read more:(EN) Jehovah's_ WitnessesMemorial Karl KillingerMemorial Anton BodenwinklerZeugen Jehovas in Tirol – Verfolgung und Widerstand unter dem NS-Regime Verbot und Unterdrückung vor dem „Anschluss" Schon lange bevor Österreich im März 1938 an das nationalsozialistische Deutschland angeschlossen wurde, war das religiöse Leben der Zeugen Jehovas in Tirol von Repressionen geprägt. Am 6. Februar 1936 trat unter der Regierung von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg ein offizielles Verbot ihrer Gemeinschaft in Kraft. Die Mitglieder ließen sich davon jedoch nicht einschüchtern: Sie hielten ihre Bibelstunden im Verborgenen aufrecht. Die österreichischen Behörden begnügten sich in dieser Phase mit Hausdurchsuchungen, der Beschlagnahmung religiöser Schriften und kurzen Arreststrafen. Terror unter dem Nationalsozialismus Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschärfte sich die Lage für die Zeugen Jehovas – damals zumeist noch als „Bibelforscher" bezeichnet – dramatisch. Sie gerieten ins Visier des NS-Terrors, da sie aus tiefer Glaubensüberzeugung den Hitlergruß verweigerten, den Eid auf den „Führer" ablehnten und den Wehrdienst verweigerten. Ihre Loyalität galt allein Jehova, ihrem Gott – und genau das wurde ihnen zum Verhängnis. Wer seinem Glauben nicht abschwor, riskierte Verhaftung, Folter oder die Einweisung in ein Konzentrationslager. Viele bezahlten ihre Standhaftigkeit mit dem Leben. Karl Killinger – Ein Leben im Zeichen des Gewissens Karl Killinger (1901-1940)Foto: Karl Killinger (1934). In: Privatarchiv Roland Killinger 6068 Mils. Ein eindringliches Beispiel für diese unnachgiebige Glaubenstreue ist Karl Killinger. Er wurde am 2. Juli 1901 in Pabneukirchen/Rechberg in Oberösterreich geboren und siedelte 1931 nach Hall in Tirol über, wo er als Schmied seinen Lebensunterhalt verdiente. Am 15. Mai 1938 heiratete er Hedwig Arnold in Innsbruck. Gemeinsam mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn – ebenfalls Karl Killinger – lebte er in der Ritter-Waldauf-Straße 6 in Hall. Karl Killinger bekannte sich offen zu seinem Glauben als Zeuge Jehovas. Nach dem „Anschluss" sah er sich wachsenden Repressionen ausgesetzt und wurde schließlich wegen seiner Überzeugungen verhaftet. Sein Schicksal steht stellvertretend für jene Menschen, die selbst angesichts von Gewalt, Entbehrung und der Bedrohung ihres Lebens ihrem Gewissen treu blieben – und damit ein stilles, aber unbeugsames Zeichen des Widerstands setzten. Foto Hedwig und Karl Killinger (1938). Privatarchiv Roland Killinger 6068 Mils. Das Schicksal von Karl Killinger (1901–1940)Karl Killinger war ein bekennendes Mitglied der Zeugen Jehovas – ein Mann, der seinen Glauben nicht verbarg und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit stiller Unnachgiebigkeit begegnete. Am 16. Februar 1939 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet. Wenige Wochen später, am 24. März 1939, deportierte man ihn in das Konzentrationslager Dachau. Im September desselben Jahres erfolgte seine Verlegung in das KZ Gusen, ein besonders gefürchtetes Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. In Gusen war Karl Killinger den mörderischen Bedingungen der Lagerhaft schutzlos ausgeliefert. Systematische Unterernährung, brutale Zwangsarbeit und alltägliche Misshandlungen zehrten an seinen Kräften. Doch selbst unter diesen unmenschlichen Umständen blieb er seinem Glauben unerschütterlich treu. Ein Widerruf seiner Überzeugungen – der ihm möglicherweise das Leben gerettet hätte – kam für ihn zu keinem Zeitpunkt in Betracht. Am 19. Jänner 1940 starb Karl Killinger im KZ Gusen an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde nur 38 Jahre alt. Sein Tod steht stellvertretend für das Schicksal unzähliger Zeugen Jehovas, die sich weigerten, ihrem Gewissen untreu zu werden – auch dann nicht, als sie alles dafür bezahlen mussten. Erinnern an die Opfer von DachauDas Konzentrationslager