Ein Leben geprägt von Überzeugung und Opfergang Dr. Paskal Plaseller, am 21. November 1909 als Fritz Plaseller in Hall in Tirol geboren, führte ein Leben, das tief von seinen grundfesten Überzeugungen geprägt war. Diese führten ihn vom Klassenzimmer in den Widerstand und schließlich in den Franziskanerorden. Seine Geschichte ist eine von akademischem Streben, mutigem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und einer geistlichen Berufung, die im Schmelztiegel der Verfolgung geschmiedet wurde. Foto in: Helmut Wopfner: Dr. phil. Plaseller OFM P. Paskal (Fritz) In: Helmut Wopfner (Hrsg.): Unsere Sternkorona Hall in Tirol. Mitgliederverzeichnis 1888 – 1998, Thaur 1998, S. 125. Frühe Jahre und die Keimzelle des Widerstands Plasellers prägende Jahre verbrachte er am Franziskanergymnasium in Hall, wo er 1925 auch der Mittelschulverbindung „Sternkorona“ beitrat – ein frühes Zeichen seiner Verbundenheit mit Gemeinschaft und Idealen. Er folgte seinen akademischen Neigungen, studierte Geschichte und Geografie an der Universität Innsbruck und promovierte dort mit einer Arbeit über „Die Tirolische Innschifffahrt“ zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.). Nach bestandener Lehramtsprüfung trat er seinen Beruf als Lehrer in Innsbruck und Kufstein an. Sein Leben sollte sich jedoch nach dem „Anschluss“ 1938 unwiderruflich ändern. Wegen seiner Führungsrolle in den „Ostmärkischen Sturmscharen“ – einer katholisch-konservativen, dem NS-Regime feindlich gesinnten Organisation – wurde er sofort aus dem Schuldienst entlassen. Verfolgung, Haft und eine geistliche Wandlung Die Verfolgung durch das NS-Regime begann umgehend. Am 5. Juni 1938 wurde er von der Gestapo in Kufstein verhaftet und anschließend in das Landesgerichtsgefängnis Innsbruck überstellt. Diese schreckliche Hafterfahrung hinterließ tiefe seelische Narben und wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Das Trauma veranlasste ihn zu einer tiefgreifenden persönlichen Opfergabe: Er löste seine Verlobung und wandte sich von seiner geplanten Zukunft ab, um einer höheren Berufung zu folgen. Am 24. August 1938 wurde er als Novize bei den Franziskanern in Telfs aufgenommen und erhielt den Ordensnamen „Paskal“. Krieg, Priesterweihe und die Rückkehr zu den Wurzeln Sein Weg zum Priesteramt wurde vom Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Zur Wehrmacht eingezogen, verbrachte er fünf lange Jahre an der Front und erduldete die Schrecken des Krieges. Nach seiner glücklichen Heimkehr vollendete er schließlich sein Theologiestudium, empfing die Priesterweihe und kehrte an den Ausgangspunkt seiner Reise zurück: an das Franziskanergymnasium in Hall. Dort wirkte er als Gymnasialprofessor und widmete sein Leben der Bildung junger Menschen, so wie er es ursprünglich vorhatte, bevor die Dunkelheit des Nationalsozialismus dazwischengetreten war. In Anerkennung seiner Haltung und seines Lebensweges wurde er 1954 zum Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung „Austria“ ernannt.
Pater Paskal Plaseller verstarb im Jahr 1974. Sein Vermächtnis ist eines der Standhaftigkeit. Sein Leben zeugt eindrücklich von der Kraft des Glaubens und der Prinzipientreue im Angesicht übermächtiger Tyrannei – eine Geschichte, die von Hörsälen über Gestapozellen und Schlachtfelder führt, um schließlich am Altar und am Lehrerpult ihren Frieden zu finden.
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