verlassen.
Was wie ein bürokratischer Akt klang, war in Wahrheit ein Schlag ins Herz des katholischen Glaubens in der Region. Die Patres durften nur das Nötigste mitnehmen, einige von ihnen fanden schließlich im Servitenkloster in Wien Unterschlupf. Zurück blieb eine leere Kirche, eine verwaiste Klosteranlage – und ein wertvolles Gnadenbild, die 66 cm hohe bekrönte Lindenholzfigur der Madonna mit Kind, deren Schicksal nun völlig ungewiss war. Die Nazis quartierten im Wirtschaftsgebäude eine SS-Einheit ein, die Kirche blieb versperrt. Wallfahrten waren fortan verboten.
Doch gerade dieses Verbot sollte den Widerstand erst richtig entfachen. Nur wenige Tage später, am 17. April, traf man sich im Glasnhof in Schöfens – angeblich zur Feier der Geburt des kleinen Michael Mair, in Wahrheit aber, um über die Rettung des Gnadenbildes zu beraten. Was dann geschah, ist eine Geschichte von Mut und Gottvertrauen, von stillen Helden und einer Mutter, die inmitten von Angst und Gefahr ihre Familie zusammenhielt.

Als der Glaube zur Gefahr wurde: Die geheime Rettung der Madonna von Maria Waldrast

Der 8. April 1941 markierte einen traurigen Einschnitt in der Tiroler Kirchengeschichte. Die Nationalsozialisten hoben das Servitenkloster Maria Waldrast bei Matrei am Brenner auf, vertrieben die Patres und enteigneten das Kloster. Es war Teil der systematischen Kirchenverfolgung, die nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 über das Land hereinbrach. Klöster wurden geschlossen, religiöses Leben sollte zurückgedrängt werden. Doch gerade in dieser dunkelsten Zeit geschah etwas Unerwartetes: Der Glaube ließ sich nicht so einfach zum Schweigen bringen.
In dieser angespannten Lage formierte sich leiser, aber entschlossener Widerstand. Im Zentrum stand das Ehepaar Dr. Josef Mair (1909–1986) und Maria Mair, geborene Ghedina (1908–1990) vom "Glasnhof" in Schöfens 7/8, Gemeinde Pfons/Matrei am Brenner. Josef Mair, promovierter Jurist und Diözesanjugendführer, war den Behörden bereits mehrfach ins Visier geraten. Er hatte schon zwei Verhaftungen hinter sich und musste bei seiner letzten Entlassung unterschreiben, dass ihn eine dritte Verhaftung ins Konzentrationslager bringen würde. Maria Mair, eine kluge und besonnene Frau, stand ihm stets zur Seite und sollte bald eine entscheidende Rolle spielen.
Gemeinsam mit Bischof DDr. Paulus Rusch (1903–1986) und dem Priester Michael Weisskopf (1891–1966) entwickelte Dr. Josef Mair einen gewagten Plan: Das wertvolle Gnadenbild der Madonna von Maria Waldrast, eine spätgotische 66 cm hohe, bekrönte Linden-Holzfigur aus dem 15. Jahrhundert, sollte vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht werden. Doch der Bischof und die Geistlichen konnten sich nicht selbst in Gefahr bringen. Sie brauchten mutige Männer, die bereit waren, das Äußerste zu wagen.
Diese Männer fanden sich in Hans Madersbacher (1920–1945) und Franz Mair (1921–1944), dem Bruder von Josef Mair. Zwei junge Burschen aus dem Wipptal, unerschrocken und beherzt, die sich zutrauten, in einer eiskalten Aprilnacht auf die Waldrast zu steigen und die Madonna heimlich aus der verschlossenen Kirche zu holen. 
Ich habe das große Glück, dass mir einzigartige Audioaufnahmen vorliegen, in denen Maria und Josef Mair persönlich schildern, wie sie damals vorgingen. In den nächsten Kapiteln werde ich diese historischen Tondokumente vorstellen und die faszinierende, fast filmreife Geschichte erzählen, wie die Entwendung der Madonna bewerkstelligt wurde – eine Geschichte von Mut, Verschwiegenheit und tiefem Glauben in finsterer Zeit.
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Foto Maria und Michael Mair (1941). In: Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol.

