Lesen Sie mehr:Verfolgte Franziskaner in Hall in Tirolread more:FR Father Florian Dr. (Franz) SchachlBold Franciscan FriarFoto Pater Florian Dr. Franz Schachl. In: Archiv der Tiroler Franziskaner Provinz in Hall in Tirol. Pater Florian Dr. Franz Schachl (1901–1985): Ein Leben zwischen Glaube, Wissenschaft und Widerstand In der Geschichte des Franziskanerordens und Tirols finden sich Persönlichkeiten, deren Leben wie ein Spiegel der bewegten Zeit des 20. Jahrhunderts wirken. Eine solche Figur ist Pater Florian Dr. Franz Schachl – ein Mann, der in einer Person Ordenspriester, promovierter Physiker, engagierter Pädagoge und mutiger Gegner des NS-Regimes war. Sein Lebensweg zeigt eindrücklich, wie tiefe Frömmigkeit und die Leidenschaft für die Wissenschaft keine Widersprüche sein müssen, sondern sich vielmehr gegenseitig bereichern können. Vom Ennser Sohn zum Franziskaner und Wissenschaftler Geboren am 16. November 1901 in Enns (Oberösterreich), fand Franz Schachl seine geistliche Heimat schon in jungen Jahren beim Franziskanerorden. Seine Einkleidung 1919 im oberösterreichischen Pupping markierte den Beginn eines Lebens im Dienste des Glaubens. Nach seiner Priesterweihe 1926 in Linz folgte ein Schritt, der für einen Ordensmann seiner Zeit alles andere als alltäglich war: ein Studium der Mathematik und Physik. An der Universität Innsbruck promovierte er 1933 zum Doktor der Philosophie mit einer bahnbrechenden Arbeit im Bereich der Atmosphärenphysik. Seine Dissertation mit dem Titel "Untersuchung über die Zahl der geladenen und ungeladenen Kondensationskerne in Stadt- und Gebirgsluft" verfasste er ausgerechnet bei Victor F. Hess, dem Entdecker der Kosmischen Strahlung und späteren Nobelpreisträger. Diese Verbindung unterstreicht das hohe wissenschaftliche Niveau, auf dem sich Pater Florian bewegte. Der mutige Präses: Verfolgung und Inhaftierung Ab 1933 wirkte Pater Florian als Gymnasialprofessor und Präses der Studentenkongregation in Hall in Tirol. In dieser Rolle wurde er zu einer zentralen geistlichen und intellektuellen Bezugsperson für die Jugend – eine Tätigkeit, die den neuen nationalsozialistischen Machthabern nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 ein Dorn im Auge war. Sein ungebrochener Einsatz für den Glauben und die Jugend führte zur Verhaftung durch das NS-Regime. Vom 4. bis 11. November 1940 wurde er im Gefängnis in Hall inhaftiert und anschließend für weitere zehn Tage ins Polizeigefängnis Innsbruck verlegt. Das Urteil: die Ausweisung aus dem Gau Tirol-Vorarlberg. Die Jahre von 1941 bis 1945 verbrachte er im Exil als Kooperator in Unterweißenbach in Oberösterreich, weit entfernt von seiner tirolischen Heimat und seiner community. Foto Leopoldinum Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol. Neuanfang und Führungsverantwortung Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Pater Florian 1945 nach Hall zurück und wirkte am Leopoldinum. Seine Weisheit, seine Führungsstärke und sein integres Wesen wurden auch innerhalb seines Ordens hochgeschätzt. Von 1956 bis 1965 bekleidete er das höchste Amt der österreichischen Franziskanerprovinz – er wurde zum Provinzialminister (min. prov.) gewählt. In dieser Zeit visitierte er als Generalvisitator auch die Provinzen in Wien und Sachsen und war ab 1966 Konsistorialrat von Salzburg. Seine Arbeit war stets geprägt von der franziskanischen Tradition der Bescheidenheit, der Fürsorge und des Dialogs. Der Pädagoge: Eine lebenslange Berufung Trotz aller administrativen und leitenden Aufgaben blieb Pater Florian im Herzen immer Lehrer. Auch nach seiner Zeit als Provinzial kehrte er nach Hall zurück und unterrichtete bis 1976 als Professor und später Oberstudienrat am Gymnasium. Bis ins hohe Alter war er als Diskretus (Ratsmitglied) und als Novizenmeister (conf. nov. cler.) in Telfs eine prägende Mentor Figur für den jungen Ordensnachwuchs. Ein Vermächtnis des Glaubens und der Aufklärung Pater Florian Dr. Franz Schachl starb am 21. August 1985 in Hall in Tirol. Sein Leben steht für eine seltene Synthese:
Requiescat in pace.
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