"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
  • Home
    • Home EN
  • Über uns
    • About Us - EN
  • GEDENKPORTRÄTS
  • BLOG
    • Akteur:innen des Widerstands >
      • Actors of the Hall Resistance
      • Youth organizations and Catholic organizations
    • Widerstands-Guppen >
      • Resistance groups in Hall in Tyrol
    • Verfolgte und Opfer >
      • The Persecuted and the Victims
    • Institutionen im Widerstand >
      • Institutional Resistance
      • Priester und Ordensleute im Widerstand
      • Clerical Opposition
      • Religious Orders in Resistance
    • Erinnerungs-Kultur >
      • Commemorative Culture"
  • Impressum/Imprint
    • Sponsoren/Sponsors
  • Home
    • Home EN
  • Über uns
    • About Us - EN
  • GEDENKPORTRÄTS
  • BLOG
    • Akteur:innen des Widerstands >
      • Actors of the Hall Resistance
      • Youth organizations and Catholic organizations
    • Widerstands-Guppen >
      • Resistance groups in Hall in Tyrol
    • Verfolgte und Opfer >
      • The Persecuted and the Victims
    • Institutionen im Widerstand >
      • Institutional Resistance
      • Priester und Ordensleute im Widerstand
      • Clerical Opposition
      • Religious Orders in Resistance
    • Erinnerungs-Kultur >
      • Commemorative Culture"
  • Impressum/Imprint
    • Sponsoren/Sponsors


Die Prophezeiung von 720:
Vergessener Widerstand von drei Tiroler Frauen gegen Hitler


Die Prophezeiung von 720: Vergessener Widerstand von drei Tiroler Frauen gegen Hitler

5/9/2026

0 Comments

 

Lesen Sie mehr:

www.katholisch.at/aktuelles/127736/gedenkwoche-fuer-maertyrer-carl-lampert-in-tirol-und-vorarlberg

www.dibk.at/Media/Organisationen/seelsorge.leben/Gebetsunterlagen/Seliger-Pfarrer-Otto-Neururer

Pater Franz Reinisch

Die tapferen Stimmen der Frauen von Absam

Die tapferen Stimmen der Frauen von Solbad Hall

Read more:

The Prophecy of 720

Die Prophezeiung von 720: Vergessener Widerstand von drei Tiroler Frauen gegen Hitler

Eine mysteriöse Schrift aus dem 8. Jahrhundert als Waffe gegen das NS-Regime

Während des Zweiten Weltkriegs wagten drei einfache Frauen aus Absam in Tirol etwas, wovor viele zögerten: Sie verbreiteten eine angebliche Prophezeiung aus dem Jahr 720 n. Chr., die das NS-Regime unmissverständlich als das Werk des Antichristen entlarvte. Was wie eine fromme Legende klingt, entpuppt sich als clever verschlüsselter Widerstandsakt – mit schwerwiegenden Folgen.

Der Inhalt der Prophezeiung: Ein düsteres Orakel mit klarer Botschaft

Die Schrift, die Julie Huber 1941 von der bereits verstorbenen Kordula Geiger erhalten hatte, enthielt folgende bemerkenswert präzise Vorhersagen:
„Es kommt die Zeit, da Germanien das kriegerische Volk genannt wird. Aus seinem Schoß wird ein Krieger hervorgehen, der einen Weltkrieg entfesselt. Die Völker werden ihn Antichrist nennen. [...] Der Krieg, den er entfesselt, wird der schrecklichste sein, den die Menschen je gesehen haben.“
Die Prophezeiung gliederte den Kriegsverlauf in drei Phasen:
Erste Phase – Blutige Siege: „Gegen Mitte des 6. Monats des zweiten Kriegsjahres wird der Eroberer den Höhepunkt seines Triumphes erreicht haben. Die erste Periode, die Periode der blutigen Siege, ist vorbei. Er glaubt, seine Bedingungen diktieren zu können.“
Zweite Phase – Verkleinerungen: „Die zweite Periode gleicht an Dauer der ersten. Sie kann die Periode der Verkleinerungen genannt werden. Sie wird reich sein an Überraschungen. Gegen die Mitte werden die dem Eroberer unterworfenen Völker nach Frieden rufen, er kommt aber nicht. Ein großer Kampf findet statt in der Stadt der Städte. In dieser Zeit werden viele der Seinigen ihn steinigen wollen. Es werden viele Dinge im Orient geschehen.“
Dritte Phase – Invasion und Niedergang: „Die dritte Periode wird von kurzer Dauer sein. Es ist die Periode der Invasion. Von allen Seiten werden die Völker in das Land des Eroberers eindringen. Sein Heer wird von einem großen Übel heimgesucht werden. Alle werden sagen, hier ist der Finger Gottes. Das Szepter wird in eine andere Hand übergehen, und alle werden sich freuen.