Maria Mairs Nacht der Angst – und des stillen Heldentums

Während die Männer die Pläne schmiedeten und die Buben sich in der eiskalten Aprilnacht auf den Weg zur versperrten Kirche machten, war es eine Frau, die zu Hause das Schlimmste erwartete – und dennoch alles zusammenhielt.
Maria Mair, Mutter von fünf Kindern, war erst fünf Wochen zuvor von ihrem Sohn Michael entbunden worden. Die Geburt war schwer gewesen, und die Nacht des 17. April 1941 fand sie geschwächt, mit starken Blutungen und immer wieder von Übelkeit geplagt. Ihr Mann Josef war nach Innsbruck gefahren – nicht nur, um mit den Theologiestudenten die Wallfahrt zu besprechen, sondern vor allem, um ein Alibi zu haben. Denn er war bereits zweimal von der Gestapo verhaftet worden, und eine dritte Verhaftung hätte das Konzentrationslager bedeutet.
Maria blieb allein zurück mit ihrer Angst.
Um 11 Uhr nachts brachen Franz Mair und Hans Madersbacher vom Glasnhof auf. Ihr Ziel: die versperrte Kirche von Maria Waldrast, besetzt von der SS, bewacht von der Gestapo. Ihr Auftrag: die heimliche Entwendung des wertvollen Gnadenbildes.
Maria wartete. Die Uhr in der Stube tickte, Minute für Minute. "Ich konnte kein Auge zutun", erinnert sie sich in den Aufnahmen. "Mir war vor Aufregung speiübel, ich musste immer wieder hinausgehen und mich übergeben. Ich dachte, das halte ich nicht aus."


2 Uhr – niemand kam.
Halb 3 – nichts.
3 Uhr – Stille.
Halb 4 – noch immer keine Spur von den Buben.


In ihrer Verzweiflung begann Maria zu beten – nicht für sich selbst, sondern zu der Frau, die sie nun zu retten versuchte. "Ich habe zur Waldrast Mutter Gottes gebetet, sie ist mir bei der Geburt vom Michael beigestanden. Ich habe nicht geglaubt, dass ich diese Niederkunft überleben würde. Da hab ich ihr versprochen, dass ich ihr helfe, wenn sie in Not ist, so wie sie mir in meiner Not beigestanden ist."
Dieses Versprechen hatte sie bereits gegeben, noch bevor sie wusste, was kommen würde. Und nun, in dieser endlosen Nacht, wurde es eingelöst.
Während sie betete, quälten sie immer neue Gedanken: Was, wenn die Buben entdeckt wurden? Die SS war oben auf der Waldrast, ein Erschießungskommando schnell bereit. "Auf der Flucht in den Rücken geschossen – wie leicht geht das", dachte sie. Und dann die andere Angst: Wenn die Gendarmen jetzt kamen und das offene Loch in der Küche fanden, die Grube, die Josef für das Versteck der Madonna ausgehoben hatte – was dann? Sie konnte nicht einmal sagen, sie hätte nichts gewusst.
Um Viertel vor vier – es war längst stockdunkel, aber der Morgen kündigte sich an – hörte sie endlich Schritte.
Die Buben waren zurück.
Was sie dann sah, ließ ihr das Herz noch einmal stocken: Auf dem Rücken trug Franz den Rucksack, und heraus ragte der Kopf der Madonna – bis zu den Schultern sichtbar. "Wenn die Buben jemand gesehen hätte", denkt Maria noch heute. "Buben eben, sie haben nicht nachgedacht."
Doch sie hatten es geschafft.
In der Küche stellten sie die Statue auf den Tisch. Maria schenkte ihnen einen Schnaps ein. Der Hansl trank, der Franzl nicht. Aufgeregt waren sie beide. Sie zeigten ihr die Perücke der Madonna – aus echtem Haar – und das himmelblaue Seidengewand mit den silbernen Stickereien. "Das verbrennen wir", sagten sie. "Nicht, dass die Gendarmen etwas finden."
Doch als Maria vorschlug, die Statue wie geplant in der Grube vor dem Herd zu verstecken, wehrte Franz ab. "Nein, da tu ich sie nicht hinein. Da ist es viel zu feucht für sie." Stattdessen trug er sie hinauf auf die Tenne und verbarg sie tief unten in der Korntruhe, ganz unter dem Korn. "Da sieht sie keiner", sagte er. Und Maria, die Mutter, die an diesem Morgen schon so viel durchlitten hatte, nickte. Sie konnte es ihm nicht abschlagen.
Erst am nächsten Tag erfuhren sie, warum die Buben so lange gebraucht hatten: Auf der Waldrast hatte eine Kuh gekalbt, der Tierarzt war da, Menschen gingen zwischen Stall und Gasthaus hin und her. Die Buben mussten sich stundenlang im Wald verstecken, in der eisigen Kälte, und warten, bis endlich Ruhe einkehrte. Keiner hatte gewusst, dass in dieser Nacht ein Kalb zur Welt kommen würde – nicht die Buben, nicht Josef, nicht Maria. Es war ein Zufall, der sie fast verraten hätte.
Und als sie endlich einsteigen konnten, fiel die goldene Krone des Jesuskindes zu Boden. In der völligen Stille der Kirche klang das Klirren ohrenbetäubend. Aber niemand hörte es.

