"Commemorating the Anti-Nazi Resistance and Victims of the Nazi Regime in Hall in Tirol"
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Die Würthle-Gruppe:
​Widerstand in Innsbruck/Tirol

​



​

Widerstandsnetzwerk Fritz Würthle

1/7/2026

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Blog (EN) 168 The Würthle Group Resistance in Innsbruck and Tyrol
Picture

Kurzabstrakt 

Die Gruppe um den Journalisten Fritz Würthle bildete ab 1940 im Wehrmeldeamt Innsbruck ein Zentrum des Widerstands. Ausgehend von bürokratischer Sabotage baute sie ein breites, ideologisch übergreifendes Netzwerk auf, das von katholischen Kreisen bis zu sozialistischen und kommunistischen Gruppen reichte. Ab 1943 bereitete sie aktiv den „Tag X“ – den bewaffneten Aufstand – vor. Trotz Rückschlägen durch Verhaftungen und Würthles Versetzung 1944 blieb die Gruppe handlungsfähig. In der entscheidenden Phase im April 1945 wurde Würthle zum Stellvertreter von Dr. Karl Gruber ernannt und war maßgeblich an der Planung und Durchführung der erfolgreichen Befreiung Innsbrucks am 2./3. Mai 1945 beteiligt. Die Entwicklung der Gruppe steht exemplarisch für den Weg vom verdeckten Widerstand zur aktiven Mitgestaltung der Befreiung Österreichs.

Gründung und Hintergrund

Fritz Würthle (1902–1976), ein Salzburger Schriftsteller und Journalist, gründete in Tirol eine der aktivsten Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime. Bereits 1933 war er als Journalist beim „Berliner Tagblatt“ tätig und hatte dort früh Einblicke in die Ideologie und Praxis des Nationalsozialismus gewonnen. 1936 verfasste er eine anti-nationalsozialistische Broschüre. Diese wurde nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich von der Gestapo entdeckt – ohne seinen Namen, aber mit seinen handschriftlichen Korrekturen – im Schreibtisch des damaligen Landesschulinspektors von Tirol, Dr. Hans Gamper (Mitglied der Studentenverbindung A.V. Vindelicia).

Tarnung und Widerstandszelle im Wehrmeldeamt Innsbruck

Aus Sicherheitsgründen schloss sich Würthle der Wehrmacht an. 1940 wurde er ins Wehrmeldeamt Innsbruck abkommandiert. Dort existierte bereits eine illegale Zelle überzeugter Regimegegner. Das Wehrmeldeamt unterstand organisatorisch dem stellvertretenden Generalkommando XVIII. A.K. – II b in Salzburg. Jeder Antrag auf Einstellung oder Entlassung eines Wehrpflichtigen musste dorthin gemeldet und genehmigt werden. Genau diese bürokratischen Abläufe nutzte die Widerstandsgruppe für ihre Aktivitäten.

Schlüsselfiguren und ihre Aktionen

Zu den führenden Mitgliedern dieser Widerstandszelle zählten Dr. Peterlunger (später Leiter der Wiener Staatspolizei) und Dr. Leo Praxmarer (1910–1983), Mitglied der Studentenverbindung A.V. Austria Innsbruck. Bis 1938 war Praxmarer Regierungskommissär der Tiroler Landesregierung gewesen; nach dem „Anschluss“ wurde er inhaftiert. Im Sommer 1940 gründete er mit ehemaligen, entlassenen Beamten die „Mittwochsgruppe“, zu der auch Ing. Anton Hradetzky gehörte.
Ihre zentrale Widerstandsleistung bestand darin, Gegner des Regimes vor der Einberufung zur Wehrmacht zu schützen oder deren Versetzung an die Front zu verhindern bzw. gezielt zu verzögern. Dr. Leo Praxmarer setzte diese Praxis im Wehrmeldeamt systematisch um und beteiligte sich aktiv am Tiroler Befreiungskampf.

