"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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Dr. Gottfried Uffenheimer
Widerstand Innsbruck & Vizebürgermeister 1945




Dr. Gottfried Uffenheimer (1891-1947)- Rechtsanwalt, Widerstandskontakt und Vizebürgermeister von Innsbruck

4/29/2026

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Wer war Dr. Gottfried Uffenheimer?

Dr. Gottfried Uffenheimer war ein Innsbrucker Rechtsanwalt, sozialdemokratischer Politiker und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo im Jahr 1945 überlebte er die Haft im Lager Reichenau und übernahm unmittelbar danach als Vizebürgermeister eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau der Stadt Innsbruck.
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Dr. Gottfried Uffenheimer (1946). Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Einleitung

Dr. Gottfried Uffenheimer (geb. 22. Oktober 1891 in Wien, gest. 2. Oktober 1947 in Innsbruck) ​zählt zu jenen Persönlichkeiten, deren Lebensweg die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Österreichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts exemplarisch widerspiegelt.
Als Rechtsanwalt in Innsbruck, als Kontaktperson innerhalb oppositioneller Netzwerke während der Zeit des Nationalsozialismus sowie als Vizebürgermeister im unmittelbaren Wiederaufbau nach 1945 nahm er unterschiedliche, teils widersprüchlich erscheinende Rollen ein. Seine Biografie ist daher nicht nur als individuelle Lebensgeschichte, sondern auch als Fallbeispiel für Handlungsspielräume, Anpassungsstrategien und Formen des Widerstands unter den Bedingungen diktatorischer Herrschaft zu verstehen.
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Dr. Gottfried Uffenheimer mit seinem ältesten Sohn Friedl/Gottfried (1929/30 ?). In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Herkunft und familiärer Hintergrund -  Familie Uffenheimer

Eine Familie mit Geschichte

Die Familie Uffenheimer lässt sich in Innsbruck und der weiteren Region Tirol bereits seit über 300 Jahren nachweisen. Im Zuge der verstärkten jüdischen Ansiedlung ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich ein weitreichendes Netzwerk wirtschaftlicher und familiärer Beziehungen, das bis nach Schwaben, Frankfurt und in das Rheingebiet reichte. Eine zentrale Figur dieser frühen Phase war Jonathan Uffenheimer (geb. 1680 in Uffenheim, tätig bis nach 1758), der als Hoffaktor, Heereslieferant und Großhändler eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben der Region spielte. Durch seine Verbindung mit der einflussreichen Kaufmannsfamilie May wurde die Familie Uffenheimer nachhaltig im Tiroler Raum verankert und prägte über Generationen hinweg das jüdische Leben in und um Innsbruck.

Geburts-und Taufschein (röm.kath.) Gottfried Hermann Uffenheimer

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Geburts-und Taufschein Gottfried Uffenheimer 22.10.1891 (röm.kath.). In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Kommentar zur Geburts- und Taufurkunde von Dr. Gottfried Uffenheimer

Das vorliegende Dokument ist ein amtlicher Auszug aus dem Geburts- und Taufbuch der Pfarre Wien III., Landstraße, ausgestellt am 13. Oktober 1947. Es bestätigt, dass Gottfried Hermann Uffenheimer am 22. Oktober 1891 in der Döbergasse 8, Wien III. geboren und am 31. Oktober 1891 nach römisch-katholischem Ritus getauft wurde.
Die Urkunde nennt die Eltern: Ferdinand Uffenheimer (Bankbeamter) und Theresia, geb. Seliger. Die Großeltern väterlicherseits sind Leopold Uffenheimer (Kaufmann) und Rosina Löwenstein, mütterlicherseits Carl Seliger und Elisabeth Stark. Taufpate war Hermann Hango, Archivadjunkt der Stadt Wien.
Besonders bemerkenswert ist die Randnotiz, dass die Eheschließung der Eltern am 24. Juni 1888 in der Pfarre Langenrohr (Niederösterreich) erfolgte.
Das Dokument ist ein wertvoller Beleg für die Herkunft und die familiären Wurzeln von Dr. Gottfried Uffenheimer im späten 19. Jahrhundert in Wien. Obwohl es sich bei der Familie Uffenheimer um eine jüdische Familie handelte, trat sie – wie viele andere im Wien des späten 19. Jahrhunderts – zum römisch-katholischen Glauben über, was auch auf gesellschaftliche und berufliche Integrationsbestrebungen im k. u. k. Österreich hindeutet.

Dr. Gottfried Uffenheimer (senior)

Uffenheimer entstammte einer Familie mit jüdischen Wurzeln, die sich bis in die Großelterngeneration nachweisen lassen. In den nationalsozialistischen Verwaltungsakten wurde er dementsprechend als sogenannter „Mischling ersten Grades“ klassifiziert – eine Kategorie der Nürnberger Rassegesetzgebung, die mit erheblichen rechtlichen Einschränkungen und sozialer Diskriminierung verbunden war.
Er selbst war konfessionslos.
Sein Lebensmittelpunkt befand sich in Innsbruck, wo er unter der Adresse Innstraße 111 wohnhaft war.
Uffenheimer war zweimal verheiratet. In erster Ehe mit Grete, geborene Juch; aus dieser Verbindung ging ein Sohn hervor, Dr. Gottfried Uffenheimer (geb. 6. Februar 1922). 
In zweiter Ehe heiratete Uffenheimer am 4. Januar 1934 Antonia, geborene Passamani, mit der er eine weitere Familie gründete.
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Dr. ​Gottfried Uffenheimer und Antonia geb. Passamani - Ehezertifikat. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.
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Dr. Gottfried Uffenheimer - Familienfotos, in: Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Dr. Gottfried Uffenheimer (junior)

