Nationalsozialismus in Hall in Tirol und in Tirol: NS-Widerstand,Verfolgung und Schicksale
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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Hall in Tirol: 
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
3. Mai 2025
​
„Holen wir die Menschen aus dem Vergessen“



Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit 2025/ 2026

12/1/2024

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Sprache / Language: DE | EN

Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit 2025/2026

Zwangsarbeiter auf einer Baustelle, ki generiertes Foto als Symbol für Zwangsarbeit. In DBANT.
KI-generierte Darstellung von Zwangsarbeit: Männer transportieren Holzbalken und einen beladenen Wagen auf einem Betriebsgelände vor einer Alpenkulisse. Das Bild ist eine Illustration, keine historische Fotografie. Quelle: DBANT.

Historischer Kontext

Während des Zweiten Weltkriegs bildete Zwangsarbeit eine wesentliche Stütze der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft. Millionen Menschen aus den besetzten europäischen Ländern wurden in das Deutsche Reich verschleppt und unter Zwang in Industrie, Landwirtschaft, Verkehrsbetrieben und kommunalen Einrichtungen eingesetzt. Auch in Solbad Hall – so lautete der damalige Name von Hall in Tirol – und in der näheren Umgebung arbeiteten mehrere Hundert ausländische Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Eine zentrale Rolle im Raum Innsbruck und Hall spielte das von der Gestapo geführte Arbeitserziehungslager Reichenau. Dort wurden Menschen unterschiedlicher Herkunft unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, zur Arbeit gezwungen, misshandelt und teilweise ermordet. Weitere Zwangsarbeiter waren unter anderem im Lager Eichat in Absam untergebracht oder an verschiedenen Arbeitsstellen in Hall und Umgebung eingesetzt. Hunger, Krankheiten, körperliche Erschöpfung und unzureichende medizinische Versorgung prägten ihren Alltag.
Auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol befinden sich die Gräber von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie politischen Opfern aus mehreren europäischen Ländern. Manche starben noch in den ersten Tagen und Wochen nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft an den Folgen ihrer Haft- und Lebensbedingungen. Von vielen sind heute kaum mehr als ihre Namen, ihre Herkunft und ihr Sterbedatum überliefert.
Die Nennung ihrer Namen macht sichtbar, dass hinter den abstrakten Opferzahlen einzelne Menschen mit einer eigenen Herkunft, Familie und Lebensgeschichte standen. Der folgende Beitrag erinnert an diese Frauen und Männer und bewahrt ihre Namen als Teil der Geschichte von Hall in Tirol.

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de.wikipedia.org/wiki/Zwangsarbeit_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus

80 Jahre Kriegsende (2025)– Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors

KI-generierte Schwarz-Weiß-Darstellung mehrerer Männer, die auf einer Baustelle mit Schaufeln und Pickeln Gräben ausheben. Im Hintergrund sind eine Tiroler Stadt und Berge zu sehen. Symbolische Darstellung der Zwangsarbeit beim Bau des Haller Freischwimmbades.
Zwangsarbeiter heben mit Schaufeln und Pickeln Gräben für den Bau des Haller Freischwimmbades aus. KI-generierte Schwarz-Weiß-Rekonstruktion; keine historische Fotografie. Quelle: DBANT.
Im Jahr 2025 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa zum 80. Mal. Dieses Gedenkjahr gab Anlass, erneut an jene Menschen zu erinnern, die während der nationalsozialistischen Herrschaft in Hall in Tirol und seiner Umgebung verfolgt, zur Arbeit gezwungen oder ermordet wurden.
Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen die Namen der auf dem städtischen Friedhof in Hall beigesetzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie der politischen Opfer. Sie stammten aus verschiedenen Ländern Europas. Hinter jedem Namen steht ein individuelles Leben, über das heute vielfach nur noch wenige Angaben überliefert sind.
Die hier genannten Frauen und Männer stehen zugleich stellvertretend für die zahlreichen Menschen, die unter den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Arbeitserziehungslager Reichenau, in Solbad Hall und in den umliegenden Lagern leiden mussten. Viele von ihnen überlebten die Folgen von Zwangsarbeit, Haft, Misshandlung, Hunger und Krankheit nicht.
Ihre Namen zu nennen bedeutet, ihnen ihre Individualität und einen sichtbaren Platz in der Erinnerung zurückzugeben. Ihr Schicksal mahnt uns, die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht zu vergessen und jeder Form von Ausgrenzung, Entrechtung und Menschenverachtung entschieden entgegenzutreten.

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de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges

Gedenkort: Städtischer Friedhof Hall in Tirol

Schwarzes schmiedeeisernes Grabkreuz mit den Namen der italienischen Zwangsarbeiter Gino Pasotto und Natale Orsini auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol.
Gemeinsames Grabkreuz für die italienischen Zwangsarbeiter Gino Pasotto und Natale Orsini auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol. Foto (2025): Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol, Elisabeth Walder, Hall in Tirol.
Verwittertes steinernes Grabkreuz zwischen blühenden Hortensien auf dem Gräberfeld für Opfer des Nationalsozialismus am städtischen Friedhof in Hall in Tirol.
Steinernes Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol mit der Inschrift „Sie starben als Opfer – sie mahnen zum Frieden“.
​Steinernes Grabkreuz für ein Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeit auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol. Foto (2025): Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol, Elisabeth Walder, Hall in Tirol.