Vom Kirchgang ins Gefängnis: Die Verbreitung der Hetzschrift

Die Weitergabe der Prophezeiung folgte einem einfachen, aber gefährlichen Muster: Auf dem Heimweg vom Kirchgang übergab Julie Huber ihrer Bekannten Elisabeth Hafner die Schrift. Elisabeth fertigte eine Abschrift an und gab ihre Kopie an Rosa Brindlmayer weiter – mit der Bitte um Vervielfältigung.
Die entscheidende Wende kam im November oder Dezember 1942. Der Theologiestudent und Wehrmachtssoldat Peter Klingler traf während eines Urlaubsbesuchs Rosa Brindlmayer. Bei einem Gespräch über die Dauer des Krieges las Klingler aus der Prophezeiung sogenannte „Heilandsworte“ vor und bat um eine maschinengeschriebene Abschrift – um sie seinen Kameraden an der Front zu zeigen.

Die Verhaftung: Eine Denunziationsfalle in Serbien

Peter Klingler geriet in Serbien in eine verhängnisvolle Denunziationsfalle, als er die Schrift unter seinen Kameraden verbreitete. Die Gestapo nahm daraufhin Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer fest. Die drei Frauen gaben die Verbreitung der Prophezeiung sofort zu.

Das Urteil: Mehrjährige Haftstrafen wegen Wehrkraftzersetzung

Am 20. Mai 1943 wurden die drei Absamer Frauen wegen Wehrkraftzersetzung und Verbreiten von Hetzschriften zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hatten das NS-Regime als Werk des Antichristen gebrandmarkt und den von Deutschland entfesselten Krieg als den schrecklichsten aller Zeiten verurteilt.

Zwischen tiefem Glauben und NS-Verfolgung: Der religiöse Kontext des Widerstands

Um den Mut von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer zu verstehen, muss man einen entscheidenden Faktor erkennen: ihren tief verwurzelten katholischen Glauben. In einem kleinen, traditionellen Dorf wie Absam war der Glaube nicht nur ein sonntägliches Ritual, sondern die eigentliche Linse, durch die sie die Weltereignisse interpretierten. Für sie war Adolf Hitler nicht nur ein politischer Gegner; sie identifizierten ihn mit der Sprache der Prophezeiung von 720 als eine pseudo-messianische Figur der Zerstörung – als den Antichristen, von dem die Heilige Schrift vorhersagt, dass er kommen werde. Diese religiöse Weltanschauung verwandelte ihre fromme Andacht in aktiven politischen Protest. Indem sie die Prophezeiung verbreiteten, begingen sie keinen politischen Landesverrat im herkömmlichen Sinne; sie glaubten, ihre Gemeinde vor einem genuin theologischen Übel zu warnen.
Diese Konfrontation zwischen katholischem Gewissen und nationalsozialistischer Ideologie war in Tirol und Vorarlberg aufgrund der Aktivitäten des regionalen Führers, Gauleiter Franz Hofer, besonders explosiv. Unter allen NS-Funktionären zeichnete sich Hofer durch seine radikale Feindseligkeit gegenüber der katholischen Kirche aus. Sein Ziel war es nicht nur, den Einfluss der Kirche einzuschränken, sondern ihre Struktur in seinem Gebiet systematisch zu zerschlagen.
Unter Hofers Befehlen unterdrückte das Regime die kirchliche Opposition brutal. Die "Schauprozesse" gegen Priester wurden zu einem Markenzeichen des Tiroler NS-Regimes. Die bekanntesten Beispiele sind Otto Neururer und Dr. Karl Lampert, deren Schicksale die tödliche Gefahr veranschaulichen, der fromme Katholiken ausgesetzt waren, die Widerstand leisteten.
  • Seliger Otto Neururer, der Pfarrer von Götzens, wurde im Dezember 1938 verhaftet. Sein Vergehen: Er riet einer jungen Frau von der Heirat mit einem geschiedenen NS-Funktionär ab. Während er im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, wurde er gefoltert und schließlich nackt und kopfüber aufgehängt, weil er einem Mithäftling heimlich Religionsunterricht erteilt hatte. Er starb nach 34 Stunden einen langsamen, qualvollen Tod und war damit einer der ersten Priester, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden.
  • Dr. Karl Lampert, der Provikar (der höchste Kirchenbeamte in Tirol) und Vorgesetzte Neururers, wurde ein direktes Ziel von Gauleiter Hofer. Nachdem er einen mutigen Nachruf auf Neururer veröffentlicht hatte, wurde Lampert verhaftet und deportiert. Obwohl er freigelassen und aus Tirol ausgewiesen wurde, setzte er seine seelsorgerische Arbeit fort. Nachdem er jedoch von einem Gestapo-Informanten denunziert worden war, verurteilte ihn der Reichskriegsgerichtshof wegen "Zersetzung der Wehrkraft" zum Tode. Er wurde am 13. November 1944 in Halle an der Saale enthauptet.
Das Schicksal von Neururer und Lampert hing wie ein dunkles Omen über der Region. Daher war die Tat von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer alles andere als ein naives Gerücht. Sie war ein bewusster Widerhall dieses unnachgiebigen, glaubensbasierten Widerstands. Zu einer Zeit, als Priester für ihren Glauben ermordet wurden, riskierten diese Laienfrauen dasselbe Schicksal, indem sie eine Prophezeiung aus dem 8. Jahrhundert als Waffe gegen den Führerstaat des 20. Jahrhunderts einsetzten.

