Lesen Sie mehr:Dr._Franz_Pessler Richard Preßburger (1861-1938) – Staranwalt der Ersten Republik Richard Preßburger zählt zu den markantesten Juristenpersönlichkeiten der österreichischen Zwischenkriegszeit. Als Strafverteidiger erwarb er sich in Jahrzehnten den Ruf eines außergewöhnlich versierten Anwalts – und wurde nicht zuletzt durch seine Rolle im Halsman-Prozess zu einer Figur, die weit über Fachkreise hinaus bekannt war. Sein Leben steht exemplarisch für das liberale jüdische Bildungsbürgertum der späten Habsburgermonarchie: geprägt von Aufstieg, Leistung und dem Glauben an den Rechtsstaat – und abrupt beendet kurz vor dessen endgültigem Zusammenbruch. Geboren am 16. Februar 1862 in Wien, promovierte Preßburger 1886 zum Dr. jur. und ließ sich 1893 als Hof- und Gerichtsadvokat nieder. In den folgenden Jahrzehnten verteidigte er in einigen der aufsehenerregendsten Strafprozesse der Monarchie und der Republik: dem Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Kriegsminister Auffenberg (1915), mehreren Mordprozessen der Zwischenkriegszeit sowie zahlreichen politischen Verfahren. Das Publikum verfolgte seine Auftritte mit einer Aufmerksamkeit, die sonst Theaterstars vorbehalten war – der Beiname „Lieblingsanwalt des Publikums" war keine Übertreibung. Preßburger war dabei mehr als ein brillanter Taktiker im Gerichtssaal. Als entschiedener Gegner der Todesstrafe und Mitglied internationaler juristischer Vereinigungen setzte er sich für eine grundlegende Reform des Strafverfahrens ein – ein Engagement, das ihn als Juristen der Aufklärungstradition ausweist. Er starb am 28. Januar 1938 in Wien – wenige Wochen vor dem „Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, dem er damit gerade noch entging. read more:Blog (EN) Dr. jur._Richard _PreßburgerRichard Preßburger und der Halsman-ProzessIm Dezember 1928 übernahm Richard Preßburger die Verteidigung des damals 22-jährigen Philippe Halsman vor dem Innsbrucker Schwurgericht – und betrat damit einen Prozess, der von Beginn an unter keinem guten Stern stand. Die öffentliche Stimmung war aufgeheizt, antisemitische Ressentiments bestimmten die Atmosphäre im Gerichtssaal wie in der Presse. Der Vorwurf wog schwer: Philippe Halsman, ein jüdischer Student aus Riga, sollte seinen Vater Morduch (Max) Halsman während einer Bergtour im Zillertal ermordet haben. Ein eindeutiges Tatmotiv fehlte, das gesamte Verfahren stützte sich auf Indizien – und dennoch entwickelte sich der Fall zu einem der meistdiskutierten Justizfälle Europas. Zeitgenossen und spätere Historiker sahen im Halsman-Prozess ein frühes, deutliches Beispiel für antisemitisch beeinflusste Justizmechanismen in Österreich. Dass sich schließlich Persönlichkeiten wie Sigmund Freud, Albert Einstein, Thomas Mann und Jakob Wassermann öffentlich für den Verurteilten einsetzten, zeigt, welche Dimension der Fall angenommen hatte. Preßburger kämpfte. Er wies auf Widersprüche in den Gutachten hin, thematisierte die vergiftete Stimmung – und legte nach der ersten Verurteilung zu zehn Jahren schwerem Kerker erfolgreich Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof ein. Das Urteil wurde 1929 tatsächlich aufgehoben, eine Neuverhandlung angeordnet. Im zweiten Verfahren jedoch trat Preßburger nicht mehr als Hauptverteidiger auf. An seine Stelle traten die Innsbrucker Anwälte Franz Pessler und Paul Mahler. Genau diese Ablösung dürfte der Ursprung einer bis heute gelegentlich auftauchenden Verwechslung sein: Die Namen „Preßburger", „Pressler" und „Pessler" ähneln einander, und in den Erinnerungen ehemaliger Dachau-Häftlinge sowie späteren Zeitzeugenberichten vermischten sich offenbar die Rollen beider Männer. Richard Preßburger führte den ersten, spektakulären Prozess – Franz Pessler den zweiten. Lesen Sie mehr:Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln) Buchpräsentation _KZ-Dachau Der Fall Dreyfus – Ein Justizirrtum von weltgeschichtlicher Bedeutung Im Jahr 1894 wurde Alfred Dreyfus, Artillerieoffizier der französischen Armee, des Landesverrats beschuldigt – und zu lebenslanger Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt. Die