Eine österreichische Widerstandsgruppe im Zentrum des NS-RegimesDr. Karl Gruber und die AGFA-AF – Das Berliner Netzwerk des Tiroler WiderstandsFoto Dr. Karl Gruber. Online, https://www.parlament.gv.at/person/530?BIO_251sortrnr=10&BIO_251ascDesc=desc, (Stand: 2.7.2026) Mitten im nationalsozialistischen Machtzentrum Berlin entstand im Jahr 1943 eine wenig bekannte, aber bedeutende österreichische Widerstandsgruppe. Unter dem Tarnnamen „AGFA-AF“ – einer scherzhaften Abkürzung für „Antifaschistische Front“ – schlossen sich rund 80 regimekritische Österreicher zusammen. Zu ihnen gehörten Postbeamte, Ingenieure, Offiziere und Industrieangestellte, die dienstlich nach Berlin versetzt worden waren. Die Gruppe verfolgte das gemeinsame Ziel, Informationen über die militärische und politische Lage des Deutschen Reiches zu sammeln, Nachrichten an andere Widerstandsorganisationen weiterzugeben und die Voraussetzungen für den Wiederaufbau eines unabhängigen Österreichs nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes zu schaffen. Von Berlin aus entstand ein weit verzweigtes Nachrichtennetz, das bis nach Tirol reichte und in den letzten Kriegsmonaten eine wichtige Rolle spielte. 📌 Kurz erklärt: AGFA-AFAGFA-AF war der Tarnname einer österreichischen Widerstandsgruppe, die sich 1943 in Berlin formierte. Die scherzhafte Bezeichnung stand für „Antifaschistische Front“ und diente der Verschleierung ihrer Aktivitäten. Auf einen Blick:
Lesen Sie mehr:www.nsdoku.de/lexikon/artikel/antinazistische-deutsche-volksfront-adv-widerstand-sowjetischer-kriegsgefangener-28 www.gdw-berlin.de/vertiefung/themen/14-die-rote-kapelle Widerstandsgruppe Post in InnsbruckFoto Hauptpost Gebäude in Innsbruck Maximilianstraße. In Privatarchiv K. Walder Hall in Tirol. Dr. Karl Gruber – Verbindungsmann zwischen Berlin und Tirol Eine Schlüsselfigur der AGFA-AF war Dr. Karl Gruber (1909–1995). Der gebürtige Innsbrucker promovierte 1938 in Wien zum Elektroingenieur und arbeitete anschließend bei AEG und Telefunken in Berlin. Dort knüpfte er Kontakte zu verschiedenen Widerstandskreisen, unter anderem zum Umfeld von Carl Goerdeler. Dank seiner beruflichen Tätigkeit verfügte Gruber über zahlreiche Reisemöglichkeiten und baute ein Netzwerk vertrauenswürdiger österreichischer Beamter und Techniker auf. Sein Ziel war es, die unterschiedlichen Widerstandsgruppen miteinander zu verbinden und den Informationsaustausch zwischen Berlin, Tirol und den besetzten Gebieten Europas sicherzustellen. Dr. Karl Gruber – Schlüsselfigur des österreichischen WiderstandsEine zentrale Persönlichkeit der Berliner Widerstandsgruppe AGFA-AF war Dr. Karl Gruber (1909–1995). Der gebürtige Innsbrucker arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Elektroingenieur in Berlin und knüpfte dort Kontakte zu österreichischen und deutschen Widerstandskreisen. Mit großem organisatorischem Geschick baute er ein geheimes Nachrichtennetz zwischen Berlin, Tirol und weiteren besetzten Gebieten Europas auf. Im Frühjahr 1945 kehrte Gruber nach Österreich zurück und setzte sich für die Zusammenarbeit der verschiedenen Widerstandsgruppen ein. Er unterstützte die österreichische Widerstandsbewegung O5, förderte den Zusammenschluss der Tiroler Widerstandsgruppen und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung der Befreiung Innsbrucks. Nach Kriegsende war Karl Gruber am politischen Wiederaufbau Österreichs beteiligt und wirkte von 1945 bis 1953 als Außenminister