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Foto Dr. jur. Friedrich Punt (1939). In Privatarchiv Walder Hall in Tirol. Mut zur Zivilcourage: Die Konfrontation mit der HeimwehrFriedrich Punt war mehr als ein Rechtsanwalt – er war eine Persönlichkeit von unerschütterlicher Haltung und Mut. Dies bewies er bereits in den frühen 1930er Jahren im politisch aufgeheizten Klima Österreichs. Zusammen mit seinem engen Freund, dem Lehrer Rudolf Leitgeb, geriet er vor dem Innsbrucker Café Central in eine Schlägerei mit Mitgliedern der Heimwehr. Der Auslöser war eine bewusste Provokation: Auf den Gruß „Heil Starhemberg“ hatten die beiden Freunde entschlossen mit „Grüß Gott“ geantwortet – eine klare Absage an das austrofaschistische Lager. Die Affäre eskalierte so weit, dass sich schließlich eine Abordnung der Heimwehr offiziell bei Punt entschuldigen musste. Dies geschah jedoch auf gezielt demütigende Weise: Man wählte dafür einen Samstagnachmittag, an dem nur die Putzfrau in seinem Büro anwesend war. Es sei hier auch erwähnt, dass der Bruder von Rudolf Leitgeb, Dr. Josef Leitgeb, ebenfalls Lehrer, Jurist und Dichter, ein weiterer enger Freund von Dr. Friedrich Punt war. Diese Verbindung unterstreicht das Netzwerk von überzeugten, couragierten Menschen, das Punt umgab. Kanzleipartner im Widerstand: Eine KorrekturFriedrich Punts Anwaltskanzlei entwickelte sich zu einem wichtigen Zufluchtsort für Verfolgte unterschiedlichster politischer Lager. Getreu seiner Überzeugung von Recht und Gerechtigkeit verteidigte und unterstützte er Menschen, die vom Regime bedroht wurden. Entgegen einer möglichen missverständlichen Lesart waren Dr. Leopold Markl und Dr. Karl Kunst nicht Mandanten, sondern als Rechtsanwälte Kanzleipartner von Dr. Friedrich Punt. Beide waren zu ihrer jeweiligen Zeit politisch verfolgt, jedoch aus entgegengesetzten Gründen. Dr. Leopold Markl war bereits vor dem Anschluss 1938 Punts Partner. Er wurde als sogenannter „Illegaler“ verfolgt, was bedeutete, dass er Anhänger der in Österreich seit 1933 verbotenen NSDAP war und sich damit gegen das damalige austrofaschistische Regime stellte. Nach dem Anschluss wurde Dr. Karl Kunst, ein überzeugter Sozialist und späterer Landeshauptmannstellvertreter, Punts Kanzleipartner. Damit war er als Systemgegner dem Verfolgungsdruck des nun nationalsozialistischen Regimes ausgesetzt. Historischer Hintergrund: Das Verbot der NSDAP in Österreich und der Juliputsch 1934Um die Situation von Dr. Leopold Markl als sogenanntem „Illegalen“ vollständig zu verstehen, ist ein Blick auf die politischen Ereignisse jener Jahre entscheidend. Die österreichische NSDAP wurde am 19. Juni 1933 verboten. Die Regierung unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß reagierte damit auf eine Serie nationalsozialistischer Sprengstoffanschläge und untersagte alle Aktivitäten der Partei. Diese ging daraufhin in den Untergrund, und ihre Anhänger wurden als „Illegale“ bezeichnet und staatlich verfolgt. Das Jahr 1934 war dann von einem dramatischen und gewaltsamen Ereignis geprägt: dem NS-Juliputsch am 25. Juli. Bei diesem Putschversuch stürmten österreichische SS-Angehörige das Bundeskanzleramt und ermordeten Engelbert Dollfuß. Der Putsch scheiterte zwar, doch die Ermordung des Kanzlers führte zu einer massiven Verschärfung der Verfolgung. Es folgten große Verhaftungswellen, in denen tausende illegale Nationalsozialisten inhaftiert oder in Anhaltelager gebracht wurden. In diesem Klima der Illegalität und harten Repression war die politische Zugehörigkeit von Dr. Markl nicht nur „systemwidrig“, sondern mit unmittelbarer persönlicher Gefahr verbunden. Dieser Kontext macht deutlich, welches Risiko Friedrich Punt bereits in der Zeit vor 1938 einging, als er mit einem verfolgten NS-"Illegalen" zusammen in seiner Kanzlei arbeitete – ein Umstand, der nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1938 natürlich sofort bedeutungslos wurde, nun aber aus der entgegengesetzten Richtung. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Dr. Karl Kunst, ein überzeugter Sozialist und späterer Landeshauptmannstellvertreter, Punts Kanzleipartner. Damit geriet er unmittelbar ins Visier des nationalsozialistischen Regimes und war, wie alle systemkritischen Stimmen, massivem Verfolgungsdruck ausgesetzt. Während nun die einst illegalen Nationalsozialisten an der Macht waren, bedeutete Kunsts sozialistische Gesinnung ein hohes persönliches Risiko. Diese Partnerschaft unterstrich erneut Friedrich Punts charakteristische Haltung: Sein Engagement galt dem Rechtsschutz Verfolgter, unabhängig von deren politischer Herkunft. Hatte er zuvor mit einem verfolgten NS-Unterstützer gearbeitet, bot er nun einem bedrohten Sozialisten Schutz und professionelle Solidarität. Seine Kanzlei blieb damit auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Ort des Widerstands – nun gegen ein anderes, noch brutaleres Unrechtsregime. Unter Druck: Der Vorwurf der Autorschaft : „Paul Pasquill"Die nationalsozialistische Bedrohung wurde für Friedrich Punt unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 spürbar. Ein Gestapo Beamter erschien in seiner Kanzlei und bezichtigte ihn, die unter dem Pseudonym Paul Pasquill im Satireblatt „Der Sumpf“ veröffentlichten, Regime kritischen Gedichte gegen Hitler und die NSDAP verfasst zu haben. Der Beamte wies zudem auf Punts eigene, als „russenfreundlich“ eingestufte politische Beiträge hin und stellte ihn vor die Wahl: Innerhalb von drei Tagen entweder die Autorschaft zuzugeben oder den wahren Verfasser zu nennen. Punt, der die Gedichte nicht geschrieben hatte, stand vor einer existenziellen Bedrohung. Er verständigte sofort seine Freunde, darunter die Brüder Leitgeb, Dallago und Sailer. Nach drei bangen Tagen der Ungewissheit geschah – nichts. Die Gestapo erhob keine weiteren Anschuldigungen. Erst nach Kriegsende erfuhr Punt den Grund: Sein Freund Sailer hatte beim Vater des ehemaligen Gauleiters Edmund Christoph interveniert und so die Niederschlagung der Ermittlungen erreicht. Hinter dem Pseudonym „Paul Pasquill“ verbarg sich Dr. Josef Leitgeb. Dieser, ein enger Freund Friedrich Punts, verfasste für die Satirezeitschrift „Der Sumpf“ – herausgegeben von Wilhelm Kütemeyer in Berlin – jene beißenden Spottgedichte gegen das NS-Regime. Die Zeitschrift selbst erschien in den 1930er Jahren nur kurz; sie wurde bereits nach ihrer vierten Ausgabe verboten. Damit war es ausgerechnet Punts eigenes Freundes- und Unterstützernetzwerk, das die wahre Quelle der provokativen Texte bildete – und die gegen ihn gerichtete Beschuldigung der Gestapo in eine tragische Ironie verwandelte. Ein Zeugnis des Widerstands Diese Episode, kommentiert von Christine Riccabona und Anton Unterkircher in der Veröffentlichung „Zuflucht im Wortgehäuse 1941-1943“ (Brenner-Archiv, 2001), steht exemplarisch für Friedrich Punts Charakter. Sie zeigt einen Mann, der für seine Überzeugungen einstand, der Bedrohten half und der selbst in größter Gefahr die Nerven bewahrte. Sein Wirken ist ein bedeutendes Kapitel des juristischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Tirol. Im Auge des Sturms: Friedrich Punt und der Widerstand im Wehrmeldeamt Das Trauma des „Anschlusses“ – Ein kollektiver „politischer Irrsinn“Friedrich Punt