Mahnmal auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol zur Erinnerung an die dort beigesetzten Opfer des Nationalsozialismus. Die Inschrift lautet: „Sie starben als Opfer – sie mahnen zum Frieden.“ Foto (2025): Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol, Elisabeth Walder, Hall in Tirol.

Erste Kontakte zu Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitenden (1943–1945)

Anton Haller und Anton Dosch knüpften in Hallers Werkstatt erste Kontakte zu Kriegsgefangenen sowie zu ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Hall zählte zwischen 1943 und 1945 etwa 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Unter ihnen befanden sich schätzungsweise 400 bis 500 Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende. Viele waren im Arbeitserziehungslager Reichenau oder im Lager Eichat in Absam untergebracht beziehungsweise inhaftiert.

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Haller _Anton _Widerstandsgruppe

Dosch-Anton

Stanko Zoniloric als Verbindungsmann

Feldwebel Heuschild, der im Zusammenhang mit dem Kriegsgefangenenlager stand, nannte Anton Haller und Anton Dosch mehrere Vertrauenspersonen unter den Gefangenen. Zu ihnen gehörte der serbische Schuhmachergeselle Stanko Zoniloric.
Zoniloric besaß sowohl das Vertrauen seiner Mitgefangenen als auch jenes der Wachmannschaften. Dadurch erhielt er gelegentlich Kenntnis von Gesprächen innerhalb der SS. Während seiner Arbeit in Anton Hallers Werkstatt gab er diese Informationen an die Haller Widerstandsbewegung weiter. Damit wurde er zu einem wichtigen Verbindungsmann zwischen den ausländischen Gefangenen und dem lokalen Widerstand.

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Baumgartner-Johann-Hauptmann

Organisation ausländischer Gefangener

Anton Dosch übernahm innerhalb der Haller Widerstandsgruppe die Aufgabe, Kontakte zu den ausländischen Gefangenen aufzubauen und ihre Mitwirkung zu organisieren. Dabei entstanden Gruppen aus tschechischen, polnischen und ukrainischen Kriegsgefangenen beziehungsweise Zwangsarbeitern.
Unter Beteiligung ausländischer Arbeiter aus dem Lager Eichat wurden auch Sabotageaktionen vorbereitet und durchgeführt. Während des Rückzugs der deutschen Wehrmacht aus Italien soll eine eigens gebildete Sabotagegruppe die Reifen von Transportfahrzeugen beschädigt und dadurch deren Einsatz verhindert oder verzögert haben.

Sabotage im Lager Eichat Anfang Mai 1945

Am 2. und 3. Mai 1945 leisteten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem Lager Eichat einen wichtigen Beitrag zur Entmachtung des NS-Regimes in Hall. In diesen letzten Kriegstagen befanden sich noch starke SS-Verbände in der Stadt und ihrer Umgebung.
Zwangsarbeiter, die mit der Haller Widerstandsbewegung in Verbindung standen, entleerten die Benzintanks von SS-Fahrzeugen. Dadurch konnten die im Bereich des Lagers Eichat stationierten SS-Einheiten ihre Fahrzeuge nicht wie vorgesehen einsetzen.
Diese mutige Sabotageaktion schränkte die Bewegungs- und Einsatzfähigkeit der SS erheblich ein. Sie trug dazu bei, mögliche Kampfhandlungen und weitere Gewalt in Hall und im Raum Innsbruck zu verhindern und damit Menschenleben zu schützen.

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Schumacher-Dr. -Viktor

Erinnern statt vergessen – 2. und 3. Mai 2025

Achtzig Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Hall ist dieser Beitrag jenen mutigen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern gewidmet, die in den entscheidenden Tagen Anfang Mai 1945 einen wesentlichen Beitrag zur Befreiung der Stadt leisteten. Mit ihren Kenntnissen, ihrer Entschlossenheit und ihrer Bereitschaft, trotz großer persönlicher Gefahr zu handeln, unterstützten sie die Haller Widerstandsbewegung und trugen dazu bei, weitere Gewalt zu verhindern.
Ihr Einsatz fand über viele Jahrzehnte kaum öffentliche Anerkennung. Umso wichtiger ist es heute, ihre Beteiligung sichtbar zu machen und ihre Leistungen in das historische Gedächtnis der Stadt aufzunehmen. Diese Erinnerung soll ein Zeichen des Respekts und des Dankes sein – für ihren Mut, ihre Entschlossenheit und ihren lange übersehenen Beitrag zur Befreiung Halls vom Nationalsozialismus.