Dr. Gottfried Uffenheimer (geb. 6. Februar 1922) war während der NS-Zeit Mitglied der Hitlerjugend sowie der NSDAP, was auf die generationellen und sozialen Spannungsfelder innerhalb von Familien in der Zeit des Nationalsozialismus verweist.
Im Fall von Dr. Gottfried Uffenheimer junior verdeutlicht dies die Widersprüche und Überlebensstrategien, die den Alltag vieler Familien mit teilweise jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus prägten. Gerade vor dem Hintergrund, dass ein als „Mischling ersten Grades“ eingestufter Mensch beziehungsweise dessen Familie überhaupt Zugang zu Organisationen wie der HJ oder der NSDAP erhielt, wird die Ambivalenz und Inkonsistenz der nationalsozialistischen Rassenpolitik besonders deutlich.
Besonders relevant ist dieser Umstand im Kontext Tirols unter Gauleiter Franz Hofer (1902-1975). Hofer betrieb eine besonders aggressive antisemitische Politik und verfolgte das Ziel, den Gau Tirol-Vorarlberg möglichst rasch als „judenfrei“ zu präsentieren, um sich gegenüber Adolf Hitler und der NS-Führung als besonders loyal und ideologisch konsequent darzustellen. Jüdische Bewohner Tirols waren daher einem erheblichen Verfolgungsdruck ausgesetzt – durch gesellschaftliche Ausgrenzung, wirtschaftliche Entrechtung, Überwachung und Deportationsgefahr.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb manche Familien mit jüdischer Herkunft versuchten, durch Anpassungsstrategien, formale Loyalitätsbekundungen oder Mitgliedschaften in NS-Organisationen einen gewissen Schutz zu erlangen. Diese Maßnahmen bedeuteten jedoch keineswegs notwendigerweise eine ideologische Identifikation mit dem Nationalsozialismus, sondern waren häufig Ausdruck existenzieller Angst und des Versuchs, das eigene Überleben sowie jenes der Familie zu sichern.

Dr. med. Gottfried Uffenheimer (jun.) (1922–ca. 1970/71) – Sanitäter, Arzt und Überlebender

Dr. med. Gottfried Uffenheimer – im Familienkreis „Onkel Friedl“ genannt – wurde 1922 geboren. Die Erinnerungen seiner Nichte Gayane Chambless zeichnen das Bild eines besonderen Menschen, der trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs und der NS-Herrschaft seine humane Haltung bewahrte.
Als junger Arzt diente er als Sanitäter an der rumänischen Front – ein Einsatz, der ihm sicherlich Schreckliches vor Augen führte. Sein Vater Gottfried senior holte ihn von dort zurück nach Innsbruck, vermutlich um ihn vor Schlimmerem zu bewahren. Also musste sein Vater Beziehungen zum Widerstand im Wehrmeldeamt gehabt haben, denn ansonsten hätte er ihn nicht zurückholen können.
Eine bemerkenswerte Episode aus den letzten Kriegstagen: Onkel Friedl war zu Hause in der Innstraße in Innsbruck, als die amerikanischen Truppen einmarschierten. Gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern bemalte er ein weißes Bettlaken so, dass es wie die amerikanische Flagge aussehen sollte. Dabei entbrannte ein Streit darüber, wie viele Sterne auf die Flagge gehörten. Sein lakonischer Kommentar – die Soldaten würden „die Sterne doch nicht verdammt noch mal zählen“ – zeugt von einem pragmatischen Humor, der unter solch bedrohlichen Umständen wohl überlebenswichtig war. Seine Mutter, die Großmutter von Gayane Chambless, war hingegen verzweifelt, weil sie nichts aus dem Fenster hängen lassen wollte – sie erinnerte eindringlich daran, was bereits geschehen war, als die Nazis kamen.
Onkel Friedl war mit Edith verheiratet (Mädchenname unbekannt), die in einer der Familienwohnungen in der Fallbachgasse lebte. Die Ehe blieb kinderlos. Er starb vermutlich um 1970 oder 1971 an Knochenkrebs, als seine Nichte etwa sieben Jahre alt war.
Obwohl nur wenige Dokumente erhalten blieben – lediglich ein Fotoalbum, das seine Mutter in ihren letzten Jahren mitbrachte –, lebt die Erinnerung an Dr. med. Gottfried Uffenheimer junior durch die persönlichen Geschichten seiner Familie fort.

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Rechtsanwalt und Vertreter der Arbeiterschaft

Dr. Gottfried Uffenheimer (senior)

Tätigkeit im Arbeitsrecht

Als Rechtsanwalt spezialisierte sich Uffenheimer auf Arbeitsrecht und vertrat zahlreiche Arbeitnehmer in rechtlichen Auseinandersetzungen.

Engagement für sozial Schwächere

Er galt als Anwalt mit starkem sozialen Gewissen. Zeitzeugen berichten, dass er auch mittellosen Klienten juristisch half.

Mitglied der Sozialdemokratie

Zwischen 1923 und 1933 war er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SDAP) in Innsbruck – ein zentraler Aspekt seiner politischen Identität.
Dr. Gottfried Uffenheimer - Rechtsanwaltskanzlei Meraner Straße 5 in Innsbruck. TLA, Dokument U3 , 28. August 1941, Eintrag in die Liste der Rechtsanwälte. 

Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus

Dr. Gottfried Uffenheimer (senior)

Jüdische Herkunft und NS-Klassifikation

Im NS-Staat wurde Dr. Gottfried Uffenheimer (senior) als „Mischling ersten Grades“ eingestuft. Diese Kategorie bedeutete erhebliche Diskriminierung und ständige Bedrohung.

„Arische“ Papiere und Überleben

Um sich und seine Familie zu schützen, beschaffte er sogenannte „arische“ Papiere – eine Überlebensstrategie im NS-System.

Tätigkeit im Widerstand

Trotz der Gefahr blieb er politisch aktiv und unterstützte oppositionelle Kreise.

Netzwerk in Tirol

Er stand in Verbindung mit Widerstandsgruppen rund um:
  • Dr. Grünewald
  • Ing. von Hradetzky
Diese Netzwerke arbeiteten auf das Ende des NS-Regimes hin.

