Adrian Höck Opräm. (1903–1973)Adrian Höck wurde am 12. Februar 1903 in Wörgl geboren. Er war Pfarrer von Hötting bei Innsbruck, als er vom 4. Juli bis zum 16. Juli 1938 wegen einer Bittmesse für Dr. Kurt Schuschnigg in Schutzhaft genommen wurde: „Der Pfarrer Adrian Höck hat am Tage vor Fronleichnam an der Kirchentüre eine Bittmesse für den früheren Bundeskanzler Kurt v. Schuschnigg anschlagen lassen und hat diese mehrmals von der Kanzel verkündet. Über mein Ersuchen hat die Geheime Staatspolizei diesen Fall einer gründlichen Untersuchung unterzogen und ist nunmehr – wie aus beiliegender Abschrift zu entnehmen ist – zur Verhaftung des Pfarrers geschritten." 1938 gründete Pfarrer Adrian Höck eine legitimistische-katholische Widerstandsgruppe in Innsbruck. Ein junger Haller, Karl Pfötscher (1919–1982), war Mitglied dieser Jugendgruppe, die über die Pfarrjugend organisiert war. Diese legitimistisch-katholische Organisation wurde durch die Gestapo aufgedeckt als Pfarrer Adrian Höck bereits in Brasilien war. Die Organisation wurde im Jahr 1939 durch ein Mitglied der Gruppe an die Gestapo verraten. Die festgenommenen Personen waren zwischen 17 und 26 Jahren alt. Einige von ihnen waren erst im Frühjahr 1939 in der Angelegenheit „Freies Österreich, Gausturm Tirol“ aus der Haft entlassen worden. Die Organisation selbst hatte eine größere Dimension angenommen und soll sich bereits auf ganz Österreich ausgedehnt haben. Als Kennzeichen bzw. als Kämpferabzeichen diente eine blaue Wollblume „Vergissmeinnicht“. Das Kennwort der Jugendgruppe lautete „Seidosch“, das übersetzt hieß: Seipel-Dollfuß-Schuschnigg." „In Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurde auch der ehemalige Landesführer der Vaterländischen Front, Dr. Ernst Fischer mitsamt seiner Familie inhaftiert. Nach Aussagen eines Inhaftierten bestehen auch Verbindungen zu einer Nachfolgeorganisation der „Bayrischen Volkspartei“. Diese Gruppe erwartet bereits im Monat August einen Systemwechsel im Reich und warb zu diesem Zwecke noch eifrig `Alte Kämpfer`. Foto Karl Pfötscher. In Privatarchiv Walder Hall in Tirol. Prof. Karl Johann Franz Jakob Pfötscher (1919 - 1982) Im Jahr 1938 war ein junger Legitimist aus Hall in Tirol aktiv: Karl Pfötscher (1919- 1982) ein Student. Er war Mitglied der klerikalen, legitimistischen Gruppe "Vergissmeinnicht" in Innsbruck. Am 5. April 1938 trafen sich mehrere junge Männer, darunter Pfötscher, in der Wohnung von Professor Siegfried Mayr in Innsbruck. Dort gründeten sie die "Jugendbewegung Freiheit Österreich". Die Gruppe organisierte Ausflüge, bei denen politische Diskussionen stattfanden. Die Ausflüge führten nach Seefeld, Maria Waldrast, zum Peterbrünnl und ins Gasthaus Waldhüttl in Innsbruck. Im Waldhüttl lagerten Karl Pfötscher und weitere Mitglieder Waffen. Karl Pfötscher hatte die Waffen vom österreichischen Jungvolk und der Frontmiliz versteckt, die von den deutschen Behörden noch nicht entdeckt worden waren. Seit dem Sommer 1938 verteilten die Jugendlichen Streuzettel und schrieben Parolen an Hauswände. Die Jugendlichen im Alter von 17 bis 24 Jahren planten, Bauern mit Waffen zu versorgen und militärisch wichtige Einrichtungen zu übernehmen. Die Gruppe wurde von einem Mitglied an die Gestapo verraten. Im Oktober 1938 wurden die Gruppenmitglieder verhaftet und zum Teil zu mehrjährigen Haftstrafen ohne richterlichen Beschluss verurteilt. Karl Pfötscher erhielt eine Schutzhaft (ohne Gerichtsurteil) von 3 Jahren, 6 Monaten und 10 Tagen. Nach seiner Haftentlassung konnte er bis zum 8. Mai 1945 an keiner Universität des Deutschen Reichs ein Studium aufnehmen. Ein Augenzeuge, August Loacker (1876-?), der ebenfalls für seine Widerstandsaktivitäten verfolgt wurde, bestätigte, dass Pfötscher über die Anlegung eines Waffenlagers im Waldhüttl ausgesagt hat. Loacker kann auch bezeugen, dass Pfötscher aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich beteiligt war. SD-Unterabschnitt