Dr. jur. Paul Freiherr v. Kathrein (1878-1962) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus12/23/2025 read more:🇬🇧 Kathrein-Dr. jur. -Paul-Blog (EN)🇬🇧 Verdross -Dr. Ernst -Biografie - Blog (EN)🇬🇧 Stolberg-Stolberg-Count _Bernhard_ -Blog (EN)🇬🇧 (EN) Dr. med. Viktor SchumacherHistorischer Kommentar: Das Haller Rathaus ist mit dem Beginn und dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in der Stadt verbunden. Am Morgen der NS-Machtübernahme brachten Dr. Viktor Schumacher, Anton Haller, Ing. Richard Matt und Jakob Schonger nach überlieferten Angaben die im Rathaus verwahrten Namenslisten der Mitglieder der Vaterländischen Front heimlich in Sicherheit. Dadurch sollten die darin verzeichneten Personen vor dem unmittelbaren Zugriff der Nationalsozialisten geschützt werden. Die Meldedaten konnten während der gesamten NS-Herrschaft nicht mehr aufgefunden werden. Am 3. Mai 1945 wurde das Rathaus erneut zu einem zentralen Schauplatz der Stadtgeschichte: Hier erfolgte die Übergabe der Stadt Hall an die einrückenden US-amerikanischen Streitkräfte. Das Gebäude steht damit sinnbildlich sowohl für eine frühe Widerstandshandlung im März 1938 als auch für das Ende der NS-Herrschaft im Mai 1945. Das Rathaus von Hall in Tirol am Oberen Stadtplatz. Hier wurden im März 1938 Mitgliederlisten der Vaterländischen Front heimlich in Sicherheit gebracht; am 3. Mai 1945 fand im Rathaus die Übergabe der Stadt an die US-amerikanischen Streitkräfte statt. Foto: Kurt Walder, 2025. Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol, Elisabeth Walder. Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (1878 - 1962)Die Familie Kathrein prägte über zwei Generationen die politische Landschaft Tirols. Während Dr. jur. Theodor Freiherr von Kathrein als führender Politiker der späten Habsburgermonarchie hervortrat, ging sein Sohn Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein als Bürgermeister und später als Mitglied eines monarchistischen Widerstandskreises in die Geschichte ein. 1. Dr. jur. Theodor Freiherr von Kathrein (1842–1916): Landeshauptmann von Tirol und ReichsratspräsidentTheodor von Kathreins Leben und Wirken verkörperten den Aufstieg eines bürgerlichen Politikers in den höchsten Ämtern der Monarchie. · Herkunft und Werdegang: Geboren am 25. März 1842 in Salurn als Sohn eines Volksschullehrers aus einer alten Oberinntaler Bauernfamilie, absolvierte er das Gymnasium in Bozen, Venedig und Trient. Nach seinem Kriegseinsatz als Landesschütze 1859 und Unterjäger 1866 studierte er in Innsbruck Jus (Dr. jur. 1871). Als prägendes Mitglied der katholisch-nationalen Studentenverbindung „Austria“ Innsbruck (seit 1865) begann seine lebenslange politische Netzwerkarbeit. · Politische Karriere: Nach seiner Tätigkeit als Redakteur der "Neuen Tiroler Stimmen" und seiner Niederlassung als Rechtsanwalt in Hall begann sein kommunal- und landespolitisches Engagement. Er war ab 1880 Haller Gemeinderat und von 1895 bis 1904 Bürgermeister der Stadt Hall. Parallel dazu machte er Karriere auf Reichsebene: 1884 zog er in den Wiener Reichsrat ein, wo er 1893 Erster Vizepräsident und 1897 Präsident des Abgeordnetenhauses wurde. Die Krönung seiner Laufbahn war die Ernennung zum Landeshauptmann von Tirol (1904–1916). In dieser Funktion galt er als ausgleichender Politiker zwischen den konservativen und christlich-sozialen Lagern. · Nobilitierung: Für seine Verdienste wurde er 1910 von Kaiser Franz Joseph I. in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Er starb am 1. Oktober 1916 in Innsbruck. 2. Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (1878–1962): Bürgermeister und WiderstandskämpferDr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (1878–1962), späterer Bürgermeister von Hall in Tirol und Mitglied des monarchistischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, auf einer Porträtaufnahme aus dem Jahr 1910. Foto: Atelier B. Johannes, Meran. Quelle: Private Familienarchive in den USA. Historischer Kontext zur Quelle:Die Atelieraufnahme entstand 1910 und zeigt Paul Freiherr von Kathrein lange vor seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Hall in Tirol und seinem späteren Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Als Bürgermeister vertrat er die Stadt bis 1935 bei öffentlichen und