Geistiger Widerstand

Zeitgenössische Quellen bezeichnen ihn als Teil eines „geistigen Widerstandszentrums“ in Innsbruck.
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Foto Toni, Jetti und Ferry, Dr. Gottfried Uffenheimer und Ing. Anton (Nino) v. Hradetzky Innsstraße 111, Garten Wohnung Dr. Uffenheimer (1944/45). In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

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NS-Kategorien: „Juden“ und „Mischlinge“

Im nationalsozialistischen Staat wurde die Bevölkerung nach den sogenannten „Nürnberger Gesetzen“ (1935) in rassistische Kategorien eingeteilt. Grundlage war nicht die Religion, sondern die Abstammung.
Man unterschied insbesondere:
  • „Juden“
    Personen mit drei oder vier jüdischen Großeltern. Sie waren vollständig entrechtet, verfolgt und von Deportation bedroht.
  • „Mischlinge ersten Grades“
    Personen mit zwei jüdischen Großeltern. Sie unterlagen erheblichen Diskriminierungen, waren jedoch rechtlich anders gestellt als „Juden“. Ihre Lebenssituation war oft von Unsicherheit geprägt.
  • „Mischlinge zweiten Grades“
    Personen mit einem jüdischen Großelternteil. Sie waren weniger stark betroffen, konnten jedoch ebenfalls Einschränkungen erfahren.
Diese Einteilungen waren zentral für die Verfolgungspolitik des NS-Regimes und bestimmten maßgeblich über Berufsverbote, soziale Ausgrenzung und das Risiko von Deportation.

Handlungsspielräume im Nationalsozialismus

Eintrag in die Rechtsanwaltsliste - 1941: Dr. Gottfried Uffenheimer (senior)

Trotz seiner Einstufung als „Mischling ersten Grades“ wurde Dr. Gottfried Uffenheimer (senior) am 28. August 1941 auf Grundlage einer Verfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten in Innsbruck offiziell in die Liste der Rechtsanwälte beim Landgericht Innsbruck eingetragen.
Dieses Dokument belegt, dass Dr. Uffenheimer im Jahr 1941 weiterhin als Rechtsanwalt tätig war – ein bemerkenswerter Befund angesichts seiner Einstufung als "Mischling 1. Grades" im NS-System.
(Quelle: TLA, Originaldokument datiert auf den 28. August 1941, Innsbruck, Dr. Sandbichler (Unterzeichner). Archivfund im Tiroler Landesarchiv.)

Dokument im Original:

„Betrifft: RA.Dr. Gottfried Uffenheimer in Innsbruck; Eintragung in die Rechtsanwaltsliste. Gemäß der A.V. des Reichsjustizministers vom 29. Jänner 1936 … erstattete ich die Anzeige, daß Rechtsanwalt Dr. Gottfried Uffenheimer … heute den 28. August 1941 über Verfügung des Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten in Innsbruck vom 26. August 1941 … in die Liste der Rechtsanwälte beim Landgericht Innsbruck eingetragen wurde."

Im Volkssturm 1945: Dr. Gottfried Uffenheimer der „Mischling ersten Grades“ wird einberufen

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Foto Volkssturm. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.
Ein bisher wenig bekanntes Detail aus dem Leben Dr. Gottfried Uffenheimers betrifft seine Einberufung zum Volkssturm im Jahr 1945. Ein erhaltenes Foto belegt seine Dienstzeit in dieser letzten Aufgebots Formation des NS-Regimes.

Was war der Volkssturm?

Der Volkssturm wurde am 18. Oktober 1944 durch einen Führererlass als letztes militärisches Aufgebot des Deutschen Reiches gebildet. Eingezogen wurden alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren, die bisher nicht an der Front gedient hatten. Die Rekrutierung erfolgte durch die NSDAP-Gauleiter und umfasste auch viele Männer, die zuvor als „wehrunwürdig“ gegolten hatten. Schlecht ausgerüstet, kaum ausgebildet und mit unzureichenden Waffen versehen, wurden die Volkssturmmänner in den letzten Kriegsmonaten oft in aussichtslosen Kämpfen eingesetzt. Zehntausende kamen dabei ums Leben.

Einberufung trotz Bedrohung

Dass Dr. Uffenheimer – von den NS-Behörden als „Mischling ersten Grades“ eingestuft und selbst von Verfolgung bedroht – zum Volkssturm einberufen wurde, zeigt die vollkommene Willkür und Widersprüchlichkeit des NS-Systems. Einerseits galt er aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Bürger zweiter Klasse, andererseits wurde er in den letzten Kriegswochen für den Dienst an der Waffe herangezogen.
Seine Einberufung erfolgte vermutlich im Frühjahr 1945, als die NS-Führung in Tirol verzweifelt versuchte, alle verfügbaren Männer zur Verteidigung der Alpenfestung zu mobilisieren. Nur wenige Wochen später, im April 1945, wurde Uffenheimer von der Gestapo verhaftet und in das Lager Reichenau gebracht.
Das überlieferte Foto zeigt ihn in der Uniform des Volkssturms – ein eindrückliches Zeugnis der paradoxen Situation eines Mannes, der gleichzeitig im Visier der NS-Verfolgungsbehörden stand und für das Regime kämpfen sollte.

Lager Reichenau und geplante Hinrichtung

Gestapo-Verhaftung 1945

Im April 1945 wurde Uffenheimer von der Gestapo verhaftet.

Haft im Lager Reichenau

Er wurde im Lager Reichenau bei Innsbruck inhaftiert – einem zentralen Ort politischer Verfolgung in Tirol.

Geplante Hinrichtung

Sein Name findet sich auf Listen geplanter Hinrichtungen im Rahmen der sogenannten Endphase Verbrechen.
Nur der Zusammenbruch des NS-Regimes verhinderte seine Ermordung.

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Innsbruck April 1945 - Gestapo plante Geiselmorde

Arbeitslager Reichenau Innsbruck: NS-Zwangsarbeit & Erinnerung

Das Arbeitslager Reichenau in Innsbruck ist eines der dunkelsten, aber wenig bekannten Kapitel der Stadtgeschichte. Für US-Besucher und Geschichtsinteressierte ist dieser Ort ein wichtiges Mahnmal abseits der großen Konzentrationslager.

Was war das Lager Reichenau?

Von 1941 bis 1945 betrieb die Gestapo im Stadtteil Reichenau ein sogenanntes Arbeitserziehungslager (AEL) . Es war kein Vernichtungslager, sondern ein brutales System der NS-Zwangsarbeit. Ziel war es, durch Schläge, Hunger und Schwerstarbeit "widerspenstige" Arbeiter zu brechen

Opfer und Todeszahlen

Über 8.600 Menschen durchliefen das Lager, darunter Sowjets, Polen, Italiener und auch Österreicher. Mindestens 130 Menschen starben hier durch Erhängungen, Erfrierungen oder Erschöpfung. Viele wurden anschließend nach Dachau oder Auschwitz deportiert.

