"Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale"
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​Ein Symbol des Leidens:
Alois Flatscher und die Grausamkeit der NS-Gewaltherrschaft

 

Alois Flatscher (1894 – 1944)

8/6/2023

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​(EN) Alois Flatscher

🕯 Memorial Portrait: Alois Flatscher (1894–1944)

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Alois Flatscher Gedenkporträt

Pater _Franz _Reinisch

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Alois Flatscher (1894-1944)

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Foto Alois Flatscher. Privatarchiv der Sternkorona: Dr. Paul Torggler Innsbruck.

Alois Flatscher – Ausbildung und beruflicher Werdegang

Alois Flatscher wurde am 31. Januar 1894 in Schlaiten im Bezirk Lienz in Tirol geboren. Seine schulische Ausbildung absolvierte er am Franziskaner-Gymnasium in Hall in Tirol, wo er im Jahr 1913 der Studentenverbindung Sternkorona beitrat. Nach erfolgreicher Ablegung der Matura im Jahr 1915 wurde er zum Wehrdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen.
Während des Krieges geriet Flatscher in Kriegsgefangenschaft. Erst 1919 kehrte er nach Österreich zurück. Im Anschluss daran begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Parallel zu seinem Studium war er als Beamter bei der Invalidenentschädigungskommission in Tirol tätig.
Seine berufliche Laufbahn im Verwaltungsdienst führte ihn 1923 zur Bezirkshauptmannschaft Mattersburg im Burgenland. Bereits zwei Jahre später wechselte er als zweiter Jurist zur Bezirkshauptmannschaft Eisenstadt. Im Jahr 1926 erfolgte schließlich seine Ernennung zum Stellvertreter des Bezirkshauptmanns der Bezirkshauptmannschaft Oberwart.
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Foto: Gasthaus Stern (1985) als Vereinslokal der Sternkorona Hall. Privatarchiv Walder Hall in Tirol.

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Franziskaner Kloster Hall in Tirol

Aufhebung_ Franziskaner_ Kloster Hall in Tirol

Sternkorona 1,2,3,4

Rückkehr nach Hall in Tirol und politische Verfolgung

Ab 1934 lebte Alois Flatscher wieder in Hall in Tirol, wo er sich aktiv in der Arbeiterorganisation der Vaterländischen Front engagierte. Neben seiner politischen Tätigkeit übernahm er auch wichtige Aufgaben innerhalb der Studentenverbindung Sternkorona. Ab 1936 fungierte er als Philistersenior und Schriftführer des Altherrenverbandes der Verbindung.
Flatscher engagierte sich zudem im Tiroler Mittelschüler Verband (TMV), wo er als Referent für soziale Fragen tätig war. In dieser Zeit veröffentlichte er häufig Artikel in Zeitschriften und Magazinen, die sich mit vaterländischen, sozialen und politischen Themen befassten.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verlor Alois Flatscher seine Position in der Vaterländischen Front. Anschließend fand er eine Anstellung in der Privatwirtschaft, wo er als Buchhalter und Steuerberater arbeitete. Obwohl er seine wahre Meinung zum Anschluss und zum nationalsozialistischen Regime nur im engsten Freundeskreis äußerte, geriet er dennoch ins Visier der Gestapo, nachdem er bei den Behörden denunziert worden war.
Am 25. August 1941 wurde Alois Flatscher aus politischen Gründen verhaftet. Er blieb bis zum 17. Dezember 1942 im Polizeigefängnis in Innsbruck inhaftiert.

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Dr. Josef Mair

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Dr. Viktor Schumacher

Die Vaterländische Front: Österreichs autoritäre Einheitspartei (1934–1938)

Die Vaterländische Front war die einzige zugelassene politische Organisation in Österreich während der Zeit des Ständestaats (1934–1938). Sie wurde von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß gegründet und vertrat eine autoritäre, katholisch geprägte und antinationalsozialistische Ideologie. Ihr Ziel war es, die Unabhängigkeit Österreichs zu bewahren und die Demokratie abzuschaffen. Erkennbar war die Front unter anderem durch das Kruckenkreuz als Symbol. Mit dem „Anschluss“ an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde die Vaterländische Front aufgelöst und verboten.