Historische Würdigung

Es ist von wesentlicher Bedeutung, den erheblichen Beitrag des Wehrmeldeamtes Innsbruck und insbesondere der Gruppe um Fritz Würthle zum kollektiven Widerstand gegen das NS-Regime anzuerkennen. Sie nutzten ihre administrative Position, um das System von innen zu untergraben und zahlreiche Menschen vor Verfolgung und Fronteinsatz zu bewahren.

Die Widerstandsgruppe um Fritz Würthle: Vernetzung und Vorbereitung des „Tag X"

Der enge Kreis um Fritz Würthle verstand sich nicht als isolierte Zelle, sondern als aktiver Knotenpunkt in einem wachsenden Netz des Tiroler Widerstands. Seine Strategie zielte darauf ab, unterschiedlichste oppositionelle Kräfte zu verbinden, um für den erhofften Zusammenbruch des NS-Regimes – den sogenannten „Tag X“ – gewappnet zu sein.

Vernetzung mit katholisch-bürgerlichen Kreisen

Würthles Gruppe unterhielt enge Verbindungen zu Hans Bator, dem Leiter des katholischen Bruder-Willram-Bundes. Über Bator bestand intensiver Kontakt zum Flora-Kreis, der sich um den angesehenen Innsbrucker Arzt Dr. Hermann Flora sen. (Mitglied der A.V. Rhaetia-Bavaria) gebildet hatte. Dieser Kreis, dem unter anderem der Jesuitenpater Johann Steinmayr (1890-1944) angehörte, zahlte einen hohen Preis für seinen Widerstand: Dr. Flora verbrachte 30 Monate im KZ, der luxemburgische Staatsanwalt Dr. Marcel Würth wurde zwei Jahre in einem polnischen Lager festgehalten, und Pater Steinmayr wurde 1944 in Brandenburg-Görden ermordet.
Die Brücke zwischen dem Flora-Kreis und Würthles Netzwerk wurde insbesondere durch Dr. Melzer und den Tiroler Schriftsteller sowie Kaiserjägeroffizier Dr. Robert Skorpil geschlagen, die auch der „Mittwochsgruppe“ um Dr. Leo Praxmarer angehörten. Diese Verbindungen schufen eine starke Verflechtung zwischen katholisch, bürgerlich und beamtisch geprägten Widerstandssegmenten.

Bündnis mit kommunistischen und linkssozialistischen Kräften

Parallel dazu strebte Fritz Würthle bewusst ein Bündnis mit dem ideologisch anders geprägten, kommunistisch-linkssozialistischen Kreis um Josef Ronczay an. Dieser verfügte über Kontakte nach Linz und Kufstein. Ein Höhepunkt dieser Kooperation war eine bedeutende Versammlung am 20. Juni 1942 in Ronczays Wohnung, auf der konkrete Fragen eines möglichen politischen Umschwungs erörtert wurden. Dieses Treffen demonstrierte Würthles pragmatischen Ansatz: Über ideologische Gräben hinweg sollte eine handlungsfähige Front für den Ernstfall geschmiedet werden.

Die Ausweitung des Netzes 1943

Getrieben von der Erkenntnis, dass das Netz über Tirol immer enger geknüpft werden musste, intensivierte die Gruppe 1943 ihre Kontaktarbeit. Mit Erfolg wurden zwei weitere wichtige Verbindungen etabliert:
  1. Durch Anton Walder wurde eine engere Verbindung zur Gruppe um Anton Haller in Solbad Hall hergestellt.
  2. Es gelang, lockeren Kontakt zu den Gruppen um Vater und Sohn Grünewald sowie zu Dr. Hans Gamper (Mitglied der A.V. Vindelicia) aufzunehmen. Über Gamper wiederum öffnete sich der Zugang zu einem führenden sozialistischen Widerstandskreis um den Innsbrucker Rechtsanwalt Dr. Gottfried Uffenheimer.