Maria Mair hatte in dieser Nacht nicht nur gewartet. Sie hatte gebetet, gezittert, sich übergeben vor Angst – und sie hatte durchgehalten. Als die Buben kamen, war sie da. Als die Statue gerettet werden musste, half sie. Und als am nächsten Tag die ersten Verhaftungen begannen, als Msgr. Weisskopf und Msgr. Kolb ins Gefängnis kamen, als die Gestapo das ganze Tal durchkämmte – da schwieg sie.
In den Audioaufnahmen, die ich besitze, spricht Maria Mair mit ruhiger Stimme über diese Nacht. Aber zwischen den Worten hört man die Erschütterung, die sie bis heute nicht losgelassen hat. Sie war keine Frau, die auf die Barrikaden stieg. Sie war eine Mutter, eine gläubige Katholikin. Und in jener Nacht wurde sie zur Hüterin eines Geheimnisses, das über Leben und Tod entscheiden konnte.
Die Madonna von Maria Waldrast wurde gerettet. Aber ohne Maria Mair – ohne ihre Angst, ihre Tränen, ihr Gebet und ihre unerschütterliche Treue zu einem Versprechen – wäre alles anders gekommen.

"Das ist unser Grund und Boden!" – Als die Tiroler der Gestapo die Stirn boten

Während in der Nacht zum 18. April 1941 Franz Mair und Hans Madersbacher die Madonna aus der versperrten Kirche von Maria Waldrast holten, ahnte noch niemand, welche Explosion sich nur zwei Tage später am Berg ereignen sollte. Die geheime Rettung des Gnadenbildes war geglückt – doch die Wallfahrt am Sonntag, dem 20. April 1941, würde zur offenen Kraftprobe zwischen den Tiroler Gläubigen und der Gestapo werden.

Eine Wallfahrt als Bekenntnis

Was als spontanes Gespräch in der Stube des Glasnhofs begonnen hatte, war zu einer mutigen Demonstration zusammengewachsen. Die Theologiestudenten Reinhold Stecher, Hermann Lugger und der Jungpriester Georg Schuchter hatten in ihren Heimatorten dafür geworben, am "Weißen Sonntag" – ausgerechnet am Geburtstag Adolf Hitlers – zur versperrten Kirche hinaufzuziehen. Kein Protestruf, kein politisches Manifest – einfach nur beten, dort, wo es verboten war. Ein stiller, aber umso kraftvollerer Widerstand.
Und die Menschen kamen. Aus dem Stubai- und Wipptal, aus Steinach, aus Schönberg, sogar aus Innsbruck strömten sie den Berg hinauf. Männer und Frauen, junge Burschen und alte Bäuerinnen, Kinder im Kommunionalter in weißen Kleidern und dunklen Anzügen. Sie alle wollten ein Zeichen setzen: Denn Glauben lässt sich nicht verbieten.
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Tiroler Tageszeitung, Nr. 129/1. Jahrgang Samstag, 10. November 1945, S. 2. (Artikel Maria Waldrast. Ein Gang durch fünf Jahrhunderte. 1938! und entführten das Gnadenbild. ) Online unter, https://anno.onb.ac.at/, (Stand: 12.3.2026)
Der Abschnitt beschreibt die Ereignisse rund um das Kloster bzw. Heiligtum Maria Waldrast während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. Nach dem politischen Umbruch von 1938 geriet das religiöse Leben zunehmend unter Druck. Kirchliche Einrichtungen und Wallfahrtsorte wurden von den Behörden misstrauisch beobachtet und teilweise verfolgt.
Besonders einschneidend war ein Ereignis in der Karwoche 1941: Eine Gruppe von etwa zwanzig Gestapo-Beamten erschien in Maria Waldrast und führte eine gewaltsame Durchsuchung durch. Die Ordensgemeinschaft wurde aufgelöst, führende Geistliche – darunter der Prior – wurden festgenommen und abgeführt. Die Behörden erklärten die Gemeinschaft zu „staatsfeindlich“, woraufhin das gesamte Eigentum beschlagnahmt wurde.
Damit endete vorläufig das traditionelle religiöse Leben an diesem Wallfahrtsort. Die Maßnahmen spiegeln die allgemeine Politik des NS-Staates wider, kirchliche Institutionen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzulösen, wenn sie als ideologisch unerwünscht galten. Originaltext: 

