"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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Hall in Tirol: Geschichte, Nationalsozialismus und Widerstand


Hall in Tirol: Geschichte, Nationalsozialismus und Widerstand

5/8/2025

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Hall in Tyrol-History-National-Socialism -and-Resistance

Eine Stadt zwischen Salz, Handel und politischem Wandel

Kaum eine andere Stadt Tirols ist so eng mit dem „weißen Gold“ verbunden wie Hall. Der Salzabbau im nahen Halltal, die Prägung des ersten neuzeitlichen Großsilbermünze Europas – des berühmten Guliners – und die strategisch günstige Lage am Inn machten den Ort bereits im Mittelalter zu einem Wirtschaftsmagneten, der zeitweise sogar das nahe Innsbruck in den Schatten stellte. Dieser über Jahrhunderte angehäufte Wohlstand prägte nicht nur das Stadtbild mit seinen prächtigen Kirchen und Klöstern, sondern formte auch eine selbstbewusste, tief katholische Bürgerschaft.
Als jedoch 1938 die Hakenkreuzfahne über dem Rathaus wehte, geriet dieses gefestigte Gefüge unter massiven Druck. Wer Widerstand, Verfolgung und Anpassung in Hall zwischen 1938 und 1945 verstehen will, muss daher zunächst die einzigartige „DNA“ dieser Stadt begreifen – eine DNA, die von Salz, Silber und tiefer Glaubenstreue erzählt.
(Quelle: Herta Öttl, Die Ansitze in Hall und Umgebung)

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www.hall-in-tirol.at/Hall-Kompakt/Wissenswertes/Hall-in-der-Geschichte

Vom Salz zur Silbermacht: Die Anfänge Halls

Die Geschichte Halls reicht bis in vorgeschichtliche Zeit zurück, doch ihre eigentliche Bedeutung erlangte die Siedlung durch die reichen Salzvorkommen im Halltal. Das „weiße Gold“ bildete über Jahrhunderte die Grundlage für Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung.
Um 1303 erhob Graf Meinhard II. von Tirol den Ort zur Stadt. Was folgte, war ein rasanter Aufstieg: Das im Halltal gewonnene Salz wurde über den Brenner bis nach Venedig und in den süddeutschen Raum verschifft. Dieser Fernhandel machte Hall zu einer Drehscheibe des europäischen Warenaustauschs – und die Bürger der Stadt zu einer der wohlhabendsten Kaufmannsschichten Tirols. In der Blütezeit des Spätmittelalters zählte Hall zu den bedeutendsten Städten des Landes und übertraf wirtschaftlich zeitweise sogar die Landeshauptstadt Innsbruck.
Doch der Reichtum war ungleich verteilt. Die politische Macht in der Kleinstadt lag in den Händen einer kleinen Minderheit von zehn bis fünfzehn Ratsfamilien, während etwa zwei Drittel der Haller Bevölkerung als wenig begütert bis arm eingestuft werden mussten. Diese sozialen Spannungen sollten die Stadtgeschichte bis ins 20. Jahrhundert hinein begleiten.
(Quelle: Ratsfamilien. Online unter, https://www.isbn.de/buch/9783703003745/ratsfamilien-tageloehner-bewohner-von-hall-tirol-im-ausgehenden-mittelalter, Stand: 25.6.2026)

Die Münzstätte: Europas Geldzentrum im Herzen Tirols

Eine weitere bedeutende Entwicklung war die Errichtung der landesfürstlichen Münzstätte. Hall wurde zu einem Zentrum des europäischen Münzwesens. Im Jahr 1486 wurde hier der erste moderne Großsilbermünztyp geprägt: der Guldiner – ein Zahlungsmittel, das wegen seines hohen Silbergehalts und seines präzisen Gepräges den Grundstein für den später weltweit bekannten Taler legte.
Die Haller Münzstätte erlangte europaweite Bekanntheit und trug wesentlich zum Ansehen der Stadt bei. Das Münzrecht war nicht nur ein Symbol landesherrlicher Macht, sondern sicherte auch dauerhafte Einnahmen und wirtschaftliche Stabilität.

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www.tiroler-numismatik.at/de/muenzgeschichte/der-beginn-der-muenzstaette-hall/

de.wikipedia.org/wiki/Münze_Hall

Glaube und Gemeinschaft: Hall als religiöses Zentrum

Picture
Foto Pfarrkirche St. Nikolaus Hall in Tirol. In Privatarchiv Walder Hall in Tirol.
Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung entwickelte sich Hall zu einem wichtigen religiösen Mittelpunkt Tirols. Kirchen, Klöster und karitative Einrichtungen prägten das Stadtbild und das gesellschaftliche Leben.
Besondere Bedeutung besaßen die Stadtpfarre St. Nikolaus, die Franziskaner sowie zahlreiche Ordensgemeinschaften, die im Bildungs- und Sozialwesen tätig waren. Das katholische Milieu blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein prägender Bestandteil der Stadtgesellschaft und beeinflusste auch die Haltung vieler Menschen gegenüber dem nationalsozialistischen Regime. Die tief in der Bevölkerung verwurzelte katholische Tradition, die in Klöstern, Messen und karitativen Einrichtungen ihren Ausdruck fand, geriet nach 1938 in einen massiven Loyalitätskonflikt.