Lesen Sie mehr: 

www.geschichtewiki.wien.gv.at/Zwangsarbeit

Italienische Gefangene in Hall in Tirol: Zwangsarbeit in der Krippgasse 1940

KI-generierte Schwarz-Weiß-Rekonstruktion: Italienische Gefangene verrichten im kalten Herbstregen vor dem Haus Krippgasse 12 Grabungsarbeiten mit Schaufeln und Pickeln. Eine Bewohnerin steht mit heißem Tee am Hauseingang, wird jedoch von einem uniformierten Aufseher zurückgewiesen.
Italienische Gefangene bei Grabungsarbeiten vor dem Haus Krippgasse 12 in Hall in Tirol, Herbst 1940. Einer überlieferten Erinnerung zufolge wollte eine Hausbewohnerin den frierenden Männern heißen Tee reichen, wurde daran jedoch von einem SS-Aufseher gehindert. KI-generierte historische Rekonstruktion nach einer zeitgenössischen Schilderung; die dargestellten Personen sind nicht identifizierbar.

Historischer Kontext

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Gefangene und ausländische Arbeitskräfte im Deutschen Reich zunehmend für körperlich schwere Arbeiten eingesetzt. Dazu gehörten Bau-, Grabungs- und Infrastrukturarbeiten im öffentlichen Raum. Die Betroffenen mussten häufig unter strenger Bewachung, mit unzureichender Kleidung und ohne angemessenen Schutz vor Kälte und Regen arbeiten.
Einer lokalen Erinnerung zufolge führten italienische Gefangene im Herbst 1940 vor dem Haus Krippgasse 12 in Hall in Tirol Grabungsarbeiten durch. Das Wetter war bereits kalt und regnerisch, während die jungen Männer nur unzureichend bekleidet waren. Eine Bewohnerin des Hauses bemerkte, wie sehr sie froren, und wollte ihnen heißen Tee anbieten. Sie wurde jedoch von einem SS-Aufseher schroff zurechtgewiesen und daran gehindert, den Tee auszuschenken.
Der Vorfall verdeutlicht nicht nur die harten Arbeitsbedingungen der Gefangenen. Er zeigt zugleich, wie die nationalsozialistischen Bewacher selbst einfache Gesten des Mitgefühls unterbanden. Die Gefangenen sollten von der einheimischen Bevölkerung abgesondert und menschliche Kontakte möglichst verhindert werden. Hilfe und Anteilnahme konnten deshalb bereits als Verstoß gegen die aufgezwungene gesellschaftliche Trennung betrachtet werden.
Die überlieferte Begebenheit eröffnet einen eindrücklichen Einblick in den lokalen Alltag von Zwang, Kontrolle und Ausgrenzung während der NS-Herrschaft. Da die Schilderung auf einer später festgehaltenen Erinnerung beruht, sollte sie als Zeitzeugenbericht gekennzeichnet werden. Einzelheiten wie die genaue Zugehörigkeit der Bewacher oder der rechtliche Status der italienischen Gefangenen bedürfen, sofern möglich, einer zusätzlichen Überprüfung durch archivalische Quellen.