Fazit: Ein vielschichtiges Widerstandsnetz

Die Gruppe um Fritz Würthle zeichnete sich somit durch eine doppelte Strategie aus: Einerseits die direkte Sabotage der NS-Militärmaschinerie von innerhalb des Wehrmeldeamtes, andererseits der systematische, mutige und überaus pragmatische Aufbau eines breiten, ideologisch übergreifenden Konspirationsnetzes. Dieses reichte von katholischen Kreisen über beamtischen Widerstand bis hin zu sozialistischen und kommunistischen Gruppen. Ihr Ziel war es, Tirol für den „Tag X“ vorzubereiten und eine koordinierte Widerstandsstruktur zu schaffen, die über isolierte Aktionen hinausging.

🔗 Die Vernetzung vertieft sich: Prominente Zuwächse und neue Brücken

Die Gruppe um Fritz Würthle wuchs stetig und gewann durch den Beitritt einflussreicher Persönlichkeiten weiter an Schlagkraft und Reichweite. Zu ihnen zählten der renommierte Innsbrucker Arzt Dr. Stricker, der spätere Landesrat Ing. Ortner und der Physik-Professor March.
Diese neuen Mitglieder öffneten Türen zu bisher unerreichten Kreisen:
  • Verbindung zur "Weißen Rose": Über den später bekannten Karikaturisten Paul Flora (Sohn von Dr. Hermann Flora sen.) wurde ein Kontakt zur Münchner Studentengruppe der Geschwister Scholl hergestellt. Das Propagandamaterial der "Weißen Rose" wurde über die Netzwerke von Dr. Hermann Flora sen. und Fritz Würthle auch in Innsbruck verbreitet.
  • Verbindungen nach Wien und Luxemburg: Ing. Ortner knüpfte Kontakte zu sozialistischen Gruppen in Wien. Durch den in Innsbruck lebenden Luxemburger Armand Mergen entstanden Verbindungen zu luxemburgischen Widerstandskreisen.
  • Medizinische Unterstützung: Der junge Arzt Dr. Emil Eckel stand sowohl dem Flora-Kreis als auch der Gruppe um Würthle nahe und war eine wichtige Stütze.
Diese Ausweitung zeigt Würthles Strategie, ein möglichst breites, ideologisch übergreifendes Bündnis für den erwarteten "Tag X" – den Zusammenbruch des Regimes – zu schmieden. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten neuen Verbindungen und ihre Bedeutung zusammen:
Neue Verbindung / Person
Hintergrund / Gruppe
Bedeutung für das Netzwerk
Paul Flora
Sohn von Dr. Hermann Flora sen., später bekannter Karikaturist
Herstellung des Kontakts zur "Weißen Rose" in München; Verbreitung deren Flugblätter in Tirol.

Ing. Ortner (später Landesrat)
Mitglied der Würthle-Gruppe
Knüpfte Kontakte zu sozialistischen Widerstandskreisen in Wien; erweiterte die reichsweite Vernetzung.

Armand Mergen
Luxemburger Student und Fremdarbeiter in Innsbruck
Brücke zu luxemburgischen Widerstandskreisen; internationale Ausrichtung des Netzwerks.

Dr. Emil Eckel
Junger Arzt
Medizinische Versorgung und Unterstützung für den Flora-Kreis und die Würthle-Gruppe.

