read more:🇬🇧Pessler-Dr.-jur.-Franz- Blog (EN)-part_2Dr. Franz Pessler, Richard Preßburger und der „Fall Halsmann“ Einleitung Der Fall Philipp Halsmann zählt zu den umstrittensten Strafverfahren der Ersten Republik. Nachdem sein Vater Morduch Halsmann am 10. September 1928 während einer Bergtour am Schwarzenstein in den Zillertaler Alpen tödlich abgestürzt war, geriet der damals 22-jährige Philipp Halsmann unter Mordverdacht. Obwohl das Verfahren weitgehend auf Indizien beruhte, wurde er in zwei Prozessen schuldig gesprochen. Antisemitische Ressentiments, eine aggressive Presseberichterstattung und widersprüchliche medizinische Gutachten überschatteten das Verfahren. Im ersten Prozess von 1928 wurde Halsmann von dem renommierten Wiener Strafverteidiger Richard Preßburger vertreten. Die gegen das Urteil erhobene Nichtigkeitsbeschwerde hatte Erfolg: Der Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung im März 1929 auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Im zweiten Prozess übernahmen die Innsbrucker Rechtsanwälte Franz Pessler und Paul Mahler die Verteidigung. Dennoch wurde Halsmann erneut verurteilt, diesmal zu vier Jahren schweren Kerkers. Ende September 1930 wurde er von Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt und musste Österreich verlassen. Franz Pessler setzte sich auch nach dem Prozess für eine kritische Aufarbeitung des Falles ein. In der 1931 von der Österreichischen Liga für Menschenrechte herausgegebenen Schrift Der Fall Halsmann veröffentlichte er unter dem Titel „Ein Bild des Prozesses“ eine ausführliche Analyse des Verfahrens. Der vorliegende Beitrag klärt zugleich eine spätere Namensverwechslung. Richard Preßburger war Verteidiger im ersten Prozess, Franz Pessler im zweiten. Die ähnlich klingenden Namen Pessler, Pressler und Preßburger wurden in Erinnerungsberichten teilweise miteinander vermengt. Dies betrifft auch die Aufzeichnungen des Dachau-Häftlings Dr. Ernst Verdross, der Pessler als den Rechtsanwalt aus dem sogenannten „Vatermörder-Fall“ in Erinnerung behielt. Lesen Sie mehr:www.geschichtewiki.wien.gv.at/NS-ZeitJustizpalast in Innsbruck (1928)Der Justizpalast in Innsbruck, Schauplatz der beiden Prozesse gegen Philipp Halsmann 1928 und 1929. KI-generierte Darstellung nach einer historischen Ansicht; kein historisches Originalfoto. Historische Einordnung Der Fall Philipp Halsmann zeigt, wie stark Strafverfahren durch gesellschaftliche Vorurteile, öffentliche Vorverurteilung und eine politisch aufgeheizte Atmosphäre beeinflusst werden können. Die weitgehend auf Indizien gestützte Anklage, die umstrittenen medizinischen Gutachten und die antisemitische Berichterstattung warfen bereits unter Zeitgenossen grundlegende Fragen nach der Fairness des Verfahrens auf. Richard Preßburger und Franz Pessler übernahmen in den beiden Prozessen unterschiedliche, aber gleichermaßen bedeutende Aufgaben. Preßburger führte die Verteidigung im ersten Verfahren und bekämpfte das Urteil erfolgreich vor dem Obersten Gerichtshof. Pessler verteidigte Halsmann gemeinsam mit Paul Mahler in der Neuverhandlung und legte später eine ausführliche kritische Analyse des Prozesses vor. Pesslers weiteres Schicksal verleiht dem Fall eine zusätzliche historische Dimension. Wenige Jahre nach seinem Einsatz für einen jüdischen Angeklagten wurde er selbst vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Seine Biografie verbindet damit die Geschichte eines umstrittenen Justizverfahrens der Ersten Republik mit der Entrechtung und Verfolgung österreichischer Juristen nach dem „Anschluss“ von 1938. Lesen Sie mehr:www.meinbezirk.at/tirol/c-lokales/der-fall-philipp-halsmann-teil-2-der-zweite-prozess_a7188617Die Namensverwechslung in den Dachauer Erinnerungen Eine wichtige Verbindung zwischen dem Halsmann-Prozess und der späteren nationalsozialistischen Verfolgung Franz Pesslers findet sich in den Erinnerungen des Haller Juristen Dr. Ernst Verdross. Verdross war 1938 gemeinsam mit Pessler im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und erinnerte sich an einen Rechtsanwalt „Pressler“, der unter den österreichischen Häftlingen wegen des sogenannten „Vatermörder-Falles“ bekannt gewesen sei. Diese Namensangabe lässt sich heute präzisieren. Der Wiener Strafverteidiger Richard Preßburger, der Philipp Halsmann im ersten Prozess vertreten hatte, starb bereits am 28. Januar 1938 und konnte daher nicht im Konzentrationslager Dachau inhaftiert gewesen sein. Gemeint war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Innsbrucker Rechtsanwalt Franz Pessler. Er hatte Halsmann gemeinsam mit Paul Mahler im zweiten Prozess verteidigt und wurde am 31. Mai 1938 unter der Häftlingsnummer 14383 nach Dachau deportiert. Die Verwechslung dürfte auf den ähnlich klingenden Namen Pessler, Pressler und Preßburger beruhen. Zugleich zeigt Verdross’ Erinnerung, wie eng der aufsehenerregende Halsmann-Prozess noch Jahre später mit Franz Pesslers Person verbunden war. Lesen Sie mehr:www.kz-gedenkstaette-dachau.dede.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Miklaswww.welt.de/print-welt/article407970/Der-Jude-wird-verbrannt.htmloe1.orf.at/programm/20170805/483862/Der-raetselhafte-Absturz-des-Morduch-Max-Halsmann-und-der-Prozess-gegen-seinen-Sohn-Philipp-Halsmanndavid.juden.at/buchbesprechungen/50-54/Main%20frame_Buch54_Anklage.htmwww.spiegel.de/kultur/der-fall-halsmann-a-dff88c3b-0002-0001-0000-000025499013Dr. Richard Preßburger/Pressburger (1862–1938)Dr. Richard Pressburger wurde am 16. Februar 1862 in Wien geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien promovierte er 1886 zum Doktor der Rechte und war ab 1893 als Hof- und Gerichtsadvokat in Wien tätig. Er zählte zu den bekanntesten Strafverteidigern der späten Habsburgermonarchie und der Ersten Republik Österreich. Durch seine rhetorische Begabung und seine juristische Präzision erlangte er große Bekanntheit und erreichte in zahlreichen aufsehenerregenden Strafverfahren bemerkenswerte Freisprüche. Zu seinen bedeutendsten Fällen gehörten unter anderem der Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Kriegsminister Moritz von Auffenberg, der Prozess gegen den Mörder Philipp Halsmann sowie mehrere politisch motivierte Verfahren. Neben seiner Tätigkeit als Strafverteidiger führte Pressburger eine angesehene zivilrechtliche Kanzlei. Er setzte sich engagiert für rechtsstaatliche Reformen ein und trat als entschiedener Gegner der Todesstrafe hervor. Als Mitglied des Internationalen Anwaltsverbandes hielt er 1932 einen vielbeachteten Vortrag zur Abschaffung der Todesstrafe. Richard Pressburger veröffentlichte mehrere juristische und zeitgeschichtliche Arbeiten und genoss hohes Ansehen innerhalb der österreichischen Anwaltschaft. Er verstarb am 28. Januar 1938 in Wien. Sein Wirken machte ihn zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Strafverteidigung des frühen 20. Jahrhunderts. Lesen Sie mehr:www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pressburger_Richard_1862_1938.xmlde.wikipedia.org/wiki/Richard_Preßburger/richard-pressburger-halsman-prozess-1928Dr. Ernst Verdross und das „KZ-Dachau-Protokoll“Foto: Dr. Ernst Verdross. In historisches Archiv Fotoatelier Stockhammer Hall in Tirol. Besonders bemerkenswert bleibt die Rolle von Dr. Ernst Verdross selbst. Der Haller Magistratsdirektor und Jurist wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert, wo er die Häftlingsnummer 14354 erhielt.