read moreBlog (EN) Dr. Josef MairBishop Dr. Reinhold StecherDr. Franz KolbMaria Waldrast 1941Maria Mair the brave womanLesen Sie mehr:BLOGMsgr. Dr. Franz KolbBischof Dr. Reinhold StecherMaria MairTiroler WallfahrtMaria Waldrast 1941Foto: Dr. Josef Mair (1933). In: Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol. Kindheit und Jugend in Matrei Josef Mair wurde am 21. Juni 1909 in Matrei am Brenner als Sohn von Josef Mair, Schuhmacher und Bauer, geboren. Seine Mutter war Maria Mair geb. Etzelsberger. Aufgewachsen am "Glasnhof" in Schöfens 8 (Pfons, heute Gemeinde Matrei), besuchte er zunächst die Volksschule in Matrei. Foto Matura 4. Juli 1933 am Franziskaner Gymnasium in Hall in Tirol. In: Archiv der Tiroler Franziskaner Provinz in Hall in Tirol. Sein weiterer Bildungsweg führte ihn an das Franziskanergymnasium in Hall in Tirol. Im Schuljahr 1925/26 trat er in die 1. Klasse ein, unterbrach jedoch seine Ausbildung kurzzeitig. Nach Privatunterricht und einer Feststellungsprüfung kehrte er in seine Klasse zurück. Josef Mair war ein begabter Schüler und maturierte am 4. Juli 1933 mit Auszeichnung. Während seiner Haller Schulzeit wohnte er zunächst im St. Josefs Missionshaus, dann in der Straubstraße in Hall. In Hall war er Koststudent bei der Familie Ghedina in der Waldaufstraße 8– eine Begegnung, die sein Leben prägen sollte. Der Weg zur Familie Nach der Matura begann Josef Mair in Brixen ein Theologiestudium mit dem Ziel, Priester zu werden. Zur selben Zeit ließ sich Maria Ghedina in Wien zur diplomierten Säuglingsschwester ausbilden und verbrachte anschließend drei Jahre in Italien. Josef Mair entschied sich nach zwei Jahren gegen den geistlichen Stand, wechselte an die Universität Innsbruck und schloss sein Studium der Rechtswissenschaften mit der Promotion ab. Danach trat er eine Stelle bei der Handelskammer in Innsbruck an. Maria Ghedina kehrte nach Tirol zurück und arbeitete als Säuglingsschwester in Innsbruck und Hall. Am 20. September 1939 gaben sich die beiden in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall das Jawort. Die Trauung vollzog Bischof DDr. Paulus Rusch – eine Verbindung, die angesichts der kommenden Jahre von besonderer Bedeutung sein sollte. Der "Anschluss" – ein tiefer Einschnitt Der 12. März 1938 riss tiefe Wunden. Josef Mair befand sich an diesem Samstag an seinem Arbeitsplatz in der Handelskammer, als die Nationalsozialisten in Innsbruck einmarschierten. Gemeinsam mit anderen Angestellten wurde er in einen Raum gesperrt und verhört. Die Leitung hatte Dr. Focke inne, ein illegaler Nationalsozialist, dem Josef Mair schon zuvor misstraut hatte – ein Schmiss im Gesicht verriet seine burschenschaftliche Vergangenheit. Unter Aufsicht mussten einige Beamte in den Amtsräumen die Kruzifixe und Bilder von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg entfernen. Nach dem Verhör, das lediglich der Loyalitätsprüfung diente, durfte Josef Mair auf seinen Arbeitsplatz zurückkehren, um eine Konzession auszustellen. Um 12 Uhr verließ er das Gebäude – und erlebte eine weitere Enttäuschung: Vom Balkon befreundeter Personen hing eine Hakenkreuzfahne. Der Gedanke, dass ausgerechnet seine besten Freunde sich dem Nationalsozialismus zugewandt hatten, traf ihn tief. Zwischen