⚔️ Vom passiven zum aktiven Widerstand: Kontakte zu bewaffneten Gruppen

Parallel zur bürokratischen Sabotage im Wehrmeldeamt und der politischen Netzwerkarbeit suchte Würthle den Kontakt zu Gruppen, die bereits auf einen bewaffneten Kampf vorbereitet waren. Dies war ein logischer Schritt in der Eskalation des Widerstands.
  • Partisanen in den Bergen: Wie bereits erwähnt, knüpfte Würthle Verbindungen zu bewaffneten Maquis-Partisanengruppen in den Bergen um Innsbruck (z.B. im Gnadenwald, im Ötztal und nahe der Schweizer Grenze). Diese Gruppen boten Untergetauchten, Deserteuren und Verfolgten Schutz.
  • Die Brücke zu Oskar Görz: Eine der wichtigsten und gefährlichsten Verbindungen in diesem Bereich war die zur Widerstandsarbeit von Oskar Görz. Seine Aktivitäten – zunächst an der Ostfront, später in der Conradkaserne in Innsbruck – stellten eine direkte, militärische Form der Sabotage und Desertation dar, die die Kampfkraft der Wehrmacht schwächte.
  • Anschluss an die überregionale O5: Über Görz' Kontakt zu Helmut Heuberger konnte schließlich die Verbindung zur überregionalen österreichischen Widerstandsorganisation O5 hergestellt werden. Dies war ein entscheidender Schritt zur nationalen Koordination und zur Kontaktaufnahme mit den Alliierten.

Die Widerstandsgruppe Würthle: Konsolidierung und Vorbereitung des bewaffneten Aufstands (1943–1945)

Die Jahre 1943 bis 1945 markierten für die Widerstandsgruppe um Fritz Würthle den Übergang von verdeckter Netzwerkarbeit zur konkreten Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands. Trotz massiver Rückschläge durch Verhaftungen und Strafversetzungen gelang die entscheidende Vereinigung der zersplitterten Tiroler Untergrundzellen unter einer gemeinsamen Führung.

Die strategische Wende: Von der Diskussion zur militärischen Planung

Im Jahr 1943 fand auf der Hungerburg bei Innsbruck ein geheimes Treffen statt, das eine neue Phase einleitete. Teilnehmer waren Dr. Leo Praxmarer, Ing. Ortner und Fritz Würthle. Hier wurde erstmals intensiv über die Vorbereitung militärischer Aktionen diskutiert und erwogen, neu zu bildende Gruppen mit bestehenden Widerstandskreisen in München zu vernetzen.
Noch vor diesem Treffen hatte Würthle in Innsbruck seinen ersten Kontakt mit Dr. Karl Gruber geknüpft. Der in Berlin tätige, aber aus Tirol stammende Gruber leitete eine Wiener Widerstandsgruppe und strebte gezielt den Aufbau von Verbindungen nach Innsbruck an. Über den Funkspezialisten Ing. Carl Hirnschrott und Anton Walder bestanden bereits erste Kontakte zur Gruppe um Anton Haller in Solbad Hall.

Rückschläge und Resilienz: Verhaftungen und fortgesetzter Aufbau

Die Widerstandsarbeit war ständig von großer Gefahr bedroht. Der Kreis um Dr. Hermann Flora sen. wurde von der Gestapo aufgedeckt; Flora selbst, Pater Johann Steinmayr und andere wurden verhaftet. Diese Schläge zwangen die verbliebenen Gruppen zu äußerster Vorsicht.
Dennoch wurden die Aktivitäten nicht eingestellt. Vielmehr gelang es:
  • Verbindungen zu bewaffneten Maquis-Partisanengruppen in den Bergen (Gnadenwald, Ötztal, Schweizer Grenze) aufzunehmen, die entflohene Häftlinge und Deserteure sammelten.
  • Verschiedene Waffen- und Munitionslager anzulegen.
  • Durch den mit Fallschirm abgesprungenen französischen Offizier Ferdinand Zöllner eine erste systematische Verbindung zu den alliierten Truppen herzustellen.
Anfang 1944 traf es die Gruppe an der Spitze: Fritz Würthle wurde ohne konkretes Beweismaterial strafweise nach Lienz in Osttirol versetzt. Der Prozess des Zusammenwachsens wurde dadurch erschwert, aber nicht gestoppt. Die Gruppe um Anton Walder setzte ihre Arbeit im Wehrmeldeamt weiter fort.

