"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
  • Home
    • Home EN
  • Über uns
    • About Us - EN
  • GEDENKPORTRÄTS
  • BLOG
    • Akteur:innen des Widerstands >
      • Actors of the Hall Resistance
      • Youth organizations and Catholic organizations
    • Widerstands-Guppen >
      • Resistance groups in Hall in Tyrol
    • Verfolgte und Opfer >
      • The Persecuted and the Victims
    • Institutionen im Widerstand >
      • Institutional Resistance
      • Priester und Ordensleute im Widerstand
      • Clerical Opposition
      • Religious Orders in Resistance
    • Erinnerungs-Kultur >
      • Commemorative Culture"
  • Impressum/Imprint
    • Sponsoren/Sponsors
  • Home
    • Home EN
  • Über uns
    • About Us - EN
  • GEDENKPORTRÄTS
  • BLOG
    • Akteur:innen des Widerstands >
      • Actors of the Hall Resistance
      • Youth organizations and Catholic organizations
    • Widerstands-Guppen >
      • Resistance groups in Hall in Tyrol
    • Verfolgte und Opfer >
      • The Persecuted and the Victims
    • Institutionen im Widerstand >
      • Institutional Resistance
      • Priester und Ordensleute im Widerstand
      • Clerical Opposition
      • Religious Orders in Resistance
    • Erinnerungs-Kultur >
      • Commemorative Culture"
  • Impressum/Imprint
    • Sponsoren/Sponsors



Dr. jur. Erich Kneussl
Widerstand gegen das NS-Regime




Dr. jur. Erich Kneussl (1884–1968) – Jurist, Politiker, NS-Widerständler

5/17/2026

0 Comments

 
Picture
Rathaus Hall in Tirol. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol.

Dr. jur. Erich Kneussl (1884–1968): Ein Tiroler Jurist im Spannungsfeld der Geschichte

Von der Monarchie bis zum Nationalrat – ein Leben im Dienst Tirols

Wer heute auf das Leben von Dr. Erich Kneussl blickt, sieht einen Menschen, der tief in der alten Habsburgermonarchie verwurzelt war, der aber auch die Umbrüche des 20. Jahrhunderts – die Erste Republik, den Ständestaat, die NS-Diktatur und schließlich die Zweite Republik – hautnah miterlebte. Geboren 1884, gestorben 1968, spannt sich sein Leben über eine der bewegendsten Perioden der Tiroler und österreichischen Geschichte.

Vom Schüler in Meran zum k u. k Beamten

Seine Kindheit verbrachte Erich Kneussl in Schwaz, ehe es den Zwölfjährigen an das angesehene Benediktinergymnasium nach Meran zog. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck, wo er 1905 in der Studentenverbindung Austria rezipiert wurde – ein Schritt, der sein katholisch-konservatives und österreichpatriotisches Weltbild prägen sollte.
Nach der Promotion trat Kneussl in den Landesdienst. Seine Beamtenlaufbahn führte ihn als Konzeptionspraktikanten nach Lienz, später als k.k. Statthalterkonzipist nach Cles, nach Tione di Trento und schließlich als Bezirkskommissar nach Mezzolombardo (Welsch-Metz). Da er 1907 als nicht waffentauglich eingestuft wurde, blieb ihm der aktive Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg erspart. 1917, mit 33 Jahren, übertrug man ihm die Leitung der Bezirkshauptmannschaft in Ampezzo, dem heutigen Cortina d’Ampezzo.
Picture
Studentenverbindung Austria Innsbruck. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Wappen der Austria. Online unter:  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WappenAustria.gif  (Stand: 16.5.2026)

Ein politischer Vertreter des ländlichen Raums

Nach dem Zerfall der Monarchie fand sich Kneussl in der neuen Republik wieder. Er wurde Bezirkshauptmann in Lienz, wo er bis 1931 mit seiner Familie lebte. Doch die Politik ließ ihn nicht los: 1927 zog er als Vertreter des Tiroler Landtages in den Nationalrat nach Wien.
Sein Engagement galt vor allem der Landbevölkerung. Von 1933 bis 1936 war er Erster Obmann-Stellvertreter des Tiroler Bauernbundes. Nach der Ausschaltung des Parlaments 1934 berief man ihn in den Bundesrat (später Bundeswirtschaftsrat), dem er bis 1938 angehörte. Er war Mitglied der Vaterländischen Front (VF) und lehnte sogar ein Ministeramt in Wien ab, um sich ganz der politischen Arbeit in Tirol widmen zu können. Seine Familie lebte mittlerweile in Hall, und er pendelte zwischen der Bundeshauptstadt und seiner Tiroler Heimat.