politischen Anlässen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 unterstützte Kathrein politisch Verfolgte. Bereits am 13. März besuchte er gemeinsam mit Kooperator Josef Lambichler die im Haller Stadtgefängnis Inhaftierten. Später gehörte er dem monarchistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an und unterstützte auch das Widerstandsnetzwerk um Anton Haller. Als bekannter Gegner des NS-Regimes wurde Kathrein selbst verfolgt und beim Bau des Haller Schwimmbades zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen. Das Porträt dokumentiert nicht unmittelbar seine Widerstandstätigkeit. Als erhaltene Familienfotografie verleiht es jedoch einer Person ein Gesicht, deren späteres Handeln von der Unterstützung Verfolgter, oppositioneller Vernetzung und eigener Verfolgung geprägt war. Die Überlieferung in privaten Familienarchiven in den USA verweist zugleich auf die Bedeutung familiärer Bestände für die historische und biografische Forschung. Ein Mann des Rechts und nicht des Krieges„Dr. jur. Paul von Kathrein lehnte aus Überzeugung den Kriegsdienst und den Krieg ab. Aus diesem Grund war er nie Soldat, und es existieren folgerichtig auch keine militärischen Porträtaufnahmen von ihm in Uniform.“ (Quelle: Familienarchiv, USA.) Die Einweihung der Franz-Josef-Kapelle in Hall in Tirol, 1930Franz-Josef-Gedächtniskapelle in Hall in Tirol vor ihrer Renovierung, 2023. Foto: Privatarchiv K. Walder, Hall in Tirol. Lesen Sie mehr:speckbacher-schuetzen.at/renovierung-kapelle/Dr. jur. Paul von Kathrein - 10. August 1930Am 10. August 1930 nahm Dr. jur. Paul von Kathrein an der feierlichen Einweihung der neu gestalteten Kaiser-Franz-Joseph-Gedächtniskapelle in Hall in Tirol teil. Er hielt eine feierliche Rede anlässlich der Eröffnung. Die Kapelle, ursprünglich als Coreth-Kapelle bekannt, wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Kaiser Franz Joseph I. (18. August 1930) grundlegend umgestaltet und diente fortan als würdiges Gedenkmal an den 1916 verstorbenen Monarchen. Im Zuge der Renovierung im Jahr 1930 erhielt das Gebäude sein bis heute charakteristisches Aussehen: Das frühere einfache Giebeldach wich einer geschwungenen, leicht vorspringenden Giebelfront, getragen von Säulen und gekrönt von einem Dachreiter mit Zwiebelhaube. Die Fassade wurde durch Gesimse und Pilaster gegliedert und im Giebel mit einem marmornen Reliefmedaillon geschmückt, das ein Porträt Kaiser Franz Josephs I. zeigt. Dieses Kunstwerk schuf der Tiroler Bildhauer Virgil Rainer eigens für die Kapelle im Jahr 1930. Darunter erinnert eine Inschrift mit Namen sowie Geburts- und Sterbedatum an den Kaiser. Auch das Innere der Kapelle wurde neu gestaltet. Der schlichte Andachtsraum wird von einem Tonnengewölbe mit Lünetten überspannt und ist mit dekorativem Perlenschnurstuck an Wänden und Decke verziert – einem ornamentalen Detail, das typisch für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Trotz der umfassenden Neugestaltung blieben die bescheidenen Dimensionen der Kapelle erhalten. In den folgenden Jahrzehnten erfuhr das Gebäude keine größeren baulichen Veränderungen; es wurde lediglich regelmäßig instand gehalten. Heute präsentiert sich die Kapelle als architektonische Synthese aus ihrem barocken Kern und den historisierenden Elementen der 1930er Jahre – ein stilles Zeugnis der Zeit- und Gedenkkultur im Tirol der Zwischenkriegszeit. Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (Bildmitte) anlässlich seiner Ansprache bei der Einweihung der Franz-Josef-Gedächtniskapelle in Hall in Tirol am 10. August 1930. Quelle: Private Familienarchive in den USA. Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (Bildmitte) anlässlich seiner Ansprache bei der Einweihung der Franz-Josef-Gedächtniskapelle in Hall in Tirol am 10. August 1930. Quelle: Private Familienarchive in den USA. Amtszeit:Dr. Paul Freiherr von Kathrein war von 1930 bis 1935 Bürgermeister von Hall in Tirol. Eine zeitgenössische Zeitung bezeichnet ihn 1930 als „neugewählten Bürgermeister“; auch ein Beitrag zur Haller Stadtgeschichte nennt ausdrücklich die Amtszeit 1930–1935. Einleitung zum Artikel „Feierliches Heldengedenken in Hall.