Die entscheidende Vereinigung: Karl Gruber übernimmt die Führung
​

Der Wendepunkt hin zur vereinten Aktion kam im April 1945. Am 9. April traf Würthle – vermittelt durch Anton Walder – im Sanatorium der Kreuzschwestern Karl Gruber. Gruber erläuterte sein klares Ziel: Die Vereinigung aller Widerstandsbewegungen, um bei Annäherung der Amerikaner einen koordinierten bewaffneten Aufstand durchführen zu können. Dies sollte, so seine Überzeugung, den Anspruch Österreichs auf Unabhängigkeit nach Kriegsende untermauern.
Bei einem folgenreichen militärischen Treffen am 13. April 1945 in Innsbruck wurde die Führungsstruktur beschlossen:
Rolle
Name
Zuständigkeitsbereich
Anführer
Dr. Karl Gruber
Oberste Leitung der vereinten Tiroler Widerstandsgruppen

Stellvertreter
Fritz Würthle
Stellvertretende Führung und operative Planung

Hauptverbindungsmann
Oskar Görz
Kontakt zu allen Widerstandszellen innerhalb der Wehrmacht

Leiter der zivilen Kampfgruppen
Jörg Sackenheim
Führung der nicht-militärischen Aktivistengruppen

Unter Grubers Führung sammelten sich nun Gruppen wie Ronczkay, Hradetzky, Flora, Mair, Gamper, Winkler und die Polizeizelle von Rudolf Jünger.

Die überregionale Einbindung: Die Rolle der O5 und Fritz Moldens

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war die Einbindung in die überregionale österreichische Widerstandsorganisation O5. Am 26. April 1945 schloss sich Helmut Heuberger von der O5 bedingungslos Karl Grubers Zielen an.
Die O5, maßgeblich von Otto und Fritz Molden organisiert, löste ein zentrales Problem des Tiroler Untergrunds: das gegenseitige Misstrauen und die isolation lokaler Zellen. Fritz Molden gelang es durch höchstgefährliche Kurierreisen in Wehrmachtsuniform, den Widerstand zu zentralisieren und direkte Kontakte zum US-Office of Strategic Services (OSS) in der Schweiz aufzubauen. Nach der Zerschlagung des Wiener POEN-Zentrums im März 1945 fiel Tirol eine noch größere strategische Bedeutung zu.
Die Anwesenheit von OSS-Offizieren, die von Professor Heubergers Büro aus operierten, schuf erst die Vertrauensbasis für den endgültigen Zusammenschluss des zerstreuten Tiroler Untergrundes. Mutige Kurierdienste leisteten unter anderem die Medizinstudenten Herwig Wallnöfer und Louis Mittermayer.

Der stille Rückhalt: Die unverzichtbare Rolle der Frauen

Der Widerstand wäre ohne die Beteiligung zahlreicher Frauen nicht möglich gewesen. Im Nachrichten- und Kurierdienst, bei der Bereitstellung von Unterkunft und Schutz, waren sie unverzichtbar. Zu ihnen gehörten unter anderem:
Dora Scheibenpflug, Anni Vogelsberger, Ruth Kopriva, Herthi Pfeffer, Trude Schönherr, die Schwestern Häfele und Thea Bianci. Ihr Beitrag, oft im Verborgenen, war ein fundamentaler Pfeiler der gesamten Bewegung.

Fazit

In der Endphase des Krieges vollzog die Würthle-Gruppe den entscheidenden Schritt vom lokalen Netzwerk zum integralen Teil einer vereinten, handlungsfähigen Befreiungsbewegung. Trotz personeller Rückschläge schuf die von Karl Gruber, Fritz Würthle und ihren Mitstreitern vorangetriebene Bündelung der Kräfte die Voraussetzung dafür, Tirol im Mai 1945 aktiv aus der NS-Herrschaft zu führen und Zerstörungen zu verhindern. Die Geschichte der Gruppe zeigt eindrücklich, wie persönlicher Mut, politische Weitsicht und beharrliche Vernetzungsarbeit selbst unter Terrorbedingungen wirksam werden können.

