Sprache / Language: DE | ENAnton Dosch (1914–1979): NS-Widerstand in Hall in Tirol Einleitung Anton Dosch gehörte zum Widerstandskreis um Anton Haller im damaligen Solbad Hall. Der aus Hall in Tirol stammende Jusstudent wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ vom Studium ausgeschlossen. Auch seine Familie war wiederholten Hausdurchsuchungen durch die Gestapo ausgesetzt. Seine Biografie verbindet die Geschichte persönlicher Verfolgung mit jener des lokalen Widerstands. Besondere Bedeutung hatten seine Kontakte zu den Kriegsgefangenen des Lagers Eichat und seine Beteiligung an den Ereignissen der letzten Kriegstage im Mai 1945. Der Beitrag zeichnet seinen Weg anhand persönlicher Berichte, archivalischer Unterlagen und historischer Literatur nach. Foto (1970): Prof. Anton Dosch. In: Privatarchiv Monika Niederwolfsgruber Innsbruck. Frühes Leben und AusbildungAnton Dosch war ein Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime und gehörte zu den ersten Personen in Solbad Hall, die aktiv Widerstand leisteten. Er wurde am 5. Juli 1914 in Hall in Tirol als einziger Sohn des Postbeamten Josef Dosch geboren. Während seiner Gymnasialzeit nutzte er jede freie Minute, um im Atelier von Professor Franz Xaver Fuchs praktischen und theoretischen Malunterricht zu erhalten. Im Juni 1935 maturierte er am Franziskaner Gymnasium in Hall und begann daraufhin ein Studium der Rechtswissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Ausschluss und früher WiderstandMit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Anton Dosch wegen angeblicher „politischer Unzuverlässigkeit“ vom Studium ausgeschlossen. Bereits im März 1938 gehörte er zu den ersten, die sich dem Widerstandskreis um Anton Haller in Hall in Tirol anschlossen. Verfolgung und WehrdienstSymbolische Darstellung einer Zeugenaussage während eines Verhörs durch die Gestapo. KI-generierte Schwarz-Weiß-Rekonstruktion. Quelle: DBANT. Anton Dosch und seine Eltern wurden wiederholt durch Hausdurchsuchungen der Gestapo schikaniert. Die Beamten machten ihm unmissverständlich klar, dass diese Belästigungen enden würden, wenn er sich freiwillig zur Wehrmacht melde. Nach seiner Einberufung 1939 hörten die Schikanen tatsächlich auf. Im Jahr 1943 erlitt er bei einem Kriegseinsatz einen Lungenriss und wurde daraufhin als wehrdienstuntauglich entlassen. Nach seiner Rückkehr nach Solbad Hall schloss er sich erneut dem Kreis um Anton Haller an. Sofort begann er wieder damit, unter den Kriegsgefangenen im Lager Eichat erfolgreich für den Widerstand zu werben. Die Rettung von Solbad Hall/Hall in Tirol 2./3. Mai 1945Hauptmann Johann Baumgartner (1938). In Privatarchiv Reinhard Schwaiger Hall in Tirol. n der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 befand sich im Weißenbachgraben, etwa einen Kilometer von Solbad Hall /Hall in Tirol entfernt, eine rund 200 Mann starke SS-Flak-Einheit. Ihr Ziel war es, die Stadt unter Beschuss zu nehmen und größtmöglichen Schaden anzurichten. Gemeinsam mit den Kriegsgefangenen des Lagers Eichat, den Männern der Haller Widerstandsbewegung und insbesondere unter dem Einsatz von Hauptmann Johann Baumgartner griff auch Anton Dosch zur Waffe, um den Abzug dieser SS-Einheit zu erzwingen. Unter diesem Druck packten die SS-Angehörigen hastig, was sie tragen konnten, verluden es auf kleinere Fahrzeuge und zogen sich im Morgengrauen des 3. Mai 1945 in Richtung Unterinntal zurück. Hall in Tirol 4. Mai 1945 - Übergabe an US-amerikanische TruppenDas Rathaus von Hall in Tirol, vom Marienbrunnen am Oberen Stadtplatz aus gesehen, 2025. Foto: DBANT. Durch den Einsatz der Kriegsgefangenen aus dem Lager Eichat sowie der Männer