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<channel><title><![CDATA["Nationalsozialismus in Hall in Tirol: NS-Widerstand, Verfolgung und Schicksale" - Maria Mair die geheime Rettung der Madonna]]></title><link><![CDATA[https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/maria-mair-die-geheime-rettung-der-madonna]]></link><description><![CDATA[Maria Mair die geheime Rettung der Madonna]]></description><pubDate>Wed, 22 Apr 2026 09:45:18 -0700</pubDate><generator>Weebly</generator><item><title><![CDATA[Maria Mair (1908-1990) die Frau, die Widerstand möglich machte und Ihr Ehemann Dr. Josef Mair ​(1909-1986)]]></title><link><![CDATA[https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/maria-mair-die-geheime-rettung-der-madonna/die-frau-die-widerstand-moglich-machte-maria-mair-1908-1990]]></link><comments><![CDATA[https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/maria-mair-die-geheime-rettung-der-madonna/die-frau-die-widerstand-moglich-machte-maria-mair-1908-1990#comments]]></comments><pubDate>Sat, 14 Feb 2026 15:07:22 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/maria-mair-die-geheime-rettung-der-madonna/die-frau-die-widerstand-moglich-machte-maria-mair-1908-1990</guid><description><![CDATA[   (function(jQuery) {function init() { window.wSlideshow && window.wSlideshow.render({elementID:"640418332456495788",nav:"none",navLocation:"bottom",captionLocation:"bottom",transition:"fade",autoplay:"1",speed:"5",aspectRatio:"auto",showControls:"true",randomStart:"false",images:[{"url":"1\/4\/4\/3\/144346304\/20240531-072436.jpg","width":800,"height":554,"fullHeight":762,"fullWidth":1100},{"url":"1\/4\/4\/3\/144346304\/img-7962.jpeg","width":551,"height":800,"fullHeight":800,"fullWidth":551}, [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="wsite-spacer" style="height:50px;"></div>  <div><div style="height:20px;overflow:hidden"></div> <div id='640418332456495788-slideshow'></div> <div style="height:20px;overflow:hidden"></div></div>  <div class="paragraph">Fotos Familie &nbsp;Dr. Josef und Maria Mair geb. Ghedina. In Privatarchiv Mag. Thomas Mair Hall in Tirol.</div>  <div class="wsite-spacer" style="height:50px;"></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong>Historischer Hintergrund: Das Kloster Maria Waldrast und die Rettung des Gnadenbildes</strong></h2>  <div><div class="wsite-image wsite-image-border-none " style="padding-top:10px;padding-bottom:10px;margin-left:0;margin-right:0;text-align:center"> <a> <img src="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/uploads/1/4/4/3/144346304/published/mariawaldrast.jpg?1771347237" alt="Picture" style="width:337;max-width:100%" /> </a> <div style="display:block;font-size:90%"></div> </div></div>  <div class="paragraph"><font size="2">Foto Maria Waldrast. Online,&nbsp;<br /><a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/MariaWaldrast.jpg">https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/MariaWaldrast.jpg</a>&nbsp;(Stand: 17.2..2026)</font></div>  <div class="paragraph"><span>Hoch &uuml;ber dem Wipptal, auf 1638 Metern, liegt das Kloster Maria Waldrast &ndash; einer der &auml;ltesten und bekanntesten Marienwallfahrtsorte Tirols. Gegr&uuml;ndet wurde es im Jahr 1407, nachdem zwei Hirtenknaben in einem hohlen L&auml;rchenstamm ein geschnitztes Muttergottesbild entdeckt hatten. Diese Madonna mit Kind (um 1420) wurde bald zum Ziel unz&auml;hliger Pilger.&nbsp;</span><span>Die Geschichte des Klosters war immer wieder von Br&uuml;chen gepr&auml;gt: 1785 hob Kaiser Joseph II. das Kloster auf, die M&ouml;nche mussten weichen, das Gnadenbild wurde nach Mieders gebracht. Erst 1844 konnte der Serviten Orden die Ruinen zur&uuml;ckkaufen und Kloster und Kirche bis 1912 wieder aufbauen.