Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale
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Martin Berger
(1885-1953)

Martin Berger (1885–1953) – Postinspektor und Widerstandskämpfer in Hall in Tirol

10/10/2025

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read more: 

🇬🇧 Berger-Martin -Blog (EN)

Historischer Kontext ​

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 begann auch in Tirol die systematische Gleichschaltung von Staat, Gesellschaft und Kirche. Politische Gegner, überzeugte Katholiken und Menschen mit einer klaren österreichischen Identität gerieten zunehmend unter Druck. Trotz der allgegenwärtigen Überwachung durch die Gestapo entstanden bereits früh kleine Widerstandskreise, die sich heimlich trafen, Informationen austauschten und den Nationalsozialismus ablehnten.
In Hall in Tirol entwickelte sich einer dieser Kreise im Umfeld der katholischen Jugend und der Pfarre St. Nikolaus. Aus diesen frühen Netzwerken gingen später größere Widerstandsgruppen hervor, die Menschen unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Herkunft vereinten. Zu den Persönlichkeiten, die diesen Widerstand unterstützten, gehörte auch der Haller Postinspektor Martin Berger. Er engagierte sich zunächst im katholischen Widerstand und übernahm später innerhalb der Widerstandsgruppe um Anton Haller wichtige organisatorische Aufgaben. Sein Einsatz zeigt beispielhaft, dass der Widerstand gegen das NS-Regime nicht nur von bekannten Persönlichkeiten getragen wurde, sondern auch von Menschen, die im Verborgenen Verantwortung übernahmen und dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. 

Lesen Sie mehr: 

Pfeifauf -Dr.-N.ikolaus -und-Dr.-H.ermann-Blassnig

Dekanat -Hall-in-Tirol- im-Widerstand

www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/anschluss-oesterreich-1938

Martin Berger (1885-1953)

Schwarz-Weiß-Porträt von Martin Berger als Brustbild. Er trägt einen Anzug mit Fliege und Brille und blickt direkt in die Kamera.
Porträt von Martin Berger. Quelle: Helmut Wopfner (Hrsg.), Unsere Sternkorona Hall in Tirol. Mitgliederverzeichnis 1888–1998, Thaur 1998, S. 57.
In den dunklen Jahren des NS-Regimes zeigte sich Mut oft an den unscheinbarsten Orten. Eine solche Geschichte ist die von Martin Berger, einem Postrechnungsbeamten aus Hall in Tirol, dessen stiller Widerstand und strategische Rolle ihn zu einer wichtigen Figur im österreichischen Freiheitskampf machten.

Lesen Sie mehr: 

gedenkort.at/personen/a1e37e81-cda3-55db-8d1b-448a31689c44

gedenkort.at/orte/1939c176-4f69-4904-ab48-036c2552ab5f

Frühes Leben und prägende Jahre

Martin Berger wurde am 14. Oktober 1885 in Höhnhart in Oberösterreich geboren. Er absolvierte seine schulische Ausbildung am Franziskaner Gymnasium in Hall in Tirol, wo er am 10. Mai 1905 der Studentenverbindung Sternkorona beitrat. Diese frühe Verbindung mit einer katholischen Studentenvereinigung sollte seine Weltanschauung ein Leben lang prägen. Er begann zunächst ein Jurastudium in Innsbruck, brach dieses jedoch ab und entschied sich für eine Karriere im Rechnungsdienst der Post – eine Position, die später zur Tarnung seiner Widerstandstätigkeiten werden sollte.

Lesen Sie mehr:

Sternkorona I

Franziskaner Kloster Hall in Tirol

Einleitung ​

Eine zeitgenössische Zeitungsnotiz aus dem Februar 1934 erweitert das bisherige Bild von Martin Berger um einen wichtigen Aspekt. Der spätere Widerstandskämpfer erscheint darin als Angehöriger der Haller Heimwehr: Bei einem öffentlichen „Heldengedenken“ in Hall führte Postrechnungsrat Martin Berger eine Heimatwehr-Jägerkompanie zur Stadtpfarrkirche.
Die Quelle dokumentiert damit Bergers Einbindung in das katholisch-konservative und österreichisch-patriotische Milieu der Zwischenkriegszeit. Zugleich mahnt sie zu einer differenzierten Betrachtung seiner Biografie. Seine Funktion in der Heimwehr darf weder verschwiegen noch rückblickend bereits als Widerstand gegen den Nationalsozialismus interpretiert werden. Erst weitere Quellen können zeigen, wie sich seine politische Haltung zwischen dem autoritären Österreich der Jahre 1933/34 und seinem späteren Einsatz gegen das NS-Regime entwickelte.
Bildschirmaufnahme einer historischen Zeitungsseite des Tiroler Anzeigers vom 23. Februar 1934. Der mehrspaltige Artikel „Feierliches Heldengedenken in Hall“ berichtet über ein Requiem und eine militärisch-patriotische Gedenkfeier in Hall in Tirol. Im Text werden Martin Berger als Kommandant einer Heimatwehr-Jägerkompanie und Bürgermeister Dr. Paul von Kathrein als Teilnehmer und Redner genannt.
Zeitungsbericht „Feierliches Heldengedenken in Hall“ im Tiroler Anzeiger vom 23. Februar 1934. Der Artikel nennt Postrechnungsrat Martin Berger als Kommandanten einer Haller Heimatwehr-Jägerkompanie. Bürgermeister Dr. Paul Freiherr von Kathrein nahm als Vertreter der Stadtgemeinde an der Feier teil und hielt nach der Kranzniederlegung eine kurze Gedenkrede. „Feierliches Heldengedenken in Hall.“ In: Tiroler Anzeiger, Nr. 45, 23. Februar 1934, S. 6.

Transkription

Die folgende Transkription gibt den auf den beiden Abbildungen erkennbaren Artikel wieder. Die historische Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden weitgehend beibehalten; die ursprünglichen Spalten- und Zeilenumbrüche wurden aufgehoben. Eine schwer lesbare Stelle ist in eckigen Klammern gekennzeichnet.

Feierliches Heldengedenken in Hall

Hall, 22. Februar 1934
Für das heute, Donnerstag, in der Stadtpfarrkirche abgehaltene feierliche Requiem für die gefallenen Helden unseres Vaterlandes, die mit ihrem kostbaren Leben den Tribut ihrer Treue zu Volk und Heimat besiegelten, hatte die Stadtgemeinde Hall alles Nötige in die Wege geleitet, während sich um die Schmückung des Katafalks die Frauenortsgruppe der Heimatwehr Hall ein großes Verdienst erworben hat.
Die ganze glanzvolle Veranstaltung trug den Stempel tiefster Trauer und tiefgefühlten Gedenkens für die dahingeschiedenen Kameraden der Exekutive und des Schutzkorps. In langer Reihe marschierten unter Führung der Musik des Tiroler Alpenjägerregimentes Nr. 12 die Kampfformationen, voran die Ehrenkompanie des Feldjägerbataillons zu Rad Nr. 6 in Hall unter dem Kommando des Majors [Name nicht eindeutig lesbar], anschließend die 4. Heimatwehr-Jägerkompagnie von Hall, als zweite Ehrenkompagnie, unter dem Kommando von Postrechnungsrat M. Berger zur Pfarrkirche und nahmen vor derselben Aufstellung. Das Kircheninnere füllten die Mitglieder der Ostmärkischen Sturmscharen, die restlichen zwei Kompagnien des Feldjäger-Bataillons zu Rad Nr. 6 mit den Offizieren, die Gendarmerie, eine Abordnung der Christlich-deutschen Turner, die HJ.-Jugend „Jung-Vaterland“ (Hall) und die Sturmscharjugend. Eine starke Abordnung der Salinen- und Bergarbeiter mit Fahne und Paradeadjustierung, die christlichen Bundesbahner unter Führung des Sektionsvorstandes Rettl, die gesamte Studentenschaft sowie die Volksschüler, weiters der Katholische Arbeiterverein mit Fahne und die Kameradschaftsverbände.
In den mit schwarzem Tuch belegten Bänken nahm eine starke Vertretung des Gemeinderates mit Bürgermeister Baron Dr. v. Kathrein sowie der Lehrkörper und die Beamtenschaft der Saline mit Oberbergmeister Bauer an der Spitze Platz.
Vor Beginn des Requiems hielt Militärkurat Seelos eine tief zu Herzen gehende Ansprache. Dem Worte tiefster Heldenehrung folgte das von der Regimentsmusik intonierte Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“. Die Ehrenwache stellten je zwei Mann des Bundesheeres, der Gendarmerie, der Heimatwehr und der Ostmärkischen Sturmscharen. Vor dem Hochaltar hatten die diversen Fahnenabordnungen sowie das Ehrensignalhorn des Feldjägerbataillons Aufstellung genommen.
Das Requiem zelebrierte Dekan Jungblut; die kirchliche Handlung unterstrich die Musik des Alpenjäger-Regimentes Nr. 12 mit der meisterhaften Aufführung des Requiems von Fucik. Den würdigen Schluss der kirchlichen Feier bildete die österreichische Bundeshymne. „Jung-Vaterland“, Hall, ließ es sich nicht nehmen, geschlossen zum Tische des Herrn zu treten und die Kommunion den gefallenen Kameraden aufzuopfern.
Anschließend an den feierlichen Gottesdienst wurden die jüngsten Helden unseres Vaterlandes durch Kranzniederlegung (es wurde je ein Kranz von der Stadtgemeinde Hall, dem Bundesheer, der Gendarmerie, Heimatwehr und den Ostmärkischen Sturmscharen gespendet) in der eindrucksvoll gezierten Kriegergedächtniskapelle geehrt. Die Ehrenwache stand zu beiden Seiten des gotischen Altars, während an der Südseite der Pfarrkirche die zwei Ehrenkompagnien Aufstellung genommen hatten. Bürgermeister Dr. v. Kathrein hielt eine kurze, ehrende Gedenkrede, worauf neuerlich die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte.
Unter den Klängen der Bundeshymne und des Generalmarsches dröhnten sodann zwei exakt abgefeuerte Dechargen in den jungen Morgen. Die Defilierung der gesamten ausgerückten Formationen vor den Spitzen des Militärs und Zivils schloss die überaus eindrucksvolle Gedenkfeier.