“ Auch Dr. Paul Freiherr von Kathrein wird in dem Bericht ausdrücklich genannt. Als Bürgermeister von Hall nahm er gemeinsam mit dem Lehrkörper und der Beamtenschaft der Saline an der Gedenkfeier teil. Nach der Kranzniederlegung hielt er eine kurze Gedenkrede. Über deren Inhalt berichtet die Zeitung jedoch nicht. Die Quelle belegt somit Kathreins amtliche und repräsentative Mitwirkung an einer militärisch und patriotisch inszenierten Veranstaltung im Februar 1934. Sie erlaubt aber keine verlässliche Aussage darüber, welche persönliche politische Haltung er zu den damaligen autoritären Entwicklungen einnahm. Für eine Beurteilung seiner Biografie müssen weitere Quellen herangezogen werden – insbesondere seine späteren Kontakte zum monarchistischen Widerstand und seine Unterstützung von Menschen, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Zeitungsbericht „Feierliches Heldengedenken in Hall“ im Tiroler Anzeiger vom 23. Februar 1934. Der Artikel nennt Postrechnungsrat Martin Berger als Kommandanten einer Haller Heimatwehr-Jägerkompanie. Bürgermeister Dr. Paul Freiherr von Kathrein nahm als Vertreter der Stadtgemeinde an der Feier teil und hielt nach der Kranzniederlegung eine kurze Gedenkrede. Transkription Die folgende Transkription gibt den auf beiden Spalten erkennbaren Artikel wieder. Die historische Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden weitgehend beibehalten; die ursprünglichen Spalten- und Zeilenumbrüche wurden aufgehoben. Eine schwer lesbare Stelle ist in eckigen Klammern gekennzeichnet. Feierliches Heldengedenken in Hall Hall, 22. Februar 1934 Für das heute, Donnerstag, in der Stadtpfarrkirche abgehaltene feierliche Requiem für die gefallenen Helden unseres Vaterlandes, die mit ihrem kostbaren Leben den Tribut ihrer Treue zu Volk und Heimat besiegelten, hatte die Stadtgemeinde Hall alles Nötige in die Wege geleitet, während sich um die Schmückung des Katafalks die Frauenortsgruppe der Heimatwehr Hall ein großes Verdienst erworben hat. Die ganze glanzvolle Veranstaltung trug den Stempel tiefster Trauer und tiefgefühlten Gedenkens für die dahingeschiedenen Kameraden der Exekutive und des Schutzkorps. In langer Reihe marschierten unter Führung der Musik des Tiroler Alpenjägerregimentes Nr. 12 die Kampfformationen, voran die Ehrenkompanie des Feldjägerbataillons zu Rad Nr. 6 in Hall unter dem Kommando des Majors [Name nicht eindeutig lesbar], anschließend die 4. Heimatwehr-Jägerkompagnie von Hall, als zweite Ehrenkompagnie, unter dem Kommando von Postrechnungsrat M. Berger zur Pfarrkirche und nahmen vor derselben Aufstellung. Das Kircheninnere füllten die Mitglieder der Ostmärkischen Sturmscharen, die restlichen zwei Kompagnien des Feldjäger-Bataillons zu Rad Nr. 6 mit den Offizieren, die Gendarmerie, eine Abordnung der Christlich-deutschen Turner, die HJ.-Jugend „Jung-Vaterland“ (Hall) und die Sturmscharjugend. Eine starke Abordnung der Salinen- und Bergarbeiter mit Fahne und Paradeadjustierung, die christlichen Bundesbahner unter Führung des Sektionsvorstandes Rettl, die gesamte Studentenschaft sowie die Volksschüler, weiters der Katholische Arbeiterverein mit Fahne und die Kameradschaftsverbände. In den mit schwarzem Tuch belegten Bänken nahm eine starke Vertretung des Gemeinderates mit Bürgermeister Baron Dr. v. Kathrein sowie der Lehrkörper und die Beamtenschaft der Saline mit Oberbergmeister Bauer an der Spitze Platz. Vor Beginn des Requiems hielt Militärkurat Seelos eine tief zu Herzen gehende Ansprache. Dem Worte tiefster Heldenehrung folgte das von der Regimentsmusik intonierte Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“. Die Ehrenwache stellten je zwei Mann des Bundesheeres, der Gendarmerie, der Heimatwehr und der Ostmärkischen Sturmscharen. Vor dem Hochaltar hatten die diversen Fahnenabordnungen sowie das Ehrensignalhorn des Feldjägerbataillons Aufstellung genommen. Das Requiem zelebrierte Dekan Jungblut; die kirchliche Handlung unterstrich die Musik des Alpenjäger-Regimentes Nr. 12 mit der meisterhaften Aufführung des Requiems von Fucik. Den würdigen Schluss der kirchlichen Feier bildete die österreichische Bundeshymne. „Jung-Vaterland“, Hall, ließ es sich nicht nehmen, geschlossen zum Tische des Herrn zu treten und die Kommunion den gefallenen Kameraden aufzuopfern. Anschließend an den feierlichen Gottesdienst wurden die jüngsten Helden unseres Vaterlandes durch Kranzniederlegung (es wurde