Die dunklen Jahre: NS-Regime und Haft

Mit dem „Anschluss“ 1938 brach für Erich Kneussl eine Zeit der Verfolgung an. Er wurde ohne Bezüge dienstenthoben und 1939 zwangspensioniert. Die NS-Behörden untersagten ihm jede juristische Tätigkeit oder Arbeit als Steuerprüfer. Um zu überleben, arbeitete er im Denkmalschutz – ein stiller Akt der Bewahrung von Kulturgut in einer Zeit der Zerstörung.
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 nahm der NS-Staat Rache an regimekritischen Persönlichkeiten. Am 23. August 1944 wurde Dr. Erich Kneussl – ebenso wie Dr. Viktor Schumacher und Anton Haller – verhaftet. Während Schumacher und Haller auf Betreiben des Haller NS-Bürgermeisters Ing. Walter Jud nach einer Woche freikamen, wurde Kneussl in das Gestapolager Reichenau gebracht. Erst am 28. September 1944 wurde er aufgrund eines schweren Gallenleidens entlassen.

Lesen Sie mehr:

Anton Haller Widerstandsgruppe

Dr. Viktor Schumacher

Ing. Walter Jud

Arbeitslager Reichenau Innsbruck: NS-Zwangsarbeit & Erinnerung

Das Arbeitslager Reichenau in Innsbruck ist eines der dunkelsten, aber wenig bekannten Kapitel der Stadtgeschichte. Für US-Besucher und Geschichtsinteressierte ist dieser Ort ein wichtiges Mahnmal abseits der großen Konzentrationslager.

Was war das Lager Reichenau?

Von 1941 bis 1945 betrieb die Gestapo im Stadtteil Reichenau ein sogenanntes Arbeitserziehungslager (AEL) . Es war kein Vernichtungslager, sondern ein brutales System der NS-Zwangsarbeit. Ziel war es, durch Schläge, Hunger und Schwerstarbeit "widerspenstige" Arbeiter zu brechen.

Opfer und Todeszahlen

Über 8.600 Menschen durchliefen das Lager, darunter Sowjets, Polen, Italiener und auch Österreicher. Mindestens 130 Menschen starben hier durch Erhängungen, Erfrierungen oder Erschöpfung. Viele wurden anschließend nach Dachau oder Auschwitz deportiert.

Lesen Sie mehr:

Elisabeth-Charlotte Franke

Dr. Gottfried Uffenheimer

Dr. jur. Franz Greiter

Gedenken in Innsbruck

Die Baracken wurden nach dem Krieg abgerissen. Heute erinnert nur ein kleiner Gedenkstein im Stadtteil Rossau an die Opfer. Für das Jahr 2026 ist ein neuer, würdiger Gedenkort in Innsbruck geplant. Besucher können den Ort besichtigen, um sich an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern.

Lesen Sie mehr:

www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/broschuere-gendenkort-lager-reichenau

Ein Leben zwischen Widerstand und Bewahrung

Die Haft hatte ihn gesundheitlich gezeichnet. Dass seine Söhne bei der Wehrmacht dienen mussten, war eine zusätzliche Belastung. Doch Kneussl überlebte – auch dank seiner inneren Haltung. Er war kein radikaler Widerstandskämpfer im klassischen Sinne, aber ein Mann klarer Prinzipien: österreichisch-patriotisch, katholisch, rechtsstaatlich. Genau das machte ihn für die Nationalsozialisten gefährlich.
Nach 1945 trat er nicht mehr in die erste politische Reihe zurück. Er starb 1968, ein Zeuge eines Jahrhunderts voller Brüche.

Lesen Sie mehr:

Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln)

Buchpräsentation KZ-Dachau

Ein stiller Held der Tiroler Geschichte?

Der Fall Erich Kneussl zeigt, dass Widerstand nicht immer mit der Waffe geführt werden muss. Es ist der Mut zur eigenen Überzeugung, das Aushalten von Verfolgung und die Weigerung, sich dem Unrechtsstaat zu beugen. Sein Name verdient einen Platz in der Erinnerung – als Jurist, als Tiroler Landespolitiker und als ein Mann, der für sein Österreich im Gefängnis saß.

Lesen Sie mehr:

Dr. jur. Adolf Hörhager (1884-1940)

Dr. jur. Paul Kathrein

0 Comments

    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin-Ethnologin

    Archives
    Dokumentations-archiv des österreichischen Widerstands

    Tschol, Helmut:  Die Katholische Kirche. Allgemeine Verfolgungsmaßnahmen. 2. Verfolgung und Widerstand des Klerus. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand in Tirol 1934-1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 175-230.