Lesen Sie mehr:

de.wikipedia.org/wiki/Vaterländische_Front

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DocID: 10047774 (ALOIS FLATSCHER). Online unter:  https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10047774, (Stand 6.8.2024). 
DocID: 10642137 (Alois FLATSCHER). Online unter:  https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10642137  (Stand 6.8.2024).

Deportation und Leidensweg durch nationalsozialistische Lager

Anschließend wurde er vom 17. Dezember 1942 bis zum 8. Januar 1943 in das Gestapolager Reichenau bei Innsbruck/ Tirol überführt und danach am 8. Januar 1943 ins KZ-Dachau, nähe München, gebracht, wo er bis zum 28. Januar 1944 inhaftiert war. Von dort wurde er am 28. Januar 1944 nach Lublin ins KZ-Majdanek in Polen (Staatliches Museum/Państwowe Muzeum na Majdanku - als erste Gedenkstätte Europas) verlegt. Als die Rote Armee sich dem Lager näherte, wurden die verbliebenen 229 Lagerhäftlinge zu einem Fußmarsch nach Auschwitz-Birkenau  Polen (heute: Oświęcim in Polen) gezwungen.

Gestapolager Reichenau bei Innsbruck

Das Gestapolager Reichenau bei Innsbruck war während der Zeit des Nationalsozialismus ein Ort der Verfolgung, Unterdrückung und Gewalt. Zwischen 1941 und 1945 wurden hier politische Gegner, Widerstandskämpfer sowie Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung von der Gestapo inhaftiert. Das Lager gilt als eines der zentralen NS-Haftlager in Tirol und erinnert heute an die Schicksale der Betroffenen sowie an die Bedeutung von Erinnerung, Aufarbeitung und Menschlichkeit.

Lesen Sie mehr:

Dr. Gottfried Uffenheimer

Alfred Grünmandl

Dr. Bruno Kaulbach

de.wikipedia.org/wiki/Lager_Reichenau

Konzentrationslager Dachau

Das Konzentrationslager Dachau wurde 1933 nahe München errichtet und war das erste reguläre Konzentrationslager des nationalsozialistischen Regimes. Ursprünglich für politische Gegner vorgesehen, entwickelte es sich zu einem Ort von Haft, Zwangsarbeit und Terror für Tausende Menschen aus ganz Europa, darunter Juden, Widerstandskämpfer, Geistliche sowie Sinti und Roma und viele weitere vom NS-Regime verfolgte Gruppen. Heute dient die KZ-Gedenkstätte Dachau als Ort des Erinnerns und der Bildung und mahnt dazu, die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht zu vergessen.

Lesen Sie mehr:

Blog 87 Dr. Ernst Verdross (einzeln)

Buchpräsentation _KZ-Dachau

Friedrich Corazza

Dr. Manfred Mumelter

Dr. _jur. _Adolf _Hörhager_ (1884-1940)

www.kz-gedenkstaette-dachau.de

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek bei Lublin/Polen

​Das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek wurde im Jahr 1941 von der SS am Stadtrand der polnischen Stadt Lublin errichtet. Ursprünglich als Kriegsgefangenenlager geplant, entwickelte es sich schnell zu einem der größten Lager des nationalsozialistischen Terrorsystems. Tausende Menschen – darunter Juden, politische Gefangene, sowjetische Kriegsgefangene und Angehörige anderer verfolgter Gruppen – wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, zur Zwangsarbeit gezwungen und ermordet. Majdanek gilt heute als bedeutende Gedenkstätte und erinnert an die Opfer des Holocaust sowie an die Verbrechen des NS-Regimes.
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Foto Mahnmal und Krematorium KZ-Majdanek. Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online unter, { Von M.Bucka - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10441563},  {https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/ba/German_Concentration_Camp_Majdanek_%2813%29.jpg}, (Stand: 6.8.2024).