je ein Kranz von der Stadtgemeinde Hall, dem Bundesheer, der Gendarmerie, Heimatwehr und den Ostmärkischen Sturmscharen gespendet) in der eindrucksvoll gezierten Kriegergedächtniskapelle geehrt. Die Ehrenwache stand zu beiden Seiten des gotischen Altars, während an der Südseite der Pfarrkirche die zwei Ehrenkompagnien Aufstellung genommen hatten. Bürgermeister Dr. v. Kathrein hielt eine kurze, ehrende Gedenkrede, worauf neuerlich die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Unter den Klängen der Bundeshymne und des Generalmarsches dröhnten sodann zwei exakt abgefeuerte Dechargen in den jungen Morgen. Die Defilierung der gesamten ausgerückten Formationen vor den Spitzen des Militärs und Zivils schloss die überaus eindrucksvolle Gedenkfeier. Quellenkommentar Der Bericht erschien am 23. Februar 1934, nur wenige Tage nach den bewaffneten Februarkämpfen vom 12. bis 15. Februar. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung unter Engelbert Dollfuß das Parlament bereits ausgeschaltet und regierte autoritär. Nach den Kämpfen wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei verboten und ihre Organisationen wurden zerschlagen. Österreich befand sich auf dem Weg zur ständisch-autoritären Verfassung vom 1. Mai 1934. Der Artikel ist keine neutrale Schilderung. Begriffe wie „gefallene Helden unseres Vaterlandes“, „Treue zu Volk und Heimat“ oder „glanzvolle Veranstaltung“ gehören zur pathetischen Sprache der damaligen Erinnerungskultur. Die detaillierte Aufzählung von Bundesheer, Gendarmerie, Heimwehr, Ostmärkischen Sturmscharen, katholischen Vereinigungen, Jugendorganisationen und Schülern vermittelt das Bild einer geschlossenen, disziplinierten Gemeinschaft. Gesellschaftliche Gegensätze und die politische Gewalt jener Wochen bleiben dagegen vollständig unerwähnt. Die Formulierung von den „jüngsten Helden unseres Vaterlandes“ spricht dafür, dass die Feier nicht ausschließlich dem Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs galt, sondern wahrscheinlich auch an Angehörige der staatlichen Exekutive und der regierungsnahen Verbände erinnerte, die während der Februarkämpfe 1934 ums Leben gekommen waren. Dies sollte ohne weitere lokale Quellen allerdings als begründete Interpretation und nicht als abschließend gesicherte Tatsache formuliert werden. Bei Dr. Paul Kathrein dokumentiert der Bericht vor allem die Ausübung seines Bürgermeisteramtes: Er nahm mit Gemeinderat und städtischen beziehungsweise staatlichen Funktionsträgern an der Feier teil und hielt eine kurze Gedenkrede. Da ihr Wortlaut fehlt, darf ihm keine konkrete politische Aussage zugeschrieben werden. Quelle: „Feierliches Heldengedenken in Hall.“ In: Tiroler Anzeiger, Nr. 45, 23. Februar 1934, S. 6. Lesen Sie mehr:Berger-MartinDollfuss-Dr.-EngelbertAls Bürgermeister bei der Verfassungsfeier 1934 Am 1. Mai 1934 nahm Dr. Paul Freiherr von Kathrein in seiner amtlichen Funktion als Bürgermeister von Hall an der örtlichen Verfassungsfeier teil. Nach einem Gottesdienst in den Kuranlagen hielt er eine Ansprache zur Bedeutung des Tages. Der Zeitungsbericht gibt den Inhalt seiner Rede jedoch nicht wieder. Daher lässt sich aus dieser Quelle nicht ableiten, wie Kathrein persönlich zur neuen Verfassung und zur politischen Entwicklung des autoritären Ständestaates stand. Sein Auftreten gehörte zu den repräsentativen Aufgaben des Bürgermeisters. Für die Beurteilung seiner politischen Haltung sind seine späteren Handlungen aussagekräftiger: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme unterstützte er Verfolgte, gehörte dem monarchistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an und wurde schließlich selbst zum Ziel nationalsozialistischer Verfolgung. „Die Feier in Hall.