Quellenkommentar

Der Bericht erschien am 23. Februar 1934, nur wenige Tage nach den bewaffneten Februarkämpfen vom 12. bis 15. Februar. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung unter Engelbert Dollfuß das Parlament bereits ausgeschaltet und regierte autoritär. Nach den Kämpfen wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei verboten und ihre Organisationen wurden zerschlagen. Österreich befand sich auf dem Weg zur ständisch-autoritären Verfassung vom 1. Mai 1934
Der Artikel ist keine neutrale Schilderung. Begriffe wie „gefallene Helden unseres Vaterlandes“, „Treue zu Volk und Heimat“ oder „glanzvolle Veranstaltung“ gehören zur pathetischen Sprache der damaligen Erinnerungskultur. Die detaillierte Aufzählung von Bundesheer, Gendarmerie, Heimwehr, Ostmärkischen Sturmscharen, katholischen Vereinigungen, Jugendorganisationen und Schülern vermittelt das Bild einer geschlossenen, disziplinierten Gemeinschaft. Gesellschaftliche Gegensätze und die politische Gewalt jener Wochen bleiben dagegen vollständig unerwähnt.
Die Formulierung von den „jüngsten Helden unseres Vaterlandes“ spricht dafür, dass die Feier nicht ausschließlich dem Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs galt, sondern wahrscheinlich auch an Angehörige der staatlichen Exekutive und der regierungsnahen Verbände erinnerte, die während der Februarkämpfe 1934 ums Leben gekommen waren. Dies sollte ohne weitere lokale Quellen allerdings als begründete Interpretation und nicht als abschließend gesicherte Tatsache formuliert werden.
Für Martin Berger ist die Nachricht besonders bedeutsam: Sie belegt, dass er im Februar 1934 als „Postrechnungsrat M. Berger“ eine Haller Heimatwehr-Jägerkompanie kommandierte. Seine spätere Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird dadurch nicht entwertet, aber biografisch differenziert und historisch genauer eingeordnet.
KI-generierte Schwarz-Weiß-Rekonstruktion einer Gedenkfeier im Februar 1934 vor der Magdalenenkapelle in Hall in Tirol. Geistliche und Männer in zeittypischer Winterkleidung stehen mit dem Rücken zur Kamera vor dem Kapelleneingang, an dem ein großer Kranz niedergelegt wurde. Gesichter sind nicht erkennbar.
Feierliches Heldengedenken mit Kranzniederlegung am Eingang der Magdalenenkapelle in Hall in Tirol, Februar 1934. KI-generierte historische Rekonstruktion; die dargestellten Personen sind nicht identifizierbar. Die Abbildung ist keine historische Originalfotografie.