der Haller Widerstandsbewegung – unter ihnen Anton Dosch – und insbesondere dank des entschlossenen Handelns von Hauptmann Johann Baumgartner konnte die drohende Zerstörung von Solbad Hall (Hall in Tirol) verhindert werden. In der Folge kam es zur unblutigen Übergabe der Stadt an die anrückenden US-amerikanischen Truppen. Links: Agramgasse 8 in Hall in Tirol, die Werkstatt des Schuhmachermeisters Anton Haller. Rechts: nachgestellte Szene mit Angehörigen des Widerstands um Anton Haller. Haller sitzt rechts und blickt in den Raum; hinter ihm steht Anton Walder, der zum Betrachter schaut. Dahinter sind Anton Dosch und Anton Demanega dargestellt, im Vordergrund Viktor Schumacher. Ki-generierte Collage in DBANT. Anton Dosch in jungen Jahren als Mitglied der katholischen Studentenverbindung Nibelungia, ohne Datum. Quelle: Stadtzeitung Hall in Tirol, Nr. 38, 21. Oktober 1999, S. 6; Privatarchiv Monika Niederwolfsgruber, Innsbruck. Fazit: Anton Dosch und die Bedeutung des lokalen Widerstands Anton Doschs Geschichte zeigt, wie wichtig persönliche Kontakte und gegenseitiges Vertrauen für den Widerstand gegen die NS-Herrschaft waren. Seine Verbindungen zu Kriegsgefangenen ergänzten die Tätigkeit des Kreises um Anton Haller und unterstützten die Zusammenarbeit in den letzten Kriegstagen. Sein Einsatz im Mai 1945 ist als Teil einer gemeinsamen Aktion zu würdigen. Angehörige der Haller Widerstandsbewegung, Kriegsgefangene und Hauptmann Johann Baumgartner wirkten daran mit, die Bedrohung der Stadt abzuwenden. Die militärische Leitung lag bei Baumgartner. Doschs Biografie macht damit einen individuellen Beitrag sichtbar und verweist zugleich auf die Bedeutung des gemeinsamen Handelns. Häufige Fragen zu Anton Dosch Wer war Anton Dosch? Anton Dosch (1914–1979) war ein Angehöriger des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Hall in Tirol. Er gehörte zum Kreis um Anton Haller. Warum wurde Anton Dosch vom Studium ausgeschlossen? Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ vom Jusstudium an der Universität Innsbruck ausgeschlossen. Welche Bedeutung hatten seine Kontakte zum Lager Eichat? Dosch stellte Verbindungen zu Kriegsgefangenen her. Diese Kontakte waren für die Zusammenarbeit mit der Haller Widerstandsbewegung von Bedeutung. Welche Rolle spielte Anton Dosch im Mai 1945? Er beteiligte sich an der Aktion gegen eine SS-Einheit im Bereich des Weißenbachgrabens. Nach den im Beitrag angeführten Berichten trug das gemeinsame Vorgehen zu deren Rückzug bei. Die militärische Leitung hatte Hauptmann Johann Baumgartner. Auf welchen Quellen beruht seine Biografie? Zu den Grundlagen gehören Anton Doschs eigener Bericht, Unterlagen aus dem Privatarchiv Monika Niederwolfsgruber in Innsbruck, Dokumente des Stadtarchivs Hall in Tirol und die Dokumentation des österreichischen Widerstandes. Rückblickende Erinnerungsberichte sind unter Berücksichtigung ihrer Entstehungszeit zu lesen. Quelle: Bericht von Prof, Anton Dosch, in: Privatarchiv Monika Niederwolfsgruber Innsbruck. Sowie StAH, Karton Widerstandsbewegung. Bericht Anton Dosch (handschriftlich 1978), signiert von Anton Dosch. Quelle: Brief von Dr. Franz Niederwolfsgruber in: Privatarchiv Monika Niederwolfsgruber Innsbruck. Weiterführend auf DBANT:Junge Katholiken im WiderstandSchumacher-Dr. -ViktorGraf _Bernhard _Stolberg-StolbergHauptmann _Johann _BaumgartnerJohann Sebastian TrainerAnton Haller WiderstandsgruppeAnton Walder Teil 1K.ö.ST.V. Nibelungia-MKVFranziskaner Kloster Hall in TirolLesen Sie mehr:nibl100.atwww.innsbrucker-cv.tirol/ueber-uns/christliche-verbindungen-tirol/detail/koestv-nibelungia-hall/
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