Gedenken in Innsbruck

Die Baracken wurden nach dem Krieg abgerissen. Heute erinnert nur ein kleiner Gedenkstein im Stadtteil Rossau an die Opfer. Für das Jahr 2026 ist ein neuer, würdiger Gedenkort in Innsbruck geplant. Besucher können den Ort besichtigen, um sich an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern.

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Gedenken Arbeitslager Reichenau

Die letzten Kriegstage

Ein Dokument aus dem Jahr 1946 bestätigt:
„… Dr. Grünewald, Dr. Uffenheimer […] wurden […] in Haft gesetzt und verblieben bis 2. Mai 1945 im KZ Reichenau.“
Dieses Dokument belegt:
  • seine aktive Rolle im Widerstand
  • seine Verhaftung durch die Gestapo
  • seine Haft bis kurz vor Kriegsende

Neubeginn 1945: Dr. Gottfried Uffenheimer (senior) Vizebürgermeister von Innsbruck

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Dokumente der französischen Besatzungsbehörde für Dr. Gottfried Uffenheimer. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Politischer Neubeginn

Nach Kriegsende übernahm Uffenheimer sofort Verantwortung beim Wiederaufbau Innsbrucks.

Vizebürgermeister 1945

Als Vizebürgermeister war er Teil der ersten demokratischen Stadtregierung nach dem Nationalsozialismus.

Zusammenarbeit mit Besatzungsmächten

Dokumente der französischen Besatzungsmacht zeigen, dass ihm besondere Bewegungsfreiheit gewährt wurde – ein Zeichen des Vertrauens in seine Tätigkeit.

Niederschrift vom 7. Mai 1945 - Rathaus in Innsbruck - Dr. Gottfried Uffenheimer (senior)

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Niederschrift 7. Mai 1945 Dr. Gottfried Uffenheimer als Bürgermeister von Innsbruck (SPÖ). In Privatarchiv Gayane Chambless USA
Seite 1
N i e d e r s c h r i f t – aufgenommen am 7.5.1945.
Anwesend: Dr. Gottfried Uffenheimer als Bürgermeister der Gauhauptstadt Innsbruck – Dr. Franz Greiter – beide mit Vollmacht des Exekutivausschusses der Oesterr. Widerstandsbewegung vom 5.5.1945 – Der mit Vollmacht betraute Dr. Franz Melzer ist infolge Verhinderung (Abwesenheit von Innsbruck) nicht erschienen. – Ferners Dr. Egon Denz, der bei der NSDAP. als Oberbürgermeister der Gauhauptstadt Innsbruck mit der Führung der Stadtverwaltung betraut war. –
Zweck der Amtshandlung: Übergabe der Verwaltungsagenden der Stadt Innsbruck. –
Dr. Egon Denz übergibt an Dr. Gottfried Uffenheimer und Dr. Franz Greiter auf Grund der Übersicht über Abteilungen und Dienststellen der Stadtverwaltung sämtliche Agenden. –
Dr. Egon Denz teilt mit, dass kein Bargeld ausser 145000 RM zur Verfügung steht und der Bedarf täglich ca 80.000 RM beträgt. Flüssiges Kapital im Betrage von 2,800.000 RM steht bei der Sparkasse Innsbruck zur Verfügung. – Die Gehälter an die Beamten sind nur zum Teil ausbezahlt. Näherer Stand an der Stadtkasse festzustellen. Familienunterhalt sei nach seiner Anordnung vorläufig zu sperren. –
Die beiden anwesenden Beauftragten entscheiden sich dafür, dass
  1. der Familienunterhalt vorläufig gesperrt wird, bis die Bargeldfrage geregelt ist und sodann die Auszahlung sofort wieder fortzusetzen
  2. Die Kriegsschäden sind vorläufig zurückzustellen und wegen der Rückrechnung an das Reich abzuwarten –
  3. Ing. Kinninger ist vorläufig als Baudirektor im Amt zu belassen. –
Seite 2
  1. Die Schuleneröffnung im Zusammenhang mit der Einquartierung der Alliierten Truppen vorläufig in Schwebe zu lassen.
  2. Die Instandsetzung der Kasernen zur Unterbringung der Besatzungstruppen als vordringlich dem Bauamt zuzuweisen.
  3. Die Stadtwerke sind mit den vorläufigen Besetzungen zu belassen.
  4. Die beschlagnahmten Personenwagen und zwar TV 256, den Bürgermeister Christoph fuhr und TV 253, von Wurmhöringer benützt, stehen zur Verfügung. Sämtliche Lastwagen der Stadtgemeinde Innsbruck sind unbrauchbar.
  5. Ausgangsscheine für die lebenswichtigen Betriebe von der Besatzung zu besorgen.
  6. Die Übersiedlung der Stadtverwaltung in das alte Rathaus ist zu betreiben.
  7. Die Trauungsformulare sind aus formalistischen Gründen zu belassen und unter Umständen die Textierung "Im Namen des Reiches" durch eine entsprechende Änderung zu ersetzen. (Der Nachweis nach den Nürnberger Gesetzen ist nicht mehr notwendig.)
Hierauf übergibt Dr. Egon Denz die 8 Abteilungen der Stadtverwaltung mit den bisherigen Abteilungsvorständen, über deren Verbleib im Einvernehmen mit der Besatzungsarmee zu entscheiden sein wird.
Unter Vorlage eines Ausweises über den Kassastand ergibt sich per 5.5.1945 ein Betrag von RM 145.762.59 RM.