&nbsp;Das Gnadenbild kehrte 1848 feierlich zur&uuml;ck.</span><br /><span>Diese wechselvolle Geschichte wiederholte sich in der NS-Zeit: Am 8. April 1941 wurde das Kloster erneut aufgehoben, die Patres vertrieben. Sie konnten erst nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahr 1945 zur&uuml;ckkehren.&nbsp;</span></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong>Aufl&ouml;sung und Beschlagnahme des Wallfahrtsklosters Maria Waldrast 8. April 1941</strong></h2>  <div><div class="wsite-image wsite-image-border-none " style="padding-top:10px;padding-bottom:10px;margin-left:0;margin-right:0;text-align:center"> <a> <img src="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/uploads/1/4/4/3/144346304/published/cover-waldrast-2.jpeg?1771348026" alt="Picture" style="width:354;max-width:100%" /> </a> <div style="display:block;font-size:90%"></div> </div></div>  <div class="paragraph"><font size="2">Foto: Maria Waldrast Mutter Gottes - &nbsp;Mutter und Vater erz&auml;hlen von der Waldrast. In: Privatarchiv Mag. &nbsp;Mair Hall in Tirol.</font></div>  <div class="paragraph">Es war ein Tag, der den Menschen im Stubai- und Wipptal f&uuml;r immer im Ged&auml;chtnis bleiben sollte: der 8. April 1941. An diesem Dienstag erschien die Gestapo auf der Waldrast und machte radikal Schluss mit einer Jahrhunderte alten Tradition. Das Wallfahrtskloster wurde aufgel&ouml;st, die Geb&auml;ude &ndash; sowohl Kloster als auch Kirche &ndash; wurden beschlagnahmt. Die Servitenpatres, die seit Generationen die Wallfahrten betreut und den Gnadenort geh&uuml;tet hatten, erhielten den Befehl, innerhalb weniger Stunden nicht nur das Kloster, sondern den gesamten Gau Tirol-Vorarlberg zu verlassen.<br />Was wie ein b&uuml;rokratischer Akt klang, war in Wahrheit ein Schlag ins Herz des katholischen Glaubens in der Region. Die Patres durften nur das N&ouml;tigste mitnehmen, einige von ihnen fanden schlie&szlig;lich im Servitenkloster in Wien Unterschlupf. Zur&uuml;ck blieb eine leere Kirche, eine verwaiste Klosteranlage &ndash; und ein wertvolles Gnadenbild, die 66 cm hohe bekr&ouml;nte Lindenholzfigur der Madonna mit Kind, deren Schicksal nun v&ouml;llig ungewiss war. Die Nazis quartierten im Wirtschaftsgeb&auml;ude eine SS-Einheit ein, die Kirche blieb versperrt. Wallfahrten waren fortan verboten.<br />Doch gerade dieses Verbot sollte den Widerstand erst richtig entfachen. Nur wenige Tage sp&auml;ter, am 17. April, traf man sich im Glasnhof in Sch&ouml;fens &ndash; angeblich zur Feier der Geburt des kleinen Michael Mair, in Wahrheit aber, um &uuml;ber die Rettung des Gnadenbildes zu beraten. Was dann geschah, ist eine Geschichte von Mut und Gottvertrauen, von stillen Helden und einer Mutter, die inmitten von Angst und Gefahr ihre Familie zusammenhielt.</div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Als der Glaube zur Gefahr wurde: Die geheime Rettung der Madonna von Maria Waldrast</span></strong></h2>  <div class="paragraph">Der <strong>8. April 1941 </strong>markierte einen traurigen Einschnitt in der Tiroler Kirchengeschichte. Die Nationalsozialisten hoben das Servitenkloster Maria Waldrast bei Matrei am Brenner auf, vertrieben die Patres und enteigneten das Kloster. Es war Teil der systematischen Kirchenverfolgung, die nach dem "Anschluss" &Ouml;sterreichs 1938 &uuml;ber das Land hereinbrach. Kl&ouml;ster wurden geschlossen, religi&ouml;ses Leben sollte zur&uuml;ckgedr&auml;ngt werden. Doch gerade in dieser dunkelsten Zeit geschah etwas Unerwartetes: Der Glaube lie&szlig; sich nicht so einfach zum Schweigen bringen.