Städtischer Friedhof Hall in Tirol – Gräber des Schwarzen Kreuzes

Im Folgenden werden die Namen jener Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeiter und politischen Opfer genannt, die auf dem städtischen Friedhof in Hall in Tirol ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Sie stammten aus verschiedenen Ländern Europas und starben während der nationalsozialistischen Herrschaft oder unmittelbar nach Kriegsende.
Über ihre persönlichen Lebenswege ist bis heute nur wenig bekannt. Häufig sind lediglich ihre Namen, ihre Herkunft sowie ihr Geburts- oder Sterbedatum überliefert. Eine umfassende Erforschung ihrer Biografien und der Umstände, unter denen sie verfolgt, zur Arbeit gezwungen oder inhaftiert wurden und schließlich ums Leben kamen, steht vielfach noch aus.
Die namentliche Nennung soll diese Menschen aus der Anonymität holen und ihnen einen sichtbaren Platz in der Erinnerungskultur der Stadt Hall in Tirol geben.
  1. Alois Bosnjak, ZWA (Zwangsarbeiter), Sterbedatum: 11.5.1945, Nationalität: Bulgarien
  2. Alois Sartori, ZWA, Sterbedatum: 10.5. 1945, Nationalität: Italien
  3. Iwan Luppa, ZWA, Sterbedatum:  9.5. 1945, Nationalität: Polen
  4. Franz Kiefer, Pol. Opf. (Politisches Opfer), Sterbedatum: 2.1.1944, Nationalität: Deutschland
  5. Wladistov Dylyniak, ZWA, Sterbedatum: 10.1.1943, Nationalität: Polen
  6. Beleslav Clonk, ZWA, Sterbedatum: 4.12.1943, Nationalität: Polen
  7. Pietro Kuschtsch, ZWA, Sterbedatum: 1.2.1944, Nationalität: Polen
  8. Vital Van Böllinghen, Pol. Opf., Geburtsdatum: 26.2. 1912 , Sterbedatum: 22.11. 1943, Nationalität: Belgien
  9. Jenko Zeboschek, Pol. Opf., Geburtsdatum: 6.4.1909, Sterbedatum: 24.11. 1943, Nationalität: Jugoslawien (Quelle: Arolsen: DocID: 130649000 (Zenko ZEBOSCHEK, Sterbeurkunde Stadtgemeinde Hall in Tirol: 342/43)
  10. Karl Sauschläger, Pol. Opf., Sterbedatum: 3.12.1943, Nationalität: Tschechoslowakei
  11. Jania Semischek, ZWA-Arbeiterin, Sterbedatum: 11.2.1945, Nationalität: Polen
  12. Iwan Zibulka, ZWA, Sterbedatum: 13.2.1945, Nationalität: Polen
  13. Andrä Manet, ZWA, Sterbedatum: 6.6.1944, Nationalität: Polen
  14. Tekla Somilinska, ZWA, Sterbedatum: 6.6. 1944, Nationalität: Polen
  15. Ladislav Czyz, ZWA, Sterbedatum: 1.5.1944, Nationalität: Polen
  16. Stanislaus Cenzorowsky, ZWA, Sterbedatum: 1.5.1944, Nationalität: Polen
  17. Josef Bliem, Pol. Opf., Sterbedatum: 30.4.1944, Nationalität: Österreich
  18. Johann Haninger, Pol. Opf., Sterbedatum: 30.4. 1944, Nationalität: Österreich
  19. Johann Krump, Pol. Opf., Sterbedatum: 7.1.1945, Nationalität: Deutschland
  20. Gerhard Zimpel, Pol. Opf., Sterbedatum: 7.1.1945, Nationalität: Österreich, Reichsbahnarbeiter: 1.11.1939 Eintritt auf eigenen Wunsch ausgeschieden; Arbeitslisten von Zivilarbeitern, die während des Krieges bei der Reichsbahn, Güterabfertigung und Rangierbahnhof Lehrte beschäftigt waren. (Arolsen Sucharchiv)
  21. Nadja Spaska, ZWA-Arbeiterin, Geburtsdatum: 7.10.1925, Sterbedatum: 15.2.1945, Nationalität: Russland
  22. Evangele Bojadsoglu, ZWA, Sterbedatum: 2.9.1944, Nationalität: Türkei
  23. Evstatios Kesapides, ZWA, Sterbedatum: 26.2.1944, Nationalität: Bulgarien
  24. Valentin Barbitsch, ZWA, Sterbedatum: 14.4.1944, Nationalität: Polen
  25. Boleslav Kubiszewsky, ZWA, Sterbedatum: 14.4.1944, Nationalität: Polen
  26. David Caste, ZWA, Geburtsdatum: 26.8. 1911 in Carrara, Sterbedatum: 1.12.1944 (Sterbeurkunde: 476/1944), Nationalität: Italien- Lager Reichenau
  27. Ernesto Cattano, ZWA, Sterbedatum: 22.12.1944, Nationalität: Italien
  28. Guido Adami, ZWA, Sterbedatum: 1.2. 1945, Nationalität: Italien
  29. Giuseppe Jurilli, ZWA, Sterbedatum: 1.2.1945, Nationalität: Italien
  30. Adele Schikanovsky, ZWA-Arbeiterin, Sterbedatum: 26.4.1945, Nationalität: Polen
  31. Gino Pasotto, ZWA, Sterbedatum: 29.9.1944, Nationalität: Italien
  32. Natale Orsini, ZWA, Geburtsdatum: 28.9.1926, Sterbedatum: 15.2.1945, Sterbeurkunde: 107/1945 Solbad Hall-Herzinsuffizienz und Lungentuberkulose, Lager Reichenau, Nationalität: Italien
  33. Paul Moerenhout, Pol. Opf., Sterbedatum: 26.7.1943, Nationalität: Belgien
Abkürzungen:
DÖW - Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands
Pol. Opf. - politische Opfer
StAH- Stadtarchiv Hall in Tirol
ZWA- Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen

Lesen Sie mehr: 

de.wikipedia.org/wiki/Österreichisches_Schwarzes_Kreuz

Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichenau 

Dunkler Gedenkstein am Standort des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichenau in Innsbruck mit einer Inschrift zur Erinnerung an die dort von der Gestapo inhaftierten, gefolterten und getöteten Menschen.
Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichenau in Innsbruck. Er erinnert an die Menschen aus zahlreichen vom NS-Regime besetzten Ländern, die dort zwischen 1941 und 1945 inhaftiert, misshandelt und gefoltert wurden. Viele von ihnen kamen im Lager ums Leben. Foto: Elisabeth Walder, Privatarchiv, Hall in Tirol.

Misshandlung und mutmaßliche Erschießung von Häftlingen im Arbeitserziehungslager Reichenau 1945