Trauer und Hoffnung Maria Mair erlebte den "Anschluss" nicht weniger erschüttert. Als Säuglingsschwester bei einer Familie im Innsbrucker Saggen betreute sie gerade ein Neugeborenes, als die Nachricht vom Einmarsch sie in Tränen ausbrechen ließ. Ihre Arbeitgeberin, selbst nationalsozialistisch gesinnt, war zunächst bestürzt über diese Reaktion. Maria Mair erklärte ihr offen: „Wissen Sie, nicht alle teilen Ihre Gesinnung. In Italien habe ich gesehen, wie sich Faschismus gegen die Bevölkerung richtet, und aus dem Deutschen Reich hört man als Katholik viel von Verfolgung.“ Die Familie zeigte Größe: Sie respektierte Marias Haltung, verriet sie nie und gewährte später sogar Josef Mair in der entscheidenden Nacht der Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast (17./18. April 1941) ein Alibi. Am Tag des Einmarsches suchten Josef und Maria nicht die Straße, sondern die Kirche auf. „Wir haben im Dom gebetet und gehofft, dass noch ein Wunder geschieht“, erinnerte sich Maria. Adolf Hitler (1889 - 1945) in InnsbruckAm 5. April 1938 zog Adolf Hitler in Innsbruck ein. Auf Anregung ihrer Arbeitgeberin, die meinte, man müsse „so etwas Großes“ gesehen haben, begab sich Maria Mair in die Stadt. Sie stand an der Ecke bei der Messehalle in der Falkstraße, wo SA-Männer einen undurchdringlichen Kordon bildeten. Hitler fuhr im offenen Wagen vorbei, begleitet von jubelnden Menschenmassen. Maria blieb distanziert: „Die Leute schrien, wie verrückt ‚Heil Hitler‘ – als wenn es der Messias wäre. Mich hätte der hysterische Jubel beinahe mitgerissen, aber ich dachte nur: Das geht mich nichts an.“ Josef Mair ergänzte, dass Hitler selbst mit dem Empfang unzufrieden gewesen sei und den Gauleiter umgehend durch Franz Hofer ersetzen ließ. Das Dienstmädchen der Familie kehrte tagelang nicht nach Hause zurück – völlig verzückt vom Empfang. Maria konfrontierte sie: „Da laufen sie mit und schreien ‚Heil Hitler‘, und vorige Woche haben sie noch das Lied der Roten Falken gesungen.“ Die junge Frau war überrascht, dass sich beides nicht vereinbaren ließ. Diese persönlichen Aufzeichnungen zeigen: Der "Anschluss" spaltete die Gesellschaft bis in die Familien und Freundeskreise hinein. Josef und Maria Mair aber blieb ihre Haltung – und der Glaube an eine Zukunft jenseits des braunen Terrors. Dr. Josef Mair (1909–1986): Vom Diözesanjugendführer zum Widerstandskämpfer Die junge Familie in stürmischer ZeitNach dem Einmarsch der Nationalsozialisten wurde Dr. Josef Mair seine Stelle in der Innsbrucker Handelskammer gekündigt. Da sich jedoch kein geeigneter Ersatz für ihn finden ließ, wurde er vorübergehend wieder eingestellt, wenig später jedoch nach Landeck versetzt. Im Oktober 1938 erhielt er von einem Tag auf den anderen die Anweisung, seine Kanzlei abzurechnen und sich nach Innsbruck zu begeben. Dort wurde ihm seine fristlose Entlassung mitgeteilt; sein Gehalt wurde ihm allerdings noch bis zum 31. Dezember 1938 weitergewährt. Daraufhin bot ihm der Bürgermeister von Schattwald – ein bekennender Monarchist und Gegner des Nationalsozialismus – eine Anstellung in der Gemeinde an. Zugleich erhielt er von Bischof DDr. Rusch das Angebot, die Stelle des Diözesanjugendführers zu übernehmen, die er schließlich annahm. In dieser Funktion