Historische Quelle und Bedeutung

Diese Dokumentation beruht auf Dokument Nr. 8779 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Prophezeiung von 720 ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie religiöse Sprache als verschlüsselter Protest gegen ein menschenverachtendes Regime genutzt wurde – und welchen Preis mutige Menschen dafür zu zahlen hatten.

Fazit: Ein vergessenes Kapitel des Tiroler Widerstands

Die Geschichte von Julie Huber, Elisabeth Hafner und Rosa Brindlmayer zeigt, dass Widerstand gegen das NS-Regime nicht nur von großen politischen Organisationen ausging, sondern auch von einfachen Frauen, die in einer scheinbar frommen Prophezeiung eine Waffe gegen die nationalsozialistische Diktatur erkannten – und bereit waren, dafür ihre Freiheit zu riskieren.
0 Comments

    Author

    Write something about yourself. No need to be fancy, just an overview.

    Archives
    ​Primary Source Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): Dokument Nr. 8779. (This is the core archival source documenting the case of the three women from Absam, including the text of the Prophecy of 720 and the trial records.) Secondary Literature Scheuer, Manfred: Kraft zum Widerstand. Glaubenszeugen im Nationalsozialismus. Tyrolia Verlag, Innsbruck 2017. ISBN: 978-3-7022-3649-6.  Relevance: This volume contains biographies of Catholic resistance figures, including Otto Neururer and Carl Lampert, both of whom were murdered by the Nazi regime. It provides essential context on the religiously motivated resistance in Tyrol and Vorarlberg under Gauleiter Franz Hofer. Hormayr, Gisela: *„Die Zukunft wird unser Sterben einmal anders beleuchten“. Opfer des katholisch-konservativen Widerstands in Tirol 1938–1945*. StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2015.  Relevance: A comprehensive study on victims of Catholic-conservative resistance in Tyrol between 1938 and 1945, particularly relevant for understanding the specific context of Nazi persecution of the Church in Tyrol under Gauleiter Hofer and the fates of figures like Carl Lampert. Gohm, Richard: *Selig, die um meinetwillen verfolgt werden: Carl Lampert, ein Opfer der Nazi-Willkür 1894-1944*. Tyrolia Verlag, Innsbruck-Wien 2008.  Relevance: A detailed biography of Dr. Carl Lampert, the Provicar of Innsbruck-Feldkirch who was sentenced to death by the Nazi military court and beheaded in 1944. Essential reading for understanding the severe persecution of Catholic clergy in Tyrol-Vorarlberg. Online Resources / Further Documentation Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): www.doew.at Relevance: The DÖW archives contain extensive documentation on Austrian resistance against National Socialism, including the Gestapo and court records mentioned in this article. Document No. 8779 is directly cited as the source for the Prophecy of 720 case. Biografia – Biografische Datenbank des österreichischen Widerstands: biografia.sabiado.at Relevance: This database contains biographical entries on resistance figures, including women charged under the "Heimtückegesetz" (Treachery Act) and "Wehrkraftzersetzung" for similar acts of dissent. Examples include entries on Elisabeth Dengg  and Hermine Gerstner . erinnern:at – Zeitpunkte erinnern (Carl Lampert): www.zeitpunkte.at Relevance: This memorial project documents the fates of individuals murdered during the Nazi era. The page on Carl Lampert provides detailed biographical information and sources on his arrest, imprisonment, and execution.

    May 2026

    Categories
    ​contemporary history

    All

    RSS Feed

Proudly powered by Weebly