Anton Haider (1903–1979): Verfolgung, Beharrlichkeit und demokratischer Neubeginn in Absam Anton Haider (1903–1979), Pfarrmesner in Absam, politisch Verfolgter des NS-Regimes und späterer Gemeinderat und Vizebürgermeister. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur. Einleitung Anton Haider war Pfarrmesner in Absam und gehörte vor 1938 der Vaterländischen Front an. Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er festgenommen, verhört und mehrere Wochen in Hall in Tirol inhaftiert. Zudem verlor er zeitweise die wirtschaftliche Grundlage seines kleinen Geschäfts für religiöse Gegenstände. Seine Lebensgeschichte veranschaulicht, wie rasch sich der politische Umbruch im März 1938 auf den Alltag einzelner Menschen auswirkte. Politische Zugehörigkeit, katholisches Engagement und persönliche Denunziationen konnten innerhalb weniger Tage zu Verhaftung, Einschüchterung und wirtschaftlicher Schädigung führen. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Anton Haider am demokratischen Wiederaufbau seiner Heimatgemeinde. Als Gemeinderat und Vizebürgermeister übernahm er politische Verantwortung für Absam. 🇬🇧 Read this page in English🇬🇧 /anton-haider-nazi-persecution-absamHerkunft und Beruf Anton Haider wurde am 30. November 1903 in Absam bei Hall in Tirol geboren. Sein Vater Max Haider arbeitete als Schneidermeister und versah zugleich den Dienst des Pfarrmesners in Absam. Anton Haider absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Schlosser. Später übernahm er von seinem Vater die Mesnerstelle. Als Pfarrmesner war er eng in das religiöse und gesellschaftliche Leben der Gemeinde eingebunden. In der örtlichen Bevölkerung galt er als hilfsbereit und der Kirche besonders verbunden. Neben seiner Tätigkeit als Mesner führte er in unmittelbarer Nähe der Kirche ein kleines Geschäft, in dem katholische Andachts- und Votivgegenstände angeboten wurden. Politisches und katholisches Engagement vor 1938 Mitglieder der Vaterländischen Front in Absam, 1936. Die Aufnahme dokumentiert das politische Umfeld, dem auch Anton Haider vor der nationalsozialistischen Machtübernahme angehörte. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur Anton Haider gehörte der Vaterländischen Front an. Im autoritären österreichischen „Ständestaat“ war diese ab 1933/34 die staatlich gestützte politische Einheitsorganisation. Ihr gehörten Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen, beruflichen und gesellschaftlichen Hintergründen an. Im Jänner 1938 nahm Haider an einer Zusammenkunft der Vaterländischen Front im Theresianum in Wien teil. Fotografien aus dem Privatarchiv Schober in Thaur dokumentieren seine Teilnahme. Seine Zugehörigkeit zur Vaterländischen Front und sein öffentlich sichtbares katholisches Engagement machten ihn nach dem „Anschluss“ Österreichs für die neuen nationalsozialistischen Machthaber politisch verdächtig. Historischer Kontext: Der nationalsozialistische Machtumbruch im März 1938 Mit dem Einmarsch deutscher Truppen und der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 begann auch in Tirol die sofortige Ausschaltung tatsächlicher und vermeintlicher politischer Gegner. Nationalsozialistische Funktionäre, SA, SS und die nunmehr gleichgeschalteten Sicherheitsorgane verhafteten Angehörige des früheren politischen Systems, katholische Aktivisten, Monarchisten, Sozialdemokraten, Kommunisten sowie weitere Personen, die als Gegner des Regimes galten. Die Verfolgung wurde vielfach durch örtliche Konflikte und persönliche Denunziationen verstärkt. Schon die frühere Mitgliedschaft in einer politischen oder katholischen Organisation konnte genügen, um festgenommen, verhört, aus einer beruflichen Stellung entfernt oder öffentlich