read more:Blog (EN) Dr._Franz_Pessler _Teil _2 Lesen Sie mehr:Dr._Franz_Pessler Eine Korrektur zu einem bemerkenswerten Detail aus dem KZ DachauDie Geschichte österreichischer Häftlinge im Konzentrationslager Dachau enthält immer wieder überraschende biographische Verbindungen zu bedeutenden Ereignissen der Zwischenkriegszeit. Eine solche Spur führt zum sogenannten Halsman-Prozess, einem der aufsehenerregendsten Justizfälle der Ersten Republik. Im Zusammenhang mit Recherchen zu Tiroler Rechtsanwälten tauchte der Name Dr. Franz Pessler auf, der 1938 in das KZ Dachau deportiert wurde. Nach der Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945 befand sich der Innsbrucker Jurist Dr. Franz Pessler mit der Häftlingsnummer 14383 seit dem 31. Mai 1938 im Konzentrationslager Dachau.[1] Besondere Bedeutung erhält diese Information durch die Erinnerungen des Haller Juristen und NS-Widerstandskämpfers Dr. Ernst Verdross (1892–1963), der als Häftling Nr. 14354 ebenfalls in Dachau interniert war. Verdross schilderte in seinen nach 1945 niedergeschriebenen Lebenserinnerungen eindrucksvoll die Gewalt, Demütigung und Entrechtung innerhalb des Lageralltags. Seine Aufzeichnungen gelten heute als bedeutende Quelle der Tiroler Widerstands- und Erinnerungsgeschichte.[2] Die von Elisabeth Walder wissenschaftlich bearbeitete Publikation KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354 macht diese bisher kaum bekannte Quelle erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Das Werk dokumentiert nicht nur die Verfolgung Verdross’, sondern beschreibt auch die Atmosphäre unter den österreichischen Häftlingen im Lager Dachau.[3] Lesen Sie mehr:www.kz-gedenkstaette-dachau.deBuchpräsentation _KZ-Dachau Der Hinweis auf den „Vatermörder-Fall“ Nach späteren Erinnerungen galt Dr. Pessler unter Mithäftlingen als „bekannt“ wegen des sogenannten „Vatermörder-Falles“. Gemeint war damit der international beachtete Prozess gegen Philippe Halsman. Am 10. September 1928 kam der aus Riga stammende Zahnarzt Morduch (Max) Halsman während einer Bergwanderung am Schwarzenstein im Zillertal ums Leben. Sein Sohn Philippe Halsman wurde beschuldigt, den Vater ermordet zu haben. Der Fall entwickelte sich rasch zu einem Justizskandal mit internationalem Echo. Vor dem Schwurgericht in Innsbruck wurde Philippe Halsman im Dezember 1928 schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Kerker verurteilt. Nach einem Einspruch kam es 1929 zu einer neuerlichen Verhandlung, die ebenfalls mit einer Verurteilung endete. Schließlich wurde Halsman im Oktober 1930 durch Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt und des Landes verwiesen. Später emigrierte Philippe Halsman in die USA und wurde dort zu einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Porträts zahlreicher Persönlichkeiten aus Politik, Film und Kunst sowie durch seine Zusammenarbeit mit Salvador Dalí. Der Fall wurde unter anderem von Martin Pollack in seinem Buch Anklage Vatermord ausführlich aufgearbeitet. Lesen Sie mehr:de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Miklas www.welt.de/print-welt/article407970/Der-Jude-wird-verbrannt.html Zur Frage der Namensverwechslung: Pessler, Pressler oder Preßburger?Die in späteren Quellen auftauchende Verwechslung der Namen „Pessler", „Pressler" und „Preßburger" lässt sich heute präziser einordnen. Richard Preßburger, der Wiener Staranwalt und Verteidiger im ersten Halsman-Prozess, starb am 28. Januar 1938 – wenige Wochen vor dem „Anschluss" Österreichs. Eine Deportation in das Konzentrationslager Dachau kam für ihn daher nicht mehr in Frage. Die Erinnerung an einen „RA Pressler" im Zusammenhang mit Dachau bezieht sich damit aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf Preßburger, sondern auf Dr. Franz Pessler, der am 31. Mai 1938 tatsächlich nach Dachau deportiert wurde. Die Ähnlichkeit der Namen – Pessler, Pressler, Preßburger – dürfte über die Jahre zu einer Vermischung geführt haben, die in Zeitzeugenberichten und späteren Aufzeichnungen gleichermaßen nachzuweisen ist. Lesen Sie mehr:oe1.orf.at/programm/20170805/483862/Der-raetselhafte-Absturz-des-Morduch-Max-Halsmann-und-der-Prozess-gegen-seinen-Sohn-Philipp-Halsmann david.juden.at/buchbesprechungen/50-54/Main%20frame_Buch54_Anklage.htm www.spiegel.de/kultur/der-fall-halsmann-a-dff88c3b-0002-0001-0000-000025499013 de.wikipedia.org/wiki/Richard_Preßburger Dr. Richard Pressburger (1862–1938)Dr. Richard Pressburger wurde am 16. Februar 1862 in Wien geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien promovierte er 1886 zum Doktor der Rechte und war ab 1893 als Hof- und Gerichtsadvokat in Wien