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Dekanat _Hall _in _Tirol_ im_ Widerstand

pfarre-hall.at/at/index.php

pfarre-hall.at/at/glaube/Franz_Reinisch.php

Priester _im _Widerstand_in_Hall_in_Tirol

Ordens-Gemeinschaften_ im _Widerstand

Zwischen Krise und Aufbruch: Hall im 19. Jahrhundert

Die Stadt erlebte im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Krisen und Umbrüche. Brände, Kriege und wirtschaftliche Veränderungen beeinflussten ihre Entwicklung ebenso wie politische Machtwechsel innerhalb der Habsburgermonarchie. Im 19. Jahrhundert brachte die Industrialisierung neue wirtschaftliche Impulse. Gleichzeitig entstanden moderne Bildungseinrichtungen und Verwaltungsstrukturen. Hall blieb ein bedeutendes regionales Zentrum mit enger Verbindung zu Kirche, Staat und Vereinen.

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franziskanergymhall.tsn.at/geschichte

de.wikipedia.org/wiki/Franziskanergymnasium_Hall_in_Tirol

Die gespaltene Gesellschaft: Hall in der Ersten Republik (1918–1938)

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie wurde Hall Teil der Republik Österreich. Die Zwischenkriegszeit war von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, politischen Spannungen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt.

Die politische Landschaft Halls in den 1930er Jahren

Nach den Gemeinderatswahlen von 1928 setzte sich der Haller Gemeinderat wie folgt zusammen: Die Tiroler Volkspartei stellte mit 16 Mandaten die Mehrheit, gefolgt von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAPÖ) mit 8 Sitzen, einer gemeinsamen Liste aus Großdeutscher Volkspartei und Wirtschaftspartei mit 3 Sitzen sowie dem Reformbund mit einem Mandat.
Bürgermeister war Anton Schlögl (Volkspartei), sein erster Vizebürgermeister Dr. Paul Kathrein. Auf Seiten der Sozialdemokraten amtierte Johann Schittelkopf als zweiter Vizebürgermeister – ein Mann, der sich später im Widerstand gegen die Nationalsozialisten hervortun sollte.
Unter den Vertretern der Volkspartei finden sich Namen, die später zur Haller Widerstandsbewegung gehören sollten: Josef Egg (Direktor der Bürgerschule), Ludwig Walder  (Schuhmachermeister), Josef Dosch (Oberpostoffizial) und Dr. Viktor Schumacher (Arzt).

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de.wikipedia.org/wiki/Hall_in_Tirol

Dr. jur. Paul Kathrein

Dr. med. Viktor Schumacher

Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln)

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Josef Egg

Dosch_Anton

Der Austrofaschismus und seine Folgen für Hall

Die politischen Konflikte der Ersten Republik erreichten 1933/34 einen dramatischen Höhepunkt. Bundeskanzler Engelbert Dollfuß schaltete die parlamentarische Demokratie aus, verbot sämtliche politischen Parteien – darunter die Sozialdemokraten – und errichtete ein autoritäres Regime, den sogenannten Austrofaschismus.
Die Folgen waren auch in Hall unmittelbar spürbar: Langjährige, engagierte sozialdemokratische Gemeinderäte mussten von einem auf den anderen Tag ihre Mandate niederlegen. An ihre Stelle traten Anhänger der Einheitspartei „Vaterländische Front“. Eine funktionierende demokratische Stadtpolitik endete abrupt und ebnete, wie wir heute wissen, letztlich den Nationalsozialisten den Weg.

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Dollfuss_Engelbert_Blog

ulb-dok.uibk.ac.at/ulbtirolhs/content/titleinfo/10255712

Soziale Not und wirtschaftliche Krise

Die frühen 1930er Jahre waren für Hall von großer wirtschaftlicher Not geprägt. Die zunehmende Verarmung großer Teile der Bevölkerung zwang die Stadtverwaltung zum Handeln. Unter der Leitung von Dr. Viktor Schumacher organisierte die Gemeinde im Winter 1933/34 eine groß angelegte Winterhilfsaktion. Der Bericht über die Fürsorge dokumentiert das Ausmaß der Not:
„Winterhilfe 1933/34 – Abrechnung. Zeitraum 1. Dezember 1933 bis 15. März 1934; 446 Haushalte bzw. 1.125 Personen mussten mit Winterbeihilfen versorgt werden. Dies bedeutet eine Steigerung um 186 Haushalte bzw. 465 Personen gegenüber dem Vorjahr. Auch im Winter 1933/34 stand die Verabreichung von Mahlzeiten und Heizmaterial im Vordergrund. In 31 Monaten verteilte die städtische Notspeisung nicht weniger als 18.947 Mahlzeiten (Mittag- und Abendessen) – täglich rund 170 Portionen.“
Zahlreiche Haller und Innsbrucker Firmen beteiligten sich mit Sachspenden an der Linderung der Not: die Firma Rauch aus Mühlau spendete 800 kg Maisgrieß, die Vereinigten Brauereien 800 kg Bruchreis, die Firma Schindler 100 kg Marmelade, die Bundesforste 12 Raummeter Brennholz und die Arbeiterkammer Innsbruck 5 Tonnen Kohle.
Trotz dieser Hilfsmaßnahmen blieb die Arbeitslosigkeit hoch. Die Stadt investierte in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und setzte Hoffnungen auf den Tourismus – doch der erhoffte Durchbruch blieb aus, nicht zuletzt durch die wirtschaftspolitischen Folgen der Weltwirtschaftskrise und die politischen Spannungen mit dem Deutschen Reich.