der Zweiten Republik. Lesen Sie mehr:Dr. Karl Gruber gedenkort.at/personen/ccdfb424-e581-5217-b4aa-70e70e9ff0d0 austria-forum.org/af/Bilder_und_Videos/Historische_Bilder_IMAGNO/Gruber%2C_Karl/00482198 de.wikipedia.org/wiki/Karl_Gruber_(Politiker,_1909) Das Nachrichtennetz der ReichspostGemeinsam mit TTI (Telegraphentechnischer Inspektor) Karl Hirnschrott, der ebenfalls nach Berlin versetzt worden war, organisierte Karl Gruber innerhalb der Reichspost eine Nachrichtengruppe aus zuverlässigen österreichischen Beamten. Karl Hirnschrott leitete die Störleitstelle Berlin-Beelitz und besetzte diese gezielt mit österreichischen Mitarbeitern, darunter TTI Herbert Gugelberger, Telegrapheninspektor (TI) Stiegleithner, Neumann und Appel. Über dieses Netzwerk gelangten wichtige Informationen nach Innsbruck zu TTI Viktor Haberditzl, der seinerseits Nachrichten über die militärische Lage in Tirol und Oberitalien nach Berlin weiterleitete. Auf diese Weise entstand ein geheimer Informationsaustausch, der trotz der umfassenden Überwachung durch das nationalsozialistische Regime funktionierte. Lesen Sie mehr:Walder--Anton--Wderstandsgruppe-post-innsbruck-teil-1 Ing. Carl Hirnschrott - 3. Mai 1945 Ein europaweites InformationsnetzDie Nachrichtenzentrale der Reichspost war Teil eines weitreichenden Kommunikationssystems, das sich über zahlreiche besetzte Gebiete Europas erstreckte. Verbindungen bestanden unter anderem nach Paris, Kopenhagen und Mailand. Besonders wichtig war die Dienststelle in Mailand. Von dort erhielt Postrat (PR) Dipl.-Ing. Dr. Willy Rutscher während dienstlicher Besprechungen der Wehrmacht militärisch bedeutsame Informationen. Diese gelangten über Innsbruck nach Berlin und bildeten eine wertvolle Grundlage für die Arbeit des österreichischen Widerstands. Das Netzwerk verband technische Einrichtungen der Reichspost mit persönlichem Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung – eine außergewöhnliche Leistung unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur. Die Rückkehr nach InnsbruckAm 14. März 1945 kehrte Karl Gruber nach Innsbruck zurück. Offiziell befand er sich auf Urlaub, tatsächlich wollte er die Verbindung zu den Tiroler Widerstandsgruppen erneuern und deren Zusammenarbeit intensivieren. Zu seinen wichtigsten Gesprächspartnern gehörten TTI Viktor Haberditzl und PI Anton Walder, die bereits seit Jahren innerhalb der Gruppe Post Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. Wenige Wochen später trafen auch Karl Hirnschrott, Herbert Gugelberger und Stiegleithner in Innsbruck ein. Sie hatten ihre Dienststellen in Berlin eigenmächtig verlassen und schlossen sich der Tiroler Widerstandsbewegung an. Das entscheidende Treffen am 9. April 1945 Einen wichtigen Meilenstein bildete die Besprechung vom 9. April 1945, die auf Vermittlung von Anton Walder im Sanatorium der Kreuzschwestern an der Kettenbrücke in Innsbruck stattfand. Im Krankenzimmer von Ing. Herbert Gugelberger trafen sich Vertreter mehrerer Tiroler Widerstandsgruppen:
Mit diesem Treffen begann die letzte Phase der organisierten Widerstandsarbeit in Tirol. Lesen Sie mehr:Die _Würthle _Gruppe Haller _Anton _Widerstandsgruppe Hradetzky Widerstandsgruppe Die Befreiung Innsbrucks Im April 1945 entstand in Innsbruck eine gemeinsame Kommandozentrale der Gruppe Post. Karl Hirnschrott organisierte die Widerstandsgruppe neu und arbeitete eng mit Viktor Haberditzl, Hubert Schittelkopf und Anton Walder zusammen. Am 3. Mai 1945 erreichte ihre Tätigkeit ihren Höhepunkt. Mitglieder der Gruppe Post besetzten die ehemalige NS-Kreisleitung und übernahmen die Postdirektion. Oberpostrat (OPR) Dr. Bennat wurde zum provisorischen Leiter bestellt. Nur kurze Zeit später sendete der Ordnungsausschuss der Tiroler Widerstandsbewegung seine erste Rundfunkansprache aus dem Innsbrucker Landhaus. Wenige Stunden danach erreichten amerikanische Truppen die Stadt. Damit endete die nationalsozialistische Herrschaft in Innsbruck. Lesen Sie mehr:www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/artikel/das-kriegsende-in-tirol-die-befreiung-innsbrucksHistorische Bedeutung der AGFA-AFDie AGFA-AF war weit mehr als eine kleine Berliner Widerstandsgruppe. Sie bildete den strategischen Mittelpunkt eines österreichischen Nachrichtennetzes, das Berlin, Tirol und zahlreiche Orte im besetzten Europa miteinander verband. Durch den Einsatz von Dr. Karl Gruber, Karl Hirnschrott, Viktor Haberditzl, Anton Walder und ihren Mitstreitern konnten militärische Informationen weitergegeben, Kontakte zwischen verschiedenen Widerstandsorganisationen hergestellt und die Zusammenarbeit in den letzten Kriegswochen entscheidend verbessert werden. Die Vereinigung der Tiroler Widerstandsgruppen im Frühjahr 1945 schuf die Voraussetzungen für das koordinierte Handeln während der Befreiung Innsbrucks. Gleichzeitig zeigt die Geschichte der AGFA-AF, dass der österreichische Widerstand nicht auf einzelne Regionen beschränkt war, sondern über Ländergrenzen hinweg eng zusammenarbeitete. Gerade diese Verbindung zwischen Berlin und Tirol macht die AGFA-AF zu einem bislang wenig bekannten, aber bedeutenden Kapitel der österreichischen Widerstandsgeschichte. FazitDie Geschichte der AGFA-AF zeigt eindrucksvoll, dass der österreichische Widerstand weit über die Landesgrenzen hinauswirkte. Das Berliner Netzwerk um Dr. Karl Gruber verband Widerstandskämpfer der Reichspost mit den Gruppen in Tirol und leistete einen wichtigen Beitrag zum Informationsaustausch in den letzten Kriegsmonaten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Berlin und Innsbruck trug dazu bei, die Tiroler Widerstandsgruppen zu koordinieren und den Übergang zur Befreiung Innsbrucks im Mai 1945 vorzubereiten. Trotz ihrer historischen Bedeutung blieb die AGFA-AF lange Zeit weitgehend unbekannt und zählt noch heute zu den wenig erforschten Kapiteln der österreichischen Widerstandsgeschichte. Häufig gestellte Fragen (FAQ)Wer war Dr. Karl Gruber?Dr. Karl Gruber (1909–1995) war ein österreichischer Elektroingenieur, Diplomat und Widerstandskämpfer aus Innsbruck. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte er zur Berliner Widerstandsgruppe AGFA-AF und koordinierte den Nachrichtenaustausch zwischen österreichischen Widerstandsgruppen in Berlin und Tirol. Nach 1945 war er maßgeblich am Wiederaufbau Österreichs beteiligt und wurde später Außenminister der Zweiten Republik. Was war die AGFA-AF? Die AGFA-AF war eine österreichische Widerstandsgruppe in Berlin, die sich 1943 aus rund 80 antinationalsozialistisch eingestellten Österreichern bildete. Der Name war eine Tarnbezeichnung für „Antifaschistische Front“. Die Gruppe organisierte ein geheimes Nachrichtennetz und arbeitete eng mit Widerstandsgruppen in Tirol zusammen. Welche Rolle spielte die Gruppe Post?Die Gruppe Post war eine Widerstandsorganisation innerhalb der deutschen Reichspost in Tirol. Unter Persönlichkeiten wie Viktor Haberditzl, Anton Walder, Hubert Schittelkopf und später Karl Hirnschrott sammelte und übermittelte sie wichtige Informationen, unterstützte den Nachrichtendienst des Widerstands und spielte eine bedeutende Rolle bei der Befreiung Innsbrucks im Mai 1945. Welche Verbindung bestand zwischen Berlin und Tirol?