<br />In dieser angespannten Lage formierte sich leiser, aber entschlossener Widerstand. Im Zentrum stand das Ehepaar&nbsp;<strong>Dr. Josef Mair (1909&ndash;1986)</strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Maria Mair, geborene Ghedina (1908&ndash;1990)</strong>&nbsp;vom "Glasnhof" in Sch&ouml;fens 7/8, Gemeinde Pfons/Matrei am Brenner. Josef Mair, promovierter Jurist und Di&ouml;zesanjugendf&uuml;hrer, war den Beh&ouml;rden bereits mehrfach ins Visier geraten. Er hatte schon zwei Verhaftungen hinter sich und musste bei seiner letzten Entlassung unterschreiben, dass ihn eine dritte Verhaftung ins Konzentrationslager bringen w&uuml;rde. Maria Mair, eine kluge und besonnene Frau, stand ihm stets zur Seite und sollte bald eine entscheidende Rolle spielen.<br />Gemeinsam mit&nbsp;<strong>Bischof DDr. Paulus Rusch (1903&ndash;1986)</strong>&nbsp;und dem Priester&nbsp;<strong>Michael Weisskopf (1891&ndash;1966)</strong>&nbsp;entwickelte <strong>Dr. Josef Mair</strong> einen gewagten Plan: Das wertvolle Gnadenbild der Madonna von Maria Waldrast, eine sp&auml;tgotische 66 cm hohe, bekr&ouml;nte Linden-Holzfigur aus dem 15. Jahrhundert, sollte vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht werden. Doch der Bischof und die Geistlichen konnten sich nicht selbst in Gefahr bringen. Sie brauchten mutige M&auml;nner, die bereit waren, das &Auml;u&szlig;erste zu wagen.<br />Diese M&auml;nner fanden sich in&nbsp;<strong>Hans Madersbacher</strong>&nbsp;<strong>(1920&ndash;1945)</strong> und&nbsp;<strong>Franz Mair (1921&ndash;1944)</strong>, dem Bruder von Josef Mair. Zwei junge Burschen aus dem Wipptal, unerschrocken und beherzt, die sich zutrauten, in einer eiskalten Aprilnacht auf die Waldrast zu steigen und die Madonna heimlich aus der verschlossenen Kirche zu holen.&nbsp;<br />Ich habe das gro&szlig;e Gl&uuml;ck, dass mir einzigartige Audioaufnahmen vorliegen, in denen Maria und Josef Mair pers&ouml;nlich schildern, wie sie damals vorgingen. In den n&auml;chsten Kapiteln werde ich diese historischen Tondokumente vorstellen und die faszinierende, fast filmreife Geschichte erz&auml;hlen, wie die Entwendung der Madonna bewerkstelligt wurde &ndash; eine Geschichte von Mut, Verschwiegenheit und tiefem Glauben in finsterer Zeit.</div>  <div><div class="wsite-image wsite-image-border-none " style="padding-top:10px;padding-bottom:10px;margin-left:0;margin-right:0;text-align:center"> <a> <img src="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/uploads/1/4/4/3/144346304/published/photo-2026-02-27-14-30-15.jpg?1772739635" alt="Picture" style="width:262;max-width:100%" /> </a> <div style="display:block;font-size:90%"></div> </div></div>  <div class="paragraph"><span>Foto Maria und Michael Mair (1941). In: Privatarchiv Mag. Mair Hall in Tirol.</span></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><span style="color:rgb(15, 17, 21)"><font size="5">Maria Mairs Nacht der Angst &ndash; und des stillen Heldentums</font></span></strong></h2>  <div class="paragraph"><span style="color:rgb(15, 17, 21)">W&auml;hrend die M&auml;nner die Pl&auml;ne schmiedeten und die Buben sich in der eiskalten Aprilnacht auf den Weg zur versperrten Kirche machten, war es eine Frau, die zu Hause das Schlimmste erwartete &ndash; und dennoch alles zusammenhielt.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Maria Mair, Mutter von f&uuml;nf Kindern, war erst f&uuml;nf Wochen zuvor von ihrem Sohn Michael entbunden worden. Die Geburt war schwer gewesen, und die Nacht des 17. April 1941 fand sie geschw&auml;cht, mit starken Blutungen und immer wieder von &Uuml;belkeit geplagt. Ihr Mann Josef war nach Innsbruck gefahren &ndash; nicht nur, um mit den Theologiestudenten die Wallfahrt zu besprechen, sondern vor allem, um ein Alibi zu haben. Denn er war bereits zweimal von der Gestapo verhaftet worden, und eine dritte Verhaftung h&auml;tte das Konzentrationslager bedeutet.