Tirol Bericht an den SS-Oberabschnitt Donau in WienDer SD-Unterabschnitt Tirol berichtete dem SD-Führer des SS-Oberabschnittes Donau in Wien über folgende Ereignisse im Zeitraum vom 1. Juni bis 30. Juni 1939: „In Innsbruck wurde in der Berichtszeit eine legitimistische-katholische Organisation aufgedeckt, die bereits größeren Umfang angenommen hatte. [...]Bei den in den letzten Tagen verhafteten Personen, meist im Alter von 17 bis 24 Jahren, handelt es sich zum Teil um Leute, die erst im Frühjahr 1939 in der Angelegenheit `Freies Österreich, Gausturm Tirol` aus der Haft entlassen wurden. Die Organisation selbst dürfte größeren Ausmaßes sein und soll in ganz Österreich, besonders aber in Wien, ausgebreitet sein. Als Kennzeichen beziehungsweise alte Kämpferabzeichen wurden eine blaue Wollblume, Vergißmeinnicht, ausgegeben und bei der Jugendgruppe das Kennwort `Seidosch`- Abkürzung für Seipel, Dollfuß, Schuschnigg verwendet. " Zu den Angaben zu Karl Pfötscher wird folgender Amtsvermerk hinzugefügt: Amtsvermerk Betreff: Karl Pfötscher Inhalt: Karl Pfötscher war im Sommer 1938 aktiv in der Widerstandsbewegung gegen die NS-Herrschaft in Österreich. Er beteiligte sich an Zettelaktionen, um das österreichische Selbstbewusstsein in der Innsbrucker Bevölkerung wachzuhalten. Die Zettel wurden im Raum Triumphpforte, Grüner Baum und Saggen geworfen. Im Geheimen legte Pfötscher ein Waffenlager im Bauernhaus des Johann Mair (Waldhüttl) an. Die Waffen waren vom österreichischen Jungvolk und der Frontmiliz, die von den deutschen Behörden noch nicht entdeckt worden waren. Pfötscher wurde im Oktober 1938 von der Gestapo verhaftet und zu 3 Jahren, 6 Monaten und 10 Tagen Schutzhaft verurteilt. Zu einer Gerichtsverhandlung kam es nie. Nach seiner Haftentlassung war er bis zum 8. Mai 1945 an keiner Universität des Deutschen Reichs eingeschrieben. Pfötscher erlitt in der Haft schwere gesundheitliche Schäden. Document Center Berlin vom 7. Jänner 1939 - HaftbeschwerdeIm Document Center Berlin (BDC) in Berlin-Zehlendorf befindet sich eine Haftbeschwerde der Staatsanwaltschaft Innsbruck vom 7. Januar 1939 an den Oberreichsanwalt beim VGH von Ludwig Mayer und anderen:
„Beschuldigte: Karl Pfötscher, am 19.9.1919 in Hall geboren, Reichsangehöriger, Schüler, katholisch, ledig, Sohn des Karl und der Josefine Pfötscher, zuletzt Innsbruck Michael Gaismayrstr. 11; Und viele weitere [...] II. Tatsächliche und rechtliche Würdigung des Sachverhaltes. [...] Die meisten der Beschuldigten waren Mitglieder von klerikalen oder legitimistischen Formationen in Österreich, unter denen einzelne, wie Rudolf Ottylk, Franz Ortler und Karl Niederwanger eine führende Stellung innehatten. [...]Bereits am 5. April 1938 waren sie in der Wohnung des Professors Siegfried Mayr zusammengekommen. [...]Niederwanger wies verschiedene Urkunden vor, in denen Otto von Habsburg zum Ehrenbürger einzelner Tiroler Gemeinden ernannt worden war. Er ermunterte die Anwesenden an der legitimistischen Aufbauarbeit. [...] Unter den Beschuldigten müssen in Bezug auf ihre Tätigkeit und Teilnahme an der verbotenen Organisation mehrere Gruppen unterschieden werden, und zwar: Die Rädelsführer- Rudolf Ottylk, Franz Rainer, Franz Ortler deren Hintermänner- Graf Leopold Künigl, August Loacker, Dr. Albin Oberhofer, Rudolf Raschenberger, Ludwig Mayer (Jude), Ernst Schwarz (Jude), Stefan Kraker, Prof. Siegfried Mayr die Unterführer und einfache Mitglieder- Otto Sailer (Unterführer), Otto Troger, Heinz Mayer (Halbjude), [...]Gerda Markowetz, Erna Tschaikner, Paula Dalla Giovanna [...]Anna Mair[...] Personen nach § 139 RStGB. verdächtig- Josef Sollerer, Kurt Somvi et al. Beschuldigte mangels eines entsprechenden Verdachtsgrundes ein Haftbefehl erlassen wurde- Franz Cajumi, Herbert Steiner, et al. Karl Niederwanger, der derzeit flüchtig ist und sich angeblich in Frankreich (Paris) aufhalten soll.
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