Lesen Sie mehr:www.katholisch.at/aktuelles/127736/gedenkwoche-fuer-maertyrer-carl-lampert-in-tirol-und-vorarlberg www.dibk.at/Media/Organisationen/seelsorge.leben/Gebetsunterlagen/Seliger-Pfarrer-Otto-Neururer Pater Franz Reinisch Die tapferen Stimmen der Frauen von Absam Die tapferen Stimmen der Frauen von Solbad Hall Read more:The Prophecy of 720 Die Prophezeiung von 720: Vergessener Widerstand von drei Tiroler Frauen gegen Hitler Eine mysteriöse Schrift aus dem 8. Jahrhundert als Waffe gegen das NS-Regime Während des Zweiten Weltkriegs wagten drei einfache Frauen aus Absam in Tirol etwas, wovor viele zögerten: Sie verbreiteten eine angebliche Prophezeiung aus dem Jahr 720 n. Chr., die das NS-Regime unmissverständlich als das Werk des Antichristen entlarvte. Was wie eine fromme Legende klingt, entpuppt sich als clever verschlüsselter Widerstandsakt – mit schwerwiegenden Folgen. Der Inhalt der Prophezeiung: Ein düsteres Orakel mit klarer Botschaft Die Schrift, die Julie Huber 1941 von der bereits verstorbenen Kordula Geiger erhalten hatte, enthielt folgende bemerkenswert präzise Vorhersagen: „Es kommt die Zeit, da Germanien das kriegerische Volk genannt wird. Aus seinem Schoß wird ein Krieger hervorgehen, der einen Weltkrieg entfesselt. Die Völker werden ihn Antichrist nennen. [...] Der Krieg, den er entfesselt, wird der schrecklichste sein, den die Menschen je gesehen haben.“ Die Prophezeiung gliederte den Kriegsverlauf in drei Phasen: Erste Phase – Blutige Siege: „Gegen Mitte des 6. Monats des zweiten Kriegsjahres wird der Eroberer den Höhepunkt seines Triumphes erreicht haben. Die erste Periode, die Periode der blutigen Siege, ist vorbei. Er glaubt, seine Bedingungen diktieren zu können.“ Zweite Phase – Verkleinerungen: „Die zweite Periode gleicht an Dauer der ersten. Sie kann die Periode der Verkleinerungen genannt werden. Sie wird reich sein an Überraschungen. Gegen die Mitte werden die dem Eroberer unterworfenen Völker nach Frieden rufen, er kommt aber nicht. Ein großer Kampf findet statt in der Stadt der Städte. In dieser Zeit werden viele der Seinigen ihn steinigen wollen. Es werden viele Dinge im Orient geschehen.“ Dritte Phase – Invasion und Niedergang: „Die dritte Periode wird von kurzer Dauer sein. Es ist die Periode der Invasion. Von allen Seiten werden die Völker in das Land des Eroberers eindringen. Sein Heer wird von einem großen Übel heimgesucht werden. Alle werden sagen, hier ist der Finger Gottes. Das Szepter wird in eine andere Hand übergehen, und alle werden sich freuen. Vom Kirchgang ins Gefängnis: Die Verbreitung der Hetzschrift Die Weitergabe der Prophezeiung folgte einem einfachen, aber gefährlichen Muster: Auf dem Heimweg vom Kirchgang übergab Julie Huber ihrer Bekannten Elisabeth Hafner die Schrift. Elisabeth fertigte eine Abschrift an und gab ihre Kopie an Rosa Brindlmayer weiter – mit der Bitte um Vervielfältigung. Die entscheidende Wende kam im November oder Dezember 1942. Der Theologiestudent und Wehrmachtssoldat Peter Klingler traf während eines Urlaubsbesuchs Rosa Brindlmayer. Bei einem Gespräch über die Dauer des Krieges las Klingler aus der Prophezeiung sogenannte „Heilandsworte“ vor und bat um eine maschinengeschriebene Abschrift – um sie seinen Kameraden an der Front zu zeigen. Die Verhaftung: Eine Denunziationsfalle in Serbien Peter Klingler geriet in Serbien in eine verhängnisvolle Denunziationsfalle, als er die Schrift unter seinen Kameraden verbreitete. Die Gestapo nahm daraufhin Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer fest. Die drei Frauen gaben die Verbreitung der Prophezeiung sofort zu. Das Urteil: Mehrjährige Haftstrafen wegen Wehrkraftzersetzung Am 20. Mai 1943 wurden die drei Absamer Frauen wegen Wehrkraftzersetzung und Verbreiten von Hetzschriften zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hatten das NS-Regime als Werk des Antichristen gebrandmarkt und den von Deutschland entfesselten Krieg als den schrecklichsten aller Zeiten verurteilt. Zwischen tiefem Glauben und NS-Verfolgung: Der religiöse Kontext des Widerstands Um den Mut von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer zu verstehen, muss man einen entscheidenden Faktor erkennen: ihren tief verwurzelten katholischen Glauben. In einem kleinen, traditionellen Dorf wie Absam war der Glaube nicht nur ein sonntägliches Ritual, sondern die eigentliche Linse, durch die sie die Weltereignisse interpretierten. Für sie war Adolf Hitler nicht nur ein politischer Gegner; sie identifizierten ihn mit der Sprache der Prophezeiung von 720 als eine pseudo-messianische Figur der Zerstörung – als den Antichristen, von dem die Heilige Schrift vorhersagt, dass er kommen werde. Diese religiöse Weltanschauung verwandelte ihre fromme Andacht in aktiven politischen Protest. Indem sie die Prophezeiung verbreiteten, begingen sie keinen politischen Landesverrat im herkömmlichen Sinne; sie glaubten, ihre Gemeinde vor einem genuin theologischen Übel zu warnen. Diese Konfrontation zwischen katholischem Gewissen und nationalsozialistischer Ideologie war in Tirol und Vorarlberg aufgrund der Aktivitäten des regionalen Führers, Gauleiter Franz Hofer, besonders explosiv. Unter allen NS-Funktionären zeichnete sich Hofer durch seine radikale Feindseligkeit gegenüber der katholischen Kirche aus. Sein Ziel war es nicht nur, den Einfluss der Kirche einzuschränken, sondern ihre Struktur in seinem Gebiet systematisch zu zerschlagen. Unter Hofers Befehlen unterdrückte das Regime die kirchliche Opposition brutal. Die "Schauprozesse" gegen Priester wurden zu einem Markenzeichen des Tiroler NS-Regimes. Die bekanntesten Beispiele sind Otto Neururer und Dr. Karl Lampert, deren Schicksale die tödliche Gefahr veranschaulichen, der fromme Katholiken ausgesetzt waren, die Widerstand leisteten.
Historische Quelle und Bedeutung Diese Dokumentation beruht auf Dokument Nr. 8779 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Prophezeiung von 720 ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie religiöse Sprache als verschlüsselter Protest gegen ein menschenverachtendes Regime genutzt wurde – und welchen Preis mutige Menschen dafür zu zahlen hatten. Fazit: Ein vergessenes Kapitel des Tiroler Widerstands Die Geschichte von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer zeigt, dass Widerstand gegen das NS-Regime nicht nur von großen politischen Organisationen ausging, sondern auch von einfachen Frauen, die in einer scheinbar frommen Prophezeiung eine Waffe gegen die nationalsozialistische Diktatur erkannten – und bereit waren, dafür ihre Freiheit zu riskieren.
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