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In stillem Gebet und hingebungsvoller Arbeit fand Frater Massäus Stemeseder seine Berufung. Als Franziskanerbruder im Kloster Solbad Hall widmete er sich dem klösterlichen Leben als Koch und Gärtner – Tätigkeiten, die von Nächstenliebe und Fürsorge zeugen. Er sorgte für seine Mitschwestern und Mitbrüder und bewahrte die Schönheit der Schöpfung in den Gärten des Klosters.
Doch Frater Massäus’ Leben war auch von Leid geprägt. Seit 1931 litt er unter einer Geisteskrankheit und wurde in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Hall betreut. In einer Zeit, in der Menschlichkeit und Barmherzigkeit von der nationalsozialistischen Ideologie mit Füßen getreten wurden, wurde seine Verwundbarkeit zu einem Todesurteil. Am 10. Dezember 1940 wurde Frater Massäus im Zuge der grausamen „Euthanasie“-Aktionen der Nationalsozialisten aus der Anstalt verschleppt und in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz transportiert. Dort wurde er, ein wehrloser Mann im Gebet, in der Gaskammer ermordet. Sein Orden erhielt nur die trostlose Nachricht seines Todes. Sein Schicksal erinnert uns an die unzähligen namenlosen Opfer des Wahnsinns, deren Leben ausgelöscht wurden, weil sie nicht in das perfide Bild der „Volksgemeinschaft“ passten. Frater Massäus Stemeseder war kein namenloses Opfer. Er war ein Franziskanerbruder, ein Koch, ein Gärtner, ein Mensch. Wir gedenken seiner in Trauer und Scham und bewahren sein Andenken als Mahnmal für die Würde jedes einzelnen Lebens. Ruhe in Frieden.
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