Der Tod Dollfuß’ und seine Spuren in Hall

Der Tod von Engelbert Dollfuß beim nationalsozialistischen Juliputsch 1934 hinterließ auch in Hall deutliche Spuren. Die Stadt errichtete ihm ein Denkmal, weihte einen Dollfuß-Platz und eine Dollfuß-Siedlung ein – die heutige Uferweg-Siedlung. Der Gemeinderat hielt eine eigene Trauersitzung ab.
Sein Nachfolger Kurt Schuschnigg hatte ebenfalls einen besonderen Bezug zu Hall: Eine Woche vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938 ließ die Stadt ein Transparent drucken mit der Aufschrift „Hall bleibt treu“ – ein letztes Zeichen der Loyalität gegenüber dem scheidenden Kanzler und der bedrohten österreichischen Unabhängigkeit.
Fotos Angelobung am Dollfußplatz in Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol.

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Hall bleibt treu. Trotz Verbot nicht tot!

Dr. _Ernst _Verdross

Spannungsfelder in Hall vor und während des Nationalsozialismus

Schicksalsjahr 1938: Der „Anschluss“ und die ersten Verfolgungen

Am Morgen des 12. März 1938 verbreitete sich die Nachricht vom Rücktritt Schuschniggs und dem Einmarsch der deutschen Truppen wie ein Lauffeuer durch die Gassen Halls. Während einige die Nationalsozialisten begeistert empfingen, fürchteten viele das Schlimmste – und sie sollten recht behalten.
Unmittelbare Folgen:
  • Verhaftungen: Bereits in den ersten Wochen nach dem „Anschluss“ wurden regimekritische Bürger Halls inhaftiert – einige verschwanden für Jahre im Konzentrationslager Dachau.
  • Gleichschaltung der Schulen: Das Schulgebet wurde durch den Hitlergruß ersetzt, Hitlerjugend-Drill dominierte den Unterricht.
  • Angriff auf die Kirche: Der katholische Gesellenverein wurde enteignet, karitative Einrichtungen wie der Vinzenzverein aufgelöst. „Die Kinder weinten, als die unterrichtenden Ordensschwestern gehen mussten – nach 90 Jahren Unterricht in Hall“, berichten Augenzeugen.

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Friedrich Corazza

Dr. _Manfred _Mumelter

13. März 1939: Wie der Nationalsozialismus in Hall gefeiert wurde.

Neujahrsempfang bei Gauleiter Hofer 1939

Haller _Anton _Widerstandsgruppe

Monarchisten und Legitimsten in Solbad Hall

Sozialisten und Kommunisten im Widerstand

1940–1943: Die Vertreibung der Ordensgemeinschaften

Die Nationalsozialisten versuchten, Hall zu „entkatholisieren“ – doch die Stadt widersetzte sich durch stillen Widerstand.

Das Ende der Klöster in Hall:

  • Die Franziskaner wurden aus dem Gymnasium vertrieben, ihre Kirche 1940 geschlossen und als Lagerraum für die NS-Gauleitung zweckentfremdet.
  • Pater Gaudenz Conzi, ein beliebter Seelsorger, wurde verhaftet – weil er einem Bettler Almosen gegeben hatte (der vermeintlich ein „Deserteur“ war).
  • 1941 wurden die St. Josephs-Missionare enteignet, die Ordensschwestern vertrieben.

Ordens-Gemeinschaften_ im _Widerstand

Aufhebung_ Franziskaner_ Kloster Hall in Tirol

Verfolgte _Franziskaner_Ordensleute

Heilkräutersammlung Tertiarschwestern

Die Pfarre als Rückzugsort des Widerstands

Dennoch wurde die Stadtpfarre St. Nikolaus unter Dekan Heinrich Heidegger (ab 1942) zu einem Ort des stillen Widerstands:
  • Die Predigten wurden zu Akten der Zuversicht – sie zogen trotz wachsender NS-Einschüchterung immer größere Menschenmengen an.
  • Die Haller praktizierten eine Form der „doppelten Gabe“ – öffentlich spendeten sie für NS-Sammlungen, heimlich legten sie Geld in die Kirchenopferstöcke.
  • Die Beichtstühle wurden zu geheimen Treffpunkten, wo Nachrichten und Warnungen unter dem Deckmantel des Sakraments ausgetauscht wurden.
Selbst ehemalige Sozialdemokraten weigerten sich, die Kirche zu verlassen – ihr Verbleib in der katholischen Gemeinschaft wurde zu einem stillen Akt des Widerstands gegen das NS-Regime.

Lesen Sie mehr: 

Dr. _N. _Pfeifauf _und _Dr. _H. _Blassnig

Junge Katholiken im Widerstand

Niederwolfsgruber_Paula

Michael und Peter Zwetkoff

stadtmuseumhall.at/events/erinnerung-an-den-haller-widerstand/

Gehörlosen Institut (1938-1945)

Sieberer_Josef

Walder _Anton _Teil 1

Marianische Kongregation der Herren und Bürger zu Hall

1944–1945: Die Bomben, die Solbad Hall/Hall in Tirol erschütterten

Jahrelang war der Krieg über Hall hinweggegangen – bis der Himmel über der Stadt zur tödlichen Gefahr wurde.