Am 25. Juni 1947 sagte Wilhelm Steneck, ehemaliger Verwaltungsobersekretär der Strafanstalt beim Landesgericht Innsbruck, vor dem Landesgericht Innsbruck über die Misshandlung und mutmaßliche Ermordung von Häftlingen aus. Seine Aussage dokumentiert das Schicksal von vier sowjetischen Gefangenen, die im Winter 1944/45 von der Gestapo schwer misshandelt und später in das Arbeitserziehungslager Reichenau überstellt worden waren.
Steneck berichtete:
„Ich erinnere mich noch aus dem Winter 1944/45 an vier Russen, die ebenfalls wiederholt von der Gestapo misshandelt worden sind, und zwar so arg, dass sie nicht mehr am selben Tag in das Gefangenenhaus rücküberstellt werden konnten. Sie sind dann ungefähr einen Monat vor Kriegsende oder vielleicht auch etwas früher nach Reichenau überstellt worden und sollen dort erschossen worden sein.
Tatsächlich wurde nach dem Zusammenbruch von den Amerikanern oberhalb Hall ein Grab geöffnet, in dem ein Toter mit nur einem Auge festgestellt worden ist und der, wie ich den Amerikanern als Zeuge bestätigen musste, einer jener vier Russen gewesen ist, von dem ich eben gesprochen habe.“ […]¹
Die Aussage verbindet Stenecks eigene Wahrnehmungen der schwer misshandelten Gefangenen mit später erhaltenen Informationen über deren mutmaßliche Erschießung. Nach dem Ende der NS-Herrschaft öffneten Angehörige der US-Armee oberhalb von Hall ein Grab. Steneck identifizierte einen der dort gefundenen Toten als einen der vier zuvor von ihm beobachteten sowjetischen Gefangenen. Das Dokument ist damit ein wichtiges Zeugnis für die Verbrechen der Gestapo und die letzten Lebensstationen der Opfer.
¹ Elisabeth Klamper: „NS-Terror. Das Arbeitserziehungslager Reichenau“. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 1, Wien–München 1984, S. 568–594, hier S. 582; Landesgericht Innsbruck, 10 Vr 1745/47; DÖW E 18.618. Siehe auch: Haller Blatt, 1. Juli 2020, S. 51.​

Exhumierung und würdige Bestattung der Ermordeten

Historischer Zeitungsbericht mit zwei Schwarz-Weiß-Aufnahmen von der Exhumierung ermordeter NS-Opfer außerhalb des städtischen Friedhofs in Hall in Tirol im Mai 1945.
Zeitungsbericht über die Exhumierung von acht ermordeten Häftlingen des Arbeitserziehungslagers Reichenau und des von der Gestapo getöteten Robert Moser außerhalb des Haller Friedhofs im Mai 1945. Quelle: Haller Blatt, 1. Juli 2020, S. 51.
Noch Ende April 1945 ermordeten Gestapo-Beamte acht Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Reichenau durch Erhängen. Ihre Leichen wurden anschließend außerhalb des städtischen Friedhofs in Hall in Tirol verscharrt. Dort wurde auch Robert Moser, ein Innsbrucker Radiohändler und Gegner des NS-Regimes, heimlich begraben. Er war zuvor von der Gestapo in Innsbruck zu Tode gefoltert worden.
Nach dem Einmarsch der US-Truppen wurden die Gräber geöffnet und die Leichen der Ermordeten exhumiert. Dr. Viktor Schumacher, Arzt und seit dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft Bürgermeister von Hall in Tirol, setzte sich dafür ein, dass die Opfer geborgen und in würdiger Form auf dem städtischen Friedhof bestattet wurden.¹
Die Exhumierung machte die bis zuletzt begangenen Verbrechen der Gestapo sichtbar. Zugleich bildete die würdevolle Beisetzung einen ersten wichtigen Schritt im lokalen Umgang mit den Opfern des NS-Terrors.
¹ Haller Blatt, 1. Juli 2020, S. 51.

Morde und Misshandlungen im Reichenauer Lager

Abfotografierte Seite des Haller Blatts vom 16. Oktober 2013 mit dem Beitrag „Opfer auch am Haller Friedhof bestattet“, historischen Aufnahmen der Exhumierung und einem Krankenblatt des ehemaligen Reichenau-Häftlings Jan Ziółko.
Zeitungsbericht „Morde und Misshandlungen im Reichenauer Lager: Opfer auch am Haller Friedhof bestattet“. Der Beitrag behandelt die Exhumierung von neun Opfern des NS-Terrors am Nordrand des Haller Friedhofs am 12. Mai 1945. Quelle: Haller Blatt, 16. Oktober 2013, S. 89. Exemplar im Privatarchiv Elisabeth Walder, Hall in Tirol.

Historischer Kontext zum Bericht

Der 2013 im Haller Blatt erschienene Beitrag erinnert an die Verbrechen im von der Gestapo geführten Arbeitserziehungslager Reichenau und an deren unmittelbare Spuren in Hall in Tirol. Noch kurz vor Kriegsende wurden acht Häftlinge des Lagers ermordet. Ihre Leichen ließ die Gestapo außerhalb des Haller Friedhofs verscharren. Dort befand sich auch der Leichnam des Innsbrucker Radiohändlers und Regimegegners Robert Moser, der von der Gestapo zu Tode gefoltert worden war.
Am 12. Mai 1945, wenige Tage nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Tirol, öffneten Angehörige der amerikanischen War Crimes Branch gemeinsam mit Vertretern des italienischen Widerstands die Gräber am Nordrand des Friedhofs. Insgesamt wurden neun Leichen geborgen. Die Exhumierung diente sowohl der Sicherung von Beweisen für die nationalsozialistischen Verbrechen als auch der Identifizierung und würdigen Bestattung der Ermordeten.
Der Zeitungsbericht ist für die lokale Erinnerungskultur von besonderer Bedeutung. Er verbindet historische Fotografien und Dokumente mit den Namen einzelner Opfer und macht sichtbar, dass die Verbrechen des Arbeitserziehungslagers Reichenau auch in Hall unmittelbare Spuren hinterließen. Zugleich erinnert er an die Bemühungen von Dr. Viktor Schumacher, der sich nach der Befreiung für eine würdige Beisetzung der Opfer auf dem Haller Friedhof einsetzte.