“ In: Innsbrucker Nachrichten, Nr. 100, 2. Mai 1934, S. 6. Zeitungsbericht „Die Feier in Hall“ über die Verfassungsfeier am 1. Mai 1934 in Hall in Tirol. Bürgermeister Dr. Kathrein hielt nach dem Gottesdienst eine Ansprache zur Bedeutung des Tages. Quelle: Innsbrucker Nachrichten, Nr. 100, 2. Mai 1934, S. 6. Transkription Die Feier in Hall Mit einem Fackelzug am Montag abends, an dem sich die Speckbachermusik, die Heimatwehr und die Sturmscharen beteiligten, wurde die Verfassungsfeier eingeleitet. Am 1. Mai nahmen dann in den Kuranlagen die ausgerückten Abteilungen Aufstellung, während sich die Spitzen der militärischen Verbände und die Abordnungen aller Behörden und Ämter vor dem Musikpavillon versammelten und der Feldmesse beiwohnten, die der Dekan von Hall Josef Jungblut las, wobei die Speckbachermusik Schuberts Deutsche Messe spielte und eine Ehrenkompagnie des Feldjägerbataillons zu Rad Nr. 6 unter dem Kommando des Majors Ehal die Dechargen abgab. Nach der kirchlichen Feier hielt dann der Bürgermeister von Hall, Dr. Kathrein, eine die Bedeutung des Tages würdigende Ansprache, worauf sich die Verbände zum Vorbeimarsch sammelten, der in den Kuranlagen vor dem Kommandanten der Haller Garnison und dem Bürgermeister stattfand. Durch ein dichtes Spalier von Schulkindern und der Bevölkerung von Hall und Umgebung marschierten vorbei: drei Kompagnien des Feldjägerbataillons unter dem Kommando des Majors Bartl, Abteilungen der Heimatwehr, der Sturmscharen, der christlichen Turner, die Schützenkompagnie von Mils, die Eisenbahner, das Lager Hall des Freiwilligen Arbeitsdienstes und schließlich die Salinenmusik mit einem Teil der Belegschaft des Werkes. Anmerkung: Der Name des Majors erscheint im Druck als „Ehal“, ist aufgrund der Frakturschrift und der Bildqualität aber nicht völlig zweifelsfrei lesbar. Quellenangabe:„Die Feier in Hall.“ In: Innsbrucker Nachrichten, Nr. 100, Mittwoch, 2. Mai 1934, S. 6. Kurzer Quellenkommentar Der Zeitungsbericht dokumentiert die Feier zum 1. Mai 1934 in Hall in Tirol. Er nennt Bürgermeister Dr. Kathrein ausdrücklich als Festredner und zeigt seine offizielle Beteiligung an den staatlich inszenierten Feierlichkeiten des autoritären Ständestaates. Neben kirchlichen und militärischen Formationen nahmen auch die Heimwehr, die Sturmscharen und weitere regimenahe Verbände teil. Historischer Kommentar: Der Zeitungsbericht dokumentiert Dr. Paul Freiherr von Kathrein in seiner damaligen amtlichen Funktion als Bürgermeister von Hall in Tirol. Bei der Verfassungsfeier am 1. Mai 1934 hielt er nach dem Gottesdienst eine Ansprache zur Bedeutung des Tages. Da weder der Wortlaut noch Auszüge seiner Rede wiedergegeben werden, lässt sich aus dieser Quelle allein nicht erschließen, wie Kathrein persönlich zur neuen Verfassung und zur politischen Entwicklung des autoritären Ständestaates stand. Sein öffentliches Auftreten war zunächst Teil seiner repräsentativen Verpflichtungen als Bürgermeister. Für die historische Einordnung ist jedoch seine weitere Biografie entscheidend: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme unterstützte Kathrein politisch Verfolgte, besuchte bereits am 13. März 1938 gemeinsam mit Kooperator Josef Lambichler die im Haller Stadtgefängnis Inhaftierten und half der Familie des verhafteten Dr. Ernst Verdross. Später gehörte er dem monarchistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an und unterstützte auch die Widerstandsgruppe um Anton Haller. Als ehemaliger Bürgermeister und Gegner des NS-Regimes wurde er selbst verfolgt und beim Bau des Haller Schwimmbades zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen. Der Bericht von 1934 ist daher kein Beleg für Kathreins Haltung zum Nationalsozialismus, zeigt aber seine öffentliche Stellung in Hall vor 1938. Erst zusammen mit den späteren Quellen wird der biografische Bruch sichtbar: Der frühere Bürgermeister und öffentliche Repräsentant der Stadt wurde unter der NS-Herrschaft zum Unterstützer Verfolgter, zum Mitglied des Widerstands und schließlich selbst zum Ziel politischer Demütigung und Verfolgung. Von der Kommunalpolitik in den Widerstand: Paul von KathreinPaul von Kathrein folgte zunächst den kommunalpolitischen Spuren seines Vaters, sein späteres Handeln wurde jedoch durch die Zeit des Nationalsozialismus bestimmt. · Bürgerliches Amt: Wie sein Vater bekleidete er das Amt des Bürgermeisters von Hall in Tirol, das er bis zum Jahr 1935 innehatte. · Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 schloss sich Paul von Kathrein dem monarchistischen Widerstandskreis um den Grafen Bernhard Stolberg-Stolberg in Hall an. Dieser Kreis, der sich konspirativ im Stolberg'schen Haus (Bruckergasse 15) traf, setzte sich aus Legitimisten, Geistlichen und oppositionellen Bürgern zusammen. Ihr Ziel war die Unterstützung von Regimegegnern und Verfolgten sowie die Bewahrung