Einfache Soldaten im WiderstandDer späte rechtliche Schritt, Deserteure pauschal als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus anzuerkennen, war ein bedeutender Meilenstein. Erst durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege vom September 1998 sowie den Beschluss des Deutschen Bundestages vom 17. Mai 2002 wurden die Urteile gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und sogenannte "Wehrkraftzersetzer" offiziell als NS-Unrecht aufgehoben. Dass dieser Schritt der gesellschaftlichen und juristischen Rehabilitierung erst so spät erfolgte, zeigt, wie langwierig die Aufarbeitung dieser Geschichte war. Im Jahr 2002/2009 wurden Wehrdienstverweigerer und Desserteure der deutschen Wehrmacht offiziell als Opfergruppe des Nationalsozialismus anerkannt und in den Kreis derjenigen aufgenommen, die Anspruch auf Unterstützung aus dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus haben. Für jeden einzelnen Mann, der diesen gefährlichen Weg ging, bedeutete die Desertion eine unmittelbare, existenzielle Bedrohung. Die NS-Militärjustiz ging mit äußerster Härte vor. Bereits die "unbefugte Abwesenheit von der Truppe" konnte bestraft werden. Bei einer geplanten Fahnenflucht, die oft die einzige Möglichkeit zur Verweigerung darstellte, drohte regelmäßig die Todesstrafe. Schätzungen zufolge wurden etwa 15.000 bis 23.000 Todesurteile gegen Wehrmachtsangehörige vollstreckt, ein Großteil davon wegen Desertion. Die Militärpolizei (Feldgendarmerie) und die Geheime Feldpolizei waren aktiv auf der Jagd nach Fahnenflüchtigen. Anton Walder, der im Wehrmeldeamt Innsbruck falsche Papiere für Desserteure ausstellte, hat damit unter großer Gefahr für das eigene Leben gehandelt und vielen Menschen möglicherweise das Leben gerettet. (Siehe Blog Anton Walder I und II) Adolf, Ferdinand Häninger (1920 – 2004): Ein österreichischer Soldat im norwegischen WiderstandLaut einer Aufzeichnung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes vom 27. November 1945 desertierte der Tiroler Adolf, Ferdinand Häninger (1920-2004) aus der deutschen Wehrmacht und schloss sich dem norwegischen Widerstand an. Adolf, Ferdinand Häninger wurde am 26. Januar 1920 in Hall in Tirol geboren und gehörte der evangelischen Glaubensgemeinschaft an. Bevor er zum Militär eingezogen wurde, war er als Arbeiter beim Stadtbauamt Innsbruck beschäftigt. Anders als viele andere Kriegsteilnehmer kehrte er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht in seine Geburtsstadt zurück, sondern blieb in Norwegen. Dort starb er 84-jährig im Jahr 2004 in der Kommune Nesbyen, Norway. Richard Huber aus Innsbruck.Zur selben Widerstandsgruppe wie Adolf, Ferdinand Häninger gehörte ein weiterer Tiroler: Richard Huber aus Innsbruck. Huber war von Dezember 1944 bis März 1945 als deutscher Soldat im Lager „Rotterdam“ in Algard stationiert. Während dieser Zeit knüpfte er Kontakte zur norwegischen Widerstandsbewegung, der er Informationen über deutsche Truppenbewegungen und Verteidigungsmaßnahmen zukommen ließ. Er erklärte zudem seine Bereitschaft, sich im Falle einer Invasion auf die Seite der Norweger zu stellen.
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