"Da alle Einsprüche und Proteste des Wortführers des Konventes Dr. Pater Albuin M. Klingler ergebnislos blieben und die Gestapo bei ihrer „Proklamation“ beharrte, versammelte sich der Konvent zum Abschied in der Kirche, sang das „Salve Regina“ und betete ein „Te deum“. Pater Albuin M. Klingler übertrug das Allerheiligste in die Dekanatskirche Matrei. Alle Bitten, auch das Gnadenbild nach Matrei übertragen zu dürfen, wurden von der Gestapo barsch abgewiesen. So blieb das Gnadenbild  verwaist in der violett verhüllten, von der  Gestapo verschlossenen Kirche „als Gefangene“ zurück. Doch dessen Bleibens war nicht lange. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag nach dem Osterfest, 17. bis 18. April, brachen Unbekannte in die Kirche ein und
entführten das Gnadenbild.
Dieser „Raub“ entfesselte die ganze Wut der Gestapo und löste viele Hausdurchsuchungen und Verhaftungen aus. Es steht dies wohl noch in zu guter Erinnerung, als dass es noch ausführlicher beschrieben werden müsste. 

Die Kirche wurde anscheinend nicht profaniert, aber geschlossen und ihres Inventars beraubt, soweit es für die Kirchenstürmer nicht wertlos war. So wurden alle Paramente und Metallsachen, sowie die ganze Kirchenwäsche geraubt, soweit nicht vor der Vertreibung der Serviten das mutige Zugreifen Pater Albuins die besten Kirchensachen „rettete“. – Da von Seiten der Gestapo dem „Räuber“ die schwersten Strafen angedroht wurden und anderseits das Gnadenbild selbst der unermüdlichen Nachforschung wegen zu sehr gefährdet war, wurde es heimlich nach Neuwied bei Köln gebracht. Nun ist es wieder aus der Verbannung und Fremde zurückgekehrt und will – nachdem Dr. Pater Albuin M. Klingler als bestellter Treuhänder im Namen der Serviten am 12. Juli 1945 von der Waldrast wieder Besitz ergriff – das letzte Stücklein Bergweg in seine Heim antreten, will Waldrast wieder zu Maria Waldrast machen, zu einem neuen Quellgrund des Segens für Volk und Heimat. " (Provinzial der Serviten P. Innozenz M. Krub)

Die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast

Nach der Aufhebung des Serviten Klosters Maria Waldrast durch die Nationalsozialisten am 8. April 1941 stand das wertvollste Gut des Wallfahrtsortes vor dem Zugriff der Behörden: das Gnadenbild, eine spätgotische Madonna aus dem 15. Jahrhundert. Auf Initiative von Bischof DDr. Paulus Rusch und Dr. Josef Mair vom "Glasnhof" in Schöfens entstand ein gewagter Rettungsplan. In einer eiskalten Aprilnacht brachen Franz Mair (1921–1944) und Hans Madersbacher (1920–1945) in die versperrte Kirche ein, entnahmen die Statue und brachten sie in einem geheimen Versteck am Glasnhof unter. Die beiden jungen Männer entgingen der Gestapo – doch sie sollten die Rückkehr der Madonna nicht mehr erleben. Beide fielen an der Front. Im Auftrag des Bischofs wurde die Madonna anschließend von Alfons Brands per Bahn an den Niederrhein gebracht, wo sie wechselnde Verstecke fand – zeitweise im Pfarrhaus von Nachtsheim, später in einem Bunker des Zementwerks Dyckerhoff in Neuwied. Erst nach Kriegsende ermöglichte Kaplan Karl Loven die Rückführung. Am 11. November 1945 kehrte das Gnadenbild feierlich in einer großen Prozession nach Maria Waldrast zurück, wo es bis heute verehrt wird. Bis heute zeugen Votivtafeln und Pilgerspuren von der tiefen Verbundenheit der Tiroler Bevölkerung mit 'ihrer' Muttergottes auf der Waldrast.
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    Autorin 
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archives
    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands.
    DÖW (Hrsg.):Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 470 ff. , 480, 482, 502. Sowie S. Mair Josef S. 618; Mair Maria, S. 80, 279; Mair Maria, S. 470;  Mair Sepp, S. 279; S. 618, S. 541 ff. Sowie Mair Franz, S. 277, S. 279, S. 617 f. Mair Franz, S. 458 f. , 519, 573 f., 577 f., 584.