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Maria blieb allein zur&uuml;ck mit ihrer Angst.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Um 11 Uhr nachts brachen Franz Mair und Hans Madersbacher vom Glasnhof auf. Ihr Ziel: die versperrte Kirche von Maria Waldrast, besetzt von der SS, bewacht von der Gestapo. Ihr Auftrag: die heimliche Entwendung des wertvollen Gnadenbildes.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Maria wartete. Die Uhr in der Stube tickte, Minute f&uuml;r Minute. "Ich konnte kein Auge zutun", erinnert sie sich in den Aufnahmen. "Mir war vor Aufregung spei&uuml;bel, ich musste immer wieder hinausgehen und mich &uuml;bergeben. Ich dachte, das halte ich nicht aus."<br /></span><br /><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">2 Uhr &ndash; niemand kam.<br />Halb 3 &ndash; nichts.<br />3 Uhr &ndash; Stille.<br />Halb 4 &ndash; noch immer keine Spur von den Buben.<br /></span><br /><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">In ihrer Verzweiflung begann Maria zu beten &ndash; nicht f&uuml;r sich selbst, sondern zu der Frau, die sie nun zu retten versuchte. "Ich habe zur Waldrast Mutter Gottes gebetet, sie ist mir bei der Geburt vom Michael beigestanden. Ich habe nicht geglaubt, dass ich diese Niederkunft &uuml;berleben w&uuml;rde. Da hab ich ihr versprochen, dass ich ihr helfe, wenn sie in Not ist, so wie sie mir in meiner Not beigestanden ist."</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Dieses Versprechen hatte sie bereits gegeben, noch bevor sie wusste, was kommen w&uuml;rde. Und nun, in dieser endlosen Nacht, wurde es eingel&ouml;st.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">W&auml;hrend sie betete, qu&auml;lten sie immer neue Gedanken: Was, wenn die Buben entdeckt wurden? Die SS war oben auf der Waldrast, ein Erschie&szlig;ungskommando schnell bereit. "Auf der Flucht in den R&uuml;cken geschossen &ndash; wie leicht geht das", dachte sie. Und dann die andere Angst: Wenn die Gendarmen jetzt kamen und das offene Loch in der K&uuml;che fanden, die Grube, die Josef f&uuml;r das Versteck der Madonna ausgehoben hatte &ndash; was dann? Sie konnte nicht einmal sagen, sie h&auml;tte nichts gewusst.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Um Viertel vor vier &ndash; es war l&auml;ngst stockdunkel, aber der Morgen k&uuml;ndigte sich an &ndash; h&ouml;rte sie endlich Schritte.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Die Buben waren zur&uuml;ck.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Was sie dann sah, lie&szlig; ihr das Herz noch einmal stocken: Auf dem R&uuml;cken trug Franz den Rucksack, und heraus ragte der Kopf der Madonna &ndash; bis zu den Schultern sichtbar. "Wenn die Buben jemand gesehen h&auml;tte", denkt Maria noch heute. "Buben eben, sie haben nicht nachgedacht."</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Doch sie hatten es geschafft.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">In der K&uuml;che stellten sie die Statue auf den Tisch. Maria schenkte ihnen einen Schnaps ein. Der Hansl trank, der Franzl nicht. Aufgeregt waren sie beide. Sie zeigten ihr die Per&uuml;cke der Madonna &ndash; aus echtem Haar &ndash; und das himmelblaue Seidengewand mit den silbernen Stickereien. "Das verbrennen wir", sagten sie. "Nicht, dass die Gendarmen etwas finden."