|
Ein passenderer Titel für seine Lebenserinnerungen wäre „Die Geschichte des Helden von Ancona“, denn die Erinnerung an sein waghalsiges Kommandounternehmen gegen den feindlichen Kriegshafen von Ancona im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs sollte sein weiteres Leben prägen. Das waghalsige KommandounternehmenAusgestattet mit nachrichtendienstlichen Berichten über einen neuen, besonders seetüchtigen italienischen Bootstyp, konzipierte Veith 1918 einen kühnen Plan. An der Spitze eines kleinen österreichischen Marinekommandos, bestehend aus zwei Fähnrichen und etwa sechzig Matrosen, sollte er nachts in den Hafen von Ancona eindringen. Das Ziel: die Beschlagnahmung dieser Boote, um damit im Rücken der italienischen Piave-Front Chaos zu stiften und in Zusammenwirken mit der Hauptarmee die gesamte Frontlinie zum Einsturz zu bringen. Die Operation begann vielversprechend. Die Landung nördlich von Ancona und der Marsch durch die italienischen Linien gelangen unbemerkt. Durch den listigen Ausruf „Ecco, Inglesi!“ („Seht, die Engländer!“) passierte die Gruppe sogar feindliche Posten, die sie ehrenvoll grüßten. In der Morgendämmerung jedoch nahm die Mission eine verheerende Wendung. Beim Eindringen in das Hafengelände löste ein Schuss des vorausmarschierenden Fähnrichs – eines Italieners aus dem Trentino – Alarm aus. Das Überraschungsmoment war verloren. Nach einem kurzen, aussichtslosen Feuergefecht sahen sich Veith und seine Männer gezwungen, zu kapitulieren. Ein Leben der Entbehrungen und der TreueSelbst in der Gefangenschaft blieb Veiths Geist ungebrochen. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wurde er in einer piemontesischen Festung inhaftiert. Nach Kriegsende ließ er sich in Innsbruck nieder und führte ein bescheidenes Leben, geprägt von der inflationären Entwertung seiner Offizierspension. Ein persönliches Schreiben von Kaiser Karl aus dem Exil, das ihm die goldene Tapferkeitsmedaille für Offiziere verlieh, war eine seltene und kostbare Anerkennung seiner mutigen, wenn auch gescheiterten Tat. Seine alte Liebe zu den Bergen zog ihn ins Kaunertal, wo er jahrelang als Bergführer in der Welt der Ötztaler Gletscher arbeitete. Später lebte er unter äußerst bescheidenen Verhältnissen in verschiedenen Dörfern um Innsbruck. In seinen letzten Jahren litt er an einer Venenentzündung und starb am 15. Mai 1959 in Bad Hall in Oberösterreich an einer Embolie. In einer ergreifenden Fügung des Schicksals hielt ein alter Kamerad der k.u.k. Kriegsmarine die Trauerrede. Vermächtnis und Verbindung zum WiderstandJosef Veith verkörperte den Typus des altösterreichischen Offiziers: kultiviert, geistreich und von unbeirrbarer Treue. Noch mit fast 80 Jahren reiste er an den Starnberger See, um dem Sohn seines verehrten Kaisers Karl seine Aufwartung zu machen.
Eine letzte Freude wurde ihm zuteil, als er ein halbes Jahr vor seinem Tod nach Rom eingeladen wurde und ein Interview über den Ancona-Unternehmen gab. Dies resultierte in einem würdigenden Artikel in einer renommierten italienischen Illustrierten, der seiner Heldentat endlich die öffentliche Anerkennung verschaffte. Dr. Ernst v. Verdross berichtete in seinen Aufzeichnungen über die Haller Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus von engen Verbindungen zu Widerstandsgruppen in der Umgebung. Zu diesen Schlüsselkontakten zählte auch „Linienschifffahrtsleutnant Conte Veith in Tulfes“ – eine Verbindung, die den Marineveteranen des Ersten Weltkriegs mit den Widerstandskämpfern des Zweiten Weltkriegs verknüpfte.
0 Comments
|
Autorin
|
Proudly powered by Weebly
RSS Feed