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Rathaus Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol. Dr. jur. Erich Kneussl (1884–1968): Ein Tiroler Jurist im Spannungsfeld der GeschichteVon der Monarchie bis zum Nationalrat – ein Leben im Dienst TirolsWer heute auf das Leben von Dr. Erich Kneussl blickt, sieht einen Menschen, der tief in der alten Habsburgermonarchie verwurzelt war, der aber auch die Umbrüche des 20. Jahrhunderts – die Erste Republik, den Ständestaat, die NS-Diktatur und schließlich die Zweite Republik – hautnah miterlebte. Geboren 1884, gestorben 1968, spannt sich sein Leben über eine der bewegendsten Perioden der Tiroler und österreichischen Geschichte. Vom Schüler in Meran zum k u. k BeamtenSeine Kindheit verbrachte Erich Kneussl in Schwaz, ehe es den Zwölfjährigen an das angesehene Benediktinergymnasium nach Meran zog. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck, wo er 1905 in der Studentenverbindung Austria rezipiert wurde – ein Schritt, der sein katholisch-konservatives und österreichpatriotisches Weltbild prägen sollte. Nach der Promotion trat Kneussl in den Landesdienst. Seine Beamtenlaufbahn führte ihn als Konzeptionspraktikanten nach Lienz, später als k.k. Statthalterkonzipist nach Cles, nach Tione di Trento und schließlich als Bezirkskommissar nach Mezzolombardo (Welsch-Metz). Da er 1907 als nicht waffentauglich eingestuft wurde, blieb ihm der aktive Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg erspart. 1917, mit 33 Jahren, übertrug man ihm die Leitung der Bezirkshauptmannschaft in Ampezzo, dem heutigen Cortina d’Ampezzo. Studentenverbindung Austria Innsbruck. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Wappen der Austria. Online unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WappenAustria.gif (Stand: 16.5.2026) Ein politischer Vertreter des ländlichen RaumsNach dem Zerfall der Monarchie fand sich Kneussl in der neuen Republik wieder. Er wurde Bezirkshauptmann in Lienz, wo er bis 1931 mit seiner Familie lebte. Doch die Politik ließ ihn nicht los: 1927 zog er als Vertreter des Tiroler Landtages in den Nationalrat nach Wien. Sein Engagement galt vor allem der Landbevölkerung. Von 1933 bis 1936 war er Erster Obmann-Stellvertreter des Tiroler Bauernbundes. Nach der Ausschaltung des Parlaments 1934 berief man ihn in den Bundesrat (später Bundeswirtschaftsrat), dem er bis 1938 angehörte. Er war Mitglied der Vaterländischen Front (VF) und lehnte sogar ein Ministeramt in Wien ab, um sich ganz der politischen Arbeit in Tirol widmen zu können. Seine Familie lebte mittlerweile in Hall, und er pendelte zwischen der Bundeshauptstadt und seiner Tiroler Heimat. Die dunklen Jahre: NS-Regime und HaftMit dem „Anschluss“ 1938 brach für Erich Kneussl eine Zeit der Verfolgung an. Er wurde ohne Bezüge dienstenthoben und 1939 zwangspensioniert. Die NS-Behörden untersagten ihm jede juristische Tätigkeit oder Arbeit als Steuerprüfer. Um zu überleben, arbeitete er im Denkmalschutz – ein stiller Akt der Bewahrung von Kulturgut in einer Zeit der Zerstörung. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 nahm der NS-Staat Rache an regimekritischen Persönlichkeiten. Am 23. August 1944 wurde Dr. Erich Kneussl – ebenso wie Dr. Viktor Schumacher und Anton Haller – verhaftet. Während Schumacher und Haller auf Betreiben des Haller NS-Bürgermeisters Ing. Walter Jud nach einer Woche freikamen, wurde Kneussl in das Gestapolager Reichenau gebracht. Erst am 28. September 1944 wurde er aufgrund eines schweren Gallenleidens entlassen. Lesen Sie mehr:Anton Haller Widerstandsgruppe Dr. Viktor Schumacher Ing. Walter Jud Arbeitslager Reichenau Innsbruck: NS-Zwangsarbeit & Erinnerung Das Arbeitslager Reichenau in Innsbruck ist eines der dunkelsten, aber wenig bekannten Kapitel der Stadtgeschichte. Für US-Besucher und Geschichtsinteressierte ist dieser Ort ein wichtiges Mahnmal abseits der großen Konzentrationslager. Was war das Lager Reichenau? Von 1941 bis 1945 betrieb die Gestapo im Stadtteil Reichenau ein sogenanntes Arbeitserziehungslager (AEL) . Es war kein Vernichtungslager, sondern ein brutales System der NS-Zwangsarbeit. Ziel war es, durch Schläge, Hunger und Schwerstarbeit "widerspenstige" Arbeiter zu brechen. Opfer und Todeszahlen Über 8.600 Menschen durchliefen das Lager, darunter Sowjets, Polen, Italiener und auch Österreicher. Mindestens 130 Menschen starben hier durch Erhängungen, Erfrierungen oder Erschöpfung. Viele wurden anschließend nach Dachau oder Auschwitz deportiert. Lesen Sie mehr:Elisabeth-Charlotte Franke Dr. Gottfried Uffenheimer Dr. jur. Franz Greiter Gedenken in InnsbruckDie Baracken wurden nach dem Krieg abgerissen. Heute erinnert nur ein kleiner Gedenkstein im Stadtteil Rossau an die Opfer. Für das Jahr 2026 ist ein neuer, würdiger Gedenkort in Innsbruck geplant. Besucher können den Ort besichtigen, um sich an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern. Lesen Sie mehr:www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/broschuere-gendenkort-lager-reichenau Ein Leben zwischen Widerstand und BewahrungDie Haft hatte ihn gesundheitlich gezeichnet. Dass seine Söhne bei der Wehrmacht dienen mussten, war eine zusätzliche Belastung. Doch Kneussl überlebte – auch dank seiner inneren Haltung. Er war kein radikaler Widerstandskämpfer im klassischen Sinne, aber ein Mann klarer Prinzipien: österreichisch-patriotisch, katholisch, rechtsstaatlich. Genau das machte ihn für die Nationalsozialisten gefährlich. Nach 1945 trat er nicht mehr in die erste politische Reihe zurück. Er starb 1968, ein Zeuge eines Jahrhunderts voller Brüche. Lesen Sie mehr:Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln) Buchpräsentation KZ-Dachau Ein stiller Held der Tiroler Geschichte?Der Fall Erich Kneussl zeigt, dass Widerstand nicht immer mit der Waffe geführt werden muss. Es ist der Mut zur eigenen Überzeugung, das Aushalten von Verfolgung und die Weigerung, sich dem Unrechtsstaat zu beugen. Sein Name verdient einen Platz in der Erinnerung – als Jurist, als Tiroler Landespolitiker und als ein Mann, der für sein Österreich im Gefängnis saß. Lesen Sie mehr:Dr. jur. Adolf Hörhager (1884-1940) Dr. jur. Paul Kathrein
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