gedemütigt zu werden. Anton Haiders Schicksal zeigt diese lokale Dimension der nationalsozialistischen Machtübernahme besonders deutlich: Die Verfolgung ging nicht nur von zentralen Behörden aus, sondern wurde auch von örtlichen Nationalsozialisten und persönlichen Anzeigen getragen. Lesen Sie mehr:Hall -in -Tirol-Geschichte-Nationalsozialismus-und-WiderstandIn Wien vom 24. - 29. Jänner 1938Vorder- und Rückseite einer Gruppenaufnahme Tiroler Teilnehmer an einem Werbeleiterkurs der Vaterländischen Front im Theresianum in Wien, Favoritenstraße 15, vom 24. bis 29. Jänner 1938. Anton Haider ist auf der Vorderseite als erster Mann von links zu sehen. Seine Teilnahme wurde nach familiärer Überlieferung später zum Anlass für eine Denunziation genommen. Die handschriftliche Rückseite enthält Angaben zur Veranstaltung sowie Namen beziehungsweise Unterschriften von Teilnehmern. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur/Absam. Historischer und quellenkritischer Kommentar Die beschriftete Rückseite erhöht den Quellenwert der Fotografie erheblich. Sie ordnet die Aufnahme einem mehrtägigen Kurs der Vaterländischen Front im Wiener Theresianum vom 24. bis 29. Jänner 1938 zu und enthält mehrere Namen beziehungsweise Unterschriften. Damit dokumentiert das Foto Anton Haiders politische Einbindung nur wenige Wochen vor dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938. Von dieser zeitgenössischen Dokumentation ist die spätere familiäre Überlieferung zu unterscheiden: Nach den Erinnerungen der Familie wurde Haiders Teilnahme an der Veranstaltung nach der nationalsozialistischen Machtübernahme zum Anlass einer Denunziation genommen. Die Rückseite bestätigt seine Anwesenheit in Wien, belegt für sich allein jedoch weder die Denunziation noch deren Urheber. Diese Angaben sollten daher weiterhin ausdrücklich als familiäre Überlieferung gekennzeichnet werden. Festnahme am 12. März 1938 Am 12. März 1938 wurde Anton Haider in seinem Elternhaus von einer Gruppe junger SA-Angehöriger beziehungsweise nationalsozialistischer Aktivisten abgeholt. Nach der innerhalb der Familie überlieferten Erinnerung wollten seine anwesenden Schwestern ihn zunächst davon abhalten, den jungen Männern zu folgen. Sie sollen zu ihm gesagt haben: „Du wirst doch nicht mit diesen frechen Burschen mitgehen!“ Anton Haider soll darauf geantwortet haben: „Bitte, Schwestern, seid still, sonst nehmen sie euch auch noch mit!“ Diese Äußerungen sind als familiäre Überlieferung erhalten. Sie vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von der bedrohlichen Situation, können jedoch nicht als wortwörtlich dokumentierte Verhör- oder Gerichtsquelle verstanden werden. Antikatholische und kirchenfeindliche Schmierereien: links ein Stein mit einer gegen Papst und Geistliche gerichteten Inschrift, rechts ein Kircheneingang mit Hakenkreuzschmierereien. Aufnahmeort und Entstehungsdatum sind unbekannt. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur/Absam. Denunziation und Beschuldigungen Nach seiner Entlassung aus dem Gerichtsgefängnis in Hall am 2. April 1938 kehrte Anton Haider zu seiner Familie in Absam zurück. Zu seiner Bestürzung erklärte ihm der dortige Pfarrer, dass er ihn nicht länger als Pfarrmesner beschäftigen könne, da er durch seine Inhaftierung politisch belastet sei. Dem Pfarrer antwortete Anton Haider: "Er habe die Mesnerei mit Handschlag übernommen, er halte sich daran und übe sie mit seiner Familie weiterhin aus." Auch in der Kriegszeit konnten so Verwandte die Vertretung übernehmen. Neben seiner bescheiden bezahlten Stelle als Mesner hatte Anton Haider einen kleinen Laden für katholische Votivgaben neben der Kirche in Absam. Die Nationalsozialisten zerstörten ihm