    DÖW (Hrsg.):Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 3, 272, 279, 281, 303, 618. (Bischof Reinhold Stecher)

    Archiv - Matrei am Brenner 

    Audiodateien: Maria Mair geb. Ghedina und Dr. Josef Mair

    Privatarchiv Mag. Thomas Mair 
    Audiodateien:Maria Mair geb. Ghedina und Dr. Josef Mair. Fotos Grabsteine Mair, Ghedina 
    ​E-mail an Elisabeth Walder Februar 2026.

    ​
    Elisabeth Walder. Transkript. 10 Audiodateien: Mutter und Vater erzählen von der Waldrast (1980er Jahre), Hall in Tirol 2026, S. 1–24. In: Privatarchiv Mair Hall in Tirol.

    ​
    Quelle: Dr. Josef Mair, Bund der Opfer des Nationalsozialismus und Inhaber des päpstlichen Silvester-Ordens; von den Nationalsozialisten mehrfach in Haft, Transport nach Dachau, von dort wieder zurück und eingezogen. Aufbau einer Widerstandsgruppe in Landeck.

    Archiv Landespolizeidirektion Fachzirkel Exekutivgeschichte und Traditionspflege:

    Anton Walder, Chefinspektor in R., Maria Waldrast-ein Wallfahrtskloster des Serviten-Ordens {Diener Mariens} in Matrei am Brenner. In: Polizei Tirol (2, 2023), Innsbruck, S. 99 - 103.



    ​Historischer Hintergrund:

    Maria Waldrast und die Entwendung des Gnadenbildes (1940)
    Foto Maria Waldrast
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/MariaWaldrast.jpg
    http://www.serviten.de/oesterreich/KLOESTER/K_WALDRAST/HAUPTTEIL_K_WALDRAST.HTML
    https://www.stubai.at/skigebiete/serlesbahnen/sommer/wallfahrt-maria-waldrast/


    400 Jahre Waldraster Wallfahrt 08.09. 2024. Online, https://www.dererker.it/de/news/30587-400-jahre-waldraster-wallfahrt.html, (Stand: 15.2.2026)
    ​
    Online unter,

    https://www.sagen.at/doku/Wallfahrt/Wallfahrt_IL_Matrei_am_Brenner_Maria_Waldrast.html (Stand 7.3.2026)
     
    Literatur: 

    Inge Dollinger: Tiroler Wallfahrtsbuch. Die Wallfahrtsorte Nord-, Ost- und Südtirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1982, ISBN 3-7022-1442-9, S. 32–35.

    Franz Caramelle, Richard Frischauf: Die Stifte und Klöster Tirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1985, ISBN 3-7022-1549-2, S. 173–174.

    Oskar Dünser: Wallfahrtsort Maria Waldrast – Ursprung und Schicksal des Marianischen Gnadenortes und Servitenklosters; 600 Jahre Maria Waldrast; erste urkundliche Erwähnung 1392 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 214). 3. Auflage. Verlag St. Peter, Salzburg 2003.

    Mark Mersiowsky: Spätmittelalterliche Laienfrömmigkeit in Tirol: Die Evidenz des Mirakelbuchs von Maria Waldrast, in: notae. Historische Notizen zur Diözese Innsbruck 6 (2023), S. 17-38.

    Aurelia Benedikt u. Peter Emberger (Hrsg.), 400 Jahre Maria Waldrast. Servitenkloster – Wallfahrt – Kraftort. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2024.


    February 2026

    Kategorie 
    ​Zeitgeschichte

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