Dachau bei München war das erste dauerhaft eingerichtete Konzentrationslager des nationalsozialistischen Regimes und wurde am 22. März 1933 eröffnet. Es entwickelte sich zu einem zentralen Ort der Unterdrückung, Verfolgung und Vernichtung politischer Gegner, religiöser Minderheiten sowie zahlreicher weiterer Opfergruppen aus ganz Europa. Auch viele Menschen aus Tirol wurden nach Dachau deportiert, darunter Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, die wegen ihrer religiösen Überzeugung und ihrer Verweigerung des Hitlergrußes sowie des Wehrdienstes verfolgt wurden. Für viele von ihnen bedeutete die Einweisung nach Dachau jahrelanges Leid, Zwangsarbeit und den Verlust ihrer Freiheit. Die Geschichte dieser Menschen erinnert bis heute an den Mut des Gewissens und die Bedeutung von Glaubens- und Gewissensfreiheit. Lesen Sie mehr:www.kz-gedenkstaette-dachau.de Dr. _Ernst _Verdross Buchpräsentation _KZ-Dachau 🕯️ Gedenkporträt: Karl Killinger (1901–1940)Lesen Sie mehr:Gedenkporträt _Karl _Killinger Das Konzentrationslager Mauthausen Das Konzentrationslager Mauthausen, errichtet im August 1938 am Ufer der Donau in Oberösterreich, zählte zu den größten und gefürchtetsten Lagern im nationalsozialistischen Terrorsystem. Anders als viele andere Lager war Mauthausen von Beginn an als Vernichtungslager durch Arbeit konzipiert – die Häftlinge wurden in den berüchtigten Granitsteinbrüchen unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen. Das Lager diente als Zentrum eines weitverzweigten Netzwerks von mehr als 40 Außenlagern, zu denen auch das nahe gelegene KZ Gusen gehörte. Unter den Häftlingen befanden sich politische Gegner, Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene sowie Angehörige verfolgter Religionsgemeinschaften – darunter auch Zeugen Jehovas. Zwischen 1938 und der Befreiung durch amerikanische Truppen am 5. Mai 1945 wurden in Mauthausen und seinen Außenlagern schätzungsweise 90.000 bis 100.000 Menschen ermordet. Lesen Sie mehr:www.mauthausen-memorial.org/de Das Konzentrationslager Gusen Bundesarchiv, Bild 192-149 / CC-BY-SA 3.0. File: Bundesarchiv Bild 192-149, KZ Mauthausen, Baracken und Wachturm des Lagers Gusen.jpg; Erstellt: etwa 1942 date QS:P571,+1942-00-00T00:00:00Z/9,P1480,Q5727902. Das Konzentrationslager Gusen, gelegen in der Gemeinde St. Georgen an der Gusen in Oberösterreich, war eines der brutalsten Lager im nationalsozialistischen Lagersystem. Als Außenlager des KZ Mauthausen – später zeitweise sogar größer als das Stammlager selbst – nahm es ab Mai 1940 Häftlinge aus ganz Europa auf. Die Gefangenen wurden zur Zwangsarbeit in Steinbrüchen und unterirdischen Rüstungsbetrieben eingesetzt, unter Bedingungen, die auf physische Vernichtung ausgerichtet waren. Die Sterblichkeitsrate in Gusen gehörte zu den höchsten im gesamten NS-Lagersystem. Schätzungen zufolge kamen dort zwischen 1940 und 1945 mehr als 35.000 Menschen ums Leben. Lesen Sie mehr:www.gusen-memorial.org/de Heinrich Andergassen und das Schicksal seines Nachbarn Karl Killinger Zwei Männer – eine Straße – eine Geschichte Heinrich Andergassen (1908–1946), gebürtig aus Hall in Tirol, gehörte zu jenen Österreichern, die nach dem „Anschluss" von 1938 eine Karriere im nationalsozialistischen Sicherheitsapparat anstrebten und durchsetzten. Als ehemaliger Gendarmeriebeamter trat er in den Dienst der Gestapo Innsbruck und stieg schließlich zum Leiter der SD-Außenstelle Meran auf. Nach Kriegsende wurde er als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt – verurteilt wegen nachgewiesener Beteiligung an Folterungen und der Ermordung alliierter Kriegsgefangener. 1946 wurde er hingerichtet. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Andergassen Nachbarn in der Ritter-Waldauf-Straße Was Andergassens Biografie eine besondere, bedrückende Dimension verleiht, ist ein geografischer Umstand: Er lebte in der Ritter-Waldauf-Straße 8 in Hall in Tirol. Nur wenige Häuser entfernt, in der Ritter-Waldauf-Straße 6, wohnte der Schmied Karl Killinger (1901–1940) – ein bekennender Zeuge Jehovas, der vom nationalsozialistischen Regime wegen seiner religiösen Überzeugungen unnachgiebig verfolgt wurde. Killinger verweigerte den Hitlergruß, den Eid auf Adolf Hitler und den Wehrdienst – Handlungen, die im NS-Staat als schwerwiegende Vergehen galten. Am 16. Februar 1939 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Wenig später erfolgte seine Überstellung in das KZ Gusen, ein Außenlager des KZ Mauthausen, das für seine besonders hohe Sterblichkeitsrate bekannt war. Dort starb Karl Killinger am 19. Jänner 1940 – als Folge von Zwangsarbeit, systematischer Unterernährung und den brutalen Haftbedingungen. Er wurde nur 38 Jahre alt. Lesen Sie mehr:Dr. Josef Mair Eine offene historische Frage Ob Heinrich Andergassen persönlich an der Verhaftung seines Nachbarn beteiligt war, lässt sich auf Basis der derzeit zugänglichen Quellen nicht mit letzter Sicherheit belegen. Dennoch ist festzuhalten: Andergassen war zu diesem Zeitpunkt bereits als Gestapo-Beamter in seiner Heimatstadt tätig und verfügte zweifellos über detaillierte Kenntnisse der lokalen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Die räumliche Nähe zwischen ihm und Karl Killinger wirft daher eine historisch legitime und bislang unbeantwortete Frage auf: Welche Rolle – ob aktiv oder passiv – spielte Andergassen bei der Verfolgung jener Menschen, die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft lebten und vom NS-Regime als Gegner definiert wurden? Täter und Opfer – ein symbolischer Ort der Erinnerung Auch wenn ein direkter Nachweis aussteht, ist eines unbestreitbar: Karl Killinger wurde Opfer jenes Verfolgungsapparates, dem Heinrich Andergassen angehörte und in dem er planmäßig Karriere machte. Die Ritter-Waldauf-Straße in Hall in Tirol wird dadurch zu einem symbolischen Ort der Erinnerung und Mahnung. Hier lebte ein Mann, der aus tiefster Glaubensüberzeugung handelte und dafür mit seinem Leben bezahlte – und nur wenige Meter entfernt ein Mann, der Teil jenes Systems war, das ihn und Tausende andere in den Tod trieb. Das Schicksal Karl Killingers erinnert eindringlich an die Konsequenzen von staatlich organisierter Verfolgung, Intoleranz und der Bereitschaft von Einzelnen, sich in den Dienst eines verbrecherischen Regimes zu stellen. Es mahnt uns, die Namen der Opfer nicht dem Vergessen zu überlassen. Lesen Sie mehr:Heinrich Andergassen (Teil I) Die Abschwörungserklärung – Ein Instrument des Zwangs Anders als bei den meisten anderen vom NS-Regime verfolgten Gruppen hielten die Nationalsozialisten gegenüber den Zeugen Jehovas ein besonderes Druckmittel bereit: die sogenannte Abschwörungserklärung. Dabei handelte es sich um ein vom NS-Regime vorformuliertes Dokument, mit dem die Betroffenen ihren Glauben offiziell widerriefen, jede weitere religiöse Betätigung abschworen und ihre Loyalität gegenüber dem deutschen Staat bekräftigten. Wer dieses Schriftstück unterzeichnete, konnte – zumindest formal – auf Freilassung hoffen. Dieses Angebot war jedoch kein Akt der Milde, sondern ein gezieltes Instrument der Demütigung und Unterwerfung. Das Regime wollte nicht nur den Körper der Gefangenen brechen, sondern auch ihren Geist und ihren Glauben. Die Unterzeichnung bedeutete die öffentliche Aufgabe der eigenen Identität und Überzeugung – einen inneren Verrat, den die überwiegende Mehrheit der Zeugen Jehovas kategorisch ablehnte. Sie hielten an ihrem Glauben fest, selbst unter dem täglichen Terror der Konzentrationslager, selbst angesichts des Todes. Ihre Weigerung war kein Starrsinn, sondern Ausdruck einer tiefen moralischen und religiösen Integrität, die das Regime weder verstehen noch brechen konnte. Lesen Sie mehr:www.doew.at/cms/download/bfdqi/ZJ_OPFER%20ACROBAT.PDF Anton Bodenwinkler (1911–1940) – Zeuge Jehovas aus Hall in Tirol Ein Leben im Schatten