Die Befreiung Tirols: Der letzte Akt des Widerstands (April–Mai 1945)

Abstract: Die Würthle-Gruppe in der Endphase
Die Widerstandsgruppe um Fritz Würthle vollzog in den letzten Kriegswochen den entscheidenden Schritt vom Netzwerk zum handelnden Teil der vereinten Befreiungsbewegung. Trotz der Strafversetzung Würthles nach Lienz 1944 blieb er eine zentrale Figur. Als am 13. April 1945 die vereinten Tiroler Widerstandskräfte unter Dr. Karl Gruber zusammengeführt wurden, übernahm Fritz Würthle die Rolle des stellvertretenden Führers. In den kritischen Tagen des Aufstands im Mai 1945 gehörte er dem zivilen Stab und später dem offiziellen Exekutivausschuss an. Die Geschichte der Gruppe zeigt damit den Weg von verdecktem, lokalem Widerstand hin zur aktiven Mitgestaltung der politischen und militärischen Befreiung Tirols.

Alliierte Verstärkung und brutale Rückschläge

Im Frühjahr 1945 intensivierte sich die Zusammenarbeit mit den Alliierten. Die OSS-Operation „Deadwood Mission“ brachte die Verbindungsoffiziere Ferdinand Zöllner und Joe Horneck (mit Funker Karl Novacek) nach Tirol, die bei den Gruppen Mair-Grünewald unterkamen. Parallel landete der OSS-Offizier Fred Mayer im Ötztal (Operation „Greenup“), um Waffenabwürfe zu koordinieren und Kontakte zu Schlüsselpersonen wie Stabsarzt Dr. Willi Stricker und der Zelle auf der „Kemater Alm“ zu knüpfen. (Siehe Blog Joseph von Franckenstein)
Doch die Gestapo schlug zurück. Zwischen dem 20. und 27. April 1945 traf eine Verhaftungswelle das Herz des Widerstands:
  • 20. April: Verhaftung von Dr. Arthur Andreatta (O5-Chefnachrichtenstellen), Fred Mayer, Alois Kuen und Robert Moser, der zu Tode gefoltert wurde.
  • 27. April: Verhaftung des OSS-Offiziers Joseph von Franckenstein auf der Kemater Alm; sein Funker Karl Novacek wurde getötet.
  • Weitere Festnahmen trafen Mitglieder der „Deadwood“- und „Greenup“-Gruppen.

Neue Strategie: Konzentration auf das Wesentliche

Die Verluste zwangen Karl Gruber am 28. April zu einer realistischen Neuausrichtung. Der Plan für eine allgemeine Erhebung wurde aufgegeben. Stattdessen konzentrierte man sich auf zwei Ziele:
  1. Die Besetzung der öffentlichen Gebäude in Innsbruck.
  2. Die Besetzung der Kasernen zum Zeitpunkt des amerikanischen Angriffs auf den Frontabschnitt Seefeld.
Die militärische Führung für diese Aktion lag bei Major Werner Heine, unterstützt von Major Schneeberger, Oberleutnant Huber, Oskar Görz, Ludwig Steiner und Dr. Emil Eckl. Den zivilen Stab bildeten Fritz Würthle, Carl Hirnschrott, Helmut Heuberger und Laugges.

Der Aufstand: 2./3. Mai 1945 – Innsbruck befreit sich selbst

Am 1. Mai erteilte Karl Gruber die letzten Befehle. In den frühen Stunden des 2. Mai begann der Aufstand. Etwa 2.000 Mann besetzten gleichzeitig alle Innsbrucker Kasernen, während Verhandlungen mit zwei Offizieren der heranrückenden 7. US-Armee über die Kapitulation geführt wurden.
Am 3. Mai 1945 verkündete der Rundfunk das Ende der Kampfhandlungen. Der Exekutivausschuss der Österreichischen Widerstandsbewegung für Tirol rief die Bevölkerung auf: „Hisst von allen Häusern die Fahnen! … rot-weiß-rote oder rot-weiße, die Farben unseres heißgeliebten Österreichs, unseres Tirols."