Wirtschaftliche Not und Überlebensstrategien nach 1945

Die ersten Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in Innsbruck – wie in weiten Teilen Österreichs – von extremer wirtschaftlicher Not geprägt. Die städtische Verwaltung stand vor dem Zusammenbruch: Lebensmittel fehlten, die Infrastruktur war beschädigt, Wohnraum knapp und die Versorgung der Bevölkerung kaum gesichert. Zeitgenössische Dokumente zeigen, dass die täglichen Kosten für die Aufrechterhaltung des städtischen Betriebs enorme Summen erreichten, während gleichzeitig kaum finanzielle Mittel vorhanden waren.
In dieser Situation erkannte Dr. Gottfried Uffenheimer als Vizebürgermeister früh die dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Probleme
Zeitgenössische Verwaltungsakten verdeutlichen die dramatische wirtschaftliche Lage Innsbrucks unmittelbar nach Kriegsende. Bei der Übergabe der Verwaltungsagenden an Dr. Gottfried Uffenheimer wurde festgehalten, dass der Stadt lediglich 145.000 Reichsmark Bargeld zur Verfügung standen, während der tägliche Finanzbedarf bereits rund 80.000 Reichsmark betrug. Obwohl nach offiziellem Wechselkurs erhebliche Summen im Umlauf waren, besaß Geld im zerstörten Nachkriegseuropa oft nur eingeschränkte reale Kaufkraft. Lebensmittel, Brennstoffe und insbesondere Zigaretten entwickelten sich vielfach zu Ersatzwährungen. Auch familiäre Erinnerungen der Familie Uffenheimer berichten davon, dass Zigaretten als Tauschmittel dienten – ein eindrückliches Beispiel für die existenzielle Not und die improvisierten Überlebensstrategien der Bevölkerung in den ersten Nachkriegsjahren.

Historischer Wechselkurs

Im Deutschen Reich galt in den 1930er- und frühen 1940er-Jahren offiziell ungefähr:
  • 1 USD ≈ 2,5 Reichsmark (RM)
Daraus ergibt sich rechnerisch:
  • 80.000 RM ≈ 32.000 USD (1940er Jahre)
Wenn man diese 32.000 USD anhand der amerikanischen Inflation bis heute bzw. 2026 hochrechnet, ergibt sich tatsächlich ungefähr:
  • ca. 500.000–650.000 USD heutiger Kaufkraft
👉 Rein rechnerisch ist diese Umrechnung also grundsätzlich plausibel.

Historisch wichtiger Kontext

Allerdings ist bei der Reichsmark Vorsicht geboten:
  • Die Reichsmark war keine frei konvertierbare Währung.
  • Während des Krieges existierten:
    • Preisbindungen,
    • Rationierungen,
    • Schwarzmärkte,
    • massive Versorgungsengpässe.
  • Die tatsächliche Kaufkraft war daher oft völlig anders als der offizielle Wechselkurs.
Gerade in den letzten Kriegsmonaten und unmittelbar nach 1945 war Bargeld oft weniger wert als:
  • Lebensmittel,
  • Brennstoff,
  • Zigaretten,
  • Kleidung,
  • Tauschgüter.
Deshalb entwickelten sich in Innsbruck – wie in vielen europäischen Städten – informelle Tauschsysteme. Zeitzeugenberichte aus Familien, darunter auch jene der Familie Uffenheimer, erwähnen Zigaretten ausdrücklich als eine Art Ersatzwährung. Amerikanische Zigaretten galten nach Kriegsende als besonders wertvoll und wurden häufig gegen Lebensmittel, Dienstleistungen oder Alltagsgüter eingetauscht.

Der Begriff „Gau“ – Historische Einordnung und Bedeutung für Innsbruck

Was bedeutet „Gau“?

Der Begriff „Gau“ stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und bezeichnete eine Landschafts- oder Verwaltungseinheit. Die Nationalsozialisten griffen ihn wieder auf und machten ihn zu einer Parteiverwaltungseinheit der NSDAP. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde auch Österreich in solche Gaue eingeteilt.

Gau Tirol-Vorarlberg und die „Gauhauptstadt Innsbruck"

Der sogenannte Gau Tirol-Vorarlberg war einer dieser Reichsgaue bzw. Parteigaue mit Verwaltungssitz in Innsbruck. Die NS-Verwaltung bezeichnete Innsbruck daher offiziell als „Gauhauptstadt Innsbruck“. Wichtig zu verstehen: Dies war keine Ehrenbezeichnung, sondern eine reine Verwaltungs- und Amtsbezeichnung innerhalb des NS-Systems.

Was bedeutet die Bezeichnung in Dokumenten vom Mai 1945?

Die Formulierung „Dr. Gottfried Uffenheimer als Bürgermeister der Gauhauptstadt Innsbruck“ in einem Dokument vom 7. Mai 1945 bedeutet nicht, dass Uffenheimer Nationalsozialist war oder sich mit dem NS-System identifizierte. Vielmehr wurde hier schlicht das vorhandene amtliche Formular bzw. die bisherige Verwaltungsbezeichnung weiterverwendet.
Das Dokument selbst belegt dies eindeutig: Darin wird ausdrücklich festgehalten, dass die Vertreter mit Vollmacht des „Exekutivausschusses der österreichischen Widerstandsbewegung“ handeln. Zudem findet sich der Vermerk, dass alte Formulare aus praktischen Gründen zunächst weiter genutzt werden sollen:
„Die Trauungsformulare sind aus formalistischen Gründen zu belassen …"

Die Situation der ersten Maitage 1945

​Diese pragmatische Handhabung spiegelt die chaotische Übergangszeit unmittelbar nach Kriegsende wider:
  • Die NS-Herrschaft war gerade zusammengebrochen
  • Neue österreichische Behörden entstanden improvisiert
  • Es gab noch keine neuen Briefköpfe, Stempel oder Formulare
  • Die Verwaltung musste aber sofort funktionieren
Daher strich man häufig NS-Bezeichnungen durch oder verwendete alte Vordrucke weiter – genau wie im beschriebenen Fall mit dem durchgestrichenen Kopf „Gauhauptstadt Innsbruck“.

Wer war Gottfried Uffenheimer?

Gottfried Uffenheimer war Mitglied der SPÖ und war Teil der österreichischen Widerstandsbewegung. Dass er im Dokument mit der alten Amtsbezeichnung erscheint, ist ein typisches Beispiel für den administrativen Übergang nach Kriegsende – nicht für eine politische Nähe zum Nationalsozialismus.

Die historische Situation des 7. Mai 1945

Dieses Datum markiert einen bedeutenden Moment für Innsbruck: An diesem Tag erfolgte die geordnete Übergabe der Stadtverwaltung von NS-Funktionären an Vertreter der österreichischen Widerstandsbewegung. Der bisherige NS-Verwalter Dr. Egon Denz übergab die Verwaltungsagenden an Dr. Gottfried Uffenheimer und Dr. Rudolf Greiter. Die Niederschrift hält genau diesen Übergang fest – ein lebendiges Zeugnis des Neubeginns nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Herrschaft.

