Josef Anton King (1922–1945) – Hilfe für Zwangsarbeiter und Widerstand gegen das NS-Regime Josef Anton King als Schüler des Bischöflichen Gymnasiums Paulinum in Schwaz. Quelle: Bischöfliches Gymnasium Paulinum, Schwaz; übermittelt per E-Mail an Elisabeth Walder am 4. Februar 2025. Einleitung Josef Anton King wurde am 17. Februar 1922 in Hörbranz in Vorarlberg geboren. Der hochbegabte ehemalige Schüler des Bischöflichen Gymnasiums Paulinum in Schwaz setzte seine außergewöhnlichen Sprachkenntnisse während des Zweiten Weltkriegs ein, um ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zu helfen. Als dienstverpflichteter Dolmetscher und Briefzensor erhielt er Einblick in das nationalsozialistische Verfolgungssystem. Statt dieses System vorbehaltlos zu unterstützen, übersetzte er zugunsten der Betroffenen, gab Nachrichten weiter und arbeitete mit einer russischen Widerstandsgruppe zusammen. Am 6. Juni 1944 wurde King von der Gestapo verhaftet. Nach monatelanger Haft in Lindau, Innsbruck und Wien wurde er im Januar 1945 in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Wenige Tage vor der Befreiung des Lagers wurde der erst 23-Jährige ermordet. Seine Biografie steht für einen Widerstand, der aus christlicher Überzeugung, persönlicher Verantwortung und tätiger Menschlichkeit entstand. Lesen Sie mehr:paulinum.tsn.atDas Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz, vom Sportplatz aus gesehen. Foto: Simon Legner, 3. Februar 2018. Quelle: Wikipedia, online unter Bischöfliches Gymnasium Paulinum (abgerufen am 20. Mai 2026). 🇬🇧 Read this page in English🇬🇧/josef-anton-king-resistance-mauthausenKindheit und außergewöhnliche Begabung Josef Anton King wuchs als Sohn einer Bauernfamilie in der Hörbranzer Parzelle Berg auf. Bereits während seiner Volksschulzeit fielen seine außergewöhnliche Intelligenz und sein Wissensdrang auf. Im Dorf erhielt der schmächtige und stark kurzsichtige Junge den Spitznamen „Professorle“. Auf Empfehlung des örtlichen Pfarrers trat King 1933 in das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz ein. Dort beschäftigte er sich weit über den Unterrichtsstoff hinaus mit Radiotechnik, Hochfrequenztechnik und Fremdsprachen. Zugleich unterstützte er Mitschüler, die Schwierigkeiten beim Lernen hatten. Seine Verbindung zum Paulinum begründet die besondere Bedeutung Josef Anton Kings auch für die Tiroler Erinnerungskultur. Schulzeit unter dem Nationalsozialismus Schülergruppe des Bischöflichen Gymnasiums Paulinum in Schwaz, vermutlich um 1935/36. Josef Anton King (1922–1945) ist nach den Angaben des Schularchivs wahrscheinlich in der zweiten Reihe ganz rechts abgebildet. Quelle: Archiv des Bischöflichen Gymnasiums Paulinum, Schwaz. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das katholische Privatgymnasium Paulinum 1938 durch das NS-Regime geschlossen. Josef Anton King musste deshalb an das Gymnasium in Bregenz wechseln. Dort legte er im März 1941 die Matura mit ausgezeichnetem Erfolg ab und galt als einer der besten Schüler seines Jahrgangs. Ursprünglich wollte King Priester werden. Unter den politischen und kirchenfeindlichen Bedingungen der nationalsozialistischen Herrschaft ließ sich dieser Plan jedoch nicht verwirklichen. Militärdienst und Rückkehr nach Hörbranz Am 12. Dezember 1941 wurde Josef Anton King zur Wehrmacht eingezogen und in Landeck stationiert. Seine ungewöhnlichen Sprachkenntnisse fielen auch dort auf. King beherrschte unter anderem Italienisch und Neugriechisch, die er sich teilweise durch das Hören ausländischer Radiosendungen selbst beigebracht hatte. Eine weiterführende Tätigkeit innerhalb der Wehrmacht lehnte er ab. Wegen seiner starken Kurzsichtigkeit und seiner schwachen körperlichen Verfassung wurde er am 8. August 1942 aus dem Militärdienst entlassen. Danach kehrte er auf den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Hörbranz zurück. Historischer Kontext: Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Vorarlberg Während des Zweiten Weltkriegs verschleppte das nationalsozialistische Regime Millionen Menschen aus den