Drei Angriffe, die alles veränderten:

  • 16. November 1944: Die erste Bombe schlug nahe dem Kloster Thurnfeld ein – ein Blindgänger, der Leben verschonte, aber die Illusion der Sicherheit zerstörte.
  • Weihnachten 1944: Acht Bomben verwandelten das Bahnhofsviertel in eine Trümmerlandschaft – ihre Detonationen übertönten das Weihnachtsliedersingen in den Flüchtlingsunterkünften.
  • 16. Februar 1945 – Der Tag, an dem Hall brannte: Der Kugelanger verschwand in Feuerstürmen, die Wallfahrtskirche Scheibenstein stürzte ein und nahm ihre wundertätige Madonna mit in den Staub. Bei Einbruch der Dunkelheit standen 102 Tote auf den Listen, 1.500 Menschen irrten durch ihre zerstörte Heimat.
Picture
Foto Bombenangriff 16. Februar 1945 (Bahnhofsviertel). In Privatarchiv Reinhart Federspiel Absam.

Lesen Sie mehr: 

Haus zum Guten Hirten

Echo _der _Geschichte_(1938 -1945)

Haller Freischwimmbad 1938 - 1941

Haller Stubengesellschaft im Nationalsozialismus

Widerstand in Hall: Gesichter des Muts

Trotz der allgegenwärtigen Verfolgung entwickelte sich in Hall Widerstand gegen das Regime – von religiös motivierter Opposition über Hilfe für Verfolgte bis hin zu organisierten Gruppen.

Die Sternkorona – verboten, aber nicht gebrochen

Die 1888 gegründete Schülerverbindung Sternkorona wurde 1938 von den Nationalsozialisten verboten. Die für das 50-jährige Stiftungsfest im Juni 1938 gesparten 1.781,88 Vorkriegsschilling (heute etwa 6.666 Euro) wurden von der SA beschlagnahmt, der Rest von der Stadt Solbad Hall eingezogen.
Trotz des offiziellen Verbots trafen sich die Brüder bis Ende 1938 heimlich in Gasthäusern. Ein zeitgenössischer Vers fasst ihre Haltung zusammen:
„Das Haus ist gefallen – was tut’s zur Not? Der Geist lebt fort in uns allen und unsere Burg ist Gott!“
Von den 16 Priestern innerhalb der Verbindung, die sich dem NS-Regime widersetzten, wurden alle verfolgt.

Lesen Sie mehr:

Sternkorona I

www.sternkorona.at

Franz Reinisch (1903–1942) – Märtyrer des Gewissens

Der Pallottinerpater Franz Reinisch weigerte sich aus Gewissensgründen, den Treueid auf Adolf Hitler zu leisten. Er wurde verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Am 21. August 1942 wurde er im Gefängnis Brandenburg-Görden mit der Guillotine hingerichtet.

Lesen Sie mehr:

Reinisch_Franz _Pallottiner

franz-reinisch.org

Josef Anton Geiger (1880–1945)

Der Priester Josef Anton Geiger, der bereits während des Austrofaschismus politisch aktiv gewesen war, zog sich nach dem „Anschluss“ die Feindschaft des NS-Regimes zu. 1940 wurde er zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt und mit einem „Ostmarkverbot“ belegt, das ihm die Rückkehr nach Österreich untersagte. Er überlebte die Haft, starb jedoch im Oktober 1945 in Würzburg an den Spätfolgen der Verfolgung – ein indirektes Opfer des NS-Terrors.

Lesen Sie mehr:

gedenkort.at/personen/a9086e3f-82ef-5bc9-9e1b-3008817f3dd2

oecv.at/Biolex/Detail/14101282

Sternkorona I

Vinzenz Moser (1881–1945)

Der Prämonstratenserchorherr Vinzenz Moser, Pfarrer in Tulfes bei Hall, hielt 1940 eine Predigt, in der er offen die unchristlichen Prinzipien und Verbrechen des NS-Regimes anprangerte. Er wurde noch am selben Tag verhaftet und für zehn Wochen inhaftiert. Er starb 1945 kurz nach der Befreiung an den Folgen der erlittenen Strapazen.

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gedenkort.at/personen/08cc53d8-4657-528f-a0f0-fdc622ac445a

gedenkort.at/orte/ad7eac8b-d626-4247-bbd1-9fe609ba39f4

Sternkorona I

Honorius Hohlbrugger (1904–1993)

Der Franziskanerpater Honorius Hohlbrugger, Kaplan in Hall, wurde im Dezember 1939 wegen einer Predigt verhaftet, in der er die nationalsozialistische Jugenderziehung als „Erziehung zu Kindern Satans“ bezeichnet hatte. Er wurde wegen „Kanzelmissbrauchs“ und Verstoßes gegen das Heimtücke-Gesetz verurteilt und 1940 aus dem aufgelösten Franziskanerkloster Hall vertrieben.

