read more:(EN) Johanna Wagner (EN) Michael und Peter Zwetkoff Blog (EN) socialist resistance in Hall in Tyrol Blog (EN) Dr. Gottfried Uffenheimer Johanna Wagner – Eine junge Frau im Widerstand gegen den NationalsozialismusJohanna (Hanna) Wagner war eine mutige junge Frau, die sich bereits als Schülerin gegen das nationalsozialistische Regime stellte. In Tirol schloss sie sich dem Widerstand an, unterstützte verfolgte Personen, verbreitete Flugblätter und riskierte dabei ihr Leben. Ihr Handeln wurde nach dem Krieg offiziell als besonders mutig anerkannt. Johanna Wagner – Une jeune femme dans la résistance au national-socialisme Johanna (Hanna) Wagner était une jeune femme courageuse qui s'opposa au régime nazi dès son adolescence. En Tyrol, elle rejoignit la Résistance, soutint des personnes persécutées, distribua des tracts et risqua sa vie. Son engagement héroïque fut officiellement reconnu après la guerre. Foto Johanna Wagner, Tiroler Landesarchiv, ATLR Va.+Vf.-Opferfürsorge 1148 Johanna Wagner (1922-1990)Jugendjahre und Konflikt mit dem Nationalsozialismus Die 17-jährige Johanna „Hanna“ Wagner kam im Februar 1939 von Berlin nach Hall in Tirol, das damals häufig noch als „Solbad Hall“ bezeichnet wurde. Sie besuchte die „Oberschule für Jungen und Mädchen“, das frühere Franziskaner-Gymnasium. Dort lernte sie Peter Zwetkoff kennen und geriet schon früh wegen ihrer offen antinationalsozialistischen Haltung ins Visier der Schulbehörden. Ihre kritischen Äußerungen gegenüber dem NS-Regime wurden dem Schuldirektor Prof. Karl Cora (1880–1966) gemeldet, einem überzeugten Nationalsozialisten. Daraufhin erhielt Johanna Wagner ein Schulverbot. „Ihre Ansichten wurden dem Schuldirektor, einem glühenden Nationalsozialisten, zugetragen …“ (E-Mail Harald Stockhammer, 26. Mai 2024) Widerstand gegen die nationalsozialistische Erziehung Ihr Vater meldete Johanna an der nationalsozialistisch geprägten Internatsschule Salem in Baden-Württemberg an. Sie verweigerte jedoch den Besuch dieser Erziehungsanstalt und blieb zunächst in Tirol. Schließlich kehrte sie zu ihrer Mutter nach Berlin zurück, um vor dem Jugendgericht ihr Recht auf Unterhaltszahlungen durchzusetzen, die ihr Vater ihr verweigert hatte. Das Gericht sprach ihr den Unterhalt zu. Danach kehrte Johanna erneut nach Tirol zurück und konnte schließlich an der „Oberschule für Jungen und Mädchen“ in Schwaz – dem ehemaligen Paulinum – ihre Matura ablegen. Quelle: E-mail: Sabine Wallinger vom 30. Mai 2024. Lesen Sie mehr:Josef_ Anton_King paulinum.tsn.at Eintritt in den Widerstandskreis der Brüder Zwetkoff 1943 kam Johanna Wagner wieder nach Hall in Tirol zurück, um ein Medizinstudium in Innsbruck zu beginnen. Dort begegnete sie Michael Zwetkoff erneut. Aus gemeinsamen Lerntreffen entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit innerhalb des Widerstandskreises der Brüder Zwetkoff. Johanna entschloss sich, aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime teilzunehmen. In ihrer Wohnung in Hall druckte und verteilte sie Flugblätter. Zudem unterstützte sie Kriegsgefangene mit Lebensmitteln und beteiligte sich an gefährlichen Kurierdiensten. Besonders bemerkenswert war ihr Einsatz für die Widerstandsgruppe in Piburg im Ötztal: Mit dem Fahrrad transportierte sie Lebensmittel, Waffen und Munition über eine Strecke von rund 77 Kilometern. Die Waffen stammten von einer sozialistischen Widerstandsgruppe aus Reichsbahn-Bediensteten, die – wie Johanna selbst – in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten. Lesen Sie mehr:Michael und Peter Zwetkoff Sozialistischen und Kommunisten im Widerstand Verhaftung durch die Gestapo Am 7. November 1944 wurde Johanna Wagner von der Gestapo verhaftet und bis zum 19. Jänner 1945 in Innsbruck inhaftiert. Während der Verhöre übernahm sie die gesamte Verantwortung auf sich, um andere Mitglieder der Widerstandsgruppe zu schützen. Sie sollte anschließend vor den Volksgerichtshof nach Wien gebracht werden – ein Verfahren, das häufig mit einem Todesurteil endete. Durch das Vortäuschen einer psychischen Erkrankung, bestätigt von einem befreundeten Arzt, gelang es ihr jedoch, der Hinrichtung zu entgehen. Lesen Sie mehr:Dr. Gottfried Uffenheimer Anerkennung nach dem KriegNach Kriegsende wurde Johanna Wagners außergewöhnlicher Einsatz offiziell gewürdigt. Anton Haller, Leiter der Haller Widerstandsbewegung, bestätigte ihr: „… dass sie sich in der österreichischen Widerstandsbewegung im höchsten Ausmaße unter mehrmaligem Einsatz ihres Lebens bewährt hat.