[4] Unmittelbar nach Kriegsende verfasste Verdross seine Lebenserinnerungen und das sogenannte „KZ-Dachau-Protokoll“, eine eindringliche Abrechnung mit den Zuständen im Konzentrationslager. Seine Aufzeichnungen enthalten detaillierte Schilderungen der Gewalt durch SA und SS, der Entrechtung politischer Gegner sowie der psychischen und physischen Zerstörung der Häftlinge. Die Publikation KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354 von Elisabeth Walder stellt deshalb einen wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur sowie zur Erforschung des Tiroler Widerstandes gegen den Nationalsozialismus dar.[5] Fußnoten [1] DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien/München 1984, S. 392. [2] Ernst Verdross: KZ-Dachau Lebenserinnerungen, unpubliziertes Manuskript, Privatarchiv Dr. Markus Illmer, Innsbruck. [3] Elisabeth Walder: KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354, Innsbruck 2025. [4] „Dr. Ernst Verdross Edler von Drossberg – Ein Leben für Recht und Gerechtigkeit“, NS-Widerstand Hall in Tirol. [5] „Das mahnende Vermächtnis des Häftlings Nr. 14354“, Stadtzeitung Hall in Tirol, Nr. 35, 9. Oktober 2025. Lesen Sie mehr:Buchpräsentation _KZ-Dachaudr-ernst-verdross-widerstand-kz-dachauDr. _Manfred _MumelterFriedrich CorazzaDr. Franz Pessler – Verteidiger im zweiten Halsman-Prozess Dr. Franz Pessler war Rechtsanwalt in Innsbruck und eine der zentralen Figuren im zweiten Verfahren gegen Philippe Halsman. Nachdem Richard Preßburger im ersten Prozess die Nichtigkeitsbeschwerde erfolgreich durchgesetzt hatte und das Urteil vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden war, übernahm Pessler gemeinsam mit seinem Kollegen Paul Mahler die Verteidigung in der Neuverhandlung. Es war also Pessler, der Halsman in jenem Verfahren vor dem Innsbrucker Schwurgericht verteidigte, das heute als „Vatermordprozess" in die österreichische Justizgeschichte eingegangen ist. Dieser Umstand erklärt, weshalb Pessler unter österreichischen Mithäftlingen im Konzentrationslager Dachau als der Anwalt des „Vatermörder-Falles" bekannt war. Nach dem „Anschluss" Österreichs wurde er am 31. Mai 1938 gemeinsam mit seinem Freund Dr. Ernst Verdross nach Dachau deportiert. Die Erinnerungen Verdross' belegen, dass der Halsman-Prozess auch Jahre später noch fest mit Pesslers Namen verbunden war. Die gelegentliche Verwechslung der Namen Pessler, Pressler und Preßburger in späteren Quellen ist vor diesem Hintergrund erklärbar: Preßburger führte den ersten, öffentlichkeitswirksamen Prozess – Pessler den zweiten. Beide hinterließen im kollektiven Gedächtnis ihre Spuren, doch die Ähnlichkeit der Namen ließ die Rollen im Laufe der Jahrzehnte verschwimmen. Lesen Sie mehr:/franz-pessler-rechtsanwalt-kz-dachauPreßburger-Dr. jur.