wurde er zur rechten Hand des Tiroler Bischofs, der von den Nationalsozialisten selbst nicht anerkannt wurde. So begann seine Tätigkeit als Diözesanjugendführer – eine Position, die ihn unweigerlich in Konflikt mit dem nationalsozialistischen Regime bringen musste. Foto: Maria Mair geb. Ghedina und Dr. Josef Mair - Hochzeit am 20. September 1939 in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol getraut von Bischof DDr. Paulus Rusch. In: Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol. Am 20. September 1939, wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, heirateten Josef Mair und Maria Ghedina in Hall in Tirol. Die Trauung nahm Bischof DDr. Paulus Rusch persönlich vor – ein Zeichen der engen Verbundenheit, die Josef Mair mit der Diözese verband. Die junge Familie bezog eine Wohnung im "Glasnhof" in Schöfens 8, Gemeinde Pfons heute Matrei am Brenner. Im März 1941 erblickte ihr erstes Kind, Michael, das Licht der Welt. Die Geburt stand unter einem guten Stern: Nur einen Tag zuvor war Josef Mair nach dreiwöchiger Schutzhaft aus dem Gestapo-Gefängnis in Innsbruck entlassen worden. Foto: Maria und Michael Mair (1941). In Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol. Unter dem Druck der Verhöre hatte er eine folgenschwere Erklärung unterschreiben müssen: Er werde seine Stelle als Diözesanjugendführer bei Bischof Rusch aufgeben, jede ihm von den Nationalsozialisten angebotene Tätigkeit annehmen – und bei einer dritten Verhaftung sei die Einweisung in das Konzentrationslager Dachau bereits besiegelt. Foto: Dr. Josef Mair (1941). In: Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol. Erste Verhaftung: Der Osterbrief 1940 Schon bald nach der Hochzeit geriet Josef Mair ins Visier der Gestapo. Als Diözesanjugendführer verfasste er einen Osterbrief an die katholische Jugend. Darin fand sich ein Zitat aus der Offenbarung des Johannes: "Weil du lau bist, will ich dich ausspeien aus meinem Mund." Msgr. Michael Weisskopf riet ihm, drei Exemplare des Briefes der Gestapo vorzulegen. Josef Mair weigerte sich – zu Recht, wie sich zeigen sollte. Weisskopf sandte die Exemplare dennoch an die Behörden, die den Brief umgehend beschlagnahmten. Doch die Post mit den Osterbriefen war bereits unterwegs. Die Gestapo fühlte sich getroffen – man deutete die Passage als direkte Anspielung auf die Nationalsozialisten. Die erste Verhaftung erfolgte 1940, ein halbes Jahr nach der Hochzeit. Drei Wochen verbrachte Josef Mair im Polizeigefängnis. Mit ihm in Haft saß Dr. Pfeifauf, den man unter dem Vorwand festgenommen hatte, er habe in der Haller Kirche Gesangsproben abgehalten – eine offenkundige Schutzbehauptung, denn Pfeifauf konnte gar nicht singen. Die Gestapo ließ ihn dennoch nicht frei: "Wenn Sie schon da sind, bleiben Sie." (siehe Blog 8 Koop. Dr. Nikolaus Pfeifauf und Kaplan Dr. Hermann Blassnig, sowie Blog 77 Anton Plattner Opraem.) Zweite Verhaftung: Ein unbedachter Vortrag Die zweite Verhaftung folgte im Februar oder März 1941, nur fünf Wochen vor der Geburt des ersten Kindes. Auslöser war ein Vortrag, den Josef Mair auf Einladung des Pfarrers von Jerzens in der örtlichen Kirche gehalten hatte. Er schilderte darin den Unterschied zwischen der politischen und der katholischen