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Die Kongregation der Tertiarschwestern des heiligen Franziskus, deren missionarischer und karitativer Geist auf ihre Gründerin Maria Hueber (1653–1705) zurückgeht, widmete sich seit jeher der Bildung, insbesondere von Mädchen, und der Fürsorge für Bedürftige. Im Jahr 1928 wurde der Provinzsitz für Nord- und Osttirol in Hall in Tirol errichtet, von wo aus die Schwestern ihren Dienst verrichteten. Mit dem „Anschluss“ Österreichs 1938 traf der nationalsozialistische Terror auch diese Gemeinschaft unmittelbar. Im März 1938 wurde den Schwestern über Nacht ihr geliebtes Schulgebäude in Hall entrissen, die Lehrerinnen wurden entlassen und durch regimekonformes Personal ersetzt. Die folgenden Jahre waren geprägt von systematischer Repression: Schwestern wurden aus dem Schuldienst entlassen, zur Arbeit in Rüstungsbetrieben gezwungen, verhaftet und verhört. Trotzdem setzten sie ihren stillen, gewissenhaften Widerstand fort – durch Gebet, die Weitergabe des Glaubens und karitative Hilfe. Der Zweite Weltkrieg, den das NS-Regime entfesselt hatte, holte diese Frauen der Nächstenliebe schließlich auf grausame Weise ein. Als sie ihrem Auftrag folgten, Verwundete zu pflegen oder Schutzsuchenden beizustehen, traf sie der Bombenkrieg an zwei Schicksalstagen. Gedenken an die drei Schwestern, gefallen in Feldkirch am 1. Oktober 1943 Im Jahr 1942 wurden 18 Tertiarschwestern aus Hall für den Dienst im Reservelazarett in Feldkirch angefordert. Während eines alliierten Bombenangriffs auf Feldkirch, bei dem unter anderem auch das Lazarett getroffen wurde und über 200 Menschen starben, fanden drei dieser Schwestern den Tod. Name (Schwesternname) Geburtsname Lebensdaten Alter Schwester Maria Creszentia Alger 1885 – 1943 58 Jahre Schwester Adelheid Hofmann-Norz 1909 – 1943 34 Jahre Schwester Thaddäa Zabernigg 1914 – 1943 29 Jahre Gedenken an die elf Schwestern, gefallen in Solbad Hall am 16. Februar 1945 Der schwerste Bombenangriff auf Hall in Tirol am 16. Februar 1945 forderte 70 Todesopfer. Unter ihnen waren elf Tertiarschwestern, die im „Haus zum Guten Hirten“ Schutz gesucht hatten und dort von den Bomben getroffen wurden. Diese Tragödie beendete das Leben von: Name (Ordensname) Taufname Lebensdaten Schwester Kreszenz Elisabeth Staiger 1866 – 1945 Schwester Margaretha Alacoque Felizitas Glatz 1890 – 1945 Schwester M. Rosa Theresia Mark 1888 – 1945 Schwester Katharina Christina Maier 1879 – 1945 Schwester Elisabeth Berta Zimmer 1878 – 1945 Schwester Alkantara Maria Winkler 1888 – 1945 Schwester Johanna Maria Hofmann 1891 – 1945 Schwester Felizitas Rosina Handler 1887 – 1945 Schwester Margarita Anna Geistberger 1890 – 1945 Schwester Agnes Anna Gmeiner 1890 – 1945 Schwester Cherubina Anna Fuchs 1899 – 1945 Ihr Vermächtnis Diese vierzehn Schwestern stehen stellvertretend für das Schicksal einer ganzen Ordensgemeinschaft, die unter der NS-Diktatur litt. Sie wurden nicht zufällig zu Opfern des Krieges. Ihr Tod war die direkte Folge einer Ideologie, die ihre Lebensaufgabe – Glaube, Bildung und Barmherzigkeit – hasste und systematisch zu vernichten suchte.
Ihr stiller, aufrechter Gang durch die Jahre der Verfolgung und ihr letzter Dienst am Nächsten im Lazarett oder im Schutzraum sind ein bleibendes Zeugnis des Widerstands aus christlicher Überzeugung. Sie starben, weil sie auch im Krieg ihrer Berufung treu blieben. Möge ihr Andenken in Ehren gehalten werden. Ihr Opfer mahnt uns, Freiheit, Glauben und Menschlichkeit gegen jede Form von Unrecht und Gewaltherrschaft zu verteidigen. „Ich baue fest auf Gottes Güte und Barmherzigkeit.“ – Maria Hueber
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