Politischer Neubeginn 1945

Am 7. Mai 1945, nur wenige Tage nach Kriegsende, wurde Dr. Gottfried Uffenheimer von der französischen Besatzungsmacht als Bürgermeister der Stadt Innsbruck eingesetzt. Mit dieser Entscheidung wurden seine Verdienste im Widerstand gegen das NS-Regime gewürdigt, wo er dem geistigen Widerstandsnetzwerk um Anton von Hradetzky angehört hatte. Die politische Realität der unmittelbaren Nachkriegszeit erwies sich jedoch als schwierig: Zwischen der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der Sozialistischen Partei (SPÖ) entbrannten heftige Auseinandersetzungen um die Besetzung politischer Ämter. Im Zuge dieser Konflikte wurde Dr. Anton Melzer (ÖVP) zum Bürgermeister bestellt, während Uffenheimer – ursprünglich für das Amt des Bürgermeisters vorgesehen – sich mit dem Posten des Vizebürgermeisters begnügen musste. Trotz dieser politischen Querelen widmete er sich mit ganzer Kraft seinen neuen Aufgaben. Als Vizebürgermeister zeichnete er insbesondere für das Wohlfahrts- und Bauwesen sowie das Ernährungsamt verantwortlich – Bereiche, die in der Not der Nachkriegszeit von existenzieller Bedeutung waren.
​
Das vorliegende Protokoll vom 7. Mai 1945 dokumentiert die Übergabe der Stadtverwaltung Innsbruck von Dr. Egon Denz, einem NS-Funktionär, an Vertreter der österreichischen Widerstandsbewegung – Dr. Gottfried Uffenheimer und Dr. Franz Greiter. Es belegt den unmittelbaren Übergang von der NS-Herrschaft zu einer provisorischen zivilen Verwaltung noch vor Kriegsende. Bemerkenswert sind die pragmatischen, teils drastischen Maßnahmen: die vorläufige Sperrung von Familienunterhalt, die Zurückstellung von Kriegsschäden sowie die Priorisierung der Kaserneninstandsetzung für die Besatzungstruppen. Auch die Anweisung, Trauungsformulare nicht mehr „im Namen des Reiches“ auszustellen, markiert den symbolischen Bruch mit dem NS-System. Die knappen Kassenbestände (etwa 145.000 RM bei täglichen Ausgaben von 80.000 RM) verdeutlichen die prekäre Versorgungslage. Insgesamt ein aufschlussreiches Dokument über Verwaltungskontinuität und -bruch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

Übernahme von Verantwortung

Nach dem Ende des NS-Regimes gehörte Uffenheimer zu den Personen, die unmittelbar Verantwortung beim Wiederaufbau der städtischen Verwaltung in Innsbruck übernahmen. Bereits Anfang Mai 1945 war er an der Reorganisation der kommunalen Strukturen beteiligt.
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Dr. Gottfried Uffenheimer Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck (französische Militärbehörde). In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Vizebürgermeister und Verwaltungsarbeit:

Dokumente der französischen Besatzungsmacht, darunter sogenannte Laissez-Passer, belegen seine besondere Funktion. Diese Ausweise ermöglichten ihm Bewegungsfreiheit auch während bestehender Einschränkungen und deuten auf eine enge Einbindung in die administrative Zusammenarbeit mit den Besatzungsbehörden hin.

Dr. Uffenheimer: Aufgaben und Agenden im Wiederaufbau

Lebensmittelversorgung
Er organisierte die Versorgung der Bevölkerung in einer Zeit akuter Hungersnot.
Sozialwesen
Uffenheimer war maßgeblich an sozialen Unterstützungsmaßnahmen beteiligt.
Infrastruktur
Er wirkte am Wiederaufbau der zerstörten Stadtstrukturen mit.
Verwaltung und Finanzen
Er half, die Stadtverwaltung neu zu organisieren und funktionsfähig zu machen.

Persönlichkeit und zeitgenössische Wahrnehmung

Unabhängiger Sozialist

Er wurde als „unbedingter Sozialist“ beschrieben, der sich nicht strikt an Parteivorgaben hielt.

Charakter

Zeitzeugen schildern ihn als:
  • kompromisslos
  • integer
  • unabhängig
Diese Eigenschaften brachten ihm sowohl Anerkennung als auch Konflikte ein. ​Diese Ambivalenz ist typisch für politische Akteure der unmittelbaren Nachkriegszeit, die unter hohem Handlungsdruck Entscheidungen treffen mussten.

26. Jänner 1946 - Rücktritt von Dr. Gottfried Uffenheimer

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Dr. Gottfried Uffenheimer gibt seinen Rücktritt aus  allen Funktionen (SPÖ und Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck) bekannt. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.
Unter den erhaltenen Dokumenten zur Biografie von Dr. Gottfried Uffenheimer befindet sich ein außerordentlich aufschlussreicher Brief. Es ist kein amtlicher Ausweis, keine Sterbeurkunde und kein Zeitungsartikel, sondern ein persönliches, politisches Manifest – ein Schreiben, das er am 26. Jänner 1946 an den Parteivorstand der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) richtete.
Dieses Dokument, adressiert an den Sekretär Rupert Zechtl in der Innsbrucker Maximilianstraße, markiert den dramatischen Höhepunkt eines innerparteilichen Konflikts, der Uffenheimers kurze politische Karriere in der Nachkriegszeit überschattete. Es ist das Schriftstück eines zutiefst Enttäuschten, der sich von seiner eigenen Partei verraten fühlt – doch es ist auch das Zeugnis eines Mannes, der seinen Prinzipien treu bleibt, auch wenn es ihn sein Amt kostet.
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Schreiben über den Rücktritt von Dr. Gottfried Uffenheimer als Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck an den  Landeshauptmann von Tirol Dr. Ing. Alfons Weissgatterer, 26. Jänner 1946. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Kommentar: Politischer Rücktritt aus Protest gegen NS-Belastete in der eigenen Partei

Der am 26. Jänner 1946 von Dr. Gottfried Uffenheimer (Vater, gest. 1947) verfasste Brief an den Parteivorstand der SPÖ (Sozialistische Partei Österreichs) zeigt eindeutig: Sein Rücktritt als stellvertretender Bürgermeister von Innsbruck, den er am selben Tag an Landeshauptmann Weissgatterer richtete, war nicht gesundheitlich, sondern maßgeblich politisch motiviert.