Lesen Sie mehr: 

Kathrein-Dr. jur.- Paul

🇬🇧 Dollfuss-Dr.-Engelbert-Blog (EN

Martin Berger und sein Stiefsohn Dr. Walter Krajnc

Martin Berger war der Stiefvater von Dr. Walter Krajnc, den er wie seinen eigenen Sohn in seine Familie aufnahm. Neben dieser engen persönlichen Beziehung verband die beiden später auch ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Berger stellte den Kontakt zu jenem katholischen Widerstandskreis her, der sich seit März 1938 heimlich in der Oberen Sakristei der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall traf. Dadurch wurde Walter Krajnc Teil des Netzwerks der Jungen Katholiken im Widerstand. Die Verbindung zeigt, wie familiäres Vertrauen und persönliche Beziehungen zur Entstehung und Weitergabe widerständiger Netzwerke beitrugen.

Lesen Sie mehr: 

Krajnc-Dr. -Walter

Widerstandskämpfer von Beginn an

Bereits vor dem Anschluss 1938 gehörte Martin Berger zu jenen Menschen in Hall, die ihre Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie offen bekundeten. Sein Bekenntnis zu seinen Idealen war sofort tatenorientiert.
Bereits ab März 1938 war er Mitbegründer eines der ersten katholischen Widerstandskreise in Hall. Diese Gruppe, zu der sein Stiefsohn Dr. Walter Krajnc, Dr. Matthias Pahle sowie die Brüder Peter und Michael Zwetkoff gehörten, hielt ihre geheimen Treffen in der oberen Sakristei der Pfarrkirche St. Nikolaus ab. 

Lesen Sie mehr: 

Dr. Matthias Pahle

Michael und Peter Zwetkoff

Junge Katholiken im Widerstand

Mitglied des monarchistisch-legitimistischen Widerstands

Martin Berger gehörte auch dem monarchistisch-legitimistischen Widerstandskreis um Graf Bernhard Stolberg-Stolberg an. Dieser Kreis vereinte überzeugte Gegner des Nationalsozialismus, die für die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreichs und die Rückkehr der Habsburgermonarchie eintraten. Bergers Zugehörigkeit verdeutlicht seine Verbindung zu unterschiedlichen, teilweise eng miteinander verflochtenen Widerstandsnetzwerken in Hall und Tirol.

Lesen Sie mehr: 

Stolberg-Stolberg-Graf -Bernhard

Monarchisten -und -Legitimsten -im-Widerstand

Dosch-Anton

Martin Berger und die Widerstandsgruppe Post in Innsbruck

Martin Berger gehörte während der nationalsozialistischen Herrschaft auch der Widerstandsgruppe Post in Innsbruck an. Diese Gruppe entstand bereits im Sommer 1938 aus österreichisch gesinnten Postbediensteten, die den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich ablehnten und dem NS-Regime entschlossen gegenüberstanden.
Die Mitglieder nutzten ihre beruflichen Kenntnisse und ihre Stellung innerhalb des Post- und Fernmeldewesens, um Informationen weiterzugeben, Kontakte zwischen verschiedenen Widerstandsgruppen aufrechtzuerhalten und die Kommunikationsstrukturen des Widerstands zu unterstützen. Trotz der ständigen Gefahr durch Gestapo und NS-Behörden setzten sie ihre Tätigkeit bis in die letzten Kriegstage fort.
Martin Berger leistete als Mitglied dieser Widerstandsgruppe einen wichtigen Beitrag zum organisierten Widerstand in Tirol. Sein Engagement sowohl in der Widerstandsgruppe Post als auch in der Haller Widerstandsgruppe um Anton Haller verdeutlicht, wie eng die verschiedenen Widerstandsnetzwerke miteinander verbunden waren und gemeinsam auf das Ziel hinarbeiteten, die nationalsozialistische Herrschaft zu überwinden.