besetzten europäischen Gebieten zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich. Auch in Vorarlberg wurden ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene in Industriebetrieben, im Bauwesen, in der Landwirtschaft und in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt. Besonders Menschen aus Polen und der Sowjetunion waren rassistischer Diskriminierung, schlechter Versorgung, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und drakonischen Strafen ausgesetzt. Kontakte zwischen der einheimischen Bevölkerung und sogenannten „Ostarbeiterinnen“ und „Ostarbeitern“ wurden überwacht und teilweise bestraft. In der Region um Bregenz befanden sich mehrere Lager. Dazu gehörte das Ostarbeiterlager des Rüstungsunternehmens Dornier. Begegnungen mit den dort festgehaltenen Menschen führten Josef Anton King immer deutlicher vor Augen, was das NS-System für die Betroffenen bedeutete. Dienstverpflichtung bei der Gestapo Bregenz Wegen seiner außergewöhnlichen Fremdsprachenkenntnisse wurde King 1943 von der Gestapo Bregenz als Dolmetscher und Briefzensor dienstverpflichtet. Er sollte bei Verhören übersetzen und die Korrespondenz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern kontrollieren. Diese Tätigkeit brachte ihn in eine schwierige und gefährliche Position: Einerseits musste er im Auftrag einer zentralen Verfolgungsbehörde des NS-Regimes arbeiten. Andererseits nutzte er seinen Handlungsspielraum, um Betroffenen zu helfen. Überlieferten Berichten zufolge übersetzte er Aussagen zugunsten von Verhafteten und versuchte, belastende Inhalte abzuschwächen. Kings Biografie zeigt damit, dass Widerstand auch innerhalb eines erzwungenen Tätigkeitsverhältnisses entstehen konnte. Entscheidend war, wie er seine Kenntnisse und die ihm zugänglichen Informationen verwendete. Hilfe für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter KI-generierte historische Rekonstruktion von Zwangsarbeit in einem Vorarlberger Industriebetrieb während des Zweiten Weltkriegs. Die ausschließlich von hinten dargestellten Personen sind nicht identifizierbar. Das Bild zeigt kein konkret überliefertes Ereignis und keine historischen Personen. Bild: KI-generierte Darstellung für das Digitale Biografische Archiv des NS-Widerstandes in Tirol, Elisabeth Walder, 2026. Josef Anton King vertiefte insbesondere im Ostarbeiterlager der Firma Dornier seine Kontakte zu den dort festgehaltenen Menschen. Er lernte Russisch und weitere Sprachen, versorgte die Zwangsarbeiter mit Nachrichten über den tatsächlichen Verlauf des Krieges und vermittelte ihnen Hoffnung auf ein Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Dabei hörte er ausländische Radiosender, obwohl der Empfang sogenannter „Feindsender“ streng verboten war. Die daraus gewonnenen Nachrichten gab er an die Lagerinsassen weiter. King beschränkte sich nicht auf mitfühlende Worte. Er setzte seine Fähigkeiten bewusst ein, um Verfolgten Informationen zukommen zu lassen, ihre Lage zu erleichtern und das Informationsmonopol des NS-Regimes zu durchbrechen. Zusammenarbeit mit einer russischen Widerstandsgruppe Über seine Kontakte im Ostarbeiterlager kam Josef Anton King mit einer russischen Widerstandsgruppe in Verbindung. Er half bei der Übersetzung beziehungsweise Verbreitung von Flugblättern, die sich an Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene richteten. Als eines dieser Flugblätter in die Hände der Gestapo gelangte, nahm diese Ermittlungen auf. King wurde beschuldigt, mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern konspiriert zu haben. Sein Handeln ging damit über spontane Hilfeleistungen hinaus. Die Übersetzung und Weitergabe von Flugblättern sowie die Verbreitung ausländischer Nachrichten können als Formen des politischen und humanitären Widerstands gegen das NS-Regime eingeordnet werden. Verhaftung durch die Gestapo Am 6. Juni 1944 wurde Josef Anton King verhaftet. Zunächst hielt ihn die Gestapo in Lindau fest. Am 22. Juni 1944 wurde er nach Innsbruck überstellt, wo wochenlange Verhöre folgten. Während seiner Haft versuchte