</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Doch als Maria vorschlug, die Statue wie geplant in der Grube vor dem Herd zu verstecken, wehrte Franz ab. "Nein, da tu ich sie nicht hinein. Da ist es viel zu feucht f&uuml;r sie." Stattdessen trug er sie hinauf auf die Tenne und verbarg sie tief unten in der Korntruhe, ganz unter dem Korn. "Da sieht sie keiner", sagte er. Und Maria, die Mutter, die an diesem Morgen schon so viel durchlitten hatte, nickte. Sie konnte es ihm nicht abschlagen.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Erst am n&auml;chsten Tag erfuhren sie, warum die Buben so lange gebraucht hatten: Auf der Waldrast hatte eine Kuh gekalbt, der Tierarzt war da, Menschen gingen zwischen Stall und Gasthaus hin und her. Die Buben mussten sich stundenlang im Wald verstecken, in der eisigen K&auml;lte, und warten, bis endlich Ruhe einkehrte. Keiner hatte gewusst, dass in dieser Nacht ein Kalb zur Welt kommen w&uuml;rde &ndash; nicht die Buben, nicht Josef, nicht Maria. Es war ein Zufall, der sie fast verraten h&auml;tte.<br />Und als sie endlich einsteigen konnten, fiel die goldene Krone des Jesuskindes zu Boden. In der v&ouml;lligen Stille der Kirche klang das Klirren ohrenbet&auml;ubend. Aber niemand h&ouml;rte es.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Maria Mair hatte in dieser Nacht nicht nur gewartet. Sie hatte gebetet, gezittert, sich &uuml;bergeben vor Angst &ndash; und sie hatte durchgehalten. Als die Buben kamen, war sie da. Als die Statue gerettet werden musste, half sie. Und als am n&auml;chsten Tag die ersten Verhaftungen begannen, als Msgr. Weisskopf und Msgr. Kolb ins Gef&auml;ngnis kamen, als die Gestapo das ganze Tal durchk&auml;mmte &ndash; da schwieg sie.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">In den Audioaufnahmen, die ich besitze, spricht Maria Mair mit ruhiger Stimme &uuml;ber diese Nacht. Aber zwischen den Worten h&ouml;rt man die Ersch&uuml;tterung, die sie bis heute nicht losgelassen hat. Sie war keine Frau, die auf die Barrikaden stieg. Sie war eine Mutter, eine gl&auml;ubige Katholikin. Und in jener Nacht wurde sie zur H&uuml;terin eines Geheimnisses, das &uuml;ber Leben und Tod entscheiden konnte.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Die Madonna von Maria Waldrast wurde gerettet. Aber ohne Maria Mair &ndash; ohne ihre Angst, ihre Tr&auml;nen, ihr Gebet und ihre unersch&uuml;tterliche Treue zu einem Versprechen &ndash; w&auml;re alles anders gekommen.</span><br /><span></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)"></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)"></span><span style="color:rgb(15, 17, 21)"></span></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><span style="color:rgb(15, 17, 21)">"Das ist unser Grund und Boden!" &ndash; Als die Tiroler der Gestapo die Stirn boten</span></strong></h2>  <div class="paragraph"><span style="color:rgb(15, 17, 21)">W&auml;hrend in der Nacht zum 18. April 1941 Franz Mair und Hans Madersbacher die Madonna aus der versperrten Kirche von Maria Waldrast holten, ahnte noch niemand, welche Explosion sich nur zwei Tage sp&auml;ter am Berg ereignen sollte. Die geheime Rettung des Gnadenbildes war gegl&uuml;ckt &ndash; doch die Wallfahrt am Sonntag, dem 20. April 1941, w&uuml;rde zur offenen Kraftprobe zwischen den Tiroler Gl&auml;ubigen und der Gestapo werden.</span><br /><span></span></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Eine Wallfahrt als Bekenntnis</span></strong></h2>  <div class="paragraph"><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Was als spontanes Gespr&auml;ch in der Stube des Glasnhofs begonnen hatte, war zu einer mutigen Demonstration zusammengewachsen. Die Theologiestudenten Reinhold Stecher, Hermann Lugger und der Jungpriester Georg Schuchter hatten in ihren Heimatorten daf&uuml;r geworben, am "Wei&szlig;en Sonntag" &ndash; ausgerechnet am Geburtstag Adolf Hitlers &ndash; zur versperrten Kirche hinaufzuziehen. Kein Protestruf, kein politisches Manifest &ndash; einfach nur beten, dort, wo es verboten war. Ein stiller, aber umso kraftvollerer Widerstand.