Das Widerstandsnetzwerk "Post"

Bergers bedeutendster Beitrag leistete er im Rahmen des Innsbrucker Widerstandskreises mit dem treffenden Namen "Post". Ab 1943 wurde diese Gruppe unter der Führung von TTI Haberditzl zu einem Schaltzentrum der oppositionellen Aktivitäten.

Die Gruppe "Post" spezialisierte sich auf:
  • Die Zusammenarbeit mit anderen Widerstandszellen.
  • Das Sammeln wichtiger Informationen.
  • Die Unterstützung inhaftierter Mitstreiter.
Als viele ihrer Mitglieder zwischen 1943 und 1944 zur Wehrmacht eingezogen wurden, sprangen Techniker aus dem Fernsprech- und Telegrafenbauamt ein, um das Netzwerk am Laufen zu halten. Als sich der Krieg dem Ende zuneigte, wurde ihre Mission von kritischer technischer Bedeutung: die Kommunikationsanlagen zu warten und vor der Zerstörung durch die zurückweichende deutsche Armee zu schützen, um so den vorrückenden amerikanischen Truppen zu helfen.

Lesen Sie mehr: 

Ing. Carl Hirnschrott - 3. Mai 1945

Walder--Anton--Wderstandsgruppe-post-innsbruck-teil-1

Dr. Karl Gruber

Blog (EN) Josef Pöschl

Eine Schlüsselrolle in den letzten Tagen

In der chaotischen Endphase des Krieges waren Martin Bergers Aktionen direkt für die Befreiung von Bedeutung. Er übernahm die gefährliche Aufgabe, österreichische Soldaten und Fahnenflüchtige in Berglager rund um Innsbruck zu bringen, wo sie sich für den finalen Widerstand formieren konnten. Er schloss sich auch der bekannten Widerstandsgruppe um Anton Haller und Dr. Viktor Schumacher in Hall an, um eine koordinierte Aktion in der gesamten Region zu gewährleisten. 

Lesen Sie mehr: 

Haller _Anton _Widerstandsgruppe

Schumacher-Dr. -Viktor

Baumgartner-Johann-Hauptmann

Verdross-Dr. Ernst

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Das Partisanenlager im Vomperloch – Ein Versteck des Tiroler Widerstands

Das Partisanenlager im Vomperloch gehörte in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs zu den wichtigsten Rückzugsorten des Tiroler Widerstands. In der schwer zugänglichen Schlucht zwischen Vomp und Stans fanden Widerstandskämpfer, Deserteure sowie politisch Verfolgte Schutz vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Die abgelegene Lage bot ideale Voraussetzungen, um sich vor der Gestapo und den nationalsozialistischen Sicherheitsorganen zu verbergen.
Unterstützt wurde das Lager von einem weit verzweigten Netzwerk mutiger Frauen und Männer aus Hall in Tirol und der Umgebung. Sie versorgten die Versteckten unter großer persönlicher Gefahr mit Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten und wichtigen Nachrichten. Zu den Unterstützern gehörten unter anderem Mitglieder der Widerstandsgruppe um Anton Haller, Dr. Viktor Schumacher und Martin Berger.
In den letzten Kriegstagen entwickelte sich das Vomperloch zu einem bedeutenden Stützpunkt des Tiroler Widerstands. Von hier aus wurden Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen gepflegt und Vorbereitungen für die kampflose Übergabe wichtiger Orte getroffen. Das Lager steht heute als Symbol für Mut, Solidarität und den entschlossenen Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur.
Das Partisanenlager im Vomperloch erinnert daran, dass der Widerstand in Tirol nicht nur in den Städten, sondern auch an abgelegenen Orten stattfand. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung hätten viele Widerstandskämpfer die letzten Kriegsmonate nicht überlebt. Das Vomperloch ist daher bis heute ein bedeutender Erinnerungsort der Tiroler Widerstandsgeschichte.
Picture
Foto: Vomperloch - Gemeinde Gnadenwald/Tirol. Online Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Vomper_Loch#/media/Datei:Vomper_Loch_in_Richtung_Inntal.jpg, (Stand: 21. Juli 2026)

