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Frater Maximin (Johann) Gredler. In Archiv der Tiroler Franziskaner Provinz, Hall in Tirol. Ein Franziskanerbruder widersteht der NS-Gewalt Die Geschichte der Klosteraufhebungen unter dem NS-Regime ist eine Geschichte von Enteignung, Vertreibung und Unrecht. Sie ist aber auch eine Geschichte des mutigen Widerstands von Einzelpersonen, die sich ihrem Gewissen verpflichtet fühlten. Eine solche Person war Frater Maximin (Johann Gredler), ein Franziskanerbruder in Hall in Tirol, dessen standhaftes Auftreten bis heute beeindruckt. Wer war Frater Maximin? Frater Maximin, mit bürgerlichem Namen Johann Gredler, wurde am 28. Januar 1871 geboren und starb am 7. Oktober 1950. Er war über 50 Jahre lang Franziskanerbruder im Kloster Hall in Tirol. Nach der gewaltsamen Auflösung des Klosters fand er eine neue Aufgabe als Sakristan in Tux-Lanersbach. Seine Geschichte wurde von seiner Nichte Theresia Rainer überliefert und 1979 dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) übergeben. Die gewaltsame Auflösung des Klosters Am 30. September 1940 wurde das Franziskanerkloster in Hall von den Nationalsozialisten enteignet und die Ordensgemeinschaft vertrieben. Sechs Patres durften zunächst für seelsorgerische Aufgaben zurückbleiben, doch auch sie wurden wenig später verhaftet. Der eigentliche Höhepunkt der Schließung traf Frater Maximin jedoch am 2. Oktober 1940. Während er nach der Messfeier in der Sakristei arbeitete, erschien plötzlich die Geheime Staatspolizei (Gestapo), begleitet vom Haller Bürgermeister, Dipl. Ing. Heinz Bauer. Ein Akt des Widerstands: Die Worte des Frater Maximin Die Gestapo befahl Frater Maximin, sofort alles stehen und liegen zu lassen. Die Kirche würde, wie das Kloster, geschlossen und alles Inventar beschlagnahmt. Erschüttert erfüllte der Bruder die letzte heilige Pflicht: er löschte das Ewige Licht aus. Dann wandte er sich an den anwesenden Bürgermeister und sprach die denkwürdigen Worte, die in der Chronik der Tiroler Franziskanerprovinz festgehalten sind: „So, Herr Bürgermeister, jetzt lassen Sie sich den Raub gut schmecken. Es soll Ihnen aber keinen Segen bringen.“ Auf die faule Ausrede des Bürgermeisters („Ja, ich bin ja nicht schuld“) entgegnete Frater Maximin mit der Klarheit eines reinen Gewissens: „Was, nicht doch. Ich war 50 Jahre in diesem Hause und habe auch Augen gehabt. Und ich habe die 50 Jahre nichts Unrechtes gesehen.“ Selbst die Aufforderung, sein Ordensgewand gegen Zivilkleidung zu tauschen, wies er entschieden zurück: „Ich habe in dem Kleid immer gearbeitet... Jetzt gehe ich. B'hüt Ihnen Gott!“ Mit diesen letzten Worten verließ er seine Heimat von fünf Jahrzehnten. Verhaftung und Haft Sein mutiger Protest blieb nicht ohne Folge. Vom 17. bis 20. Dezember 1940 wurde Frater Maximin in Zell am Ziller inhaftiert und anschließend bis zum 6. Januar 1941 ins Polizeigefängnis nach Innsbruck überstellt. Auch die verbliebenen Patres wurden am 4. November 1940 verhaftet. Drei von ihnen wurden des Gaues Tirol verwiesen, die anderen drei bis zum 21. November im Innsbrucker Gefängnis festgehalten. Ein Vermächtnis des Mutes Frater Maximin Gredler ließ sich weder von der Obrigkeit noch von der brutalen Gestapo einschüchtern. Sein Widerstand bestand nicht in geheimen Aktionen, sondern in der öffentlichen, mutigen Anklage des Unrechts und in der treuen Bewahrung seiner Ordensidentität bis zum letzten Moment. Er steht damit exemplarisch für den stillen, aber standhaften Widerstand vieler gläubiger Menschen während der NS-Diktatur.
Quelle: Informationen von Theresia Rainer, übermittelt an das DÖW (1979), sowie die Chronik der Tiroler Franziskanerprovinz (1946)
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