Politische Konsolidierung und historisches Vermächtnis

Noch am 3. Mai wurde Karl Gruber im Beisein amerikanischer Offiziere wie Major Elliot und Major Jow als Vorsitzender des Exekutivausschusses bestätigt. Ihm zur Seite standen die führenden Persönlichkeiten des Widerstands, darunter Universitätsprofessor Dr. Reut-Nicolussi, Ing. Anton von Hradetzky und Fritz Würthle.
Die Widerstandsbewegung hatte ihr Hauptziel erreicht: Sie trug maßgeblich zur reibungslosen Übergabe Tirols bei, verhinderte weitere Zerstörungen und schuf die Grundlage für einen politischen Neuanfang. Der Sieg war das Resultat jahrelanger, gefährlicher Netzwerkarbeit, des Muts unzähliger Frauen und Männer und der letzten, entschlossenen militärischen Koordination in den Maitagen 1945. Die Befreiung war nicht nur das Werk der alliierten Truppen, sondern auch der Tatkraft jener Tirolerinnen und Tiroler, die ihrem Land die Freiheit zurückeroberten. (siehe Blog: Fritz Würthle, Ing. Anton v. Hradetzky)
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin - Ethnologin 

    Archives
    ​Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) DÖW (Hrsg.):
    Widerstand und Verfolgung  in Tirol​1934 - 1945. Eine Dokumentation (2), München/Wien 1984, S. 460-461. (Die Gruppe um Fritz Würthle; Fritz Würthle S. 457 f., 460-461; 519; 558; 576)

    Gruppe Würthle und Flora Kreis. Online, https://gedenkort.at/organisationen/487e6e90-8ade-4d88-8889-9a2b18f72db9, (Zugriff: 3.9.2025)
    Form/,Wolfgang/Uthe ,Oliver :  NS-Justiz in Österreich. Lage-und Reiseberichte 1938 - 1945.  In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.),: Mitteilungen, Nr. 168 (2004). Eine Schriftenreihe  des DÖW zu Widerstand,NS-Verfolgung und Nachkriegsaspekten  (3). Münster  2004.

    Kunzenmann, Werner: Widerstand in der deutschen Wehrmacht. Wehrdienstentziehung. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 – 1945. Eine Dokumentation (2),. Wien/München 1984, S. 508-519.

    Maislinger, Andreas:  6. Organisierter Widerstand, i) Die Gruppe um Fritz Würthle. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 460-461.
     
    Maislinger, Andreas:  6. Organisierter Widerstand, f) Die Gruppe um Anton Haller,. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2),.Wien/München 1984, S. 448-451.

    Maislinger, Andreas:  6. Organisierter Widerstand, g) Die Gruppe „Post“. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.),. Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2). Wien/München 1984, S. 451-455.

    Maislinger, Andreas: 6. Organisierter Widerstand, f) Die Gruppe um  Anton  von Hradetzky.  In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.):  Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 - 1945. Eine Dokumentation (2),. Wien/München 1984, S. 455-459.

    Weiß, Sabine: Widerstand von Einzelnen.  In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Hrsg.),: Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934–1945. Eine Dokumentation (1 ). Wien/München 1984, S.341.

    Tiroler Landesarchiv Innsbruck
    Nachlass  Hirnschrott, Ing. Carl: Verzeichnis aller führenden Widerstandskämpfer in Tirol vom 13. Mai 1945. In: Tiroler Landesarchiv.

    ​Publikationen:


    Fritsche, Maria: Entziehungen, österreichische Deserteure und Selbstverstümmler in der Deutschen Wehrmacht. Wien/Köln/Weimar 2004, S. 284. 