Lesen Sie mehr:

www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/vernichtungslager-majdanek

Der Todesmarsch von Auschwitz-Birkenau

Im Januar 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, begann der sogenannte Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Polen (heute: Oświęcim in Polen). Aufgrund des Vormarsches der sowjetischen Armee zwang die SS zehntausende Häftlinge, das Lager unter extremen Bedingungen zu verlassen und zu Fuß in Richtung Westen zu marschieren. Viele Menschen starben während des Marsches an Hunger, Kälte, Erschöpfung oder durch Gewalt der Wachmannschaften. Der Todesmarsch gilt als eines der grausamsten Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft und steht heute als Symbol für das Leid und die unmenschliche Behandlung der Opfer des Holocaust.
Alois Flatscher wurde bereits im Jahr 1944 auf einen Todesmarsch geschickt. Unter unmenschlichen Bedingungen musste er gemeinsam mit vielen anderen Häftlingen lange Strecken zu Fuß zurücklegen. Hunger, Kälte, Erschöpfung und Gewalt bestimmten den Alltag der Gefangenen. Viele Menschen überlebten diese Märsche nicht. Sein Schicksal steht beispielhaft für das Leid zahlreicher Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
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Grok generiertes Dokument- Todesmärsche. In Privatarchiv Walder Hall in Tirol

Lesen Sie mehr:

de.wikipedia.org/wiki/Todesmärsche_von_KZ-Häftlingen

Zum Gedenken an Alois Flatscher – Opfer des NS-Terrors und Kämpfer für Österreichs Freiheit

Zeitzeugen-Berichten zufolge befand sich Alois Flatscher zu diesem Zeitpunkt in einem sehr schlechten Gesundheitszustand, als er den strapaziösen Fußmarsch antreten musste. Er erreichte Auschwitz-Birkenau nicht lebend. Es wird vermutet, dass er entweder aufgrund seiner körperlichen Schwäche während des Marsches starb oder von den begleitenden Aufsehern zwischen Lublin und Auschwitz erschossen wurde.

Am 31. Oktober 1950 wurde Alois Flatscher offiziell für tot erklärt, und sein Todestag wurde auf den 31. Juli 1944 festgelegt.

Alois Flatscher, der tapfer für die Freiheit Österreichs eintrat und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde, wird auf dem Befreiungsdenkmal am Eduard-Wallnöfer Platz in Innsbruck namentlich geehrt. In seiner Heimatstadt Hall in Tirol erhielt er eine besondere Ehrung durch eine Erinnerungstafel, die von den Bundesbrüdern der Studentenverbindung Sternkorona im Franziskaner Gymnasium errichtet und am 21. September 2019 enthüllt wurde.

Lesen Sie mehr:

www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Alois+Flatscher/29

gedenkort.at/personen/f89e6be6-a763-55b2-b7c1-fbc795a319ba

gams.uni-graz.at/o:derla.tir32

www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/termine/gedenkveranstaltung-nationalsozialismus-und-widerstand-in-hall-in-tirol

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Alois Flatscher. Arolsen Sucharchiv. Online unter, https://arolsen-archives.org/suchen-erkunden/suche-online-archiv/, (Stand: 18.3.2025)
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Foto Ehren-Tafel Alois Flatscher. Privatarchiv Sternkorona Dr. Paul Torggler Innsbruck.
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Quelle: Torggler,​ Dr. Paul: Für ein neues Österreich gelebt, denunziert, gestorben. Alois Flatscher. Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.  In: Unsere Sternkorona 100  (2+3). Hall in Tirol 1988, S. 106-107.
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    Autorin
    ​
    ​Elisabeth Walder
    ​BA MA MA

    Historikerin- Ethnologin

    Archive

    Arolsen Archiv:

    DocID: 10642137 (Alois FLATSCHER). Online unter,:  https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10642137, (Stand 6.8.2024).
     
    Quelle: Alois Flatscher. In:  Wopfner,Helmut (Hrsg.): Unsere Sternkorona. Mitgliederverzeichnis 1888 – 1998. Thaur 1998, S. 84; Mitgliednummer 328.

    Quelle:  Kuhl, Manfred: Flatscher Alois, abs.iur..  In: Krause,Peter /Reinelt,Herbert / Schmitt ,Helmut (Hrsg.): Farbe tragen Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Ergänzungsband-Biografien (2),. Wien 2020, S. 75-76.


    ​Quelle: Torggler,Paul : Für ein neues Österreich gelebt, denunziert, gestorben: Alois Flatscher. Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.  In: Unsere Sternkorona 100 (2+3). Hall in Tirol 1988, S. 106-107.


    August 2023

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