Gemeinschaft. Bei der politischen Gemeinschaft, so Mair, gehöre "alles dazu, auch Tiere, Bäume, Kühe und Kälber". Ein Kleinbauer fühlte sich durch diese Worte provoziert und denunzierte Mair beim Kreisleiter: Er habe die Nationalsozialisten lächerlich gemacht. Die Folge war die zweite Verhaftung. Ein Gendarm brachte Josef Mair zunächst nach Ried ins Gerichtsgefängnis. Auf dem Weg dorthin durfte Mair belastende Papiere unter einer Brücke verbrennen. Die Zelle in Ried war in einem erbärmlichen Zustand – der Abfalleimer war übergelaufen und musste von Mair selbst geleert werden. Am nächsten Morgen erfolgte der Transport ins Gestapo-Gefängnis "Innsbrucker Sonne", wo er neuerlich drei Wochen inhaftiert blieb. Die drohende Einweisung ins KZ Dachau Während dieser Haft spitzte sich die Lage dramatisch zu. Josef Mair vertraute dem mitgefangenen Dekan Staud von Navis an: "Wenn ich nicht mehr vom Verhör zurückkomme, dann verständigt meine Frau. Denn dann schicken sie mich ins KZ." Tatsächlich erging der Befehl zur Einweisung in das Konzentrationslager Dachau. Maria Mair, hochschwanger, wandte sich persönlich an den Gestapo-Chef Hilliges und erreichte das Unmögliche: Der KZ-Befehl wurde zurückgenommen. Ein Beamter namens Anders teilte ihr später mit, dass der Chef mittags persönlich die Anordnung widerrufen habe. Dennoch musste Josef Mair bei seiner Entlassung die gefürchtete Erklärung unterschreiben: Bei einer dritten Verhaftung drohte ihm nun tatsächlich das KZ. Fünf Wochen später, am 22. April 1941, erfolgte die dritte Verhaftung – und damit begann ein neues, noch gefährlicheres Kapitel. Die dritte Verhaftung – 22. April 1941 Fünf Wochen nach seiner zweiten Entlassung holte die Gestapo Dr. Josef Mair zum dritten und letzten Mal. Diesmal ging es um die Wallfahrt zur gesperrten Maria Waldrast am „Weißen Sonntag“ (20. April 1941) – dem Geburtstag Hitlers. Was in der Stube des Glasnhofs als spontane Idee begann, war für das NS-Regime eine gezielte Provokation. Josef Mair hatte sich diesmal nicht aktiv an der Organisation beteiligt, doch sein Haus war der Treffpunkt gewesen. Junge Theologiestudenten – darunter Reinhold Stecher – hatten dort die Wallfahrt besprochen. Mair warnte sie eindringlich: „Wer jetzt nichts tut, ist kein Feigling. Aber wer etwas tut und dann Namen nennt, der ist einer.“ In der Nacht von Donnerstag, dem 17. auf den 18. April 1941, wagten sein Bruder Franz und Hans Madersbacher ein riskantes Unternehmen: Sie holten heimlich die Madonnenstatue aus der Kirche und entzogen sie so dem Zugriff der Nationalsozialisten – eine Aktion, von der Josef wusste. Bemerkenswert ist, dass die Gestapo diesen Diebstahl bis zum Ende des Regimes nicht aufklären konnte. Die beiden jungen Männer blieben unbehelligt. Am Dienstag, dem 22. April 1941, war es so weit. Maria Mair sah die Männer der Gestapo auf das Haus zukommen. Sie schickte ihre Schwägerin Paula, um Josef zu warnen – doch vergeblich. Vom Feld aus entdeckten ihn die Beamten. Im Verhör im Matreier Rathaus konfrontierte ihn die Gestapo mit den Aussagen des Theologiestudenten Anton Hilber. Unter Druck gebrochen, hatte Hilber Details preisgegeben – auch dass Josef Mair ihn gebeten hatte, in Steinach keine Geistlichen einzuweihen. Mair leugnete nicht, wusste