Lesen Sie mehr: 

www.uibk.ac.at/de/zeitgeschichte/regionalgeschichte/flucht-und-zufluchtsorte-von-wehrmachtsdeserteuren/geschichten/im-vomperloch/

deserteursdenkmal.at/wordpress/wp-content/uploads/2014/08/20140114_Wehrmachtsdeserteuren-im-Vomperloch-auf-der-Spur_TT.pdf

www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/termine/verfemt-die-deserteure-vom-vomper-loch

Sozialisten und Kommunisten im Widerstand

de.wikipedia.org/wiki/Vomper_Loch

Dosch-Anton-Blog (EN)

Nachkriegsleben und Vermächtnis

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes kehrte Martin Berger in seinen Beruf zurück und arbeitete bis 1950 im Rechnungsdienst der Post, bevor er als Postrechnungsdirektor in den Ruhestand trat.
Martin Berger starb 1953. Sein Leben steht als kraftvolles Zeugnis dafür, dass der Widerstand nicht allein Sache von Soldaten war. Er wurde auch von Beamten, Vätern und normalen Bürgern getragen, die, ausgestattet mit tiefer Überzeugung und strategischen Positionen, alles riskierten, um die Zukunft ihres Landes zurückzuerobern. Er bleibt eine zentrale Figur in der Geschichte des österreichischen Widerstands.

Zusammenfassung

Martin Berger (1885–1953) war Postinspektor in Hall in Tirol und gehörte zu den engagierten Gegnern des nationalsozialistischen Regimes. Bereits kurz nach dem „Anschluss“ unterstützte er den katholischen Widerstand und beteiligte sich an geheimen Treffen junger Katholiken. Ab 1943 schloss er sich der Widerstandsgruppe um Anton Haller und Dr. Viktor Schumacher an. Dort übernahm er organisatorische Aufgaben und war maßgeblich an der Versorgung des Partisanenlagers im Vomperloch beteiligt. Sein Einsatz verdeutlicht den Mut vieler Menschen, die im Verborgenen gegen die nationalsozialistische Diktatur arbeiteten und damit einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Widerstandsgeschichte leisteten. 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer war Martin Berger?

Martin Berger (1885–1953) war Postinspektor in Hall in Tirol und ein aktives Mitglied des österreichischen Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime. Er engagierte sich sowohl im katholischen Widerstand als auch in der Widerstandsgruppe um Anton Haller, sowie in der Widerstandsgruppe Post in Innsbruck. 

Welche Rolle spielte Martin Berger im Widerstand?

Martin Berger unterstützte zunächst den katholischen Widerstand in Hall in Tirol. Später gehörte er zum erweiterten Führungs- und Unterstützungsnetzwerk der Widerstandsgruppe um Anton Haller und übernahm wichtige organisatorische Aufgaben, sowie der Widerstandsgruppe Post. 

Was war das Partisanenlager im Vomperloch?

Das Partisanenlager im Vomperloch war ein geheimes Versteck für Deserteure und Widerstandskämpfer in den letzten Kriegsjahren. Martin Berger organisierte als Postinspektor der Haller Widerstandsgruppe maßgeblich die Unterbringung und Versorgung der dort versteckten Personen. 

Warum ist Martin Berger heute bedeutend?

Martin Berger steht stellvertretend für jene Frauen und Männer, die ohne öffentliche Anerkennung und unter großer persönlicher Gefahr gegen das NS-Regime Widerstand leisteten. Seine Geschichte zeigt, wie wichtig auch organisatorische und logistische Unterstützung für den Erfolg des Widerstands war.

Wie erinnert das Digitale Biografische Archiv an Martin Berger?

Das Digitale Biografische Archiv des NS-Widerstandes in Tirol dokumentiert Martin Bergers Lebensweg auf Grundlage historischer Quellen und macht seinen Beitrag zur Tiroler Erinnerungskultur dauerhaft öffentlich zugänglich. 
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    Autorin
    Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin und Ethnologin

    Archive

    DÖW: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

    ​Tiroler Landesarchiv

    ​Stadtarchiv Hall in Tirol

    Privatarchiv Hubert Berger Kufstein

    ​Digitales biografisches Archiv des NS-Widerstandes Tirol

    Aktualisiert: Juli 2026

    October 2025

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