</span><br /><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Und die Menschen kamen. Aus dem Stubai- und Wipptal, aus Steinach, aus Sch&ouml;nberg, sogar aus Innsbruck str&ouml;mten sie den Berg hinauf. M&auml;nner und Frauen, junge Burschen und alte B&auml;uerinnen, Kinder im Kommunionalter in wei&szlig;en Kleidern und dunklen Anz&uuml;gen. Sie alle wollten ein Zeichen setzen: Denn Glauben l&auml;sst sich nicht verbieten.</span></div>  <div class="wsite-scribd">			  			 				<div id="523132371791332087-pdf-fallback" style="display: none;"> 					Your browser does not support viewing this document. Click <a href="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/uploads/1/4/4/3/144346304/onb_ibn_19451110.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">here</a> to download the document. 				</div> 				<div id="523132371791332087-pdf-embed" style="display: none; height: 500px;"> 				</div>  				 			</div>  <div class="paragraph"><font size="2">Tiroler Tageszeitung, Nr. 129/1. Jahrgang Samstag, 10. November 1945, S. 2. (Artikel Maria Waldrast. Ein Gang durch f&uuml;nf Jahrhunderte. 1938! und entf&uuml;hrten das Gnadenbild. ) Online unter,&nbsp;<a href="https://anno.onb.ac.at/">https://anno.onb.ac.at/</a>, (Stand: 12.3.2026)</font></div>  <div class="paragraph">Der Abschnitt beschreibt die Ereignisse rund um das Kloster bzw. Heiligtum&nbsp;<strong>Maria Waldrast</strong>&nbsp;w&auml;hrend der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. Nach dem politischen Umbruch von 1938 geriet das religi&ouml;se Leben zunehmend unter Druck. Kirchliche Einrichtungen und Wallfahrtsorte wurden von den Beh&ouml;rden misstrauisch beobachtet und teilweise verfolgt.<br />Besonders einschneidend war ein Ereignis in der Karwoche&nbsp;<strong>1941</strong>: Eine Gruppe von etwa zwanzig Gestapo-Beamten erschien in Maria Waldrast und f&uuml;hrte eine gewaltsame Durchsuchung durch. Die Ordensgemeinschaft wurde aufgel&ouml;st, f&uuml;hrende Geistliche &ndash; darunter der Prior &ndash; wurden festgenommen und abgef&uuml;hrt. Die Beh&ouml;rden erkl&auml;rten die Gemeinschaft zu &bdquo;staatsfeindlich&ldquo;, woraufhin das gesamte Eigentum beschlagnahmt wurde.<br />Damit endete vorl&auml;ufig das traditionelle religi&ouml;se Leben an diesem Wallfahrtsort. Die Ma&szlig;nahmen spiegeln die allgemeine Politik des NS-Staates wider, kirchliche Institutionen zu kontrollieren, einzuschr&auml;nken oder aufzul&ouml;sen, wenn sie als ideologisch unerw&uuml;nscht galten. Originaltext:&nbsp;<br /><br /><em>"Da alle Einspr&uuml;che und Proteste des Wortf&uuml;hrers des Konventes Dr. Pater Albuin M. Klingler ergebnislos blieben und die Gestapo bei ihrer &bdquo;Proklamation&ldquo; beharrte, versammelte sich der Konvent zum Abschied in der Kirche, sang das &bdquo;Salve Regina&ldquo; und betete ein &bdquo;Te deum&ldquo;. Pater Albuin M. Klingler &uuml;bertrug das Allerheiligste in die Dekanatskirche Matrei. Alle Bitten, auch das Gnadenbild nach Matrei &uuml;bertragen zu d&uuml;rfen, wurden von der Gestapo barsch abgewiesen. So blieb das Gnadenbild&nbsp;&nbsp;verwaist in der violett verh&uuml;llten, von der&nbsp;&nbsp;Gestapo verschlossenen Kirche &bdquo;als Gefangene&ldquo; zur&uuml;ck. Doch dessen Bleibens war nicht lange. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag nach dem Osterfest, 17. bis 18. April, brachen Unbekannte in die Kirche ein und&nbsp;<strong>entf&uuml;hrten das Gnadenbild.