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Kapitel: „Ich habe es nunmehr satt“ – Der Rücktritt aus Prinzip

Erinnerungen einer Familie

Ein besonders persönliches Bild von Dr. Gottfried Uffenheimer ergibt sich aus den Erinnerungen seiner Familie. Geboren 1891 in Wien, diente er im Ersten Weltkrieg bei den Kaiserjägern an der italienischen Front. Der Krieg prägte ihn tief: Zwei seiner Brüder fielen an der galizischen Front, darunter sein erst 17-jähriger Bruder Hermann, dessen Gitarre er zeitlebens als Andenken bei sich trug. Nach diesen schweren Verlusten zog er nach Innsbruck (Innstraße 111), wo er fortan lebte.
Auch die Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus zeichnen das Bild einer Familie, die zunehmender Ausgrenzung und Bedrohung ausgesetzt war. Angehörige berichten, dass selbst Kinder früh mit Angst, Demütigungen und gesellschaftlichem Druck konfrontiert wurden. Der älteste Sohn Gottfried junior („Friedl“) war zeitweise Mitglied der Hitlerjugend – eine Erfahrung, die nach familiärer Überlieferung keineswegs ungewöhnlich war, da gerade jene Jugendlichen, die sich verweigerten, häufig noch stärker unter Verdacht gerieten und Repressionen ausgesetzt waren.
Die Tochter erinnerte sich später daran, wie sie aus der Hitler-Mädchengruppe ausgeschlossen wurde, nachdem sie Hitler Hörner und einen Kinnbart ins Gesicht gezeichnet hatte – eine stille Form kindlichen Widerstands, die den Vater wohl heimlich erfreut haben dürfte. Zugleich verschärften solche Vorfälle die ohnehin schwierige Situation der Familie. Ein Nachbarsjunge beschimpfte sie wiederholt als „dreckige Jüdin“ und drohte ständig mit Denunziation. Erst nachdem Dr. Uffenheimer persönlich das Gespräch mit dessen Vater gesucht hatte, endeten die offenen Schikanen – nicht jedoch die ständige Angst vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen.
Bewegende Schilderungen berichten auch von seiner Verhaftung durch die Gestapo im Jahr 1945. Als er abgeholt wurde, lehnte er den „guten“ Mantel ab und verlangte stattdessen seinen Wanderrock – offenbar in dem Bewusstsein, was ihm bevorstand. Nach der Befreiung kehrte er schwer gezeichnet zurück; eine Erkrankung, die er sich während der Haft zuzog, führte zwei Jahre später zu seinem Tod. Zeitzeugen erinnern sich an einen großen Trauerzug durch Innsbruck.
Einzelne familiäre Überlieferungen deuten zudem darauf hin, dass Dr. Gottfried Uffenheimer während der NS-Zeit möglicherweise Verfolgten Schutz gewährte – Hinweise, die weiterer historischer Überprüfung bedürfen.
Diese persönlichen Erinnerungen zeichnen das Bild eines Mannes, der vom Krieg geprägt wurde, zwei Brüder verlor, politische Verfolgung erlitt und dessen Familie die bedrückende Atmosphäre der NS-Zeit unmittelbar erfahren musste. Die Nacht seiner Verhaftung, die Haftzeit und seine geschwächte Rückkehr hinterließen tiefe Spuren in der Familie und blieben über Generationen hinweg lebendig.
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Fotos (1941): Ferry (geb. 1939), Antonia geb. Passamani und Ton Uffenheimer (geb. 1934). In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Tod und Nachwirkung

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Sterbeurkunde von Dr. Gottfried Uffenheimer sen. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Kommentar zur Sterbeurkunde von Dr. Gottfried Uffenheimer (2. Oktober 1947)

Diese offizielle Sterbeurkunde bestätigt, dass Dr. Gottfried Uffenheimer, Rechtsanwalt und Doktor der Rechte, am 2. Oktober 1947 um 3:00 Uhr früh in Innsbruck in der Altenstraße 35 verstorben ist. Er wurde am 22. Oktober 1891 in Wien geboren. Das Dokument führt ihn als römisch-katholisch und wohnhaft in der Innstraße 111 in Innsbruck auf. Es vermerkt zudem seine Ehe mit Antonia Passamani.

Tod 1947

Dr. Gottfried Uffenheimer verstarb am 2. Oktober 1947 im Alter von 55 Jahren.

Stadtbegräbnis

Seine Beerdigung wurde von einem großen Trauerzug begleitet.

Bedeutung für Innsbruck

Er wurde als zentrale Persönlichkeit des Wiederaufbaus gewürdigt.
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Dr. Gottfried Uffenheimer Todesanzeige. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Das Vermächtnis von Dr. Gottfried Uffenheimer

Dr. Gottfried Uffenheimer steht für:
  • Widerstand gegen das NS-Regime
  • Einsatz für soziale Gerechtigkeit
  • Verantwortung im Wiederaufbau nach 1945
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Nachruf Dr. Gottfried Uffenheimer in der Volkszeitung, Freitag den 3. Oktober 1947. In Privatarchiv Gayane Chambless USA.