die Fensterscheiben und die Einrichtung des Ladens. Von 1938 bis 1945 dienten die Räumlichkeiten den neuen Machthabern als Möbellager, während Anton Haider und seine Familie die wirtschaftlichen Folgen dieser Entscheidungen zu spüren bekamen. Haft im ehemaligen Stadtgefängnis in der Burg Hasegg Das ehemalige Stadtgefängnis von Hall in Tirol. KI-generierte Schwarz-Weiß-Darstellung auf Grundlage einer Aufnahme aus dem Jahr 2026. Das Bild ist eine symbolische Visualisierung und keine historische Fotografie. Anton Haider blieb bis zum 2. April 1938 im ehemaligen Stadtgefängnis von Hall in Tirol inhaftiert, das sich in der Burg Hasegg befand. Während seiner Haft wurde er wiederholt verhört. Nach der überlieferten Darstellung erhielten Haider und weitere Gefangene Unterstützung von Menschen, die ihnen trotz der politischen Gefahren beistanden. Genannt werden Kooperator Josef Lambichler, Martin Berger und der Jurist Dr. Paul Freiherr von Kathrein. Dieser Beistand ging über eine persönliche Geste hinaus. In einer Zeit der Einschüchterung und politischen Verfolgung erforderte bereits der sichtbare Kontakt mit Inhaftierten Mut und Zivilcourage. Die Unterstützung vermittelte den Gefangenen Trost und zeigte ihnen, dass sie trotz der nationalsozialistischen Repression nicht vollständig isoliert waren. Lesen Sie mehr:Kathrein-Dr. jur.- PaulBerger-Martinwww.hall-wattens.at/de/josef-lambichler-seelsorger-hall-in-tirol.htmlEntlassung und berufliche Bedrohung Am 2. April 1938 wurde Anton Haider aus der Haft entlassen und kehrte zu seiner Familie nach Absam zurück. Nach der familiengeschichtlichen Überlieferung teilte ihm der zuständige Pfarrer mit, dass er ihn wegen seiner politischen Belastung nicht länger als Pfarrmesner beschäftigen könne. Anton Haider widersetzte sich diesem Ausschluss. Er berief sich darauf, die Mesnerei mit Handschlag übernommen zu haben, und erklärte, dass er an dieser Verpflichtung festhalten werde. Gemeinsam mit Angehörigen setzte er den Mesnerdienst offenbar auch während der folgenden Jahre fort. Wenn er selbst abwesend war, übernahmen Familienmitglieder seine Aufgaben. Seine Reaktion lässt sich als Form alltäglicher Beharrlichkeit verstehen. Sie war kein organisierter politischer Widerstand, brachte aber seine Weigerung zum Ausdruck, eine politisch motivierte Entrechtung widerspruchslos hinzunehmen. Wirtschaftliche Schädigung seines Geschäfts Neben seiner Mesner Tätigkeit betrieb Anton Haider ein kleines Geschäft für katholische Votiv- und Andachtsgegenstände. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden nach familiärer Überlieferung die Fensterscheiben und Teile der Geschäftseinrichtung zerstört. Von 1938 bis 1945 verwendeten die neuen Machthaber die Geschäftsräume als Möbellager. Anton Haider und seine Familie verloren dadurch für mehrere Jahre eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. Dieser Eingriff zeigt, dass politische Verfolgung nicht auf Verhaftung und Verhöre beschränkt blieb. Sie konnte auch die berufliche Existenz sowie das Eigentum der Betroffenen und ihrer Familien beeinträchtigen. Einberufung zur Wehrmacht Anton Haider während seines Wehrmachtsdienstes im ehemaligen Jugoslawien zwischen 1941 und 1945. Die genauen Aufnahmeorte und Entstehungsdaten der Fotografien sind unbekannt. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur/Absam. 