</strong><br />Dieser &bdquo;Raub&ldquo; entfesselte die ganze Wut der Gestapo und l&ouml;ste viele Hausdurchsuchungen und Verhaftungen aus. Es steht dies wohl noch in zu guter Erinnerung, als dass es noch ausf&uuml;hrlicher beschrieben werden m&uuml;sste.&nbsp;</em><br /><em>Die Kirche wurde anscheinend nicht profaniert, aber geschlossen und ihres Inventars beraubt, soweit es f&uuml;r die Kirchenst&uuml;rmer nicht wertlos war. So wurden alle Paramente und Metallsachen, sowie die ganze Kirchenw&auml;sche geraubt, soweit nicht vor der Vertreibung der Serviten das mutige Zugreifen Pater Albuins die besten Kirchensachen &bdquo;rettete&ldquo;. &ndash; Da von Seiten der Gestapo dem &bdquo;R&auml;uber&ldquo; die schwersten Strafen angedroht wurden und anderseits das Gnadenbild selbst der unerm&uuml;dlichen Nachforschung wegen zu sehr gef&auml;hrdet war, wurde es heimlich nach Neuwied bei K&ouml;ln gebracht. Nun ist es wieder aus der Verbannung und Fremde zur&uuml;ckgekehrt und will &ndash; nachdem Dr. Pater Albuin M. Klingler als bestellter Treuh&auml;nder im Namen der Serviten am 12. Juli 1945 von der Waldrast wieder Besitz ergriff &ndash; das letzte St&uuml;cklein Bergweg in seine Heim antreten, will Waldrast wieder zu Maria Waldrast machen, zu einem neuen Quellgrund des Segens f&uuml;r Volk und Heimat. " (Provinzial der Serviten P. Innozenz M. Krub)</em><br /><br /></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Die Rettung des Gnadenbildes von Maria Waldrast</span></strong></h2>  <div class="paragraph"><span style="color:rgb(15, 17, 21)">Nach der Aufhebung des Serviten Klosters Maria Waldrast durch die Nationalsozialisten am 8. April 1941 stand das wertvollste Gut des Wallfahrtsortes vor dem Zugriff der Beh&ouml;rden: das Gnadenbild, eine sp&auml;tgotische Madonna aus dem 15. Jahrhundert. Auf Initiative von Bischof DDr. Paulus Rusch und Dr. Josef Mair vom "Glasnhof" in Sch&ouml;fens entstand ein gewagter Rettungsplan. In einer eiskalten Aprilnacht brachen Franz Mair (1921&ndash;1944) und Hans Madersbacher (1920&ndash;1945) in die versperrte Kirche ein, entnahmen die Statue und brachten sie in einem geheimen Versteck am Glasnhof unter. Die beiden jungen M&auml;nner entgingen der Gestapo &ndash; doch sie sollten die R&uuml;ckkehr der Madonna nicht mehr erleben. Beide fielen an der Front. Im Auftrag des Bischofs wurde die Madonna anschlie&szlig;end von Alfons Brands per Bahn an den Niederrhein gebracht, wo sie wechselnde Verstecke fand &ndash; zeitweise im Pfarrhaus von Nachtsheim, sp&auml;ter in einem Bunker des Zementwerks Dyckerhoff in Neuwied. Erst nach Kriegsende erm&ouml;glichte Kaplan Karl Loven die R&uuml;ckf&uuml;hrung. Am 11. November 1945 kehrte das Gnadenbild feierlich in einer gro&szlig;en Prozession nach Maria Waldrast zur&uuml;ck, wo es bis heute verehrt wird.&nbsp;<span>Bis heute zeugen Votivtafeln und Pilgerspuren von der tiefen Verbundenheit der Tiroler Bev&ouml;lkerung mit 'ihrer' Muttergottes auf der Waldrast.</span></span><br /><span></span></div>  <h2 class="wsite-content-title"><strong>lesen Sie mehr:</strong></h2>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><font size="6"><a href="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/die-tiroler-wallfahrt---20-april-1941.html">Die Tiroler Wallfahrt 1941</a></font></strong></h2>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><font size="6"><a href="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/dr-josef-mair.html">Dr. Josef Mair</a></font></strong></h2>  <h2 class="wsite-content-title"><strong><font size="6"><a href="https://www.ns-widerstand-hallintirol.com/pfarrer-msgr-dr-franz-kolb.html">Msgr. 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