beschrieb die Ereignisse des Jahres 1938 als zutiefst erschütternd: "Wer das Jahr 1938 nicht miterlebt hatte, kann sich seine Auswirkungen auf das Gefühlsleben eines phantasiebegabten Mannes nicht vorstellen." Für ihn und viele Gleichgesinnte war der „Anschluss“ Österreichs eine Naturkatastrophe, ein um sich greifender „politischer Irrsinn“. Die Gesellschaft spaltete sich in depressive, die den Untergang spürten, und manisch erregte Anhänger des Regimes. Punt beobachtete, dass selbst überzeugte Gegner des Nationalsozialismus „gegen ihren eigenen Willen im Strome mitschwammen“. Angesichts der überwältigenden Staatsmacht, die nur „Fanatiker und Unvorsichtige“ sich opfern ließ, fasste er einen Plan: Widerstand zu leisten, sobald sich eine realistische Möglichkeit bieten würde. Diese von innerem Widerstand und abwartender Distanz geprägte Grundhaltung Friedrich Punts steht in einem schwer zu deutenden Spannungsfeld zu einer seiner biografischen Entscheidungen: Nur wenige Wochen nach dem „Anschluss“ wurde er mit Wirkung vom 1. Mai 1938 in die NSDAP aufgenommen (Mitgliedsnummer 6 357 647). Seinem eigenen schriftlichen Zeugnis von 1945 zufolge war er jedoch nie aktives Mitglied. Sein Sohn führt diesen Schritt darauf zurück, dass Punts damaliger Kanzleipartner, der ehemalige „Illegale“ Dr. Leopold Markl, ihn aus einem wohlmeinenden Freundschaftsdienst heraus angemeldet und empfohlen habe. Punt selbst beschrieb sich in einem Schreiben an die Tiroler Rechtsanwaltskammer vom 12. September 1945 lediglich als „vorläufig zugelassen“ und betonte ausdrücklich: „Tätig für die NSDAP war ich nicht.“ Diese formelle Mitgliedschaft, gefolgt von der erforderlichen Aufnahme in den NS-Rechtswahrerbund ab Herbst 1938, war vermutlich die Voraussetzung dafür, seine anwaltliche Tätigkeit und damit seine Kanzlei – einen wichtigen Zufluchtsort für Verfolgte – überhaupt weiterführen zu können. Sie bot einen momentanen äußeren Schutz. Doch dieser scheinbare Kompromiss mit dem System erhöhte gleichzeitig das persönliche Risiko enorm. Als Punt später im Wehrmeldeamt aktiv Widerstand leistete, handelte er nicht mehr als unpolitischer Mitläufer, sondern als ein abtrünniges Parteimitglied. Ein solcher „Verrat“ wurde vom NS-Regime mit besonders brutaler Härte verfolgt. Sein „Mitschwimmen gegen den eigenen Willen“ war somit keine sichere Tarnung, sondern eine prekäre Balance auf einem schmalen Grat – zwischen beruflichem Überleben und der ständigen Gefahr, bei Entdeckung seiner wahren Haltung mit aller Schwere des Parteirechts bestraft zu werden. Die Mitgliedschaft war somit kein Zeichen der Überzeugung, sondern ein von äußerem Druck erzwungener und mit steter innerer Gefahr verbundener Akt. Die ungewöhnliche Widerstandszelle: Das Wehrmeldeamt in Innsbruck 1939 zur Wehrmacht eingezogen, konnte der kriegsversehrte Punt als Feldwebel beim Wehrmeldeamt in Innsbruck Dienst tun. Diese scheinbar regimekonforme Position erwies sich als perfekte Tarnung. Hier traf er auf Gleichgesinnte wie Leo Praxmarer, Oswald Peterlunger, Raimund Salchner, Engelbert Trager und Anton Walder. Zusammen bildeten sie eine geheime Zelle überzeugter Regimegegner. Ihre scheinbare Anpassung an das System ging zum Teil sehr weit und diente der Tarnung. Während Punt zur Tarnung Mitglied der NSDAP war, zeigt das Beispiel eines Mitverschworenen, Engelbert Trager, die ambivalenten Strategien des Überlebens und Widerstehens: Trager, der in der Innsbruckerstraße 50 in Solbad Hall wohnte und sich der Widerstandsgruppe "Anton Haller" zurechnete, beantragte am 1. Jänner 1939 sogar seinen Eintritt in die NSDAP. Sein Status blieb jedoch bis zum