Lesen Sie mehr: 

www.gedenkort-reichenau.at

www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/broschuere-gendenkort-lager-reichenau

Inhaltswarnung

Die folgende historische Aufnahme zeigt die Exhumierung eines Opfers nationalsozialistischer Gewalt. Sie enthält die Darstellung eines menschlichen Leichnams und kann als belastend empfunden werden. Die Veröffentlichung erfolgt aus Gründen der historischen Dokumentation und des würdigen Gedenkens an die Ermordeten.
Schwarz-Weiß-Fotografie vom 12. Mai 1945, auf der Männer den Leichnam eines polnischen Opfers nationalsozialistischer Gewalt aus einem Grab bergen; der genaue Aufnahmeort ist nicht gesichert.
Exhumierung eines polnischen Opfers nationalsozialistischer Gewalt am 12. Mai 1945. Nach der amerikanischen Originalbeschreibung handelte es sich um einen im Arbeitserziehungslager Reichenau ermordeten Zwangsarbeiter. Der genaue Aufnahmeort ist in den Katalogangaben nicht eindeutig ausgewiesen; möglicherweise entstand das Foto im Raum Hall in Tirol. Foto: T/5 Jerry Rutberg, 163rd Signal Photo Company, U.S. Army. Kategorie des Archivs: „Holocaust victims, 1938–1945“.

Quellenkommentar

Die Aufnahme wurde laut Katalogeintrag am 12. Mai 1945 von T/5 Jerry Rutberg, einem Fotografen der 163rd Signal Photo Company der US-Armee, angefertigt. Sie ist der Kategorie „Holocaust victims, 1938–1945“ zugeordnet.
Die amerikanische Originalbeschreibung bringt die Aufnahme mit der Exhumierung von Zwangsarbeitern in Verbindung, die im Lager Reichenau durch Erhängen ermordet und anschließend verscharrt worden waren. Als Opfer wird ein polnischer Mann genannt. Der genaue Aufnahmeort geht aus den Katalogangaben jedoch nicht eindeutig hervor. Aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs ist Hall in Tirol als möglicher Aufnahmeort anzunehmen; dies bleibt jedoch eine historisch noch zu überprüfende Zuordnung.
Auch die Bezeichnung „Reichenau Concentration Camp“ in der amerikanischen Originalbeschreibung bedarf einer Präzisierung. Bei der Reichenau handelte es sich um ein von der Gestapo geführtes Arbeitserziehungslager und nicht um ein Konzentrationslager im engeren verwaltungsgeschichtlichen Sinn.
​
Quelle: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol, Fachzirkel „Exekutivgeschichte und Traditionspflege“: Peter Hellensteiner an Elisabeth Walder, E-Mail vom 29. März 2026, betreffend das Massengrab in Hall in Tirol.

Historischer Kontext

Im Arbeitserziehungslager Reichenau bei Innsbruck hielt die Gestapo Menschen unterschiedlicher Herkunft unter äußerst brutalen Bedingungen fest. Zu den Gefangenen gehörten ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, politische Gegner sowie Menschen, denen Verstöße gegen die nationalsozialistische Arbeits- und Zwangsordnung vorgeworfen wurden.
Noch in den letzten Kriegstagen wurden mehrere Gefangene im Lager Reichenau ermordet. Acht Männer wurden Ende April 1945 erhängt. Ihre Leichname brachte man in die Umgebung von Hall in Tirol und verscharrte sie außerhalb des Friedhofs. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen ordnete die Kriegsverbrecherabteilung der 7. US-Armee die Öffnung der Gräber und die Bergung der Toten an. Deutsche Zivilisten mussten die Exhumierungsarbeiten durchführen.
Die Aufnahmen dienten nicht nur der Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen. Sie konnten auch zur Identifizierung der Opfer, zur Sicherung von Beweismitteln und zur Vorbereitung möglicher strafrechtlicher Ermittlungen herangezogen werden. Anschließend sollten die Ermordeten würdig bestattet werden. Die Fotografie dokumentiert damit sowohl ein NS-Verbrechen als auch den unmittelbar nach Kriegsende beginnenden Versuch, die Toten zu bergen und ihnen ihre Würde zurückzugeben.