“ (Tiroler Landesarchiv ATLR Va.+Vf.-Opferfürsorge 1148) Johanna Wagner zählt heute zu den mutigen Frauen des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Ihr Engagement, ihre Zivilcourage und ihr persönliches Risiko machen sie zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Tiroler Zeitgeschichte. Lesen Sie mehr:Anton Haller Widerstandsgruppe Das lange Schweigen über Johanna Wagner und den Tiroler Widerstand Die Geschichte von Johanna Wagner blieb über Jahrzehnte nahezu unbekannt. Obwohl sie während der Zeit des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Widerstand leistete, fand sie lange keinen Platz im öffentlichen Tiroler Erinnerungskultur. Die Historikerin Sabine Wallinger verweist darauf, dass insbesondere nicht religiös motivierter Widerstand nach 1945 häufig verschwiegen und gesellschaftlich tabuisiert wurde. Johanna Wagner selbst sprach kaum über ihre Erlebnisse in der NS-Zeit. Erst durch spätere Recherchen wurde ihr mutiger Einsatz für die Widerstandsbewegung sichtbar gemacht. „Im Tiroler Widerstandsnarrativ nimmt Johanna Wagner keinen Platz ein. Weder sie noch ihre engsten Mitkämpfer haben sich später öffentlich laut zu ihren Untergrundaktivitäten geäußert. Widerstand gegen das Nazi-Regime blieb schambehaftet, besonders, wenn er nicht religiös motiviert war.“ (Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner – Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4–A5) Johanna Wagner in: Wallinger, Sabine (2022): „Die Borniertheit des Nationalsozialismus“. In: Der Standard (Beilage Album), 10.12.2022, A4 - A 5.Zitat: „Im Tiroler Widerstandsnarrativ nimmt Johanna Wagner keinen Platz ein. Weder sie noch ihre engsten Mitkämpfer haben sich später öffentlich laut zu ihren Untergrundaktivitäten geäußert. Widerstand gegen das Nazi-Regime blieb schambehaftet, besonders, wenn er nicht religiös motiviert war. Obwohl ich mit Johanna jahrelang befreundet war, erwähnte sie mir gegenüber nur einmal, sie habe `damals` für hungernde Kriegsgefangene Knödel gerollt und sei dafür mit Freunden in Gestapo Haft geraten.“ (Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner: Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte. Eine Geschichte über das Nachkriegsschweigen und eine Frau, die ihr Leben riskierte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4 – A5. Online unter,{ https://www.derstandard.at/story/2000141651709/johanna-wagner-die-mitmaschinenpistolen-ins-oetztal-radelte}, (Stand 26.5.2024) Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Sabine Wallinger, Johanna Wagner: „Die Borniertheit des Nationalsozialismus“ in: Horst Schreiber/Elisabeth Hussl (Hrsg.), Michael Gaismair Jahrbuch 2024. Online unter, {https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/gaismair-jahrbuch-2024-alles-in-ordnung}, (Stand 2. Juni 2024) Sabine Wallinger, Frauen im Widerstand: Johanna Wagner: Die Frau, die mit Maschinenpistolen ins Ötztal radelte. Eine Geschichte über das Nachkriegsschweigen und eine Frau, die ihr Leben riskierte, in: Der Standard, 11. Dezember 2022, Beilage A4 – A5. Online unter,{ https://www.derstandard.at/story/2000141651709/johanna-wagner-die-mitmaschinenpistolen-ins-oetztal-radelte}, (Stand 26.5.2024) Quelle: Anita Pfister/Paul Schäfer, Die Widerstandsgruppe um Michale und Peter Zwetkoff, in: Larcher, Agnes, (Hrsg.), Untersuchungen zur Haller Widerstandsbewegung zwischen 1938 – 1945. Gemeinschaftsarbeit der Schüler des III. Jahrgangs der Haller Bundes-Handelsakademie Hall in Tirol im Rahmen der Aktion „Schüler forschen Zeitgeschichte.“ Hall in Tirol 1978, S. 26-33, hier S. 29-33. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Quelle: Maturazeugnis Johanna Wagner, vom 24.3.1942, in: Privatarchiv Sabine Wallinger. Quelle: TLA Ansuchen um Staatsbürgerschaft Johanna Wagner 1946, in: Privatarchiv Sabine Wallinger. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Quelle: TLA, Ansuchen um Staatsbürgerschaft 1946 von Johanna Wagner, in: Privatarchiv Sabine Wallinger. Quellen: Drei Fotos von Johanna Wagner in Riga beim internationalen Motocross Rennen, 1957 in: Privatarchiv Sabine Wallinger. Letztes Foto, oben, Johanna Wagner mit Dolmetscherin in Riga, in: Privatarchiv Sabine Wallinger.
0 Comments
Leave a Reply. |
Autorin
|
Proudly powered by Weebly
RSS Feed