Kriegsende der eines "Anwärters". Im Gegensatz zu Vollmitgliedern wurden Anwärter zwar aufgenommen, aber aufgrund von Zweifeln an ihrer politischen Zuverlässigkeit oder anderer Bedenken der Partei nie in die NSDAP aufgenommen. Tragers Fall legt nahe, dass sein Aufnahmegesuch taktischer Natur war, um Verdacht zu zerstreuen, die Partei ihm jedoch misstraute und ihn auf Distanz hielt. Diese perfekte Tarnung im Herzen der Militärverwaltung ermöglichte es der Gruppe unter dem Schutz der militärischen Fassade des Wehrmeldeamtes Verfolgte mit gefälschten Dokumenten auszustatten und so vor der Gestapo zu schützen. Die Gruppe erhielt entscheidenden Zulauf durch die Versetzung des Journalisten und Schriftstellers Friedrich (Fritz) Würthle aus Salzburg nach Innsbruck im Jahr 1940. Fritz Würthle hielt am 12. Juni 1942 bereits eine Besprechung mit Baldauf, Ronczay und Buzas in seiner Wohnung über einen Zusammenschluss ab. Würthle, der 1945 unter Dr. Karl Gruber stellvertretender Leiter der Tiroler Widerstandsbewegung wurde, trieb den Zusammenschluss und die Koordination der vielen kleinen Widerstandszellen in Tirol voran. (Siehe Blogbeitrag Fritz Würthle) Widerstand mit der Waffe des Wortes: Die Gedichte Friedrich Punts Von 1941 bis 1943 verfasste Friedrich Punt seine schärfste Waffe gegen das Regime: Gedichte. In diesen Texten verarbeitete er seine Ablehnung des Nationalsozialismus, und er trug sie sogar mutig im Kreise seiner Vertrauten im Wehrmeldeamt vor. Bis zum Sommer 1943 entstanden etwa 120 dieser Werke. Dann machten Verhaftungen von Soldaten der Dienststelle durch die Gestapo die Lage zu gefährlich; Punt versteckte seine Dichtungen, um sie und sich zu schützen. Verrat, Verhaftung und die Rettung in letzter Minute Im Frühjahr 1945 intensivierte die Widerstandsbewegung ihre Aktionen. Die Antwort des Regimes waren brutale Razzien, in denen viele Kämpfer verhaftet wurden. Unter der Folter nannte der Radiohändler Alfred Altstätter auch den Namen Friedrich Punt als Mitwisser. Am 25. April 1945 wurde Punt von der Gestapo verhaftet und stundenlang schwer misshandelt. Anschließend brachte man ihn ins Arbeitslager Reichenau, wo seine Exekution für den 30. April 1945, 15:30 Uhr, angesetzt war. In ihrer Verzweiflung wandte sich seine Ehefrau Anny Punt an Engelbert Trager von der Widerstandsgruppe um Anton Haller in Hall. Diese Gruppe kannte einen SS-Angehörigen namens Jakob Strickner, der seine Mitarbeit angeboten hatte. Man hatte ihn abgelehnt, doch nun bot sich die Chance, seinen angeblichen Gesinnungswandel zu testen. Strickner besorgte sich ein Heeresmotorrad, fuhr am Hinrichtungstag ins Lager Reichenau und befahl Punt, mitzukommen. Punt glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Doch Strickner brachte ihn tatsächlich in Sicherheit in die Berge, wo Punt sich vier Wochen lang von seinen Verletzungen erholen konnte. Die Widerstandsbewegung, die den Exekutionsbefehl durch Verrat kannte, hatte ihn in letzter Minute gerettet. „Die schweigende Stütze“ – Anny Punt und ihr unsichtbarer Beitrag zum WiderstandÜber die Rolle von Friedrich Punts Ehefrau während der NS-Zeit ist wenig überliefert – und dies ist selbst ein bedeutsamer Umstand. Denn Anny Punt sprach ebenso wenig über jene Jahre wie ihr Mann. Beide hatten geschwiegen, und dieses Schweigen war kein Zufall, sondern Teil der inneren Verarbeitung eines Überlebens, das täglich hätte scheitern können. Der Sohn erinnert sich: „Mutter sprach nur selten über diese Zeit, Vater überhaupt nie.“ Es ist dasselbe Schweigen, das auch Anton Walder umgab, ein Mitwiderständler im Wehrmeldeamt, der nur dann und wann und nur auf Befragen hin Bruchstücke preisgab. Die Last des Erlebten war zu schwer, die Erinnerung zu nah.