King in Briefen an seine Eltern offenbar, deren Sorgen zu mildern. Über die Verhöre und seine tatsächliche Lage berichtete er nur zurückhaltend. Seine Briefe lassen erkennen, dass ihm sein christlicher Glaube in der Haft Halt gab. Nach der Innsbrucker Haft wurde er über Wien in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Deportation in das KZ Mauthausen Am 19. Januar 1945 wurde Josef Anton King als politischer Häftling in das KZ Mauthausen eingeliefert. Seine Häftlingsnummer lautete 116189. Das Konzentrationslager Mauthausen war das Zentrum eines weitverzweigten Systems von Außenlagern. Die Häftlinge waren von Zwangsarbeit, Hunger, Misshandlungen, Krankheiten und gezielten Mordaktionen bedroht. Insgesamt wurden im Lagerkomplex Mauthausen mehr als 190.000 Menschen inhaftiert; mindestens 90.000 überlebten die Haft nicht. Auch im Lager soll King aufgrund seiner Sprachkenntnisse als Dolmetscher eingesetzt worden sein. Verlegung in den Lagerarrest und Ermordung Am 18. April 1945 wurde Josef Anton King von der Baracke 9 in den Lagerarrest überstellt. In den Unterlagen ist als Ziel lediglich ein „unbekannter Bestimmungsort“ vermerkt. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und die KZ-Gedenkstätte Mauthausen gehen davon aus, dass er zu einer Gruppe österreichischer Häftlinge gehörte, die in der zweiten Aprilhälfte 1945 in der Gaskammer ermordet oder im Arrest erschossen wurden. Nach einer Auskunft, die Kings Vater nach der Befreiung in Mauthausen erhielt, wurde Josef Anton King am 24. April 1945 hingerichtet und sein Leichnam verbrannt. Die genaue Tötungsart lässt sich anhand der gegenwärtig zugänglichen Quellen jedoch nicht zweifelsfrei bestimmen. King gehörte möglicherweise zu jenen politischen Gefangenen, die kurz vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes als potenzielle Zeugen nationalsozialistischer Verbrechen oder als zukünftige demokratische Kräfte beseitigt werden sollten. Diese Deutung ist historisch plausibel, sollte aber als quellenbasierte Einordnung und nicht als vollständig belegte individuelle Mordbegründung formuliert werden. Am 5. Mai 1945 erreichten Einheiten der US-Armee das Konzentrationslager Mauthausen. Josef Anton King erlebte die Befreiung nicht mehr. Die Angaben zu seiner Überstellung in den Lagerarrest werden sowohl vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als auch vom Raum der Namen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen dokumentiert. Lesen Sie mehr:Dr. jur. Adolf Hörhager (1884-1940)Zeugen Jehovas Hall in TirolKillinger-Karl-GedenkenBodenwinkler-Anton-Gedenkenjehovas-zeugen.at/de/gedenktag-2026-ns-opfer/Das Konzentrationslager MauthausenDas Konzentrationslager Mauthausen war eines der zentralen nationalsozialistischen Lager in Österreich und stand für ein System der Ausbeutung, Vernichtung durch Arbeit und brutaler Gewalt. Zwischen 1938 und 1945 waren hier und in seinen zahlreichen Nebenlagern über 190.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert – darunter Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, politische Gegner, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie andere Verfolgte. Rund die Hälfte von ihnen überlebte nicht. Heute ist die Gedenkstätte Mauthausen ein Ort des Erinnerns und der Mahnung, der an die Opfer des NS-Terrors erinnert und zur Auseinandersetzung mit dieser dunklen Kapitel der Geschichte einlädt. Lesen Sie mehr:raumdernamen.mauthausen-memorial.org/?id=4&p=140349Erinnerung an Josef Anton King Josef Anton King zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Vorarlberg. Sein Mut, seine Menschlichkeit und seine Hilfe für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter machen ihn bis heute zu einem wichtigen Symbol für Zivilcourage und Widerstand gegen Unrecht. Lesen Sie mehr:gams.uni-graz.at/o:derla.vor82Sterbegottesdienst und späte öffentliche Anerkennung Da Kings Tod in den verfügbaren Lagerunterlagen zunächst nicht eindeutig verzeichnet war, blieb seine Familie nach Kriegsende lange ohne sichere Nachricht. Sein Vater reiste im Sommer 1945 selbst