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Foto FR Pater Otto Matthys. In: Archiv der Tiroler Franziskaner Provinz in Hall in Tirol. Pater Otto Matthys OFM (1877 – 1944): Ein Leben im Dienst – Geprüft durch Haft und Vertreibung In der Geschichte des Franziskanerklosters in Hall hat Pater Otto Matthys sein Leben ganz in den Dienst an Gott und die Menschen gestellt. Der gebürtige Haller war nicht nur ein glühender Glaubensverkünder und ein begnadeter Krippenbauer, sondern wurde auch ein Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Kindheit und Herkunft Otto Matthys erblickte am 28. Mai 1877 in Hall in Tirol das Licht der Welt. Seine Eltern waren der Fabriksarbeiter Jakob Matthys und Maria Matthys, geborene Tusch. Die Familie hatte enge Verbindungen nach Absam, wo sein Vater arbeitete und dessen Grabstein einst an der nördlichen Kirchenmauer zu finden war. Diese einfachen, frommen Wurzeln prägten ihn zeitlebens. Der Weg ins Ordensleben und sein Wirken Der junge Otto trat den Franziskanern bei und wurde am 14. September 1894 im Kloster Pupping eingekleidet. Seine Ausbildung führte ihn nach Salzburg, wo er seine feierliche Profess am 22. Oktober 1899 ablegte und am 15. Juli 1900 zum Priester geweiht wurde. Sein Ordensleben war geprägt von großer Mobilität und einer erstaunlichen Bandbreite an Aufgaben. Er wirkte als Seelsorger, Redakteur, Lehrer und mehrmals als Guardian, unter anderem von 1920 bis 1926 im Franziskanerkloster Innsbruck und von 1937 bis 1940 als Krankenpater und Beichtvater im Franziskaner-Kloster in Solbad Hall, seiner Heimatstadt. Verfolgung, Inhaftierung und Vertreibung Die friedliche Arbeit der Haller Franziskaner fand ein jähes Ende mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Im Zuge der systematischen Unterdrückung kirchlichen Lebens wurde das Franziskanerkloster in Hall am 4. November 1940 gewaltsam aufgehoben. Pater Otto Matthys, der dort als sought-after Beichtvater und Seelsorger wirkte, wurde nicht verschont. Unmittelbar mit der Schließung des Klosters wurde er verhaftet und vom 4. November bis zum 8. November 1940 im Amtsgefängnis in Solbad Hall inhaftiert. Diese vier Tage hinter Gefängnismauern waren die brutale Antwort eines Unrechtsregimes auf seinen unerschütterlichen Glauben und sein Wirken. Nach seiner Entlassung aus der Haft war er heimatlos. Wie viele seiner Mitbrüder wurde er vertrieben und in ein anderes Kloster zwangsversetzt. Seine neue, letzte Wirkungsstätte wurde das Stift Baumgartenberg in Oberösterreich. Das letzte WirkenTrotz der traumatischen Erlebnisse von Verhaftung und Vertreibung blieb Pater Otto bis zuletzt aktiv. In Baumgartenberg entfaltete er noch einmal seine künstlerische Ader, die ihm Trost und Ausdruck zugleich gewesen sein mag. Wie sein Sterbebildchen vermerkte, war Pater Otto ein „geschickter Krippenbauer“. Diese Leidenschaft passte perfekt zum franziskanischen Geist, gilt doch der Heilige Franziskus selbst als Begründer der Weihnachtskrippen-Tradition. Sein künstlerisches Schaffen wurde gewürdigt, unter anderem in einem Nachruf in der Fachzeitschrift „Der Krippenfreund“ (Nr. 100, März 1946). Tod und Vermächtnis Die Haft und die erlittene Demütigung mögen seine Gesundheit angegriffen haben. Pater Otto Matthys starb nur wenige Jahre später, am 3. April 1944, im Spital der Elisabethinen in Linz. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof von Baumgartenberg. Pater Otto Matthys' Leben ist ein Zeugnis von zwei Seiten: Es steht für die hingebungsvolle Arbeit eines Seelsorgers und Künstlers, aber auch für das Leid, das gläubige Menschen unter der NS-Diktatur erfuhren. Sein Schicksal erinnert an die mutigen Ordensleute, die für ihren Glauben verfolgt und eingekerkert wurden. Sein Andenken bleibt in seiner Heimat Hall und überall dort lebendig, wo man sich an den Widerstand des Glaubens gegen die Tyrannei erinnert. Requiescat in pace. St. Franziskus als „Begründer“ der Weihnachtskrippe Die Tradition der Weihnachtskrippe geht auf den heiligen Franz von Assisi zurück. Historisch belegt ist seine lebendige Darstellung der Christgeburt im Jahr 1223 im italienischen Greccio.
Um die Weihnachtsgeschichte für die Gläubigen eindrücklich erlebbar zu machen, inszenierte er in einer Höhle mit lebenden Tieren (Ochs und Esel), einer Krippe und Stroh die erste bekannte Krippennachstellung. Diese neuartige Form der Evangelisation verbreitete sich rasch und wurde zu einem zentralen Bestandteil unserer Weihnachtstradition.
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