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Uffenheimer-Dr. -Gottfried

Alfred Grünmandl

Otto_ Grünmandl

Michael und Peter Zwetkoff

Bilanz am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Solbad Hall

Der Verwaltungsbeamte Josef Peer fasste die Folgen des Zweiten Weltkriegs für Hall in Tirol zusammen. Rund 3.000 Männer aus der Stadt wurden zum Kriegsdienst einberufen. Von ihnen fielen oder starben 252, weitere 90 galten bei Kriegsende als vermisst. Insgesamt waren somit 342 Männer gefallen, verstorben oder verschollen. Dies entsprach nach Peers Berechnung etwa acht Prozent der männlichen Bevölkerung Halls.
Auch unter der Zivilbevölkerung forderte der Krieg zahlreiche Opfer. Beim schwersten Luftangriff auf Hall im Februar 1945 kamen 72 Menschen ums Leben. Darüber hinaus wurden 52 Personen aus Hall vom NS-Regime verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Auf dem städtischen Friedhof fanden außerdem 33 ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte.
Eine weitere Opfergruppe bildeten die Patientinnen und Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Hall. Rund 360 Menschen wurden im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen ermordet. An sie erinnern heute Gedenkstätten auf dem städtischen Friedhof und auf dem Gelände des Landeskrankenhauses Hall.
Diese Zahlen vermitteln einen Eindruck vom Ausmaß der militärischen Verluste, der nationalsozialistischen Verfolgung und der Gewaltfolgen des Krieges. Hinter jeder Zahl steht jedoch ein einzelner Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte.
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Karteikarte zur Sterbeurkunde des italienischen Zwangsarbeiters Davide Caste

Historische handschriftlich ausgefüllte Karteikarte zu Davide Caste mit seinem Geburtsdatum und seinem Geburtsort Carrara in Italien sowie dem Vermerk über seinen Tod am 1. Dezember 1944 in Solbad Hall.
Karteikarte zur Sterbeurkunde des italienischen Zwangsarbeiters Davide Caste, geboren am 26. August 1911 in Carrara und gestorben am 1. Dezember 1944 in Solbad Hall. Die Karte verweist auf die Sterbeurkunde Nr. 476/1944 des Standesamtes Solbad Hall in Tirol. Quelle: Archiv des Landeskrankenhauses Hall in Tirol.

Historischer Kommentar zur Quelle

Bei dem abgebildeten Dokument handelt es sich nicht um die eigentliche Sterbeurkunde, sondern um eine Karteikarte, die auf den amtlichen Sterbeeintrag verweist. Sie dokumentiert den Namen Davide Caste, sein Geburtsdatum, seinen Geburtsort Carrara sowie seinen Tod am 1. Dezember 1944 in Solbad Hall. Zusätzlich nennt sie die Sterbeurkunde Nr. 476/1944 des zuständigen Standesamtes.
Als zeitgenössisches Verwaltungsdokument besitzt die Karte einen wichtigen historischen Quellenwert. Sie bestätigt grundlegende biografische Angaben und belegt, dass Davide Castes Tod amtlich registriert wurde. Gleichzeitig verdeutlicht sie die Grenzen bürokratischer Überlieferung: Das Dokument enthält keine Angaben zu seinen Lebens- und Arbeitsbedingungen, seiner Unterbringung im Arbeitserziehungslager Reichenau oder zu den konkreten Umständen seines Todes.
Erst in Verbindung mit weiteren historischen Quellen wird erkennbar, dass sich hinter diesem knappen Verwaltungseintrag das Schicksal eines italienischen Zwangsarbeiters verbirgt. Die Karte trägt dazu bei, Davide Caste aus der Anonymität der Opferzahlen herauszulösen und seinen Namen sowie einen Teil seiner Lebensgeschichte zu bewahren.

Zusammenfassung

Der Beitrag erinnert an die Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeiter und politischen Opfer des Nationalsozialismus in Hall in Tirol und Umgebung. Er dokumentiert ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Verbrechen im Arbeitserziehungslager Reichenau sowie die Gräber jener Menschen, die auf dem städtischen Friedhof in Hall ihre letzte Ruhestätte fanden. Historische Quellen wie Zeugenaussagen, Sterbeunterlagen und Zeitungsberichte geben Einblick in einzelne Schicksale, über die vielfach nur wenige Informationen erhalten geblieben sind.
Zugleich würdigt der Beitrag jene ausländischen Gefangenen und Zwangsarbeiter, die mit der Haller Widerstandsbewegung zusammenarbeiteten. Durch Informationsweitergabe und Sabotageaktionen leisteten sie in den letzten Kriegstagen einen wichtigen Beitrag zur Entmachtung des NS-Regimes und zur Verhinderung weiterer Gewalt. Die Nennung ihrer Namen bewahrt die Opfer und Widerstandskämpfer vor dem Vergessen und gibt ihnen einen sichtbaren Platz in der Erinnerungskultur von Hall in Tirol.
Im Jahr 2025 wurden die Namen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gemeinsam mit den Namen weiterer Verfolgter, Ermordeter und Angehöriger des Widerstands auf einer Glastafel am Erinnerungsort WIDER.STAND dauerhaft festgehalten. Die Gedenktafel am Franz-Reinisch-Platz 1 in Hall in Tirol trägt insgesamt 237 Namen. Sie gibt den Menschen, deren Schicksale lange kaum sichtbar waren, einen öffentlichen und bleibenden Platz im Gedächtnis der Stadt.
Große gläserne Erinnerungstafel in einer rundbogigen Mauernische am Erinnerungsort WIDER.STAND in Hall in Tirol. Die Tafel trägt 237 Namen von Widerstandskämpfenden sowie von Verfolgten und Ermordeten des NS-Regimes.
Erinnerungstafel mit 237 Namen von Menschen, die während des NS-Regimes in Hall in Tirol Widerstand leisteten, verfolgt, verhaftet oder ermordet wurden. Erinnerungsort WIDER.STAND, Franz-Reinisch-Platz 1, Hall in Tirol. Foto (2026): Elisabeth Walder, Digitales Biografisches Archiv des NS-Widerstands in Tirol.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was behandelt dieser Beitrag?