österreichisch-patriotischen Gedankenguts. · Familienhintergrund: Sein Widerstandsgeist wurde zweifellos durch die starke, kaisertreue und katholisch-konservative Prägung seines Elternhauses und die politische Tradition seiner Familie mitgeformt. Lesen Sie mehr:Graf Bernhard Stolberg-StolbergDekanat -Hall-in-Tirol- im-WiderstandÜberblick: Die Ämter der Familie Kathrein Person Lebensdaten Wichtigste Ämter & Wirken Dr. Theodor v. Kathrein 1842 – 1916 Bürgermeister von Hall (1895-1904), Präsident des Abgeordnetenhauses (1897), Landeshauptmann von Tirol (1904-1916) Dr. Paul v. Kathrein 1878 – 1962 Bürgermeister von Hall (bis 1935), Mitglied im monarchistischen Widerstandskreis Hall (1938-1945) Lesen Sie mehr:Monarchisten und Legitimsten in Solbad HallJosef Conte VeithJoseph von FranckensteinDosch-AntonKarl PfötscherDr. jur. can. Walter WaitzZusammenfassungDie Biografien von Vater und Sohn Kathrein umspannen entscheidende Kapitel der österreichischen Geschichte. Theodor Freiherr von Kathrein stand als Landeshauptmann und Reichsratspräsident für die letzte Blüte der Habsburgermonarchie in Tirol. Sein Sohn Paul führte das kommunalpolitische Erbe fort und bewies während der NS-Diktatur Zivilcourage, indem er sich einer oppositionellen Gruppe anschloss, die Hilfe für Verfolgte leistete und an einem anderen Österreich festhielt. Die mutigen Taten von Dr. Paul Kathrein: Widerstand, Hilfe und persönliche VerfolgungWie im vorherigen Bericht dargestellt, war Dr. Paul Freiherr von Kathrein bis 1935 Bürgermeister von Hall in Tirol und schloss sich nach dem „Anschluss“ 1938 dem monarchistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg zu Stolberg an. Die folgenden Details veranschaulichen den konkreten und persönlichen Mut, den er in den Jahren der NS-Herrschaft bewies, sowie die schweren Repressalien, die er dafür erlitt. Unmittelbare Hilfe für VerfolgteBereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 12. März 1938 zeigte Paul Kathrein Zivilcourage. Gemeinsam mit dem Kooperator Josef Lambichler – ebenfalls späteres Mitglied des Stolberg-Kreises – besuchte er am 13. März 1938 die im Haller Stadtgefängnis Inhaftierten. Unter den Verhafteten befand sich auch Dr. Viktor Schumacher, ein enger Weggefährte aus der Kommunalpolitik und später ebenfalls aktives Mitglied im Widerstand. Kathrein ließ sich durch das hohe Risiko einer solchen Geste nicht abschrecken und stand den Verfolgten auch in der Folgezeit bei. Er setzte seinen gefährlichen Einsatz fort, indem er auch die Familie von Dr. Ernst Verdross unterstützte, während dieser für ein Jahr in Schutzhaft und im KZ Dachau inhaftiert war. Lesen Sie mehr:Schumacher-Dr. -Viktordr-ernst-verdross-widerstand-kz-dachauBuchpräsentation _KZ-DachauCorazza-Friedrichwww.kz-gedenkstaette-dachau.deVerfolgung und Demütigung durch ZwangsarbeitAls ehemaliger Bürgermeister und bekannter Regimegegner wurde Paul Kathrein selbst zum Ziel von Schikanen und Verfolgung. Die NS-Machthaber verpflichteten ihn zu Zwangsarbeit beim Bau des Haller Schwimmbades. Diese als sogenannter „freiwilliger Arbeitsdienst“ deklarierte Tätigkeit war eine gezielte Demütigung: Der damals bereits etwa 60-jährige Kathrein musste schwere körperliche Arbeit mit Pickel und Schaufel verrichten. Diese Maßnahme diente nicht nur der Bestrafung, sondern sollte ihn und seinen Widerstandsgeist öffentlich brechen und als abschreckendes Beispiel dienen. Diese Episode ist keine bloße Überlieferung, sondern wird auch von Familienangehörigen bestätigt. Seine Enkelin, Christy Neidig, schrieb 2025: „Mein Großvater, Paul Kathrein... wurde trotz seines Alters zur Zwangsarbeit herangezogen, um das Schwimmbad auszuheben... auch als Demütigungstaktik und als Beispiel für andere.