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gedenkort.at/personen/394bc53c-df03-55fa-997a-7d257f8ce048

FR Pater Honorius Hohlbrugger

Verfolgte _Franziskaner_Ordensleute

Historische Bedeutung für die Erinnerungskultur

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Foto Rathaus Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol.
Die Geschichte Halls zeigt, wie eng lokale Entwicklungen mit den großen politischen Ereignissen Europas verbunden sind. Die Stadt war nicht nur Schauplatz wirtschaftlicher und kultureller Blüte, sondern auch Ort von Verfolgung, Anpassung und Widerstand während der NS-Zeit.
Die Erinnerung an jene Menschen, die trotz persönlicher Gefahren für ihre Überzeugungen eintraten, ist ein wichtiger Bestandteil der Haller Stadtgeschichte. Ihre Lebensgeschichten verdeutlichen, dass Widerstand gegen Unrecht auch unter den Bedingungen einer Diktatur möglich war.
Professor Egger, der Stadtchronist, schrieb 1945 inmitten der Trümmer: „Wenn Bürger träumen, erwachen Diktatoren“ – eine Mahnung, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

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Buchpräsentation _KZ-Dachau

Hall in Tirol 1945

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Foto: ​Online, vidu AI.jpg. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol.
Die Einnahme von Hall in Tirol durch US-amerikanische Truppen erfolgte nahezu ohne Blutvergießen. Dank der friedlichen Übergabe durch die Widerstandsgruppe um Anton Haller und den ersten Bürgermeister Dr. Viktor Schumacher blieben der Stadt Kampfhandlungen erspart. Überschattet wurde die Befreiung lediglich von einem tragischen Zwischenfall, bei dem ein Jugendlicher durch einen sich lösenden Schuss eines US-Soldaten tödlich getroffen wurde.

Ende des Krieges Mai 1945 - französische Besatzung ab Juli 1945

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft stand Solbad Hall/Hall in Tirol vor großen Herausforderungen. Zwischen 1945 und 1955 prägte die französische Besatzungsmacht den politischen und gesellschaftlichen Neubeginn der Stadt. Der Beitrag beleuchtet die Zusammenarbeit zwischen ehemaligen Widerstandskämpfern und der französischen Militärregierung, die Entnazifizierung, den Alltag unter Besatzung sowie die Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegszeit anhand bisher wenig bekannter Dokumente aus dem Stadtarchiv Hall in Tirol.

Lesen Sie mehr:

Französische Besatzung in Solbad Hall

General Bethourat in Tirol

Erwin Lahousen Generalmajor

Der Übergang im Jahr 1945 und die französische Übernahme

Das Ende der NS-Herrschaft im Mai 1945 markierte den Beginn eines neuen, herausfordernden Kapitels für die Stadt Solbad Hall (heute Hall in Tirol). Zunächst wurde die Stadt am 4. Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Dieser Tag brachte einen raschen Wechsel in der lokalen Führung mit sich: Dr. Viktor Schumacher, ein ehemaliger Widerstandskämpfer, übernahm das Amt des Bürgermeisters.
Dabei handelte es sich jedoch um eine vorübergehende Regelung. Gemäß den alliierten Vereinbarungen über die Aufteilung Österreichs in Besatzungszonen wurde Tirol Frankreich zugesprochen. Infolgedessen übernahm die französische Militärregierung die Kontrolle über die Region offiziell im Juli 1945 von den Amerikanern. Die Stadt Hall fiel unter die französische Besatzungsbehörde für Tirol, die ihren Sitz in Innsbruck hatte. Diese Besatzung sollte ein Jahrzehnt andauern, bis der Österreichische Staatsvertrag 1955 die volle Souveränität wiederherstellte.

Lesen Sie mehr: 

Hauptmann _Johann _Baumgartner

www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1955_152_0/1955_152_0.pdf

de.wikipedia.org/wiki/Österreichischer_Staatsvertrag

Zusammenarbeit, Herausforderungen und Alltag

Zusammenarbeit mit den französischen Behörden:

Ein entscheidender Faktor in der Anfangszeit war die positive und konstruktive Zusammenarbeit zwischen der neuen französischen Verwaltung und der lokalen Regierung. Bürgermeister Schumacher und der Gemeinderat setzten sich aus ehemaligen Widerstandskämpfern zusammen, insbesondere aus der Gruppe um Anton Haller. Diese gemeinsame Erfahrung des antifaschistischen Widerstands wird als entscheidendes Element genannt, das von Anfang an eine gute Arbeitsbeziehung zu den französischen Militärbehörden ermöglichte. Diese Zusammenarbeit wurde im Juli 1945 öffentlich sichtbar, als die Stadt den prestigeträchtigen „Haller Pokal“ für eine Zeremonie zur Begrüßung des neuen französischen Gouverneurs, General Émile Béthouart, zur Verfügung stellte.

Lesen Sie mehr:

de.wikipedia.org/wiki/Marie_Émile_Antoine_Béthouart

Dr. _Manfred _Mumelter

Unmittelbare Nachkriegsherausforderungen:

Die Stadt stand vor enormen Herausforderungen, die typisch für die Nachkriegszeit waren. Die Verwaltung kämpfte mit einer schweren Wohnungsnot und Hungersnot, einem großen Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie der Rückkehr ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Eine Volkszählung im Juli 1945 verzeichnete 9.420 Menschen in Hall, darunter 92 jüdische Flüchtlinge, 325 ausländische Arbeiter und 1.019 Südtiroler Optanten (deutschsprachige Personen, die sich für einen Umzug aus Südtirol entschieden hatten). Die unmittelbaren Prioritäten der Behörden waren das Überleben der Bevölkerung und die Bewältigung dieser drängenden sozialen Probleme.