Der Beitrag erinnert an die Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeiter und politischen Opfer, die während der NS-Herrschaft in Hall in Tirol und Umgebung verfolgt wurden oder ums Leben kamen. Im Mittelpunkt stehen ihre Namen, ihre Gräber auf dem städtischen Friedhof und die erhaltenen historischen Quellen.

Wie viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter lebten zwischen 1943 und 1945 in Hall?

Hall hatte damals etwa 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Schätzungsweise 400 bis 500 Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter waren in der Stadt und ihrer Umgebung untergebracht beziehungsweise zur Arbeit eingesetzt.

Was war das Arbeitserziehungslager Reichenau?

Das Arbeitserziehungslager Reichenau in Innsbruck wurde von der Gestapo geführt. Dort wurden Menschen aus zahlreichen vom NS-Regime besetzten Ländern inhaftiert, zur Arbeit gezwungen, misshandelt und teilweise ermordet. Es war formal kein Konzentrationslager, wies jedoch vergleichbare Formen von Terror und unmenschlichen Haftbedingungen auf.

Welche Verbindung bestand zwischen dem Lager Eichat und der Haller Widerstandsbewegung?

Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem Lager Eichat in Absam standen mit Mitgliedern der Haller Widerstandsbewegung in Verbindung. Einige beteiligten sich an Sabotageaktionen gegen Einrichtungen und Fahrzeuge des NS-Regimes.

Welche Rolle spielten Anton Haller und Anton Dosch?

Anton Haller und Anton Dosch bauten Kontakte zu Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern auf. Hallers Werkstatt diente dabei als wichtiger Treffpunkt und Ort des Informationsaustauschs. Anton Dosch war an der Organisation ausländischer Gefangener beteiligt.

Wer war Stanko Zoniloric?

Stanko Zoniloric war ein serbischer Schuhmachergeselle und Kriegsgefangener. Da er das Vertrauen seiner Mitgefangenen und der Wachmannschaften besaß, konnte er Informationen aus Gesprächen innerhalb der SS an die Haller Widerstandsbewegung weitergeben.

Welchen Beitrag leisteten Zwangsarbeiter Anfang Mai 1945?

Mit der Widerstandsbewegung verbundene Zwangsarbeiter entleerten die Benzintanks von SS-Fahrzeugen. Dadurch wurde die Einsatzfähigkeit der betreffenden SS-Einheiten eingeschränkt. Die Aktion trug dazu bei, weitere Gewalt und mögliche Kampfhandlungen in Hall und im Raum Innsbruck zu verhindern.

Wer wurde auf dem städtischen Friedhof in Hall beigesetzt?

Auf dem Friedhof befinden sich Gräber ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie politischer Opfer aus mehreren europäischen Ländern. Nach den bisher ausgewerteten Unterlagen fanden dort 33 ausländische Zwangsarbeitende ihre letzte Ruhestätte.

Was geschah mit den außerhalb des Friedhofs verscharrten NS-Opfern?

Am 12. Mai 1945 wurden die Leichen von acht ermordeten Häftlingen des Arbeitserziehungslagers Reichenau und des von der Gestapo getöteten Robert Moser exhumiert. Dr. Viktor Schumacher setzte sich anschließend für ihre würdige Bestattung auf dem Haller Friedhof ein.

Warum ist die Nennung der Namen so wichtig?

Die Namen machen deutlich, dass hinter den Opferzahlen einzelne Menschen mit einer eigenen Herkunft, Familie und Lebensgeschichte standen. Ihre Nennung bewahrt sie vor dem Vergessen und gibt ihnen einen sichtbaren Platz in der Erinnerungskultur von Hall in Tirol.
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin und Ethnologin

    Archive

    Arolsen Sucharchiv. Online unter: https://arolsen-archives.org/ (Stand: 2.1.2025)

    Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands

    Elisabeth Klamper, NS-Terror. Das Arbeitserziehungslager Reichenau. In: DÖW (Hrsg.), Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (1), Wien-München 1984, S. 568 - 594, hier 582. 
      
    Stadtarchiv Hall in Tirol
    StAH, Karton Miscellania. Akt Einwohnererhebung 20. Juli 1945 von franz. Militärbehörde. Solbad Hall, 1945.


    Digitales biografisches Archiv des NS-Widerstandes in Tirol:  Elisabeth Walder,
    ​Hall in Tirol:

    Fotos Städtischer Friedhof Hall in Tirol.
    ​
    Liste der in Hall ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter-Innen.

    Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol, Fachzirkel „Exekutivgeschichte und Traditionspflege“: Peter Hellensteiner an Elisabeth Walder, E-Mail vom 29. März 2026, betreffend das Massengrab in Hall in Tirol.

    Aktualisiert: August 2026

    December 2024

    Kategorie 
    ​Zeitgeschichte

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