Über das Nachrichtennetz der Reichspost standen die Berliner AGFA-AF und die Tiroler Gruppe Post in regelmäßigem Kontakt. Militärische und politische Informationen wurden zwischen Berlin, Innsbruck und weiteren Standorten in Europa ausgetauscht. Dieses Netzwerk trug wesentlich zur Zusammenarbeit der österreichischen Widerstandsbewegung in den letzten Kriegsmonaten bei. Warum ist die AGFA-AF heute noch bedeutend?Die AGFA-AF verdeutlicht, dass der österreichische Widerstand nicht nur regional, sondern auch überregional organisiert war. Die Gruppe verband Widerstandskämpfer in Berlin mit jenen in Tirol und leistete einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung der Machtübernahme durch den Widerstand während der Befreiung Innsbrucks im Mai 1945. Wer gehörte zur AGFA-AF?Die AGFA-AF (Antifaschistische Front) bestand aus rund 80 antinationalsozialistisch gesinnten Österreichern in Berlin. Zu ihren Mitgliedern zählten vor allem Post- und Fernmeldebeamte, Ingenieure, Industrieangestellte und Offiziere, die ihre beruflichen Positionen nutzten, um geheime Informationen weiterzugeben und den österreichischen Widerstand zu unterstützen. Dienstgrade der ReichspostTTI (Telegraphentechnischer Inspektor) war eine Dienstbezeichnung innerhalb der österreichischen bzw. später der deutschen Post- und Telegraphenverwaltung. Telegraphentechnische Inspektoren waren für den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Fernmelde- und Nachrichtenanlagen verantwortlich und verfügten über umfassende technische Fachkenntnisse. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten einige dieser Beamten ihre Schlüsselpositionen innerhalb der Reichspost, um geheime Informationen weiterzugeben und den österreichischen Widerstand zu unterstützen. TI (Telegrapheninspektor) war eine Dienstbezeichnung im gehobenen technischen Dienst der Post- und Telegraphenverwaltung. Telegrapheninspektoren waren für den Betrieb, die Überwachung und die Organisation des Fernmelde- und Telegraphennetzes verantwortlich. Aufgrund ihrer technischen Kenntnisse und ihrer Tätigkeit innerhalb der Reichspost verfügten sie über Zugang zu wichtigen Nachrichtenverbindungen. Einige nutzten diese Schlüsselstellung während des Zweiten Weltkriegs, um den österreichischen Widerstand durch die Weitergabe von Informationen zu unterstützen. PR (Postrat) war eine Dienstbezeichnung des höheren Dienstes in der Postverwaltung. Posträte waren für die Leitung, Organisation und Verwaltung größerer Dienststellen oder Fachbereiche verantwortlich. OPR (Oberpostrat) war eine höhere Dienstbezeichnung innerhalb der Postverwaltung. Oberposträte übernahmen leitende Funktionen in Postdirektionen oder zentralen Verwaltungsstellen und trugen die Verantwortung für umfangreiche organisatorische und personelle Aufgaben. PI (Postinspektor) war eine Dienstbezeichnung im gehobenen Dienst der Postverwaltung. Postinspektoren waren für die Leitung und Organisation des Postbetriebs sowie für Verwaltungs- und Aufsichtsaufgaben innerhalb von Postämtern und anderen Dienststellen verantwortlich.
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