Volkszeitung, 3. Oktober 1947

In der Nacht auf den Donnerstag ist nach längerer Krankheit im 55. Lebensjahre Dr. Gottfried Uffenheimer in Innsbruck gestorben.
Es ist nicht leicht, der Persönlichkeit des Verstorbenen gerecht zu werden. In ihr paarten sich menschliches Mitempfinden in höchstem Maße mit Härte dort, wo er solche für notwendig erachtete. Seine ganze Laufbahn trägt den Stempel des Eigenwilligen, der sich wenig um die Wohlmeinung der Mitmenschen kümmert, wenn er nur selbst das Gefühl hat, richtig zu handeln.
Dr. Gottfried Uffenheimer kam nach dem Weltkrieg als Rechtsanwalt durch die vielen von ihm vertretenen arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, die ihn mit der Arbeiterschaft in nahen Kontakt brachten, zur Sozialdemokratischen Partei. Sein juristischer Rat stand jedem armen Teufel zur Verfügung, ob er nun zahlen konnte oder nicht. Während der nazistischen Zeit, in der er oft sehr gefährdet war, benahm er sich mutig, auch als Anwalt. Er bildete eines der Zentren des geistigen Widerstandes, wurde deshalb auch wenige Tage vor dem Zusammenbruch in Haft genommen und sollte "liquidiert" werden. Die sich überstürzenden Ereignisse retteten Dr. Uffenheimer damals das Leben.
Bei der provisorischen Installierung der Gemeindeverwaltung von Innsbruck kam Dr. Uffenheimer als Vertreter der Sozialistischen Partei ins Rathaus, wo er dem Wohlfahrts- und Bauwesen sowie dem Ernährungsamt vorstand und insbesondere bei der Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln wertvolle und ganze Arbeit leistete. Vom 2. Mai 1945 bis zum 1. Februar 1946, in der schwersten Periode des Wiederaufbaus der Stadt, bewährte sich der Verstorbene als Vizebürgermeister und ließ auch in dieser Stellung Unzähligen seine Hilfe angediehen.
Dr. Gottfried Uffenheimer war kein Parteimann im engeren Sinne des Wortes. Unbedingter Sozialist, hielt er sich dennoch abseits von der eigentlichen Parteipolitik, die seiner Veranlagung widersprach. Seine kompromißlose Art schuf ihm gute Freunde, aber auch erbitterte Gegner. Niemand, auch seine Gegner nicht, bezweifelten aber jemals die Integrität seines Wesens und sein lauteres Wollen.
Die sozialistische Arbeiterschaft, die dem Verstorbenen viele Dienste zu danken hat, wird ihn aufrichtig betrauern. Darüber hinaus hat aber die ganze Bevölkerung der Stadt Innsbruck einen Mitbürger verloren, der es verdient, daß sein Andenken wachgehalten wird.
In Würdigung der Verdienste des Verstorbenen beschloß der Stadtrat von Innsbruck in seiner gestrigen Sitzung, ihm ein Stadtbegräbnis zu widmen. Die Bestattung wird voraussichtlich Samstag nachmittag erfolgen.

Kommentar zum Nachruf auf Dr. Gottfried Uffenheimer (Volkszeitung, 3. Oktober 1947)

Der Nachruf zeichnet das Bild eines ungewöhnlichen Menschen: Dr. Gottfried Uffenheimer war Rechtsanwalt, Sozialist und Widerstandskämpfer – aber kein Parteisoldat. Besonders hervorgehoben werden seine juristische Hilfsbereitschaft gegenüber Bedürftigen, sein mutiges Verhalten während der NS-Zeit sowie seine Rolle als Vizebürgermeister von Innsbruck in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945/46). Der Text ehrt ihn als kompromisslosen, eigenwilligen Charakter, der sich weder um Meinungen kümmerte noch scheute, sich Feinde zu machen – dessen Integrität jedoch von allen anerkannt wurde. Das von der Stadt Innsbruck gewährte Stadtbegräbnis unterstreicht seinen überparteilichen Rang. Der Nachruf ist zugleich Würdigung und persönliches Portrait, das Widersprüche nicht glättet.

Schlussbetrachtung:

Die Biografie Gottfried Uffenheimers verdeutlicht die komplexen Handlungsspielräume von Individuen unter den Bedingungen von Diktatur, Verfolgung und politischem Umbruch.
Sein Leben lässt sich weder eindeutig als kontinuierlicher Widerstand noch als reine Anpassung beschreiben. Vielmehr zeigt es eine vielschichtige Verbindung von Überlebensstrategien, beruflicher Kontinuität, politischer Haltung und situativem Handeln.
Gerade in dieser Ambivalenz liegt sein historischer Erkenntniswert: Uffenheimer steht exemplarisch für jene Akteure, deren Lebenswege die Grauzonen zwischen Anpassung und Widerstand sichtbar machen.
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    Autorin
    ​Elisabeth Walder

    Historikerin-Ethnologin

    Archive

    Privatarchiv Gayane Chambless, USA: Fotos, Dokumente und Biografie als E-Mail an Elisabeth Walder im April 2026. Sterbeurkunde, Standesamt Innsbruck (1947) Nachruf, „Volkszeitung“, 3. Oktober 1947 Laissez-Passer, französische Besatzungsmacht (1945–1946) Zeitdokument Widerstand Tirol (1946)

    Tiroler Landesarchiv, Dr. Gottfried Uffenheimer (1891-1947) Quelle: SID (ATLR Abt VIII; Staatspolizeiliche Akten 1945 – Pos. 1459; Intervention des Innsbrucker Vizebürgermeisters Dr. Gottfried Uffenheimer wegen des Arbeitseinsatzes von Dr. Friedrich Frank, Rechtsanwalt in Innsbruck) sowie BBÄ BPD Abt 1  (Staatspolizeiliche Abteilung) Aktenselekt 01050 Krösl, Wolfgang Dr., Glaser, Helmuth Dr., Uffenheimer, Gottfried Dr. geb. 1922 in Innsbruck: politischer Leumund, Auskünfte, ehemaliges Mitglied der NSDAP, HJ. 1949.05.25-1949.05.25. Sowie Dr. Gottfried Uffenheimer: LG Ibk. – Personalakten und Standesausweise-Personalakten von Richtern und Vertragsbediensteten 1994.

    Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

    DÖW (Hrsg.):
    „Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934–1945. Eine Dokumentation (2)“, Wien/München 1984, S. 457 und 567.

    Publikation:

    Karin Schneider, Die „Hauptstadt“ des Kronlandes Tirol (1815-1918). Der Beginn der Industrialisierung, in: Kleine Innsbrucker Stadtgeschichte, Innsbruck 2008, S. 168.

    ​Thomas Albrich, Die Uffenheimer in Innsbruck, Hohenems, Breisach und Wien. Jonathan Uffenheimer: Der erste Hoffaktor in Hohenems, in: Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Thomas Albrich (Hrsg.), Innsbruck/Wien 2012, S. 87.

    April 2026

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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