der Verfolgung Anton Bodenwinkler arbeitete als Landarbeiter in Hall in Tirol und war ein bekennender Angehöriger der Zeugen Jehovas – einer Religionsgemeinschaft, die zur Zeit des Nationalsozialismus auch unter dem Namen „Bibelforscher" bekannt war. Sein Glaube war keine private Angelegenheit, sondern prägte sein gesamtes Handeln: Er verweigerte den Eid auf Adolf Hitler, den Hitlergruß und den Wehrdienst – Akte des Gewissens, die das NS-Regime als gefährlichen Ungehorsam betrachtete und unnachgiebig verfolgte. Verhaftung, Deportation und Tod Am 22. Februar 1939 wurde Anton Bodenwinkler verhaftet und in das Polizeigefängnis Innsbruck eingeliefert, wo er mehr als drei Monate unter Haftbedingungen ausharren musste. Am 2. Juni 1939 deportierten ihn die Behörden in das Konzentrationslager Dachau, wo er die Häftlingsnummer 33636 erhielt. Am 24. September 1939 wurde er gemeinsam mit seinem Glaubensbruder Karl Killinger in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Dort verschlechterte sich sein Gesundheitszustand unter dem Einfluss systematischer Unterernährung, brutaler Zwangsarbeit und menschenunwürdiger Lebensbedingungen rasch und unaufhaltsam. Am 11. Februar 1940 starb Anton Bodenwinkler im KZ Mauthausen an den Folgen von Entkräftung und schwerer Mangelernährung. Er wurde nur 28 Jahre alt. Lesen Sie mehr:www.kz-gedenkstaette-dachau.de Buchpräsentation _KZ-Dachau Historischer Hintergrund: Die Verfolgung der Zeugen Jehovas im NS-Staat Die Zeugen Jehovas gehörten zu den ersten Religionsgemeinschaften, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 systematisch verfolgt wurden. Bereits 1933 wurden ihre Versammlungen in Deutschland verboten, ihre Schriften beschlagnahmt und ihre Mitglieder unter Druck gesetzt, dem Glauben abzuschwören. In Österreich trat ein entsprechendes Verbot im Februar 1936 in Kraft. Die Nationalsozialisten betrachteten die Zeugen Jehovas als besonders unbeugsame Gegner, da diese ihre Loyalität gegenüber dem NS-Staat aus religiösen Gründen grundsätzlich verweigerten. Sie lehnten den Hitlergruß ab, verweigerten den Fahneneid und den Wehrdienst und hielten trotz Verbot an ihren Glaubenspraktiken fest. Innerhalb des Lagersystems waren sie durch ein lila Winkelabzeichen gekennzeichnet – ein Symbol, das sie als „Bibelforschern" identifizierte und sie von anderen Häftlingsgruppen unterschied. Anders als Angehörige anderer verfolgter Gruppen hatten die Zeugen Jehovas formal die Möglichkeit, durch eine schriftliche Abschwörungserklärung ihrer Überzeugungen freigelassen zu werden. Die überwiegende Mehrheit verweigerte diesen Schritt – aus tiefer Glaubenstreue und im Bewusstsein der Konsequenzen. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1933 und 1945 im gesamten deutschen Machtbereich mehr als 10.000 Zeugen Jehovas inhaftiert; mehrere Hundert von ihnen wurden hingerichtet oder starben in den Konzentrationslagern. Ein zweites Opfer aus Hall in Tirol Anton Bodenwinkler war der zweite Zeuge Jehovas aus Hall in Tirol, der im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung verhaftet und schließlich in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Gemeinsam mit Karl Killinger, der nur wenige Wochen nach ihm im KZ Gusen starb, steht er für das stille, aber unerschütterliche Bekenntnis einer Gemeinschaft, die sich selbst angesichts des Todes nicht beugte. Ihre Namen mahnen uns, die Erinnerung an jene wachzuhalten, die nicht aus politischem Kalkül, sondern aus tiefer innerer Überzeugung Widerstand leisteten – und dafür mit ihrem Leben bezahlten. 🕯️ Gedenkporträt: Anton Bodenwinkler (1911–1940)Lesen Sie mehr:Gedenkporträt Anton Bodenwinkler Lesen Sie mehr: Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. DÖW (Hrsg.): Online, https://www.doew.at/cms/download/bfdqi/ZJ_OPFER%20ACROBAT.PDF, (Stand: 14.6.2026) 🟣 Ikonographischer „Lila Winkel“ – Erinnerung und Hoffnung |
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