Entnazifizierung und Kontrolle:

Der Prozess der „Entnazifizierung“ war eine der Hauptaufgaben der Besatzungsmächte. Am 20. Juli 1945, nur wenige Wochen nach der französischen Übernahme, wurde die Polizei angewiesen, alle ehemaligen Nationalsozialisten in der Stadt zu registrieren. In direktem Widerspiegel der Nachkriegsmachtverschiebung beschlagnahmten die französischen Behörden Eigentum wie Radios, Möbel und Wohnungen von registrierten Nazis, während die Häuser bekannter Widerstandskämpfer verschont blieben.

Lesen Sie mehr: 

Heinrich Andergassen (Teil I)

Heinrich Andergassen (Teil 3)

Ing. Walter Jud

Alltag und Reglementierung:

Der Alltag war zunächst streng reglementiert, mit einer strikten Ausgangssperre ab 19:00 Uhr. Einwohner, die nachts aus beruflichen Gründen unterwegs sein mussten – wie Ärzte, Hebammen und Bäcker – mussten Sonderausweise bei sich tragen, um sie französischen Militärpatrouillen vorzeigen zu können. Der Schwarzmarkt war ein weiteres großes Problem, das die Behörden zu bekämpfen versuchten, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Mit der allmählichen Normalisierung der Lage wurde die Ausgangssperre gelockert. Am 3. Mai 1946, genau ein Jahr nach Kriegsende in der Region, wurde die Ausgangssperre offiziell von 19:00 Uhr auf die Zeit zwischen 22:00 Uhr und 5:00 Uhr verlegt.

Lesen Sie mehr:

J. P. ein Pilot der Widerstandsbewegung

Justizgeschichte: NS-Verbrechen vor Gericht

Julius Vogth

Der Abzug der Franzosen und der Staatsvertrag 1955: Ein Neubeginn für Tirol

Die zehnjährige Besatzungszeit endete mit der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags am 15. Mai 1955. Die alliierten Truppen zogen daraufhin ab, und am 26. Oktober 1955 – dem heutigen Nationalfeiertag – war Österreich erstmals wieder vollständig souverän . Für die Tiroler Bevölkerung bedeutete dies das Ende einer Ära der Bevormundung und die Rückkehr zur Selbstbestimmung.
Die Auswirkungen auf die Bevölkerung waren tiefgreifend. Politisch bedeutete das Ende der Besatzung die vollständige Rückkehr in den österreichischen Staatsverband und die Stärkung eines Gefühls nationaler Eigenständigkeit . Besonders wichtig für Tirol war die im Vertrag festgeschriebene immerwährende Neutralität Österreichs, die die Region vor neuen militärischen Konflikten bewahren und die Stabilität an der Grenze zu Italien fördern sollte . Zudem ermöglichte die wiedergewonnene Souveränität der österreichischen Regierung, sich wieder verstärkt für die Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol einzusetzen – eine Frage, die für Tirol stets von großer Bedeutung war .
Auch das alltägliche Leben und die Wirtschaft erlebten einen Aufschwung. Die Beendigung der Besatzungszeit gab den entscheidenden Impuls für einen wirtschaftlichen Neubeginn. So konnte der für Tirol so wichtige Tourismussektor wiederbelebt und ausgebaut werden . Auch Infrastrukturprojekte, etwa der Ausbau von Straßen und Eisenbahnen, wurden nun wieder vorangetrieben, was die Anbindung Tirols verbesserte . Das neu gewonnene Selbstbewusstsein stärkte nicht nur die regionale Identität und Kultur, sondern auch Einrichtungen wie die Universität Innsbruck .
Der Abzug der französischen Truppen und der Staatsvertrag von 1955 waren für die Tiroler Bevölkerung somit weit mehr als nur ein politischer Akt. Sie markierten den Beginn einer neuen Ära der Freiheit, des wirtschaftlichen Wachstums und der Normalität, in der die Region ihre Zukunft wieder selbst in die Hand nehmen konnte .

Lesen Sie mehr:

www.parlament.gv.at/verstehen/historisches/1945-1995/staatsvertrag/index.html

www.geschichtewiki.wien.gv.at/Österreichischer_Staatsvertrag

Schattenseiten des Neubeginns

Die Schattenseite des Neubeginns war die große personelle Kontinuität aus der NS-Zeit. Die Entnazifizierung verlief in Tirol alles andere als gründlich, und viele ehemalige Nationalsozialisten behielten oder erlangten schnell wieder einflussreiche Positionen.
Eine wesentliche Ursache dafür war der hohe Anteil von NSDAP-Mitgliedern im öffentlichen Dienst. Fast jeder zweite öffentliche Bedienstete war Parteimitglied gewesen. Im Schulbereich lag der Anteil bei den Lehrkräften sogar bei rund 70 Prozent. Ohne die Weiterbeschäftigung dieser Personen wären grundlegende Dienstleistungen für die Bevölkerung nicht aufrechtzuerhalten gewesen. Diese faktische Sachzwanglogik führte dazu, dass viele "Belastete" im Amt blieben.
Auch in der Politik war die braune Vergangenheit allgegenwärtig. Drei der vier Landeshauptmänner Tirols zwischen 1945 und 1987 – Alfons Weißgatterer, Hans Tschiggfrey und Eduard Wallnöfer – waren ehemalige NSDAP-Mitglieder. Ihnen gelang nicht nur die Reintegration, sondern der Aufstieg an die Spitze des Landes. Die französische Besatzungsmacht, die 1946 rund 45.800 ehemalige Nationalsozialisten in Tirol registrierte, überließ die konkrete Entnazifizierungsarbeit bald den heimischen Behörden und zeigte dabei wenig Interesse an einem harten Durchgreifen.
In der Wirtschaft war der Anteil ehemaliger Parteimitglieder ebenfalls hoch, die Auswirkungen der Entnazifizierung hier jedoch äußerst gering . Wichtige Unternehmer wie die Familie Swarovski blieben weitgehend verschont, da man ihren Einfluss auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Devisenbilanz nicht gefährden wollte . In den "freien Berufen" waren die Zahlen ebenfalls alarmierend: Über die Hälfte der Rechtsanwälte, drei Viertel der Notare und vier Fünftel der Ziviltechniker hatten einst der NSDAP angehört. Auch von den über 1.000 Ärzten und Zahnärzten waren knapp 40 Prozent registrierte Nationalsozialisten.
Die Folge war, dass die Gesellschaft der jungen Zweiten Republik in hohem Maße von denselben Personen geprägt wurde, die bereits das NS-System getragen hatten. Der Prozess der Entnazifizierung blieb in Tirol, insbesondere im Vergleich zu anderen Bundesländern, oberflächlich, und die "braunen Altlasten" wirkten in Politik, Verwaltung und Wirtschaft über Jahrzehnte nach.
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Quelle: Tiroler Arbeiterkammer. Online unter, ​https://tirol.arbeiterkammer.at/service/studien/WISO/2023/WISO_History_Neubeginn_aus_Truemmern.pdf#14#12, (Stand: 26.6.2026)
„Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer. Täter. Gegner“
Ein umfassendes Standardwerk, das die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region von verschiedenen Perspektiven erzählt – mit 48 Biografien von Menschen, die sich schuldig machten, verfolgt wurden oder Widerstand leisteten. Online, https://www.studienverlag.at/produkt/4423/nationalsozialismus-und-faschismus-in-tirol-und-suedtirol/, (Stand: 26.6.2026)

Lesen Sie mehr:

www.horstschreiber.at

www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/neuerscheinung-horst-schreiber-erinnern-at-tirol-das-unternehmen-swarovski-im-nationalsozialismus

„Das Unternehmen Swarovski im Nationalsozialismus“ (2025)
Hier beleuchtet Schreiber ein prominentes Beispiel dafür, wie bedeutende Unternehmen und Unternehmerfamilien in der NS-Zeit profitierten und die Entnazifizierung in der Nachkriegszeitglimpflich überstanden – ein Paradebeispiel für die von Ihnen beschriebene personelle Kontinuität in der Wirtschaft. Online, https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/neuerscheinung-horst-schreiber-erinnern-at-tirol-das-unternehmen-swarovski-im-nationalsozialismus, (Stand: 26.6.2026)

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www.hall-in-tirol.at/content/download/7930/pdf/Stadtzeitung-34-2020.pdf

Eröffnung Schneiderkapelle

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Opfer der NS-Diktatur in Tirol- Versuch einer Eingrenzung

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Quelle: Rauchegger-Fischer, Claudia. „Opfer der NS-Diktatur – Versuch einer Eingrenzung.“ In: Zeitgeschichtliche Streiflichter. Beiträge zur Regionalgeschichte Tirols 1938–1945. Innsbruck, 2010, pp. 147–153.
Die nationalsozialistische Verfolgung richtete sich gegen zahlreiche Bevölkerungsgruppen. In Tirol gehörten dazu vor allem jüdische Familien, Roma und Sinti, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen sowie politische Gegner des Regimes. Viele wurden entrechtet, aus ihrer Heimat vertrieben, in Konzentrationslager deportiert oder ermordet.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 begann auch in Tirol die systematische Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Enteignungen („Arisierung“), Berufsverbote, Gewalt und Deportationen führten zur fast vollständigen Zerstörung des jüdischen Lebens. Auch Roma und Sinti wurden aufgrund der nationalsozialistischen Rassenideologie verfolgt und überwiegend im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
Eine besonders große Opfergruppe bildeten Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen. Im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ wurden allein aus Tirol über 500 Patientinnen und Patienten ermordet, viele weitere starben durch Hunger oder medizinische Vernachlässigung in Heil- und Pflegeanstalten, darunter auch in Hall in Tirol.

Das Motto lautete: "Österreich hat aber nichts wieder gut zu machen , weil es nichts verbrochen hat," sagte am 15. Mai 1946 der Nationalratsabgeordnete Kolb. Franz Jägerstätter (1907-1943) wurde nicht als  Opfer politischen Widerstands anerkannt, denn er weigerte sich seiner Einberufung nachzukommen und wurde am 9. August 1943 enthauptet.