tätig. Er zählte zu den bekanntesten Strafverteidigern der späten Habsburgermonarchie und der Ersten Republik Österreich. Durch seine rhetorische Begabung und seine juristische Präzision erlangte er große Bekanntheit und erreichte in zahlreichen aufsehenerregenden Strafverfahren bemerkenswerte Freisprüche. Zu seinen bedeutendsten Fällen gehörten unter anderem der Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Kriegsminister Moritz von Auffenberg, der Prozess gegen den Mörder Philipp Halsmann sowie mehrere politisch motivierte Verfahren. Neben seiner Tätigkeit als Strafverteidiger führte Pressburger eine angesehene zivilrechtliche Kanzlei. Er setzte sich engagiert für rechtsstaatliche Reformen ein und trat als entschiedener Gegner der Todesstrafe hervor. Als Mitglied des Internationalen Anwaltsverbandes hielt er 1932 einen vielbeachteten Vortrag zur Abschaffung der Todesstrafe. Richard Pressburger veröffentlichte mehrere juristische und zeitgeschichtliche Arbeiten und genoss hohes Ansehen innerhalb der österreichischen Anwaltschaft. Er verstarb am 28. Januar 1938 in Wien. Sein Wirken machte ihn zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen Strafverteidigung des frühen 20. Jahrhunderts. Lesen Sie mehr:www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pressburger_Richard_1862_1938.xmlDr. jur._Richard _Preßburger Ernst Verdross und das „KZ-Dachau-Protokoll“ Foto: Dr. Ernst Verdross. In historisches Archiv Fotoatelier Stockhammer Hall in Tirol. Besonders bemerkenswert bleibt die Rolle von Dr. Ernst Verdross selbst. Der Haller Magistratsdirektor und Jurist wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert, wo er die Häftlingsnummer 14354 erhielt.[4] Unmittelbar nach Kriegsende verfasste Verdross seine Lebenserinnerungen und das sogenannte „KZ-Dachau-Protokoll“, eine eindringliche Abrechnung mit den Zuständen im Konzentrationslager. Seine Aufzeichnungen enthalten detaillierte Schilderungen der Gewalt durch SA und SS, der Entrechtung politischer Gegner sowie der psychischen und physischen Zerstörung der Häftlinge. Die Publikation KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354 von Elisabeth Walder stellt deshalb einen wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur sowie zur Erforschung des Tiroler Widerstandes gegen den Nationalsozialismus dar.[5] Lesen Sie mehr:Buchpräsentation _KZ-Dachau Fußnoten [1] DÖW (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Tirol und Vorarlberg 1934–1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien/München 1984, S. 392. [2] Ernst Verdross: KZ-Dachau Lebenserinnerungen, unpubliziertes Manuskript, Privatarchiv Dr. Markus Illmer, Innsbruck. [3] Elisabeth Walder: KZ-Dachau Häftlingsnummer 14354, Innsbruck 2025. [4] „Dr. Ernst Verdross Edler von Drossberg – Ein Leben für Recht und Gerechtigkeit“, NS-Widerstand Hall in Tirol. [5] „Das mahnende Vermächtnis des Häftlings Nr. 14354“, Stadtzeitung Hall in Tirol, Nr. 35, 9. Oktober 2025. Lesen Sie mehr:Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln) Dr. _Ernst _Verdross Dr. _Manfred _Mumelter Friedrich Corazza Dr. Franz Pessler – Verteidiger im zweiten Halsman-Prozess Dr. Franz Pessler war Rechtsanwalt in Innsbruck und eine der zentralen Figuren im zweiten Verfahren gegen Philippe Halsman. Nachdem Richard Preßburger im ersten Prozess die Nichtigkeitsbeschwerde erfolgreich durchgesetzt hatte und das Urteil vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden war, übernahm Pessler gemeinsam mit seinem Kollegen Paul Mahler die Verteidigung in der Neuverhandlung. Es war also Pessler, der Halsman in jenem Verfahren vor dem Innsbrucker Schwurgericht verteidigte, das heute als „Vatermordprozess" in die österreichische Justizgeschichte eingegangen ist. Dieser Umstand erklärt, weshalb Pessler unter österreichischen Mithäftlingen im Konzentrationslager Dachau als der Anwalt des „Vatermörder-Falles" bekannt war. Nach dem „Anschluss" Österreichs wurde er am 31. Mai 1938 gemeinsam mit seinem Freund Dr. Ernst Verdross nach Dachau deportiert. Die Erinnerungen Verdross' belegen, dass der Halsman-Prozess auch Jahre später noch fest mit Pesslers Namen verbunden war. Die gelegentliche Verwechslung der Namen Pessler, Pressler und Preßburger in späteren Quellen ist vor diesem Hintergrund erklärbar: Preßburger führte den ersten, öffentlichkeitswirksamen Prozess – Pessler den zweiten. Beide hinterließen im kollektiven Gedächtnis ihre Spuren, doch die Ähnlichkeit der Namen ließ die Rollen im Laufe der Jahrzehnte verschwimmen. Lesen Sie mehr:Dr._Franz_Pessler Dr. jur._Richard _Preßburger
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