1941 wurde Anton Haider zur Wehrmacht eingezogen. Bis in die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs war er im besetzten Jugoslawien beziehungsweise auf dem südosteuropäischen Kriegsschauplatz eingesetzt. Fotografien aus den Jahren 1943/44 zeigen ihn während seines militärischen Einsatzes in Kroatien. Über seine genaue Einheit, seine Stationierungsorte und seine dortige Tätigkeit liegen im gegenwärtigen Beitrag noch keine näheren Angaben vor. Seine Einberufung macht einen Widerspruch sichtbar, der viele politisch unzuverlässig eingestufte Männer betraf: Obwohl sie vom NS-Regime verfolgt oder benachteiligt worden waren, mussten sie später in dessen Wehrmacht dienen. Rückkehr nach Tirol im Frühjahr 1945 Nach familiärer Überlieferung verließ Anton Haider im April 1945 seine Einheit und versuchte, auf eigene Faust nach Tirol zurückzukehren. In der Nähe des Haller Friedhofs wurde er von zwei Gendarmen kontrolliert. Da er keine gültigen Ausweispapiere vorweisen konnte, befürchtete er, festgenommen oder erschossen zu werden. Der ältere der beiden Beamten soll ihm geraten haben, sich möglichst rasch bei der nächstgelegenen militärischen Stelle im Raum Absam-Eichat zu melden. Anton Haider erreichte Absam und konnte sich dort bis zum Ende der Kampfhandlungen verborgen halten. Nach seiner Rückkehr dankte er der Überlieferung zufolge in der Absamer Basilika der Gottesmutter Maria für seine Rettung. Auch diese Episode beruht bislang vor allem auf familiärer Erinnerung. Für eine genauere militärhistorische Einordnung wären insbesondere Wehrmachtsunterlagen und mögliche Nachkriegsakten heranzuziehen. Neubeginn nach 1945 Anton Haider (1903–1979), Pfarrmesner in Absam, politisch Verfolgter des NS-Regimes und späterer Gemeinderat und Vizebürgermeister. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft erhielt Anton Haider seine Mesner Stelle und sein Geschäft zurück. Er beteiligte sich am Wiederaufbau des kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens in Absam. Besondere Bedeutung gewann die Frage nach der kommunalen Zukunft des Ortes. Absam war während der NS-Zeit in die Stadt Solbad Hall eingegliedert worden. Anton Haider setzte sich nach Kriegsende für die Wiederherstellung einer eigenständigen Gemeinde und für eine Abstimmung über diese Frage ein. Die 1947 durchgeführte Abstimmung ergab eine deutliche Mehrheit für die Selbstständigkeit Absams. Dieser Vorgang war nicht nur verwaltungspolitisch bedeutsam. Die Wiederherstellung kommunaler Selbstbestimmung wurde auch als Abkehr von den während der NS-Herrschaft geschaffenen Strukturen verstanden. Your browser does not support viewing this document. Click here to download the document. StAH: Karton Miscellania. Denkschrift zur Wiedererrichtung der selbständigen Dorfgemeinde Absam (1947). In Stadtarchiv Hall in Tirol. Gemeinderat und Vizebürgermeister Porträt: Anton Haider (1903–1979), Pfarrmesner in Absam, politisch Verfolgter des NS-Regimes und späterer Gemeinderat und Vizebürgermeister. Quelle: Privatarchiv Schober, Thaur/Absam. Anton Haider engagierte sich in der wiedererrichteten demokratischen Gemeindeordnung. Er gehörte über viele Jahre dem Absamer Gemeinderat an und bekleidete zeitweise das Amt des Vizebürgermeisters. Sein Lebensweg führte damit von politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Schädigung zu aktiver Mitverantwortung für den demokratischen Wiederaufbau seiner Heimatgemeinde. Anton Haider starb 1979. Historische Einordnung Anton Haider ist nicht ohne Weiteres einer organisierten Widerstandsgruppe zuzuordnen. Seine Biografie dokumentiert vielmehr verschiedene Formen von Verfolgung, Selbstbehauptung und demokratischem Engagement:
Zusammenfassung Anton Haider wurde 1903 in Absam geboren und war als Pfarrmesner sowie als Inhaber eines kleinen Geschäfts für religiöse Gegenstände tätig. Vor 1938 gehörte er der Vaterländischen Front an. Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er festgenommen, verhört und bis zum 2. April 1938 in Hall in Tirol inhaftiert. Den familiengeschichtlichen Angaben zufolge war er wegen seiner Teilnahme an einer Zusammenkunft der Vaterländischen Front denunziert worden. Zudem beschuldigte man ihn, Waffen in der Basilika von Absam versteckt zu haben. Nach seiner Freilassung behauptete er sich gegen den drohenden Verlust seiner Mesnerstelle. Sein Geschäft wurde beschädigt und während der NS-Zeit als Lagerraum verwendet. Ab 1941 musste Haider als Soldat in der Wehrmacht dienen. Nach 1945 erhielt er seine beruflichen Grundlagen zurück und engagierte sich für die Wiederherstellung der Selbstständigkeit Absams. Als langjähriger Gemeinderat und Vizebürgermeister beteiligte er sich am demokratischen Wiederaufbau der Gemeinde. Er starb 1979. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Wer war Anton Haider? Anton Haider war ein aus Absam stammender Schlosser, Pfarrmesner und Geschäftsinhaber. Nach 1945 wirkte er als Gemeinderat und Vizebürgermeister am demokratischen Wiederaufbau Absams mit. Wann wurde Anton Haider geboren? Anton Haider wurde am 30. November 1903 in Absam geboren. Er starb 1979. Warum wurde Anton Haider 1938 verhaftet? Nach familiengeschichtlicher Überlieferung wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Vaterländischen Front und seiner Teilnahme an einer Zusammenkunft im Wiener Theresianum denunziert. Außerdem beschuldigten ihn die nationalsozialistischen Behörden, Waffen in der Absamer Basilika versteckt zu haben. Wann erfolgte seine Verhaftung? Anton Haider wurde am 12. März 1938, unmittelbar während der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich, in seinem Elternhaus abgeholt. Wie lange befand er sich in Haft? Er wurde bis zum 2. April 1938 in Hall in Tirol festgehalten und während dieser Zeit wiederholt verhört. Wo war Anton Haider inhaftiert? Anton Haider war bis zum 2. April 1938 im ehemaligen Stadtgefängnis von Hall in Tirol inhaftiert, das sich in der Burg Hasegg befand. Dort wurde er während seiner Haft wiederholt verhört. War Anton Haider im organisierten Widerstand tätig? Eine Zugehörigkeit zu einer organisierten Widerstandsgruppe ist bislang nicht belegt. Seine Biografie dokumentiert politische Verfolgung, katholische Selbstbehauptung und die Weigerung, seine Mesner Stelle aufgrund nationalsozialistischen Drucks aufzugeben. Warum musste er trotz seiner Verfolgung in der Wehrmacht dienen? Auch politisch verdächtigte oder zuvor verfolgte Männer konnten zum Kriegsdienst eingezogen werden. Anton Haider wurde 1941 zur Wehrmacht einberufen und im südosteuropäischen Kriegsgebiet eingesetzt. Welche Rolle spielte Anton Haider nach 1945? Er engagierte sich für den demokratischen Wiederaufbau und die Wiederherstellung der Selbstständigkeit Absams. Später war er langjähriger Gemeinderat und Vizebürgermeister. Welche Quellen berichten über Anton Haider? Der Beitrag stützt sich auf Bestände des Privatarchivs Schober in Thaur und Absam, auf ein Gespräch mit Michael und Barbara Haider vom 3. August 2023 sowie auf Recherchen im Pfarrarchiv Hall in Tirol, im Tiroler Landesarchiv und im Stadtarchiv Hall in Tirol. Quellenkritischer Hinweis Mehrere besonders anschauliche Teile der Biografie – darunter die überlieferten Dialoge bei der Festnahme, die näheren Umstände der Denunziation, der Waffenverdacht und die Rückkehr im April 1945 – beruhen auf familiärer Erinnerung. Mündliche Überlieferungen sind wichtige Quellen, weil sie Erfahrungen, Wahrnehmungen und Vorgänge bewahren können, die in amtlichen Dokumenten nicht festgehalten wurden. Sie müssen jedoch von zeitgenössischen Polizei-, Justiz-, Militär- und Verwaltungsunterlagen unterschieden und, soweit möglich, mit diesen verglichen werden. Button zu weiteren Biografien: Biografien-Biographies
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