Beweise waren fehlerhaft, das Verfahren von Vorurteilen durchdrungen, das politische Klima vergiftet. Dreyfus war Jude. Das allein genügte vielen als Beweis. Als sich in den folgenden Jahren herausstellte, dass die Anschuldigungen haltlos waren, wurde der Fall zur internationalen Affäre. Schriftsteller, Juristen und Intellektuelle forderten lautstark eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Den wirkungsmächtigsten Beitrag leistete der Schriftsteller Émile Zola: Sein offener Brief „J'accuse…!" – 1898 auf der Titelseite einer Pariser Tageszeitung erschienen – prangerte die Missstände im französischen Justizsystem in einer Direktheit an, die das Land spaltete und die Welt aufhorchen ließ. Der Fall Dreyfus wurde zum Symbol – für den Kampf um Rechtsstaatlichkeit, für das Recht auf ein faires Verfahren, für den Schutz von Minderheiten vor staatlicher Willkür. Seine Wirkung reichte weit über Frankreich hinaus. In ganz Europa schärfte er das Bewusstsein für die Gefahren einer politisierten Justiz und gab Juristen wie Menschenrechtsaktivisten neue Argumente in die Hand. Auch im Wien der Zwischenkriegszeit blieb der Fall präsent. Die Auseinandersetzung mit Fehlurteilen und die konsequente Verteidigung der Rechte von Angeklagten – beides gehörte zum Kern des anwaltlichen Selbstverständnisses von Dr. Richard Preßburger. Dass er Jahrzehnte später in einem Prozess stand, den Beobachter offen mit dem Fall Dreyfus verglichen, war kein Zufall. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Dreyfus-Affäre#Vorlage_Exzellent Historischer Hintergrund des Halsman-Prozesses Der Halsman-Prozess fiel in eine Zeit, in der Österreich politisch und gesellschaftlich unter zunehmendem Druck stand. Antisemitismus war weit verbreitet – in Tirol besonders ausgeprägt. Teile der Presse nutzten den Prozess gegen den jungen jüdischen Studenten gezielt, um nationalistische Stimmungen zu schüren und die Öffentlichkeit zu emotionalisieren. Es verwundert daher nicht, dass Historiker den Fall gelegentlich als „österreichischen Dreyfus-Fall" bezeichnen. Die Parallele zum berühmten französischen Justizskandal um Alfred Dreyfus liegt nahe: In beiden Fällen verbanden sich gesellschaftliche Vorurteile, nationale Ressentiments, mediale Kampagnen und tiefgreifende Zweifel an der Unparteilichkeit der Justiz zu einem Gemenge, das eine faire Verhandlung von vornherein erschwerte. Philippe Halsman wurde schließlich durch Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt. Er emigrierte zunächst nach Paris, dann in die USA – und wurde dort zu einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Porträts von Albert Einstein, Marilyn Monroe, Winston Churchill und Salvador Dalí erlangten Weltruhm und sind bis heute ikonisch. Der Fall selbst blieb im kulturellen Gedächtnis präsent. Literarische und filmische Aufarbeitungen folgten in den Jahrzehnten nach dem Prozess. Besondere Bekanntheit erlangte der Spielfilm Jump! (2008), in dem Patrick Swayze die Rolle des Verteidigers Richard Preßburger übernahm. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Richard_Preßburger www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pressburger_Richard_1862_1938.xml www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/D_000125-125-000.html?prs=off&inst=off&plc=off<xts=off&wrk=off&quts=off&fullscreen=off&img=on www.oesta.gv.at/dam/jcr:681a645b-a492-41e2-a1c4-0fb216b3643f/AdM%20August%2021%20Anklage.pdf Fazit Richard Preßburger war mehr als ein erfolgreicher Strafverteidiger. Er verkörperte ein Rechtsverständnis, das auf Aufklärung, Menschenwürde und dem unbedingten Glauben an ein faires Verfahren gründete – Werte, die in der Zwischenkriegszeit zunehmend unter Druck gerieten. Der Halsman-Prozess bündelt diese Spannungen exemplarisch. Ein junger jüdischer Student, eine aufgeheizte Öffentlichkeit, eine von Ressentiments durchdrungene Atmosphäre – und ein Anwalt, der sich dem entgegenstellte. Dass Preßburger das erste Urteil zu Fall bringen konnte, war ein juristischer Erfolg. Dass es eines solchen Kampfes überhaupt bedurfte, war ein Zeichen der Zeit. Die Parallele zum Fall Dreyfus, die