    Reiter,Johann: Die Katholische Kirche. Allgemeine Verfolgungsmaßnahmen. 4. Maßnahmen gegen Klöster und Orden, die Serviten. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand in Tirol 1934-1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 292-295.


    Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol
    ​

    Akt Präs. III 1233/46 Heinrich Andergassen (1908-1946), Hall in Tirol, Ritter Waldaufstraße 8.

    Walder, Anton : Historischer Bericht. Einschränkung der katholischen Religionsausübung im Gau Tirol-Vorarlberg durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) während der NS-Zeit am Beispiel der Aufhebung und Beschlagnahme des Klosters Stams in Tirol und des Wallfahrtsklosters Maria Waldrast bei Mattei am Brenner. In: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol (Hrsg.): Fachzirkel Exekutivgeschichte und Tradtitionspflege der Landespolizeidirektion Tirol. Innsbruck 2024.

    Quelle: Ermittlungsakt Kriminalrat Max Nedwed. In: Historisches Archiv der LPD-Tirol.
    Sowie Thomas Albrich, DÖW, TLA, Hist. Archiv LPD-Tirol; Bericht von Tiefenbrunn vom 10.7.1946 im Polizeiakt Horngacher. In: Hist. Archiv LPD-Tirol.


    Privatarchiv Dr. Ivo Greiter

    Quelle: Schriften RA Dr. Josef Greiter, zur Verfügung gestellt von Dr. Ivo Greiter. In: Historisches Archiv der Landespolizeidirektion Tirol.

    Publikationen:


    Stecher, Reinhold: Der blaue Himmel trügt. Erinnerungen an Diktatur und Krieg. Innsbruck 2018.

    Anwälte und ihre Geschichte. Zum 140. Gründungsjahr des Deutschen Anwaltvereines. Tübingen 2011, S. 1029-1052.


    Kuhl, Manfred: Farbe tragen, Farbe bekennen. In:  Krause,Peter/ Reinelt,Herbert/ Schmitt , Helmut(Hrsg.): Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Ergänzungsband Biografien (2). Tradition und Zukunft (18). Wien 2020.

    Quelle: Manfred Kuhl, Dr. Greiter Franz, in: Farbe tragen und Farbe bekennen, S. 101.
    ​
    Quellen: Austrier, Bl. Nr. 47 (1978)66, Biografie Hdb. des Tiroler Landtages, S. 41 f. Anwälte und ihre Geschichte, S. 1030 f. ÖCV-Biolex [G.H.]
    Couleur Name: IVO
    CV/ÖCV: 1914 UPh Aln


    Quelle: Manfred Kuhl, Erich Kneussl. In: Farbe tragen und Farbe bekennen, S. 169.

    Austrier Bl. 1968, Aln Archiv , Seeber K. Lebenserinnerungen des Tiroler Beamten Erich Kneussl, Parlament: Biografien online, ÖCV-Biolex [G.Hartmann] , Biografie des Monats 7/2019 [K. Seeber].


    Studentenverbindung Austria Innsbruck. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie . Wappen der Austria. Online unter:  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WappenAustria.gif (Stand: 10.8.2024)


    Quelle: Manfred Kuhl: Fink Josef, Dr. phil. In:  Farbe tragen und Farbe bekennen, S. 72.
    Quellen: MKV, KV, ÖKV, 80 Jahre ÖKV. S. 193, 


    Wopfner, Helmut (Hrsg.): Unsere Sternkorona. Mitgliederverzeichnis 1888-1998. Thaur 1998.

    Wopfner: Unsere Sternkorona Dr. phil. Josef Fink. Mitglied Nr. 310, S.80.

    Parlament, Biografien Dr. Josef Fink. Online unter: 
    https://www.parlament.gv.at/person/329 (Stand:10.8.2024)

    Studentenverbindung Tirolia. Online unter:  http://tirolia.kartellverband.org (Stand 10.8.2024).

    Wappen der Studentenverbindung der Tirolia Innsbruck. ​Wikipedia. Die freie Enzyklopädie . Online unter: Von Vermutl. Leopold Huter - AKV Tirolia, PD-alt-100 https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3858804 (Stand: 10.8.2024).

    Privatarchiv E. Walder Hall in Tirol
    Dr. Josef Fink: Lebensgeschichtliches Gespräch mit Martin Sailer Hall in Tirol, November 2023.

    Quelle: 
    Heinrich Andergassen. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie . Online unter, {https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Andergassen}, (Stand 10.8..2024)

    May 2026

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte 

    All

    RSS Feed

Proudly powered by Weebly