nach Mauthausen, um Auskunft über das Schicksal seines Sohnes zu erhalten. Am 12. August 1945 fand in Hörbranz ein Sterbegottesdienst für Josef Anton King statt. Eine umfassende öffentliche Anerkennung seines Widerstands erfolgte jedoch erst Jahrzehnte später. Am 7. Juni 1982 wurde ihm posthum das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs verliehen. Seit 1988 erinnert ein Gedenkstein am Friedhof von Hörbranz an ihn. Gedenken zum 100. Geburtstag Anlässlich seines 100. Geburtstags am 17. Februar 2022 erinnerte die Kirchenzeitung Tiroler Sonntag unter dem Titel „Ein Dolmetscher der Liebe Gottes“ an Josef Anton King. Der Beitrag würdigte seine außergewöhnliche Begabung, seinen christlichen Glauben und seinen Einsatz für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Gerade die Verbindung von Bildung, persönlicher Überzeugung und konkreter Hilfe macht seine Biografie bis heute bedeutsam. Josef Anton King als Symbol für Glauben und Zivilcourage Der Artikel „Ein Dolmetscher der Liebe Gottes“ hebt hervor, dass Josef Anton King nicht nur über außergewöhnliche geistige Fähigkeiten verfügte, sondern auch über einen tiefen christlichen Glauben und große moralische Stärke. Sein mutiger Einsatz für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie sein Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrecht machen ihn bis heute zu einem bedeutenden Symbol für Menschlichkeit, Mut und Zivilcourage in Österreich. Quelle: "Tiroler Sonntag" 17. Februar 2022, S. 4-5. Josef King Gedenkstele von Künstlerin Hilde Chiste aus AbsamFoto Dorstetter und Gert Schlegel. Zur Verfügung gestellt von Direktion Bischöfliches Gymnasium Paulinum Schwaz. E-mail: [email protected] an Elisabeth Walder am 4.2.2025. Am 25. Oktober 2007 wurde im Kreuzgarten des Bischöflichen Gymnasiums Paulinum in Schwaz eine von der Absamer Künstlerin Hilde Chistè geschaffene Gedenkstele für Josef Anton King enthüllt. Das zweiteilige Kunstwerk besteht aus einer aufrechten Glassäule und einer liegenden Bodenplatte. In die Bodenplatte sind ein Foto Kings und eine Kurzbiografie eingearbeitet. Im Querschnitt bildet die Anlage ein Kreuz. Dadurch verbindet die Gestaltung die Gegensätze von Stehen und Liegen, Leben und Tod sowie Gewalt und Hoffnung. Die transparenten Glasflächen wurden in Glasmaltechnik gestaltet. Das vorherrschende Rot wird durch Blau-, Grün- und Gelbtöne ergänzt. Licht und Transparenz verleihen der Stele eine spirituelle Dimension und erinnern zugleich an Kings christliche Überzeugung. Das Denkmal macht sichtbar, dass Josef Anton King nicht nur ein Opfer des NS-Regimes war. Es erinnert ebenso an seine bewusste Entscheidung, verfolgten Menschen beizustehen. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Foto Dorfstetter und Gert Schlegel. E-mail 13.2.2025 PDF zur Verfügung gestellt von [email protected] / www.hildechiste.com an Elisabeth Walder. Lesen Sie mehr:www.hildechiste.comZum 100. Geburtstag von Josef Anton King 17. Februar 2022Hier folgt der Originalbericht vom "Tiroler Sonntag" 17. Februar 2022, S. 4-5. Bericht "Ein Dolmetscher der Liebe" und "Wir sind in Gottes Hand. "in Privatarchiv Architekt Dr. phil. Markus Illmer Innsbruck. Gedanken zur Stele "Josef King"Der folgende Bericht wurde von den Architekten Illmer und Tautschnig verfasst: Artikel - Gedenken zur "Stele Josef King." In: Privatarchiv Architekt Dr. phil. Illmer Innsbruck. Zur falschen Zeit“ – ein Theaterstück über Josef Anton King Die Autorin Claudia Lang-Forcher verarbeitete Kings Lebensgeschichte in dem Theaterstück Zur falschen Zeit. Das Stück wurde im Herbst 2024 von der Theaterbühne Möggers uraufgeführt. Die dramatische Auseinandersetzung überträgt seine Geschichte in eine zeitgenössische Form der Erinnerungskultur. Sie ermöglicht es, besonders einem jüngeren Publikum Fragen nach Verantwortung, Mitgefühl, persönlicher Entscheidung und Widerstand nahezubringen Lesen Sie mehr:www.theater-moeggers.atwww.claudia-lang.atHistorische Einordnung Josef Anton Kings Widerstand beruhte nicht auf der Zugehörigkeit zu einer großen österreichischen