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Foto Josef Pöschl. In: Wopfner, Helmut (Hrsg.): Unsere Sternkorona. Mitgliederverzeichnsi 1888-1998. Thaur 1998, S. 101. Josef Pöschl (1898–1965): Ein stiller Widerstandskämpfer im PostdienstJosef Pöschl gehört zu jenen Widerstandskämpfern, deren Beitrag zum Sturz des NS-Regimes nicht auf spektakulären Aktionen beruhte, sondern auf mutiger Sacharbeit an neuralgischen Punkten der Kommunikation. Aus tiefster katholischer und monarchistischer Überzeugung lehnte er das nationalsozialistische System ab und setzte diese Haltung in konkretes, lebensgefährliches Handeln um. Von der Überzeugung zum aktiven WiderstandGeprägt wurde der gebürtige Tiroler durch seine Ausbildung am Franziskanergymnasium in Hall in Tirol und sein festes Engagement in der kirchlichen Gemeinde von Innsbruck-Amras, wo er während der NS-Zeit sogar das Amt des Pfarrkirchenrates innehatte. Diese Verwurzelung im Glauben und seine legitimistische Gesinnung machten ihn zum entschiedenen Gegner des totalitären Regimes. Seine berufliche Position im Postdienst erwies sich dabei als entscheidend. 1943 schloss er sich der „Widerstandsgruppe Post“ an, einer geheimen Vereinigung von Postbediensteten und Technikern, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die Nachrichteninfrastruktur vor Zerstörung zu bewahren und den heranrückenden Alliierten entscheidende Informationen zuzuspielen. (siehe Beitrag Anton Walder) Sabotage und Schutz im Schaltraum der MachtUnter der späteren Leitung von Ingenieur Carl Hirnschrott wurde die Gruppe ab Frühjahr 1945 besonders aktiv. Josef Pöschl übernahm hier eine Schlüsselrolle: Als Mitarbeiter in der Vermittlung war er für Ferngespräche zuständig und überwachte Telefonate. Diese Tätigkeit nutzte die Gruppe geschickt für ihre Widerstandsarbeit: · Sie richtete einen geheimen Abhördienst ein, um NS-Stellen auszuspionieren. · Sie unterhielt verbotene Telefonleitungen nach Garmisch-Partenkirchen, um mit den vorrückenden amerikanischen Truppen in Kontakt zu treten und die Übergabe der Stadt Innsbruck zu koordinieren. · Die wohl wichtigste Aufgabe war die Verhinderung der Zerstörung von Fernmeldezentralen und Anlagen durch die zurückweichende deutsche Wehrmacht und SS-Verbände. Durch ihren technischen Sachverstand und ihren stillen Widerstand im Inneren der Behörde trugen Pöschl und seine Mitstreiter maßgeblich dazu bei, dass die lebenswichtige Kommunikationsinfrastruktur bei Kriegsende funktionsfähig in die Hände der Befreier überging. Würdigung eines stillen HeldenNach dem Krieg setzte Josef Pöschl seine Laufbahn im Postdienst fort und ging schließlich als Postamtsdirektor in den Ruhestand. Sein Wirken steht beispielhaft für den oft unsichtbaren, aber hochriskanten Widerstand von Beamten und Technikern, die an ihren Arbeitsplätzen blieben, um von innen heraus Schlimmeres zu verhindern und das Ende der Gewaltherrschaft herbeizuführen. Er erinnert uns daran, dass Widerstand viele Formen annehmen konnte – auch die des pflichtbewussten Amtsträgers, der seine Stellung zum Wohle aller nutzte.
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