“ (Quelle: email an Elisabeth Walder, November 2025) Lesen Sie mehr:familie-eitner-hall-in-tirolEitner-Lorenz Blog (Deutsch)Vernetzung im WiderstandKathreins Engagement beschränkte sich nicht nur auf den Kreis um Graf Stolberg. Er unterstützte aktiv auch den Widerstandskreis von Anton Haller, eine weitere wichtige Gruppe im lokalen Widerstandsnetzwerk Halls. Diese Verbindung zeigt, wie verschiedene oppositionelle Strömungen – monarchistische Legitimisten und andere Regimegegner – trotz unterschiedlicher politischer Ziele kooperierten, um das NS-Regime zu bekämpfen. Lesen Sie mehr:Haller _Anton _WiderstandsgruppeZusammenfassung: Widerstand und Verfolgung Aspekt der Tätigkeit Konkrete Handlung & Bedeutung Unmittelbare Hilfeleistung Besuch der Verhafteten im Haller Gefängnis am 13. März 1938 gemeinsam mit Kooperator Lambichler; Unterstützung für Dr. Viktor Schumacher und andere. Persönliche Verfolgung Verpflichtung zum Zwangsarbeitseinsatz beim Bau des Haller Schwimmbades; schwere körperliche Arbeit als 60-Jährigerund ehemaliger Bürgermeister diente der öffentlichen Demütigung. Widerstandsnetzwerk Aktive Mitgliedschaft im monarchistischen Kreis um Bernhard Stolberg-Stolberg; zusätzliche Unterstützung für die Widerstandsgruppe von Anton Haller. SchlussfolgerungDie hier geschilderten Details zeichnen das Bild eines Mannes, der seine christlich-konservative und österreichisch-patriotische Überzeugung konsequent in die Tat umsetzte. Paul Kathrein nutzte seine moralische Autorität als ehemaliger Bürgermeister nicht nur zum Aufbau von Widerstandsnetzwerken, sondern auch für direkte, gefährliche Hilfeleistungen. Dafür musste er schwerste persönliche Demütigungen und Misshandlungen erleiden. Sein Schicksal steht beispielhaft für den zivilen Widerstand und die Verfolgung der politischen Elite des Ständestaates durch das NS-Regime in Österreich. Glückwunschtelegramm von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este an Dr. Theodor Freiherr von Kathrein anlässlich dessen 70. Geburtstages im Jahr 1912. Quelle: Privates Familienarchiv, USA; übermittelt per E-Mail an Elisabeth Walder im November 2025. Kurzer Kommentar zur Quelle: Das Telegramm dokumentiert die persönliche Würdigung Theodor Freiherr von Kathreins durch den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand. Kathrein hatte als Bürgermeister von Hall, Reichsratspräsident und Landeshauptmann von Tirol hohe politische Ämter bekleidet. Die Quelle belegt seine Stellung innerhalb der politischen Elite der späten Habsburgermonarchie und verdeutlicht zugleich den monarchistischen und katholisch-konservativen familiären Hintergrund seines Sohnes Dr. Paul Freiherr von Kathrein. Das im Familienarchiv in den USA erhaltene Original ist daher sowohl ein zeitgeschichtliches Dokument als auch eine wichtige biografische Familienquelle. 📜 Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este Erzherzog Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este (geb. 18. Dezember 1863 in Graz; gest. 28. Juni 1914 in Sarajevo) war von 1896 bis zu seinem Tod der Thronfolger Österreich-Ungarns. Als ältester Sohn von Erzherzog Karl Ludwig, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph I., rückte er nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf (1889) und dem Tod seines Vaters (1896) in die Position des designierten Nachfolgers auf. Sein Leben war von persönlichem und politischem Konflikt geprägt. Gegen erheblichen Widerstand am Hof heiratete er 1900 Sophie Chotek in einer morganatischen Ehe, was bedeutete, dass seine Kinder von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Politisch war Franz Ferdinand ein entschiedener Kritiker des bestehenden Dualismus mit Ungarn. Er strebte tiefgreifende Reformen des Vielvölkerstaates an, unter anderem die Idee eines "Trialismus", der den Südslawen einen gleichberechtigten Status neben Österreichern und Ungarn verschaffen sollte. Seine Ermordung in Sarajevo durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 war der unmittelbare Auslöser für die Julikrise und führte zur Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, wodurch der Erste Weltkrieg begann. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Franz_Ferdinand_von_Österreich-EsteZusammenfassung Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein (1878–1962) entstammte einer politisch einflussreichen, katholisch-konservativen und monarchistisch geprägten Familie. Sein Vater, Dr. Theodor Freiherr von Kathrein, war Bürgermeister von Hall in Tirol, Präsident des Abgeordnetenhauses und Landeshauptmann von Tirol. Paul Kathrein setzte die kommunalpolitische Tradition der Familie fort und amtierte von 1930 bis 1935 als Bürgermeister von Hall. Seine Verbundenheit mit der Habsburgermonarchie zeigte sich unter anderem bei der Einweihung der Franz-Josef-Gedächtniskapelle am 10. August 1930. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 bewies Kathrein Zivilcourage: Gemeinsam mit Kooperator Josef Lambichler besuchte er bereits am 13. März die im Haller Stadtgefängnis festgehaltenen politischen Gefangenen. Später unterstützte er die Familie des inhaftierten Dr. Ernst Verdross. Kathrein gehörte dem monarchistisch-legitimistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an und war außerdem mit der Widerstandsgruppe um Anton Haller verbunden. Als ehemaliger Bürgermeister und bekannter Gegner des NS-Regimes wurde er selbst verfolgt und beim Bau des Haller Freischwimmbades zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen. Seine Biografie steht beispielhaft für einen zivilen Widerstand, der sich in persönlicher Hilfe für Verfolgte, der Bewahrung österreichisch-patriotischer Überzeugungen und der Zusammenarbeit unterschiedlicher oppositioneller Netzwerke ausdrückte. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Wer war Dr. Paul Freiherr von Kathrein? Dr. jur. Paul Freiherr von Kathrein war ein Haller Jurist, Bürgermeister und späteres Mitglied des monarchistisch-legitimistischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Er wurde 1878 geboren und starb 1962. Wann war Paul Kathrein Bürgermeister von Hall in Tirol? Paul Kathrein war von 1930 bis 1935 Bürgermeister von Hall in Tirol. Damit setzte er die kommunalpolitische Tradition seines Vaters Theodor von Kathrein fort. Wer war sein Vater Theodor Freiherr von Kathrein? Dr. Theodor Freiherr von Kathrein (1842–1916) war von 1895 bis 1904 Bürgermeister von Hall, 1897 Präsident des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrates und von 1904 bis 1916 Landeshauptmann von Tirol. Im Jahr 1910 wurde er in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Welche Verbindung hatte Paul Kathrein zur Franz-Josef-Gedächtniskapelle? Am 10. August 1930 nahm Paul Kathrein als Bürgermeister an der Einweihung der neu gestalteten Franz-Josef-Gedächtniskapelle in Hall teil und hielt eine Ansprache. Die Kapelle erinnerte an Kaiser Franz Joseph I. und brachte die monarchisch geprägte Erinnerungskultur jener Zeit zum Ausdruck. Wie reagierte Paul Kathrein auf die nationalsozialistische Machtübernahme? Bereits am 13. März 1938, einen Tag nach den ersten Verhaftungen in Hall, besuchte Kathrein gemeinsam mit Kooperator Josef Lambichler die politischen Gefangenen im Haller Stadtgefängnis. Dieser Besuch war ein frühes Zeichen persönlicher Solidarität und Zivilcourage. Wen unterstützte Paul Kathrein während der NS-Herrschaft? Zu den von ihm unterstützten Personen gehörten politische Gefangene wie Dr. Viktor Schumacher. Außerdem half er der Familie von Dr. Ernst Verdross, während dieser in „Schutzhaft“ festgehalten und in das Konzentrationslager Dachau deportiert worden war. Welchem Widerstandskreis gehörte Paul Kathrein an? Kathrein gehörte dem monarchistisch-legitimistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an. Die Mitglieder unterstützten NS-Gegner und deren Familien und hielten an der Eigenständigkeit Österreichs sowie an christlich-konservativen und monarchistischen Überzeugungen fest. War Paul Kathrein auch mit anderen Widerstandsgruppen verbunden? Ja. Neben seiner Zugehörigkeit zum Stolberg-Kreis unterstützte er auch die Widerstandsgruppe um Anton Haller. Seine Tätigkeit zeigt, dass unterschiedliche oppositionelle Netzwerke in Hall miteinander verbunden waren. Wurde Paul Kathrein von den Nationalsozialisten verfolgt? Ja. Als ehemaliger Bürgermeister und bekannter Gegner des Regimes wurde er schikaniert und beim Bau des Haller Freischwimmbades zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen. Der damals etwa 60-Jährige musste mit Pickel und Schaufel arbeiten. Nach der familiären Überlieferung sollte dieser Einsatz ihn öffentlich demütigen und zugleich andere Regimegegner einschüchtern. Welche Bedeutung hat Paul Kathrein für die Geschichte des Widerstands in Hall? Seine Biografie macht sichtbar, dass Widerstand nicht nur aus spektakulären Aktionen bestand. Er zeigte sich auch in der unmittelbaren Unterstützung von Gefangenen und ihren Familien, in der Verbindung oppositioneller Gruppen und im Festhalten an einem von der nationalsozialistischen Diktatur unabhängigen Österreich.
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