aber: Diesmal gab es kein Zurück. Er hatte bereits zweimal eine „Verpflichtung“ unterschrieben, dass ihn eine neuerliche Verhaftung ins KZ bringen würde. Noch am selben Abend brachte man ihn zum Brenner in ein Gefängnis. Maria blieb mit dem kleinen Michael am Arm und der Gewissheit zurück, ihren Mann wohl zum letzten Mal gesehen zu haben. Mit List und Mut gegen die Gestapo: Maria Mairs erfolgreicher Kampf um ihren Mann Josef Mair, Diözesanjugendführer, wurde am 22. April 1941 von der Gestapo zum dritten Mal verhaftet. Man warf ihm vor, eine Wallfahrt nach Maria Waldrast organisiert zu haben. Ein Theologiestudent namens Hilber hatte sämtliche Details verraten. Bei einer Gegenüberstellung am Brenner blieb Josef bei seiner Aussage, während Hilber ihn belastete. Als Maria Mair erfuhr, dass ihr Mann ins KZ Dachau kommen sollte, setzte sie alles in Bewegung, um dies zu verhindern. Der entscheidende Kampf spielte sich Ende Juni 1941 ab. Durch eine Warnung des Polizeiangestellten Franz Huber erfuhr Maria, dass Josef am Montag darauf vom Polizeiarzt Dr. Heinrich Heel für das KZ untersucht werden würde. Sie besorgte von Max Hallhuber ein Medikament, das das Herz belastete, und Josef machte vor der Untersuchung 30 Kniebeugen. Dr. Heel war unsicher und beantragte eine klinische Untersuchung. Bei der ersten Untersuchung in der Klinik machte Josef bewusst das Gegenteil der Anweisungen einer "braunen Schwester", sodass der EKG-Film unbrauchbar wurde. Bei der zweiten Untersuchung, etwa zwei Wochen später, half ihm eine geistliche Schwester, die einen Film eines schwer herzkranken Patienten mit Josefs Namen versah. Der gefälschte Befund zeigte eine schwere Herzkrankheit. Der reguläre Polizeiarzt, Dr. Max Herbst, obwohl überzeugter Nazi, schrieb Josef daraufhin als "lagerunfähig". Die KZ-Einweisung wurde zurückgezogen. Dank des Mutes seiner Frau Maria und eines Netzwerks von Helfern – darunter Franz Huber, Max Hallhuber, Dr. Steiner und die geistliche Schwester – entging Josef Mair im Juni 1941 der Deportation ins Konzentrationslager. Die Rettung vor dem Kriegseinsatz Nach der dritten Haftentlassung im Oktober 1941 gelang es Josef Mair, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Er kochte Tabak und trank den Sud, um krank zu wirken. Polizeiarzt, Dr. Max Herbst, stellte Haftunfähigkeit und später Wehrunfähigkeit fest. Bei der Musterung attestierte ihm derselbe Arzt mehrmals eine halbjährige Wehrunfähigkeit. Als Mair schließlich bat, ihn doch tauglich zu schreiben, um vor der Gestapo Ruhe zu haben, erhielt er den Status "g.v.H." – Garnisonsverwendung Heimat. Im Winter 1941/42, als Tochter Margreth geboren wurde, trat Josef Mair seinen Dienst beim Grenzschutz an, zunächst als Hilfszollassistent in Gries am Brenner, später in Zams. Die Zeit am Brenner war kurz: Nachtdienste rund um den Brennersee ohne Taschenlampe gehörten zum Alltag. Krankmeldungen waren ohne ärztliches Attest möglich – eine willkommene Möglichkeit, sich dem Zugriff der Gestapo zeitweise zu entziehen. Aufbau einer Widerstandsgruppe in Landeck Seine Versetzung nach Landeck zum Wehrmeldeamt nutzte Josef Mair für den Aufbau einer Widerstandsgruppe. Bereits am 22. August 1942 traf er sich mit Fachlehrer Ambros Mayr zu ersten Besprechungen. In