-RichardZusammenfassung Der Fall Philipp Halsmann zählt zu den bekanntesten und umstrittensten Strafverfahren der Ersten Republik. Halsmann wurde 1928 beschuldigt, seinen Vater während einer Bergtour im Zillertal getötet zu haben. Trotz einer weitgehend auf Indizien beruhenden Beweisführung und erheblicher Zweifel an den medizinischen Gutachten wurde er in zwei Verfahren schuldig gesprochen. Antisemitische Ressentiments und eine intensive mediale Vorverurteilung prägten die öffentliche Wahrnehmung des Falles. Richard Preßburger führte die Verteidigung im ersten Prozess. Nach der erfolgreichen Nichtigkeitsbeschwerde hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf. Im zweiten Verfahren wurde Halsmann von Franz Pessler und Paul Mahler vertreten. Pessler veröffentlichte 1931 mit „Ein Bild des Prozesses“ eine ausführliche kritische Darstellung des Verfahrens. Spätere Erinnerungen vermengten mitunter die Namen Pessler, Pressler und Preßburger. Die Quellen ermöglichen jedoch eine klare Zuordnung: Preßburger war Verteidiger im ersten Prozess, Pessler im zweiten. Pessler wurde 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, überlebte die nationalsozialistische Verfolgung, konnte danach jedoch nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten. Der Fall bleibt ein eindringliches Beispiel dafür, wie Antisemitismus, öffentlicher Druck und problematische Sachverständigengutachten rechtsstaatliche Verfahren gefährden können. Das weitere Leben Franz Pesslers nach der NS-VerfolgungFranz Pessler überlebte die nationalsozialistische Verfolgung und die Haft im Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Freilassung konnte er jedoch nicht mehr an seine frühere berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt in Innsbruck anknüpfen. Gemeinsam mit seiner Frau lebte er später in Eggenburg in Niederösterreich. Dort arbeitete er in der von seiner Frau geführten Gärtnerei mit. Dass sich Pessler auch nach 1945 mit seiner eigenen politischen und beruflichen Vergangenheit auseinandersetzte, zeigt ein von ihm verfasster Beitrag in der Zeitschrift Der Freiheitskämpfer aus dem Jahr 1949. Darin blickte er auf seine Tätigkeit in Innsbruck und auf die Ereignisse nach dem nationalsozialistischen Juliputsch vom 25. Juli 1934 zurück. Als Verfasser wurde er bereits mit dem Ortszusatz „Eggenburg“ genannt. Die Veröffentlichung belegt somit, dass Pessler nach dem Ende des Nationalsozialismus in Eggenburg lebte und weiterhin am öffentlichen Erinnerungsdiskurs über Widerstand und Verfolgung beteiligt war. Seine früheren Erfahrungen als Jurist blieben für sein Leben dennoch prägend. Pessler hatte Philipp Halsmann in einem der umstrittensten Strafverfahren der Ersten Republik verteidigt, war 1934 als Pflichtverteidiger Friedrich Wurnigs vor einem beschleunigten Militärgericht aufgetreten und wurde nach dem „Anschluss“ selbst zum Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes. In Dachau bewahrte er offenbar seine juristische Kompetenz und seine Hilfsbereitschaft. Dr. Ernst Verdross erinnerte sich daran, dass Pessler Mithäftlingen half und sogar von Angehörigen der SS in rechtlichen Fragen um Rat gebeten wurde. Nach dem Krieg war ihm eine Rückkehr in den erlernten Beruf offenbar nicht mehr möglich. Die Mitarbeit in der Gärtnerei seiner Frau bedeutete daher einen tiefgreifenden biografischen Bruch: Aus dem angesehenen Innsbrucker Rechtsanwalt, der an bedeutenden politischen und strafrechtlichen Verfahren beteiligt gewesen war, wurde ein ehemaliger KZ-Häftling, der sich außerhalb seines ursprünglichen Berufsfeldes eine neue Lebensgrundlage schaffen musste. Franz Pessler starb 1979. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Stadtfriedhof von Eggenburg. Das bis heute gepflegte Grab erinnert an einen Juristen, dessen Lebensweg von den politischen Umbrüchen Österreichs im 20. Jahrhundert geprägt wurde. Seine Biografie verbindet die Justizgeschichte der Ersten Republik und des autoritären Ständestaates mit der nationalsozialistischen Verfolgung sowie den schwierigen persönlichen Folgen, die diese Erfahrungen weit über das Jahr 1945 hinaus hatten. Das Grab von Dr. Franz Pessler in EggenburgGrabmal von Dr. Franz Pessler (1893–1979) auf dem Stadtfriedhof in Eggenburg. Foto: Dr. Jaan Karl Klasmann; übermittelt per E-Mail an Elisabeth Walder am 28. Juli 2026. Häufig gestellte Fragen (FAQ)Wer war Philipp Halsmann? Philipp Halsmann war ein 1906 in Riga geborener jüdischer Student. Im Jahr 1928 wurde er in Tirol beschuldigt, seinen Vater während einer Bergtour getötet zu haben. Nach seiner Ausreise aus Österreich wurde er unter dem Namen Philippe Halsman ein international bedeutender Porträtfotograf. Was geschah mit Morduch Halsmann? Morduch Halsmann kam am 10. September 1928 während einer Bergtour am Schwarzenstein in den Zillertaler Alpen ums Leben. Sein Sohn erklärte, sein Vater sei abgestürzt. Die Behörden gingen hingegen von einem Tötungsdelikt aus und beschuldigten Philipp Halsmann. Warum gilt der Halsmann-Prozess als umstritten? Das Verfahren beruhte weitgehend auf Indizien. Medizinische Gutachten und wesentliche Teile der Beweisführung wurden von Juristen und Wissenschaftlern kritisiert. Zudem war die öffentliche Atmosphäre von antisemitischen Vorurteilen und einer starken medialen Vorverurteilung geprägt. Welche Rolle spielte Richard Preßburger? Richard Preßburger war der führende Verteidiger Philipp Halsmanns im ersten Prozess von 1928. Nach der Verurteilung brachte er eine Nichtigkeitsbeschwerde ein, aufgrund derer der Oberste Gerichtshof das Urteil aufhob und eine Neuverhandlung anordnete. Welche Rolle spielte Franz Pessler?Franz Pessler übernahm gemeinsam mit Richard Mahler die Verteidigung im zweiten Prozess von 1929. Später veröffentlichte er eine ausführliche kritische Darstellung des Verfahrens unter dem Titel „Ein Bild des Prozesses“. War Franz Pessler nur möglicherweise am Halsmann-Prozess beteiligt?Nein. Seine Mitwirkung im zweiten Verfahren ist dokumentiert. Ungewissheiten bestehen vor allem aufgrund späterer Verwechslungen zwischen den Namen Peßler, Pressler und Preßburger. Warum wurden Pessler und Preßburger später verwechselt?Die Namen Peßler, Pressler und Preßburger klingen ähnlich und wurden in Erinnerungsberichten sowie späteren Darstellungen teilweise miteinander vermengt. Tatsächlich verteidigte Preßburger Halsmann im ersten Prozess, während Peßler im zweiten Prozess als Verteidiger tätig war. Wurde Philipp Halsmann zweimal verurteilt? Ja. Er wurde im Dezember 1928 zunächst zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Nachdem der Oberste Gerichtshof dieses Urteil aufgehoben hatte, wurde er im zweiten Prozess erneut schuldig gesprochen, nunmehr zu vier Jahren schweren Kerkers. Wurde Philipp Halsmann rehabilitiert? Halsmann wurde 1930 von Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt und anschließend aus Österreich ausgewiesen. Eine Begnadigung bedeutet jedoch keine gerichtliche Aufhebung des Schuldspruchs und damit keine förmliche Rehabilitierung. Was geschah später mit Franz Pessler?Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Franz Pessler am 31. Mai 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort war er unter der Häftlingsnummer 14383 inhaftiert. Warum ist der Fall bis heute historisch bedeutsam? Der Fall zeigt, wie Antisemitismus, öffentliche Vorverurteilung und umstrittene Sachverständigengutachten ein Gerichtsverfahren beeinflussen können. Er wirft grundlegende Fragen nach der Unschuldsvermutung, einem fairen Verfahren und der Verantwortung der Justiz auf.
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