    Gruber, Karl:  Ein politisches Leben. Österreichs Weg zwischen den Diktaturen. Wien/München/Zürich 1976,  S. 33. 

    Mackowitz, Rudolf (Hrsg.): Kampf um Tirol 1945. Entscheidende Taten zur Befreiung Innsbrucks im Frühjahr 1945.  Innsbruck 1945.

    Luza, Radomir : The Restistance in Tyrol 1938 to 1945.  In: Reinalter,Helmut/Pelinka, Anton /Maislinger ,Andreas (Hrsg.): Handbuch zur Neueren Geschichte Tirols,. Zeitgeschichte( 2) . Politische Geschichte  (Teil 1).   Innsbruck 1993, S.343-346.

    Luza, Radomir: Die zweite Welle vor dem Aufstand.  Der Widerstand in Nord-und Osttirol 1938-1945. In: Pelinka,Anton/Maislinger,Andreas  (Hrsg.): Handbuch zur neueren Geschichte Tirols. Zeitgeschichte (2). Politische Geschichte  (Teil 1).  Innsbruck 1993, S. 313-347, hier S. 334 - 337.


    Quelle: Molden, Otto : Der Ruf des Gewissens. Der österreichische Freiheitskampf 1938 - 1945. Wien 1958, S. 119 - 122;  S. 269 – 285, sowie 319-323; 322-327.

    Molden, Fritz /Fepolinski 291: Bericht Dr. Hartl Petzen. Gesprächsbericht Tirol, 14. März 1946. In  Molden,Otto: Mappe V. Sowie nach Aussagen von Baron Hans Giannelia erfuhr er erst während des Besuches von Fritz Molden am 26. Februar 1945 vom Widerstand und nicht schon im Jahr 1944.

    Stolpersteine: Kreis um Fritz Würthle. Online unter,{https://niemalswieder.at/Home/Inhalt/Gruppe%20Würthle%20und%20Flora-Kreis}, (Stand 30.11.2023)

    Kuhl, Manfred: Farbe tragen, Farbe bekennen. In: Krause,Peter /Reinelt,Herbert / Schmitt ,Helmut (Hrsg.): Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung, Ergänzungsband Biografien (2). Tradition und Zukunft (18). Wien 2020, S. 262.
     
    Mackowitz, Rudolf (Hrsg.): Kampf um Tirol 1945. Entscheidende Taten zur Befreiung Innsbrucks im Frühjahr 1945. Innsbruck 1945, S. 37, sowie 24-26,  S.51-54.

    Riedmann, Josef: Beschlussprotokolle der Sitzungen des Exekutiv oder Ordnungs-Ausschusses  der österreichischen Widerstandsbewegung in Tirol vom 4. Mai bis 5. Juni 1945. In: Tiroler Heimat 51/52 (1987/88), S. 205-217.

    Schafranek, Hans/Tuchel, Johannes (Hrsg.):  Krieg im Äther. Widerstand und Spionage im II. Weltkrieg. Wien 2004, S. 376.

    Schreiber, Horst: Endzeit. Innsbruck 2020, S. 340f,, 350, 372, 375.

    Stadtarchiv Hall in Tirol

    StAH, Schachtel Zeitungsberichte 1945, Erste Ausgabe Tiroler Nachrichten, Nummer 1, 1. Jahrgang, Freitag, den 4. Mai 1945, S. 1. In: Stadtarchiv Hall in Tirol.


    Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol

    Wehrstammblatt Anton Walder Hall in Tirol.
     Sowie. Schreiben von Grete Götsch vom Wehrmeldeamt Innsbruck an Anton Walder vom 16. April 1945. Privatarchiv Walder Hall in Tirol.
    Dokumente des Wehrmeldeamtes 


    January 2026

    Kategorie
    ​Zeitgeschichte

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