Nach 1945 erhielten viele Opfergruppen zunächst nur unzureichende Anerkennung und Entschädigung. Erst Jahrzehnte später setzte sich in Österreich eine breitere Erinnerungskultur durch, die auch lange ausgegrenzte Opfergruppen wie Roma und Sinti, homosexuelle Menschen oder die Opfer der NS-„Euthanasie“ einbezog. Die Erinnerung an diese Menschen bleibt ein wichtiger Bestandteil der historischen Aufarbeitung und der demokratischen Verantwortung.
(Quelle: Rauchegger-Fischer, Claudia. „Opfer der NS-Diktatur – Versuch einer Eingrenzung.“ In: Zeitgeschichtliche Streiflichter. Beiträge zur Regionalgeschichte Tirols 1938–1945. Innsbruck, 2010, pp. 147–153.)

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www.gedenkort-hall.at

Jenische Gemeinschaft in Hall

Herzenberger_Genoveva_Gedenken

GD Portal Winter Kinder

de.wikipedia.org/wiki/Franz_Jägerstätter

www.kirchenzeitung.at/site/archiv/article/36172.html&ts=1782563442036

www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/franz-jaegerstaetter/

franz-jaegerstaetter.zurerinnerung.at

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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA 

    Historikerin-Ethnologin

    Archive

    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstand (DÖW)

    Tiroler Landesarchiv 

    Stadtarchiv Hall in Tirol

    ​Privatarchiv E. Walder Hall in Tirol.

    ​Literaturverzeichnis
    Brandstätter, Klaus: Ratsfamilien und Tagelöhner. Die Bewohner von Hall in Tirol im ausgehenden Mittelalter. Innsbruck 1993. 

    Öttl, Herta: Die Ansitze von Hall in Tirol und Umgebung. Innsbruck 1970. 

    Walder, Elisabeth: Solbad Hall 1938–1945: A City Between Nazi Terror and the Bombing War. In: Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale. [Online] 
    Walder, Elisabeth: Stadt Hall im historischen Kontext (1938–1945). In: Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale. [Online] 
    Walder, Elisabeth: The student association Sternkorona: Courage and Resistance 1938–1945. In: Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale. [Online] 
    Walder, Elisabeth: Dr. Engelbert Dollfuss – Demokratiezerstörer und Märtyrer? In: Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale. [Online] 
    Walder, Elisabeth: Tensions in Hall Before and During National Socialism. In: Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale. [Online] 

    Walder Elisabeth, KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354, Innsbruck 2025.


    Quellen: 
    (Quelle: Mein Bezirk online, https://www.meinbezirk.at/schwaz/c-lokales/70-jahre-staatsvertrag-historische-moment-auch-fuer-tirol_a7305555, (Stand: 26.6.2026); sowie Online, https://www.verdi.bz.it/page/220/?id=5, (Stand: 26.6.2026)

    (Quelle: Tiroler Arbeiterkammer. Online, https://tirol.arbeiterkammer.at/service/studien/WISO/2023/WISO_History_Neubeginn_aus_Truemmern.pdf#14#12, (Stand: 26.6.2026)

    Publikationen:

    "Endzeit. Krieg und Alltag in Tirol 1945"
    Schreiber, Horst: Endzeit. Krieg und Alltag in Tirol 1945. (Studien zu Geschichte und Politik, Band 26; Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge, Band 69). Innsbruck: Michael Wagner Verlag, 2020. ISBN: 978-3-7107-6701-2 

    "'Liebesverbrechen', Zwangsarbeit und Massenmord. NS-Täter und Opfer in Tirol, Polen und der Sowjetunion"
    Schreiber, Horst: "Liebesverbrechen", Zwangsarbeit und Massenmord. NS-Täter und Opfer in Tirol, Polen und der Sowjetunion. Innsbruck: Studien Verlag, 2023 .
    Liebesverbrechen“, Zwangsarbeit und Massenmord. NS-Täter und Opfer in Tirol, Polen und der Sowjetunion (2023)
    In diesem Buch analysiert Schreiber anhand von vier konkreten Fallgeschichten (unter anderem über den Bürgermeister von Mayrhofen, Franz Hausberger, ein SS-Mitglied) die terroristische Seite des Nationalsozialismus und ihre Aufarbeitung nach 1945 – also genau die von Ihnen angesprochene „braune Altlast."

    „Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer. Täter. Gegner“
    Ein umfassendes Standardwerk, das die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region von verschiedenen Perspektiven erzählt – mit 48 Biografien von Menschen, die sich schuldig machten, verfolgt wurden oder Widerstand leisteten. Online, https://www.studienverlag.at/produkt/4423/nationalsozialismus-und-faschismus-in-tirol-und-suedtirol/, (Stand: 26.6.2026)

     
    Schreiber, Horst: Die Lager von Schwaz 1944–1988. NS-Zwangsarbeiterlager, Entnazifizierungslager, Flüchtlingslager St. Margarethen, Armenlager Märzensiedlung. Online, http://www.horstschreiber.at; (Stand: 26.6.2026)

    ​„Das Unternehmen Swarovski im Nationalsozialismus“ (2025)
    Hier beleuchtet Schreiber ein prominentes Beispiel dafür, wie bedeutende Unternehmen und Unternehmerfamilien in der NS-Zeit profitierten und die Entnazifizierung in der Nachkriegszeitglimpflich überstanden – ein Paradebeispiel für die von Ihnen beschriebene personelle Kontinuität in der Wirtschaft. Online, https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/neuerscheinung-horst-schreiber-erinnern-at-tirol-das-unternehmen-swarovski-im-nationalsozialismus, (Stand: 26.6.2026)


    Juni 2026

    May 2025

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    ​Zeitgeschichte

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