Zeitgenossen und Historiker gleichermaßen zogen, ist keine Übertreibung. In beiden Fällen versagte die Justiz dort, wo sie am meisten gefordert war: als Schutzwall gegen Vorurteil und politischen Druck. Und in beiden Fällen waren es Einzelne – Anwälte, Schriftsteller, Intellektuelle – die das Versagen öffentlich machten und nicht ruhen ließen. Richard Preßburger starb im Januar 1938, wenige Wochen vor dem „Anschluss". Er erlebte nicht mehr, wie das Rechtssystem, dem er sein Leben gewidmet hatte, endgültig zerstört wurde. Sein Wirken aber bleibt dokumentiert – als Zeugnis dafür, was engagierte Jurisprudenz bedeuten kann, gerade dann, wenn der Rechtsstaat am gefährdetsten ist. Lesen Sie mehr: Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. Online unter, https://www.oesta.gv.at/dam/jcr:e4589f1b-3fd2-44fa-bd16-a2ab01b1e4a0/Adm%20August%2021%20Anklageschrift.pdf, (Stand: 12. Juni 2026) Dokument zum Auffenberg-Prozess (1915)Die hier gezeigte Anklageschrift des k.u.k. Divisionsgerichts in Wien vom Juni 1915 dokumentiert einen der aufsehenerregendsten politischen Prozesse der späten Habsburgermonarchie. Gegen den ehemaligen k.u.k. Kriegsminister General Moritz Ritter von Auffenberg wurde der Vorwurf des Verrats militärischer Geheimnisse erhoben. Der Fall erregte weit über Österreich-Ungarn hinaus Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einem bedeutenden Justiz- und Politikum der Kriegsjahre. Für Dr. Richard Preßburger markierte die Verteidigung Auffenbergs einen wichtigen Abschnitt seiner Karriere. Der Prozess trug wesentlich zu seinem Ruf als einer der bekanntesten Strafverteidiger seiner Zeit bei und machte ihn einem breiten Publikum bekannt. Das Dokument vermittelt zugleich einen Einblick in die Sprache, die Verfahrenspraxis und die politische Kultur der österreichisch-ungarischen Militärjustiz unmittelbar vor dem Ende der Monarchie. Lesen Sie mehr:austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Essays/Historisches_von_Graupp/MORITZ_VON_AUFFENBERG-KOMAROW Hof- und Gerichtsadvokat Der Titel Hof- und Gerichtsadvokat war in der Habsburgermonarchie die offizielle Bezeichnung für einen zugelassenen Rechtsanwalt mit besonderer Befugnis zur Vertretung von Parteien vor den Gerichten. Die Bezeichnung „Hof“ verweist auf die ursprüngliche Zulassung vor den kaiserlichen Behörden und Gerichten, während „Gerichtsadvokat“ die Tätigkeit als Prozessvertreter bezeichnete. Hof- und Gerichtsadvokaten gehörten zur juristischen Elite der Monarchie und waren häufig in bedeutenden Zivil-, Straf- und Verwaltungsverfahren tätig. Nach dem Ende der Monarchie blieb die Berufsbezeichnung teilweise noch im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten, wurde jedoch schrittweise durch die moderne Bezeichnung „Rechtsanwalt“ ersetzt. Nichtigkeitsbeschwerde Die Nichtigkeitsbeschwerde war und ist im österreichischen Strafprozess ein außerordentliches Rechtsmittel gegen Urteile, wenn schwerwiegende Verfahrensfehler oder Rechtsverletzungen vorliegen. Dabei wird nicht die Beweiswürdigung des Gerichts überprüft, sondern die Frage, ob das Verfahren rechtmäßig durchgeführt wurde und das Urteil den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Im Fall Philippe Halsmans gelang es Richard Preßburger, eine Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof einzubringen. Der Gerichtshof hob daraufhin das Urteil auf und ordnete eine neuerliche Verhandlung an. Schwerer Kerker Der Begriff schwerer Kerker bezeichnete im österreichischen Strafrecht des 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine besonders strenge Form der Freiheitsstrafe. Sie unterschied sich vom gewöhnlichen Kerker durch verschärfte Haftbedingungen, die unter anderem harte körperliche Arbeit, Einschränkungen bei Besuchen und Korrespondenz sowie zeitweise verschärfte Arrestbedingungen umfassen konnten. Die Strafe galt als eine der schwersten Sanktionen des damaligen Strafrechts und wurde insbesondere bei schweren Verbrechen verhängt. Im Fall Philippe Halsmans lautete das Urteil des ersten Prozesses auf zehn Jahre schweren Kerkers.
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