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Foto Familien Facinelli und Larch in Fügen. In: Privatarchiv Elisabeth und Günther Klaus Fügen. Ein Beitrag für die Webseite NS-Widerstand: Die Zeit des Nationalsozialismus forderte jeden Einzelnen zu Gewissensentscheidungen heraus. Die Geschichte von Josef und Theresia Facinelli ist ein beeindruckendes Beispiel für persönlichen Widerstand, der nicht mit großen Gesten, sondern mit der unerschütterlichen Treue zum Nächsten begann. Ihr Schicksal steht für die vielen stillen Heldentaten, die in offiziellen Geschichtsbüchern oft unerwähnt bleiben, aber das Rückgrat menschlicher Würde in unmenschlichen Zeiten bildeten. Die Familie Facinelli: Ursprünge und Werdegang Die katholische Familie von Josef Facinelli stammte aus Cles im Nonstal (Trentino), einer Region hinter dem Mendelpass. Die Familie wanderte nach Bischofshofen im Land Salzburg aus und ließ sich dort mit einer Gastwirtschaft und Metzgerei nieder. Noch bis 1997 existierte das von der Familie Facinelli geführte Cafe/Restaurant am Hauptplatz. Josef Facinelli wurde am 11. Mai 1891 in Bischofshofen geboren. Er kam als Finanzbeamter nach Innsbruck und wurde von dort später zum Finanzamt Fügen versetzt. In Innsbruck lernte er seine Frau Theresia Grünhut kennen. Theresia Facinelli wurde am 9. Mai 1895 in St. Johann am Walde im Innviertel in Oberösterreich geboren und katholisch erzogen. Sie heirateten am 17. April 1923 in Bischofshofen. Das Ehepaar blieb kinderlos. Zivilcourage im Nationalsozialismus: Der Widerstand des Josef Facinelli Die bereits gefestigte Lebensordnung der Facinellis brach mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zusammen. Die Verfolgungsmaschinerie des Regimes traf die Familie gleich auf mehrfache Weise:
Das Leben nach dem Krieg und das Vermächtnis Mit dem Ende des Nationalsozialismus wurde die Standhaftigkeit von Josef Facinelli rehabilitiert. Nach dem Krieg wurde er wieder in den Finanzdienst aufgenommen und konnte dort bis zu seiner Pensionierung arbeiten. Mit seiner Frau Theresia lebte er bis nach dem Krieg in Fügen und befreundete sich dort eng mit der Familie von Josef und Anna Larch. Die kinderlos gebliebenen Facinellis wurden die Paten von Elisabeth Klaus und waren für diese so etwas wie „zweite Eltern“. Während ihres Pädak-Studiums wohnte Elisabeth Klaus bei ihnen in Innsbruck. Auch im hohen Alter wurden die Facinellis von Elisabeth und Günther Klaus bis zu ihrem Tod in der Knollerstraße in Innsbruck betreut – ein Zeichen tiefer Dankbarkeit und Verbundenheit. 1959 übersiedelte das Paar von Fügen nach Innsbruck. 1973 konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern. Theresia Facinelli verstarb 1980 in Innsbruck. Josef Facinelli feierte noch seinen 90. Geburtstag mit einer großen Familienfeier in Bischofshofen. Er verstarb am 23. November 1982 in Hochzirl. Auf eigenen Wunsch wurden beide in Bischofshofen beigesetzt. Einzuordnende Bedeutung Das Schicksal von Theresia Grünhut wird auch in der Abhandlung "Das Schicksal der Schwazer Juden" in der Publikation Der Weg einer Stadt aus dem Jahr 1999 von Horst Schreiber erwähnt. Die Geschichte der Familie Facinelli steht stellvertretend für die vieler Österreicher, die durch den Nationalsozialismus ihre Heimat verloren oder in ihrer Existenz bedroht wurden. Die Entscheidung von Josef Facinelli, seine Frau nicht zu verleugnen, war ein Akt des stillen, aber fundamentalen Widerstands. In einer Zeit, in denen Systeme darauf abzielten, menschliche Bindungen zu zerstören, bewies er, dass die Treue zu einem geliebten Menschen die mächtigste Form des Protests sein kann. Dieser Beitrag wurde auf Basis der persönlichen Erinnerungen und Aufzeichnungen von Elisabeth und Günther Klaus aus Fügen verfasst. Wir danken für das Teilen dieser wichtigen Familiengeschichte.
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