den folgenden Jahren baute er ein Netzwerk auf, das in den letzten Kriegsmonaten entscheidende Bedeutung erlangen sollte. Die Lage im Bezirk Landeck war brisant: Starke SS-Verbände, das 19. und 24. Armeekorps mit rund 20.000 Mann, zahlreiche hohe Parteifunktionäre und über 10.000 politische Flüchtlinge aller Nationen drängten sich in der Region. Die Wehrmacht bereitete die Sprengung aller Brücken und wichtiger Straßenstellen vor – ein letzter, verzweifelter Widerstand war zu erwarten. Erfolgreiche Aktionen in den letzten Kriegstagen Die Widerstandsgruppe um Josef Mair handelte entschlossen. Am 17. Februar 1945 konnten Dr. Mair und Dr. Brugger dem Kurier Kirchmair (von Dr. Carl Gruber aus Innsbruck) erste Erfolge melden: Es war gelungen, Waffen für die Bewachung des Krankenhauses zu beschaffen. Am 25. Februar verschärfte sich die Lage. Mair, Dellemann und Bucher berichteten von zunehmenden Repressalien gegen Kriegsgefangene. Weitere Lagebesprechungen folgten am 8. April mit Bucher und Dr. Brugger. Die entscheidenden Tage kamen Ende April 1945:
Neuanfang nach 1945: Die Familie Mair zwischen Kontinuität und Aufbruch Das Ende des NS-Regimes bedeutete für Dr. Josef Mair nicht das Ende seines Wirkens für die katholische Kirche. Rasch fand er eine Anstellung im Haus der Begegnung St. Michael in Matrei am Brenner, wo er anknüpfen konnte an jene Tätigkeiten, die er bereits im kirchlichen Dienst unter Bischof Paul Rusch ausgeübt hatte – noch vor seiner Zeit beim "Österreichischen Jungvolk", bevor dieses von den Nationalsozialisten aufgelöst worden war. Josef Mair hatte einen bemerkenswerten Weg hinter sich: Zunächst Theologiestudium in Brixen, dann Wechsel zur Jurisprudenz in Innsbruck mit Promotion. In Hall, noch als Student am Franziskanergymnasium, hatte er seine spätere Frau kennengelernt. Am 29. September 1939 traute sie Bischof Paul Rusch in der Haller Pfarrkirche – ein Zeichen der engen Verbindung zur kirchlichen Hierarchie, die auch in schwierigen Zeiten hielt. Den Lebensunterhalt für die wachsende Familie sicherte der Glasnhof, wo Josef Mair als vulgo "Jochel-Sepp" bekannt war. (Der Hof blieb der eigenen Familie nur unter dieser Bezeichnung "beim Jocheler" vertraut.) Die Tenne des Hauses nutzten Tante Paula und ihr Mann Hans Signitzer, vulgo "Schusterbauer" – gelebte Nachbarschaft und familiäre Verbundenheit auf engstem Raum. Eine Frau mit eigenem Weg Maria Mair, geborene Ghedina, war eine Frau, die sich gegen die Vorstellungen ihrer eigenen Mutter – in Wien zur diplomierten Säuglingsschwester ausbilden ließ und in Hall und Innsbruck Betreuungstätigkeiten übernahm. Unter anderem betreute sie Mag. Günther Pollak in Hall in Tirol als Baby – ein Beispiel für ihre professionelle Tätigkeit in gutbürgerlichen Kreisen. Die Zeit der Trennung von ihrem zukünftigen Mann, als Josef in Brixen weilte, überbrückte sie auf eigene Faust: Drei Jahre lang arbeitete sie in Italien als Säuglingsschwester in wohlhabenden Familien. Sie wollte ihren Mann nicht in Gewissenskonflikte bringen – ein Satz, der viel aussagt über die politischen Spannungen jener Jahre und den schmalen Grat, auf dem sich regimekritische Katholiken bewegten. Sieben Kinder in zehn Jahren Zwischen März 1941 und Oktober 1952 kamen sieben Kinder zur Welt:
Widerstand als Haltung Was bedeutet "Widerstand" in dieser Familiengeschichte? Es war kein Widerstand mit der Waffe, kein offener politischer Kampf. Es war ein Widerstand der Haltung: die Treue zur katholischen Kirche in einer Zeit, die diese bekämpfte; die Weigerung, sich dem NS-Regime anzudienen; das Festhalten an menschlichen Werten und beruflicher Integrität. Dr. Josef Mair konnte nach Kriegsende dort weitermachen, wo er 1938 unterbrochen worden war. Dass er so rasch wieder im kirchlichen Dienst Fuß fasste, zeigt: Die katholische Netzwerke in Tirol hielten. Bischof Paul Rusch, der das Paar getraut hatte, blieb eine zentrale Figur dieses Milieus. Maria Mair wiederum verkörperte den Typus der modernen Frau: ausgebildet, berufstätig, sprachkundig und international erfahren – und doch fest verwurzelt in der traditionellen katholischen Großfamilie. Der Glasnhof in Matrei wurde so zum Schauplatz einer doppelten Geschichte: Hier lebte man traditionell, aber die Lebenswege der Eltern wiesen weit über das Tal hinaus – nach Wien, nach Italien, in die geistigen und kirchlichen Zentren des Landes. Diese Familie steht exemplarisch für jene vielen stillen Lebensgeschichten, die den Neubeginn nach 1945 möglich machten: im Vertrauen auf Gott, im Zusammenhalt der Großfamilie und in der Entschlossenheit, aus den Trümmern der Vergangenheit eine lebenswerte Zukunft zu bauen. Dr. Josef Mair: Ein Wegbereiter der Ehevorbereitung und langjähriger Leiter des Bildungshauses St. Michael nach 1945Eine prägende Persönlichkeit in der Geschichte des diözesanen Bildungshauses St. Michael war Dr. Josef Mair. Auf Berufung von Bischof Paulus Rusch übernahm er nach Ende des Krieges die Leitung des Hauses. Bis zu seinem krankheitsbedingten Ruhestand lenkte er die Geschicke dieser wichtigen Bildungsstätte der Diözese. In seine Amtszeit fiel eine herausfordernde Phase, als das Bildungshaus 1970 aufgrund schwerwiegender baulicher Mängel für mehrere Jahre geschlossen werden musste. Trotz dieser Widrigkeiten bleibt sein Name vor allem mit einem inhaltlichen Schwerpunkt verbunden, der bis heute das Leben vieler Menschen in der Diözese bereichert: Dr. Josef Mair wirkte maßgeblich an der Einführung und dem Ausbau der sogenannten „Brautleutetage“ mit. Dieses wegweisende Angebot zur Vorbereitung junger Menschen auf die Ehe ist bis heute ein gültiger Arbeitsschwerpunkt der Diözese Innsbruck geblieben. Seinen Lebensabend verbrachte Dr. Josef Mair in Hall. Am 14. August 1986 verstarb er im Alter von 77 Jahren. Nur wenige Tage später, am 20. August, wurde der langjährige Leiter des Bildungshauses St. Michael auf dem Friedhof in Hall zu Grabe getragen. Unter den zahlreichen Trauergästen, die ihm die letzte Ehre erwiesen, befand sich auch Bischof Dr. Reinhold Stecher, was die Wertschätzung für sein langjähriges Wirken für die Diözese unterstrich. (Quelle: Bezirksnachrichten August 1986, ergänzt durch eine Richtigstellung von Sohn Gottfried Mair) Grabstätte Familie Dr. Josef Mair und Maria Mair geb. Ghedina am Städtischen Friedhof in Hall in Tirol. Foto in Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol. Bezirksblatt August 1986. In Archiv der Marktgemeinde Matrei am Brenner.
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