Umso wertvoller sind die wenigen, fragmentarischen Erinnerungen, die der Sohn bewahrt hat. Sie zeichnen das Bild einer Frau, deren Stärke nicht im lauten Auftreten lag, sondern im stillen, verlässlichen Wirken im Hintergrund. Anny Punt war, so lässt sich aus den Erzählungen ihres Sohnes schließen, von „schneller Auffassungsgabe“, „sehr praktisch veranlagt“ und fähig, „rasch, treffsicher, sorgfältig und auch sehr resolut“ zu handeln, wenn es darauf ankam. Sie war „ein Organisationstalent“ – und in einer Diktatur, die jeden Fehltritt mit Existenzvernichtung ahndete, war organisatorisches Geschick eine Überlebensfähigkeit. Als ihr Mann 1945 im Lager Reichenau inhaftiert war, gelang es ihr offenbar, auf kleinstem Raum Kontakt zu halten. „Kleine Zettelchen“ fanden ihren Weg – wie genau, weiß der Sohn nicht mehr. Dass es diesen heimlichen Draht gab, ist das Entscheidende. Ein stiller Akt des Widerstands, der nur funktionieren konnte, weil sie umsichtig, diskret und findig war. Eine andere Geschichte trägt ihre Handschrift: Ein Klient der Kanzlei bot seine Hilfe an und schaffte es tatsächlich, zu Friedrich Punt nach Vinaders durchzukommen – kurioserweise mit einem längst ungültigen Ausweis als Hilfsgendarm aus der Kaiserzeit. Anny Punt erzählte diese Begebenheit Jahrzehnte später mit leisem Humor: „entschlossenes Auftreten macht es offenbar aus“. Doch hinter der Anekdote steht mehr: Sie war es vermutlich, die solche Hilfe annahm, Vertrauen schenkte und den Kontakt ermöglichte. Und schließlich das leise Hören von Auslandsradio, verborgen unter einer Decke zur Schalldämmung. Ob die Punts einen eigenen, „frisierten“ Volksempfänger besaßen oder bei Freunden zuhörten – der Sohn weiß es nicht. Aber dass Anny Punt überhaupt davon erzählte, zeigt, dass sie Teil dieses gefährlichen Zuhörens war. Sie teilte das Wissen, das Misstrauen, die Hoffnung. Ihre Rolle in der Kanzlei war keine bloße Assistenz. Seit der Gründung bis zum Tod ihres Mannes 1969 war sie Kanzleileiterin. Sie hielt den Betrieb aufrecht, sorgte dafür, dass „alles rund lief“, und ermöglichte ihm damit jene Arbeit, die weit über das Juristische hinausging. Dass sie nach seinem Tod die Kanzlei eigenständig auflöste und die anhängigen Fälle einem jungen Kollegen übergab, zeigt ihre Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – auch im Schmerz der Trauer. Anny Punt suchte nie die Bühne. Sie nahm an den Kontakten ihres Mannes teil, fügte sich in einen Freundes- und Bekanntenkreis, der bereits bestand, als sie fünfzehn Jahre jünger in sein Leben trat. Vom Wehrmeldeamt, wo Friedrich Punt mit Anton Walder und anderen Widerstand leistete, „kannte sie wahrscheinlich nicht viele“. Ihr Wirken war ein anderes: Es war das Ermöglichen, das Halten, das Bewahren. Ihr Schweigen über diese Jahre war kein Vergessen. Es war die Form der Erinnerung, die ihr geblieben war. Dass wir heute dennoch ein kleines, unscharfes Bild von ihr zeichnen können, verdanken wir den Bruchstücken, die ihr Sohn bewahrt hat – und der Einsicht, dass auch das Unsichtbare seinen Ort in der Geschichte haben muss. Anny Punt war die stille Stütze eines Widerständigen. Ihr Beitrag war keiner der großen Gesten, sondern einer der vielen kleinen, unverzichtbaren Handlungen. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Dass wir so wenig von ihr wissen, spricht nicht gegen sie – es spricht für die Zeit, die zum Schweigen zwang, und für die Bescheidenheit einer Frau, die das Ihrige tat, ohne nach Anerkennung zu fragen.
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