Widerstandsorganisation. Sein Handeln entwickelte sich aus konkreten Begegnungen mit entrechteten Menschen. Als Dolmetscher besaß er Kenntnisse und begrenzte Handlungsmöglichkeiten, die anderen nicht zur Verfügung standen. Er setzte diese nicht für seine eigene Sicherheit, sondern zugunsten der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Er veränderte Übersetzungen, gab Nachrichten weiter und unterstützte die Verbreitung von Flugblättern. Sein Beispiel gehört zum individuellen, humanitären und christlich motivierten Widerstand. Die Übergänge zwischen Hilfe, Widersetzlichkeit und organisiertem Widerstand waren dabei fließend. Spätestens mit seiner Zusammenarbeit mit einer russischen Widerstandsgruppe überschritt sein Handeln die Grenze von der persönlichen Hilfe zur aktiven Gegnerschaft gegen das NS-Regime. Fazit Josef Anton King war erst 23 Jahre alt, als er im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde. Sein Lebensweg zeigt, dass Widerstand nicht immer mit Waffen, politischen Ämtern oder der Mitgliedschaft in einer bekannten Organisation verbunden war. King nutzte seine Bildung und seine außergewöhnlichen Sprachkenntnisse, um Menschen zu helfen, die vom nationalsozialistischen Regime verschleppt, ausgebeutet und entrechtet worden waren. Er hörte verbotene Nachrichtensender, vermittelte Informationen, half bei Übersetzungen und unterstützte eine russische Widerstandsgruppe. Dabei wusste er, dass er sich selbst in Lebensgefahr brachte. Die Erinnerung an Josef Anton King verbindet Vorarlberg und Tirol: Hörbranz war sein Geburts- und Heimatort, das Paulinum in Schwaz prägte seine Ausbildung, Innsbruck wurde zu einer Station seiner Gestapohaft. Seine Biografie steht für die Verantwortung des Einzelnen und für eine Menschlichkeit, die sich auch unter den Bedingungen einer Diktatur behauptete. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Wer war Josef Anton King? Josef Anton King war ein österreichischer Widerstandskämpfer aus Hörbranz in Vorarlberg. Er wurde am 17. Februar 1922 geboren und am 24. April 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Welche Verbindung hatte Josef Anton King zu Tirol? King besuchte ab 1933 das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz. Nach seiner Verhaftung wurde er am 22. Juni 1944 zur Gestapo nach Innsbruck überstellt und dort verhört. Warum wurde Josef Anton King von der Gestapo eingesetzt? Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fremdsprachenkenntnisse wurde er 1943 als Dolmetscher und Briefzensor dienstverpflichtet. Er sollte bei Verhören übersetzen und Briefe von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern kontrollieren. Wie half Josef Anton King den Zwangsarbeitern? Er übersetzte nach Möglichkeit zugunsten der Betroffenen, gab Nachrichten über den Kriegsverlauf weiter und unterstützte die Übersetzung beziehungsweise Verbreitung von Flugblättern einer russischen Widerstandsgruppe. Wann wurde Josef Anton King verhaftet? Die Gestapo verhaftete ihn am 6. Juni 1944. Zunächst wurde er in Lindau festgehalten, bevor er am 22. Juni 1944 nach Innsbruck überstellt wurde. Wann kam Josef Anton King in das KZ Mauthausen? Er wurde am 19. Januar 1945 als politischer Häftling in das Konzentrationslager Mauthausen eingeliefert. Seine Häftlingsnummer lautete 116189. Wie wurde Josef Anton King ermordet? Am 18. April 1945 wurde er in den Lagerarrest überstellt. Nach späteren Auskünften wurde er am 24. April 1945 hingerichtet und sein Leichnam verbrannt. Ob er erschossen oder in der Gaskammer ermordet wurde, lässt sich anhand der gegenwärtig zugänglichen Quellen nicht zweifelsfrei feststellen. Wo wird heute an Josef Anton King erinnert? Ein Gedenkstein befindet sich am Friedhof seiner Heimatgemeinde Hörbranz. Seit 2007 erinnert außerdem eine von Hilde Chistè gestaltete Glasstele im Paulinum Schwaz an den ehemaligen Schüler. Wurde Josef Anton King nach dem Krieg ausgezeichnet? Ja. 1982 erhielt er posthum das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.
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